Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 15. bis 21. August 2005

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar

Gundalai wohlauf
Aufregung um den Abgeordneten L. Gundalai: Nachdem sie zwei Tage von ihrem Mann nichts gehört hatte, alarmierte seine Frau Azzaya die Behörden.
Gundalai war mit Mitarbeitern, Freunden und einem amerikanischen Gast sowie dessen mongolischer Dolmetscherin am Morgen des 13. August mit dem Boot von Khatgal über den Khuvsgul-See nach Khankh aufgebrochen, um sich in Turag mit Bürgern seines Wahlkreises zu treffen.
Am Montag, um 14:00, flogen zwei Suchmannschaften, insgesamt 20 Personen, von Ulaanbaatar über Murun, Khatgal in Richtung Khankh, um die Vermissten zu suchen.
Die Rettungsmannschaften wurden vom Minister für Ausnahmesituationen, U. Khurelsukh, angeführt. Mit ihm im Flugzeug saßen u. a. Polizeichef Sandag-Ochir und der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses für Außenpolitik und Sicherheit M. Enkhsaikhan.
Am Montagabend wurden die zehn Verunglückten auf einer Insel im Khuvsgul – gesund, aber nervlich etwas mitgenommen - entdeckt.
Die Zehn waren bei schönem Wetter losgefahren, am Nachmittag wurde die See stürmischer und stürmischer, durch den hohen Wellengang wurde das Boot beschädigt, später ging auch der Motor entzwei. Die Wellen spielten mit dem Boot wie mit einer Nussschale. „Erst gegen 02:00 in der Nacht zum 14. wurde es ruhiger und wir ruderten in Richtung Insel. Nach sieben oder acht Stunden hatten wir sie erreicht". So schilderte L. Gundalai die Odyssee über das „mongolische Meer". Auf der Insel entzündeten die Schiffbrüchigen ein Feuer, um eventuell auf sich aufmerksam zu machen, Telefonverbindung konnte nicht hergestellt werden, das andere Ufer war ca. 30 Kilometer entfernt.
Gundalai merkte weiter an, das stürmische Wetter mit hohem Seegang sei für diese Jahreszeit ungewöhnlich, normalerweise müsste erst ab September damit gerechnet werden.


