Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
im Juni 2005

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


V. l. W. Jacob, Ts. Elbegdorj

Chinggis-Khaan in Bonn
„Chinggis-Khaan war kein blutrünstiger Barbar, er hatte nur eine schlechte Presse". Das sagte der mongolische Ministerpräsident, Tsakhiagiin Elbegdorj, zur Eröffnung der Ausstellung „Dschingis Khan und seine Erben. Das mongolische Weltreich." in der Bundeskunsthalle in Bonn am 15. Juni dieses Jahres. Der Zustimmung, nicht nur der mongolischen Gäste, konnte er sicher sein. Sicher ist auch, dass diese Ausstellung dazu beitragen wird, das verzerrte Bild des mongolischen Stammesführers und Staatsgründers, welches auch hierzulande noch durch die Medien geistert, zurechtzurücken.
Im nächsten Jahr begehen die Mongolen das 800-jährige Gründungsjubiläum ihres Staates.
Die Ausstellung stellt das Mongolenreich auf dem Höhepunkt seiner Macht vor, berücksichtigt jedoch auch die Vorläufer und Nachfolgestaaten.
Das von Chinggis-Khaan und seinen Nachfolgern geschaffene Imperium stand in einer langen Tradition nomadischer Staatsgründungen im eurasischen Steppengürtel.
Bedeutende Kunstwerke internationaler Museen und Sammlungen repräsentieren die mongolischen Teilreiche: Goldene Horde, Ilkhanat sowie die von Khublai-Khaan, einem Enkel von Chinggis, begründete Yuan-Dynastie (bis 1368) in China.
Spektakuläre Ausgrabungsfunde der gemeinsamen deutsch-mongolischen archäologischen Expedition in Karakorum, der alten mongolischen Hauptstadt, die die Darstellung der Rolle des Buddhismus/Lamaismus’ sowie die wechselvolle Geschichte der Mongolei im 20. Jahrhundert vervollständigen die Schau und bieten dem interessierten Besucher einen umfassenden Einblick in mongolische Lebensweise, Kultur und Politik der Vergangenheit und Gegenwart.


Bundeskanzler G. Schröder

Gemeinsam mit dem mongolischen Ministerpräsidenten eröffnete Bundeskanzler Gerhard Schröder das „Ausstellungsevent des Jahres". Er hielt eine kenntnisreiche und emotional ansprechende Rede. Prof. Wenzel Jacob, der Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, ging in seiner Rede u. a. auf die wissenschaftliche Aktualität des Themas ein: Zurzeit arbeiten in der Mongolei auch ein türkisch-mongolisches und ein französisch-mongolisches Grabungsteam, die zwei alttürkische Gedenkstätten und eine Nekropole der Xiongnu freilegen, deren Ergebnisse erstmals in Deutschland gezeigt werden.
Ulaanbaatar heißt zwar Roter Recke und nicht Roter Stern, auch wurde Karakorum nicht von deutschen, sondern von russischen Wissenschaftlern freigelegt, doch solch kleine Fehler mindern nicht die Attraktivität der Ausstellung.
Auch das Rahmenprogramm zur Ausstellung kann sich sehen und hören lassen: Leben in der mongolischen Jurte (sonntags, organisiert vom Deutsch-Mongolischen Kulturverein), am 19. Juni ist die 1. Kölsche Mongolenhorde zu Gast, Themenführungen „Die Mongolen in Japan", „Verfeindete Vettern. Konflikte zwischen den Erben Dschingis Khans". Vorführungen mongolischer Musiker, Sänger und Akrobaten ergänzen die jeweiligen Programmteile.
Die Mongoleiausstellung ist vom 16. Juni bis zum 25. September in Bonn zu besichtigen, vom 26. Oktober bis zum 29. Januar in München.


Mongolische Gesichter

Mongolei – Das Erbe der Steppenvölker
Am 18. und 19. Juni fand anlässlich der Ausstellung „Dschingis Khan und seine Erben" in Bonn ein internationales Symposium der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Bundeskunsthalle zum Thema: Mongolei – Das Erbe der Steppenvölker statt.
Die Referenten, darunter der designierte mongolische Botschafter in Deutschland, Prof. Tuvdendorjiin Galbaatar, Prof. Hans-Georg Hüttel von der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie , Prof. Klaus Sagaster, Seminar für Sprach- und Kulturwissenschaft Zentralasiens der Bonner Universität und Dr. Wenzel Jacob hielten Vorträge zu Aspekten der kulturellen und sozialen Entwicklung der nomadischen Reitervölker und präsentierten neueste Forschungsergebnisse.

