Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
16. bis 22. Oktober 2006

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Mongolische Gesichter

Rücktritt der Regierung eher unwahrscheinlich
In der vergangenen Woche tagten die Führungsgremien der MRVP und die Regierung fast ununterbrochen, um über den Misstrauensantrag der DP, die Arbeit der Regierung im Allgemeinen und die einiger Minister im Besonderen zu beraten. Der Minister für Industrie und Handel, B. Jargalsaikhan, war trotz Terminverschiebung nach Russland gereist, der Minister für Energie und Brennstoffe, B. Erdenebat, hat mit einem chinesischen Unternehmen einen Kreditvertrag über den Bau eines Wasserkraftwerkes am Egiin Gol ohne Rücksprache mit dem Ministerpräsidenten abgeschlossen, der Minister für Gesundheit, L. Gundalai wollte munter seine umstrittenen Personalumbesetzungen fortsetzen. Die Verantwortung für das Egiin-Gol-Projektes wurde jetzt in die Hände des Finanzstaatssekretärs gelegt, der kürzlich berufene Leiter des Tumorzentrums wurde seines Postens enthoben, bis zur Ernennung des neuen Direktors wurde mit Tumurbaatar eine Interimslösung gefunden. Der Minister erklärte sich bereit, sich mit den Ärzten an einen Tisch zu setzen, damit die gegenseitigen Beleidigungen aufhörten.
Ministerpräsident Enkhbold hat sich an die Öffentlichkeit gewandt und den DP-Misstrauensantrag als schädlich für den Staat bezeichnet. Gleichzeitig lobte er die in den vergangen acht Monaten geleistete Arbeit der Regierung:
Die Löhne der Staatsangestellten seien um 30 Prozent gestiegen, Renten und Sozialhilfen um 25 Prozent, die viele Jahre lang diskutierten Ungleichheiten bei den Altersrenten wurden gemindert, für alle Kinder wird Kindergeld in gleicher Höhe gezahlt, den Schülern der ersten und zweiten Klassen werde eine kostenlose Vesper gereicht, mit der Verwirklichung des Programms „Gesunde Mongolen" sei begonnen worden. Die Wirtschaft wachse 2006 um acht Prozent, das BIP pro Kopf der Bevölkerung sei in nur einem Jahr von 750 auf 950 Dollar gestiegen. Im nächsten Jahre werde ein Wirtschaftswachstum von neun Prozent erwartet, Renten und Löhne stiegen weiter, den Nachmittagstee erhielten im nächsten Jahr auch die Schüler der dritten und vierten Klassen, das Kindergeld werde von 3 000 auf 5 000 Tugrug erhöht. Die Regierung arbeite daran, praktikable Finanzierungsmodelle für das beschlossene Wohnungsbauprogramm (40 000 bezahlbare Wohnungen) zu etablieren.
Die Diskussionen verliefen vor allem in der MRVP kontrovers, es wurden Stimmen laut, die den Rücktritt der umstrittenen Minister, aber auch den Rücktritt des gesamten Kabinetts forderten. Beschlossen wurde schließlich, an der Zusammensetzung des Kabinetts vorerst nichts zu ändern. Dieser Vorschlag wurde auch der MRVP-Fraktion unterbreitet.
Über den Misstrauensantrag gegen die Regierung wird das Parlament in der nächsten Woche abstimmen.

Sonderparteitag der MRVP
Die Forderungen von MRVP-Mitgliedern nach Einberufung eines Sonderparteitages und der Einberufung einer erweiterten Präsidiumstagung im Oktober werden geprüft. Die Parteiführung erklärte sich bereit, mit den innerparteilichen Kritikern über die angesprochenen Probleme zu sprechen: Zollkorruptionsfall, Konkurs der Kredit- und Spargenossenschaften sowie andere Korruptionsfälle, in die MRVP-Führungsmitglieder verwickelt sein sollen.

„Tag der Offenen Tür" des Ministeriums für Industrie und Handel
Vom 20. bis zum 22. Oktober stellen sich auf dem Sukhbaatarplatz das Ministerium für Industrie- und Handel, mit ihm verbundene Regierungsagenturen, Projekte und Programme vor.
Die Veranstaltung dient auch als Vorbereitung auf den 85. Jahrestag der Entstehung eines eigenständigen mongolischen Handelswesens.
Betriebe und Handelseinrichtungen zeigen ihre Produkte, informieren über Zukunftspläne und Aussichten.


Hungerstreik auf dem Sukhbaatarplatz. 22.10.06

Hungerstreik wird fortgesetzt
Sieben Opfer von Spar- und Kreditgenossenschaften haben am Dienstag einen Hungerstreik auf dem Sukhbaatarplatz begonnen.
Der Minister für Justiz und Innere Angelegenheiten, D. Odbayar, sprach mit den sieben und forderte sie auf, den Hungerstreik zu beenden.
Gegen Abend wurden die Demonstranten von der Polizei in Gewahrsam genommen. Am nächsten Morgen setzten sie ihren Hungerstreik fort.

„Boroo Gold" verkauft gefördertes Gold ab 2007 an die Mongolbank
In naher Zukunft wollen „Boroo Gold" und die mongolische Regierung über eventuelle Änderungen des Stabilitätsabkommens beraten.
Fest steht, dass das kanadische Unternehmen ab nächstem Jahr das geförderte Gold an die Mongolbank verkaufen will. Bisher wurde das Gold (legal) außer Landes gebracht.
Die der Mongolbank übergebene Goldmenge ist in den letzten Monaten rapide gesunken. Wegen des Wind-Fall-Taxgesetzes bringen die kleinen und größeren Goldunternehmen ihr in der Mongolei gefördertes Gold lieber (illegal) ins Ausland.