Die Höhle des gelben Hundes. Hauptdarsteller mit Regisseurin

„Die Höhle des gelben Hundes" oder die Sehnsucht nach einer heilen Welt
„Immer, wenn ich mit dir spielen will, schläfst du", hadert Nansal, das siebenjährige Nomadenmädchen mit Zokhor, ihrem schwarz-weißen Hund, den es vor nicht allzu langer Zeit aus einer Höhle gerettet hat.
So endet der zweite Film von Davaagiin Byambasuren „Die Höhle des gelben Hundes", der am 18. August in Ulaanbaatar das erste Mal zu sehen war.
Bereits mit dem Dokumentarspiel „Das weinende Kamel" gelang der mongolischen Filmemacherin ein Welterfolg. Publikum und Kritik waren gleichermaßen begeistert und so wird es wohl auch mit ihrem zweiten Werk geschehen.
Eine erstaunliche junge Frau, diese Byambasuren, die vor fünf Jahren die Mongolei verließ, um in München an der Filmhochschule ihr Regiestudium fortzusetzen. Ihr elegantes Äußere und ihre fast andächtige Bewunderung für das Leben in der mongolischen Steppe stehen nicht im Widerspruch zueinander. Damit unterscheidet sie sich von den gestylten Schönheiten der mongolischen Hauptstadt, die kaum noch ein Pferd von einem Rind unterscheiden können.
Das Filmteam aus München hat eine mongolische Familie aus dem Tariat-Sum im Arkhangai-Aimag im Sommerlager bis zum Aufbruch ins Herbstlager begleitet.
Jeder Film kann nur so gut wie seine Hauptdarsteller sein und wieder ist den Filmleuten um Byambasuren ein Glückstreffer gelungen: Nansaa, deren Vater U. Batchuluun, ihre Mutter D. Byambadulam, ihre Schwester B. Nansalmaa, ihr kleiner Bruder B. Batbayar spielen sich selbst. Sie verfügen jedoch über ein so breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten, um das sie so mancher Berufsschauspieler beneiden könnte.
Die „Große", Nansaa, bekommt von der Mutter den Auftrag, Dung zum Heizen zu sammeln und entdeckt in der menschenleeren Steppe lauter interessante Dinge: Eine Blume, kleine farbige Steine, wundersame Wolkenformationen am Himmel über ihr. Dabei pickt sie die Dungbrocken auf und wirft sie mit kühnem Schwung, wie den Erwachsenen abgeschaut, über den Kopf in den großen Korb auf dem Rücken – unbekümmert darum, dass die meisten Dungfladen am Korb vorbeisegeln. Denn in der Zwischenzeit wurde sie von einem Geräusch aus einer Höhle im Felsgestein angelockt: Das kleine Mädchen ging forsch hinein in das dunkle Versteck und fand einen schwarzweißen jungen Hund. Der Vater allerdings war nicht so begeistert. Der Hund hat in der Höhle vielleicht mit Wölfen gelebt, die durch ihn auf die Spur der Familienherde gebracht werden könnten.
Bezaubernd, wie Nansaa der Mutter zuflüstert, sie habe Zokhor zwischen den Schafen versteckt, damit der Vater ihn nicht so schnell entdeckt.
Eine alte Nomadin, bei der Nansaa samt Zokhor und ihrem Pferd vor einem Regenguss Unterschlupf findet, erzählt dem gebannt lauschendem Mädchen die Geschichte vom gelben Hund, der in eine Höhle gesperrt wurde, weil er das Liebesglück eines jungen Paares störte. Der Vater der Braut brachte es nicht über sich, das Tier zu töten. Vielleicht ist Zokhor die Wiedergeburt dieses Hundes?
Doch nicht nur Nansaa und Zokhor bewegen die Zuschauer im supermodernen Kino „Tengis" in Ulaanbaatar.
Den Familienmitgliedern beim Umgang miteinander und ihren täglichen Verrichtungen zuzuschauen, wie die kleinere Schwester auf den noch kleineren Bruder aufpasst, während Nansaa mit der Mutter den Käse in exakte Stücke schneidet – mit dem Bindfaden - und der Vater mit dem Motorrad in die viele Kilometer entfernte Stadt fährt, um Schaffelle zu verkaufen und nötigen Hausrat zu besorgen, macht den weiteren Reiz des Films aus. Nichts an diesem Film ist aufregend, aber alles ungemein spannend und umrahmt von einer traumhaft schönen Landschaft.
Die Kinder werden von den Eltern nicht verhätschelt oder verwöhnt, sondern geliebt.
Die Natur, die Herden- und Wildtiere gehören selbstverständlich zum Dasein der Nomadenfamilie. Untertan wollen sie sie sich nicht machen.
Beim Aufbruch vom Sommer- ins Herbstlager dankten die Eltern der Erde dafür, ihrer Jurte Platz und ihren Tieren Futter geboten zu haben.
Der Film gewann beim Münchner Filmfest den „Förderpreis Deutscher Film" und den Publikumspreis. Finanziell unterstützt wurde die Realisierung des Filmprojektes von der Filmförderungsanstalt und dem Film-Fernsehfonds Bayern und von BKM.
Die deutsche Botschaft in Ulaanbaatar ließ es sich nicht nehmen, anlässlich der Erstaufführung von „Die Höhle des gelben Hundes" in Ulaanbaatar eine Premierenfeier im Garten der Botschaft zu veranstalten. Zu den Ehrengästen zählten neben der Regisseurin D. Byambasuren auch die fünf Hauptdarsteller, die sich in die Herzen nicht nur der ausländischen Zuschauer, sondern auch in die ihrer Landsleute gespielt haben.