Tradition und Moderne. Deutsch-Mongolische Beziehungen im 21. Jahrhundert
Die 4. Konferenz des Deutsch-Mongolischen Forums fand am 16. und 17. Juni im Wissenschaftszentrum Bonn statt.
Organisiert wurde die Veranstaltung von der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Deutsch-Mongolischen Forum.
Ansprachen hielten Bundespräsident a. D. Prof. Roman Herzog und der Ministerpräsident der Mongolei, Tsakhiagiin Elbegdorj.
Referate wurden zu folgenden Themen gehalten: Die Entwicklung des Rechtsstaates in der Mongolei, Die Mongolei und der Westen-Politische Orientierung im 21. Jahrhundert, Mongolen und Deutsche – Kontinuität im politischen Wandel, die Deutschen auf der Suche nach der mongolischen Geschichte, Koalition und Opposition – Zur aktuellen Parteienentwicklung in der Mongolei.

Parteitag der MRVP
Wegen der Wahl ihres Vorsitzenden, Nambaryn Enkhbayar, zum Staatspräsidenten wird die Wahl eines neuen Vorsitzenden der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) notwendig. Laut Verfassung müssen die jeweiligen Parteimitgliedschaften für die Dauer der Wahlperiode ausgesetzt werden.
Der Außerordentliche Parteitag der MRVP am 16. Juni konnte sich bis zum Sonntag noch auf keinen der drei Kandidaten einigen. Zur Wahl stehen der Shadar Said, Ulaan, Wahlmanager und Exbotschafter in Moskau, Bayar sowie der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar, Enkhbold.
Die Entscheidung fällt höchstwahrscheinlich zwischen Bayar und Enkhbold.
Exstaatspräsident N. Bagabandi wurde unter großem Beifall der Delegierten wieder in die Partei aufgenommen.
Die Amtseinführung seines Nachfolgers ist für den 24. Juni vorgesehen.

Die mongolische Staatsflagge auf dem Mount Everest
Am Nachmittag des 30. Mai erreichten zum ersten Mal mongolischen Bergsteiger nach 50 beschwerlichen Tagen und Nächten mit Schneestürmen, Steinschlägen und eisiger Kälte den Gipfel des höchsten Berges der Erde: Der Leiter der Gruppe, D. Bayarnyam, hisste auf dem Mount Everest im Himalaja die mongolische Staatsflagge mit dem Soyombo.
Präsident Bagabandi gratulierte den Sportlern für ihren Einsatz und betonte, das Ereignis bedeute einen weiteren Fortschritt für die internationale Anerkennung der Mongolei.

3. Deutsch-Mongolisches Volksfest
Am 11. und 12. Juni konnten die Bürger von Waßmannsdorf (bei Berlin) und ihre Gäste zum dritten Mal beim Deutsch-Mongolischen Volksfest ein vielfältiges deutsch-mongolisches Programm erleben. Musik und Tanz aus beiden Ländern und Spiele erfreuten groß und klein. Bei den Speisen und Getränken überwogen allerdings die deutschen.
Aber das tat dem Vergnügen wenig Abbruch. Nur das Wetter hätte besser sein können: Regen und Kälte veranlassten den einen oder anderen doch dazu, lieber zu Hause zu bleiben.
Trotzdem versammelten sich viele Mongolen und Deutsche auf dem Festplatz an der Begegnungsstätte im Ortsteil Waßmannsdorf von Schönefeld und genossen die Vorführungen von „Khosoo" und „Amadeus meets Chinggis-Khaan".


Armut in der Mongolei

Überfälle auf Ausländer in Ulaanbaatar nehmen zu
Vor wenigen Wochen warnten die USA- und die deutsche Botschaft in der Mongolei vor der zunehmenden Kriminalität in Ulaanbaatar, von der immer öfter auch Ausländer betroffen seien.
Der jüngste Fall betrifft einen deutschen SES (Senior Expert Service)-Experten, der gegen 22:30 vor seinem Wohnhaus im Zentrum Ulaanbaatars überfallen und beraubt wurde. Der Mann, der über viele Jahre Mongoleierfahrung verfügt, trug Verletzungen im Gesicht davon.
Diebstahlsversuche gibt es auch am helllichten Tag. Die Täter werden immer dreister und agieren zunehmend in Gruppen, bei denen auch Kinder unter 14 Jahren eingesetzt werden.
Trotz der wirtschaftlichen Fortschritte ist das Hauptziel mongolischer Regierungspolitik – die Bekämpfung der Armut – bisher nicht erreicht worden.
Es fehlen Arbeitsplätze und ein wirksames Regierungskonzept für die Schaffung von Arbeitsplätzen wurde bisher nicht vorgelegt.

Hitzewelle in der Mongolei
In weiten Teilen des Landes, auch in Ulaanbaatar, wurden die ergiebigen Regenfälle mit Temperaturen um die 14 Grad durch trockenes, sommerlich warmes Wetter abgelöst.
Das wird sich nicht nur positiv auf die Landwirtschaft, sondern auch auf den Tourismus auswirken. Kamel- und Pferderitte über eine aufgewichte Steppe sind nicht wirklich ein Vergnügen.


   

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Last Update: 10. September 2006