Haben sie Durst

10 Jahre „VITSAMO“
Am 17. August feierten Mitarbeiter und Kunden der „Vitsamo Fruchtsäfte-Handelsgesellschaft“ ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum.
Begonnen hat alles 1994. Eine Hilfsorganisation aus Darkhan fragte bei dem Maschinenbauingenieur Knut Kotzbauer an, ob er nicht Getränkeabfüllmaschinen zusammenstellen könne. In der Mongolei gab es Anfang der 90-er Jahre kaum Obst und überall herrschte Vitaminmangel. Diesem Mangel durch Multivitaminsäfte abzuhelfen, war erklärtes Ziel der Organisation.
Knut Kotzbauer (40) hat die Maschinen in Deutschland gekauft und per Container in die Mongolei geschickt. Die Organisation in Darkhan sah sich jedoch außerstande, die Betreuung der Anlage zu übernehmen, Kotzbauer sprang selbst in die Bresche.
1995 gründete er mit einem mongolischen Partner in Ulaanbaatar VITSAMO. Zu dieser Zeit war es ausländischen Investoren und Unternehmensgründern noch nicht möglich, ohne mongolische Beteiligung zu agieren.
15 Mitarbeiter füllten Multivitaminsäfte in Mehrwegflaschen aus Glas.
Die Schwierigkeiten der ersten Jahre nahmen erst ein Ende, als im Jahr 1998 der mongolische Partner ausbezahlt werden konnte und das Unternehmen zu 100 Prozent in das Eigentum von Knut Kotzbauer überführt wurde. Der Umsatz stieg allmählich,  im Jahr 2000 wurde in Amgalan, am östlichen Stadtrand von Ulaanbaatar, ein neuer Betrieb errichtet.
Heute werden hier auf einer Glasanlage (bis zu 10 000 Flaschen in der Stunde) und auf einer PET-Einweganlage Fruchtsäfte und Limonaden abgefüllt.
Mittlerweile beschäftigt VITSAMO 60 Mitarbeiter, über 90 Prozent von ihnen sind Mongolen.


Im Labor von VITSAMO. Betriebsgründer und Laborchefin

Produziert wird nach EU-Standard, die Firma ist mit einem modernen Labor ausgestattet und sorgt für umfangreiche Qualitätssicherung ihrer Produkte.
„VITSAMO“ wurde wiederholt ausgezeichnet: 1997 bis 2004 als „Zuverlässiger Steuerzahler“, 2004 gehörte „VITSAMO“ zu den 100 besten nationalen Unternehmen, auf der Lebensmittelausstellung 2005 erhielt es eine Auszeichnung für „Volkslebensmittel“.
Die Produktpalette umfasst insgesamt 20 Getränke, abgefüllt in vier verschiedenen Flaschenformen: Mehrfrucht-, Möhren-, Ananas-Bananen-, Kiwi-, Kirsch-, Mango-Pfirsich-, Apfel- und Orangensaft in 0,5-Liter-Glasflaschen, Apfel-, Orangen-, Waldfrucht-, Cola und Zitronensaft mit Kohlensäure in 1,5 Liter-Flaschen, Mehrfrucht-, Möhren- und Kirschsaft in 0,5 Liter-Kunststoffflaschen.
Anlässlich des Firmenjubiläums und der erfolgreichen Betriebsentwicklung wurden 0,33 Liter-Flaschen Mehrfrucht, Pfirsich-Mango, Apfel und Orange-Passionsfrucht mit 100 Prozent Fruchtanteil neu ins Sortiment aufgenommen.
Knut Kotzbauer lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Gachuurt bei Ulaanbaatar – die Mongolei ist für sie zur zweiten Heimat geworden.
Mit ihrer Firma unterstützen sie den Aufbau und Unterhalt des Kinderdorfs in Shar Kholoi bei Gachuurt, außerdem besuchen sie regelmäßig (mit Hilfsgütern) Gefängnisse und arbeiten dabei mit der Hilfsorganisation „Scheideweg“ zusammen.

Feuer im Bogd-Uul
Am 18. August brach in Darkhan-Tsaazat im Bogd-Khan-Uul ein Feuer aus, das 0,4 Hektar Wald und Steppe vernichtete.
Gemeinsam haben die Feuerwehrleute des Khan-Uul-Duuregs und die Naturschützer der Bogd-Uul-Verwaltung das Feuer nach einigen Stunden unter Kontrolle bekommen.

Vogelsterben
Auch im Khentii (zwei Mandarinenenten und ein Kranich) und im Darkhan-Uul-Aimag sind inzwischen Wildvögel verendet.
Bis zum 18. waren es in Darkhan-Uul 41 Vögel. Die Untersuchungen über die genaue Todesursache in Labors von Ulaanbaatar sind noch nicht abgeschlossen.
Bis zum Freitag waren landesweit 232 tote Wildvögel geborgen worden.
Im Erkhel-See im Alag-Erdene-Sum des Khuvsgul-Aimags sind fünf weitere Vögel von zwei Vogelarten gestorben. Waren in diesem See zunächst hauptsächlich Schwäne und Gänse betroffen, sind es jetzt vor allem Möwen.
Über das Gebiet um den Erkhel-See wurde Quarantäne verhängt. Der Betrieb in den Touristenbasen läuft normal.
Alle Aufmerksamkeit richten die Behörden darauf, ein Übergreifen der Seuche auf das Hausgeflügel und den Menschen zu verhindern.

Seminar über illegale Jagd und Tierhandel in der Mongolei
Vom 17. bis zum 19. August fand in Ulaanbaatar ein Nationales Seminar zum Handel mit Wildtieren und die illegale Jagd statt.
Berichte und Studien zeigen, dass in den letzten Jahren der Wildtierbestand in der Mongolei dramatisch zurückgegangen ist. Hauptursachen sind die illegale und die unsachgemäße Jagd für den internationalen Markt, aber auch für den Verbrauch im Land selbst.
Im Mittelpunkt der Diskussionen standen acht wichtige Wildtierarten der Mongolei: Die Saiga-Antilope, die Mongolische Gazelle, Rotwild, Moschustier, Wildschaf, Braunbär, das Sibirische Murmeltier und der Großfalke.
Saiga-Antilopen kommen in den südwestlichen Landesteilen, in Khovd und Gobialtai, vor.
In den letzten fünf Jahren sank der Bestand von 5 000 auf unter 800 Tiere.
Saigahorn ist auf dem chinesischen Pharmaziemarkt sehr begehrt.
Noch immer gibt es etwa eine Million Gazellen in der Mongolei, allerdings kaum noch welche in den zentralen und westlichen Teilen. Untersuchungen zeigen, Viehhalter in Dornod Sukhbaatar und im Süden des Khentii-Aimags jagen jährlich etwa 150 000 Tiere. Das Fleisch wird nach China verkauft oder selbst verbraucht. Das Horn löst allmählich das selten werdende Saigahorn in der chinesischen und südostasiatischen Pharmazie ab.
1975 gab es noch 50 000 Wildschafe (Argali), 60 000 1985, heute sind es noch 13 000 bis 15 000 Tiere.
Besonders katastrophal verlief die Reduzierung des Rotwildbestandes: Von 130 000 Tieren (1986) auf 8 000 bis 10 000 Tiere (2004).
Die Regierung vergibt jährlich Lizenzen für die Jagd auf 100 000 Murmeltiere, 2001 wurden in nur drei Städten auf den einschlägigen Märkten 88 000 Felle gefunden, im gleichen Jahr wurden offiziell 200 000 Felle nach China exportiert!
Im Oktober 2004 beschlagnahmte der mongolische Zoll gemeinsam mit Umweltinspekteuren 117 000 Felle an der Grenze zu China.
!986 wurden in der Mongolei noch 500 Braunbären gezählt, aktuelle Zahlen liegen nicht vor.
Doch auch hier deutet das Interesse an Fellen und inneren Organen auf eine starke Reduzierung des Bestandes.
Der Braunbär kommt in den nördlichen Taigaregionen vor, eine kleine Population (etwa 20 bis 40 Tiere) leben in der Gobi.
Für vier Bärentatzen kann man auf dem Schwarzmarkt 400 bis 500 Dollar, für ein Fell 200 bis 300, für eine Gallenblase 150 bis 200 Dollar erzielen.
Erst kürzlich wurden drei Vietnamesen ertappt, die 80 Bärengallenblasen außer Landes schmuggeln wollten.
Von 3 000 Großfalkenpaaren im Jahr 1999 sind heute nur noch etwa 1 000 übrig.
Die mongolischen Falken sind im Mittleren Osten sehr begehrt.
Hinzu kommen die Schädlingsbekämpfungsmittel im Boden, die den Tieren den Garaus machen.
Die Seminarteilnehmer waren sich einig darüber, dass es höchste Zeit ist, den Verfall der biologischen Vielfalt und des ökologischen Gleichgewichts in der Mongolei aufzuhalten.
Regierung, Naturschutzorganisationen und Bürger könnten die Probleme nur gemeinsam lösen.

Naranbaatar gewinnt Gold
B. Naranbaatar hat bei den Studentenweltmeisterschaften Izmir (Türkei) die Goldmedaille im Freistilringen der Männer bis 55 kg gewonnen. Nach drei Bronzemedaillen bei den Universaden 1975, 1977 und 2003 ist das der größte Erfolg für einen mongolischen Sportler.
Insgesamt beteiligten sich an der XXIII. Universade 7 635 Sportler aus 131 Ländern.
Am erfolgreichsten waren die Japaner: Sie erkämpften 14 Gold-, sechs Silber- und 13 Bronzemedaillen.


   

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Last Update: 10. September 2006