Statistik September 2006
Nach Angaben des Nationalen Amtes für Statistik beliefen sich die Einnahmen des Staatshaushaltes in den ersten neun Monaten des Jahres auf 895,4 Milliarden, die Ausgaben auf 635,9 Milliarden Tugrug. Das entspricht einem Plus von 259,5 Milliarden Tugrug. Der Überschuss im Jahr 2005 betrug 73 Milliarden.

Das Außenhandelsvolumen erreichte in den ersten neun Monaten 2 148,1 Millionen Dollar, davon entfielen auf den Export 1 080,2 Millionen und auf den Import 1 067,9 Millionen, das entspricht einem Außenhandelsüberschuss von 12,3 Millionen Dollar. Zu verdanken ist das in ersten Linie den gestiegenen Weltmarktpreisen für Kupferkonzentrat, Kaschmir und einigen Textilprodukten.

Landwirtschaft: 10,3 Millionen Jungtiere werden aufgezogen, das sind 1,3 Millionen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Viehverluste: 377 800 erwachsene Tiere, 198 200 weniger als bis 01. Oktober 2005.
Bis zum 01. Oktober wurden landesweit 57 700 Tonnen Getreide, 78 800 Tonnen Kartoffeln, 45 300 Tonnen Gemüse und 862 700 Tonnen Heu eingebracht.
Die Getreideernte fiel im Vergleich zum Vorjahr um 9 200 Tonnen, die Gemüseernte um 2 400 Tonnen geringer aus, die Kartoffelernte stieg hingegen um 13 500 Tonnen, Heu um 123 800 Tonnen.

Gesundheit: Nach Angaben des Nationalen Zentrums für Gesundheit wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 35 748 Kinder geboren, 1 700 mehr als im Vorjahr. 26 Mütter starben bei der Geburt, 706 Säuglinge starben vor dem Erreichen des ersten Lebensjahres, ein Kind mehr als in den ersten neun Monaten 2006, 162 Kinder vor ihrem 5. Geburtstag, sechs weniger als 2006.
Die Zahl der an Infektionen Erkrankten beläuft sich auf 26 300, 2 600 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mit 37,4 Prozent erreicht die Infektion mit Syphilis die höchste Steigerungsrate.

Arbeitslosigkeit: Offiziell waren 35 200 Arbeitslose registriert, 80 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.56,5 Prozent der Arbeitslosen sind Frauen.

Kriminalität: In den ersten neun Monaten des Jahres wurden 13 000 Straftaten begangen, 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Um 15,2 Prozent stieg die Zahl der Verbrechen gegen Leben und Gesundheit von Menschen. 220 sind einem Mord zum Opfer gefallen.

Wetter: Im September wurde im Shinejinst-Sum im Bayankhongor-Aimag mit 33 Grad die höchste, im Otgon-Sum im Zavkhan-Aimag mit minus 16 Grad die niedrigste Temperatur gemessen.

Katastrophen: 151 Menschen verloren ihr Leben bei Unglücken oder Naturkatastrophen, der materielle Schaden wird mit 3,7 Milliarden Tugrug angegeben.
Insgesamt ereigneten sich 1 910 Katastrophen in den ersten neun Monaten des Jahres, davon 154 Wald- und Steppenbrände, 1 558 Objektbrände, 25 Fälle von Tollwut bei Vieh und anderen Tieren, ein Fall von Maul- und Klauenseuche, 14 Fälle von Viehpocken. Achtmal bebte die Erde, 31 Überschwemmungen und 16 Stürme wurden registriert.


Deutschunterricht in der Goetheschule. V. l. G. Knopp, B. Khajidmaa

Generalsekretär des Goetheinstituts zu Gast in der Mongolei
Vom 16.-19. Oktober weilte der Generalsekretär des Goetheinstituts, Dr. Hans-Georg Knopp, zu einem offiziellen Besuch in der Mongolei. Er folgte einer Einladung des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft.
Das Arbeitsprogramm des Gastes aus Deutschland umfasste Besuche und Gespräche in der Deutschen Informationsbibliothek, im Französischen und Japanischen Kulturzentrum, in der Mongolischen Staatsuniversität und in staatlichen und privaten Schulen mit verstärktem Deutschunterricht.
In der Deutschen Botschaft traf er sich mit Mitarbeitern von CIM, DAAD und des neu eingerichteten Akademischen Prüfamtes. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Möglichkeiten der Förderung des Deutschunterrichts in der Mongolei, Probleme und Perspektiven.
Während eines Empfangs in den Botschaftsräumen sangen die „Steppenmädchen", Schülerinnen der 38. Schule von Ulaanbaatar, begleitet von ihrem Lehrer, deutsche und mongolische Lieder, Solongo bot einen traditionellen mongolischen Tanz dar.
In der Goetheschule in Ulaanbaatar konnte sich Dr. Knopp überzeugen, wie erfolgreich hier Deutsch unterrichtet wird.
Die Direktorin, Purevjav Khajidmaa, betonte ausdrücklich, die Schule sei eine mongolische Schule mit verstärktem Deutschunterricht. Die allgemeinbildenden Fächer würden in mongolischer Sprache unterrichtet.
Am 01. September 2002 hat die Goetheschule den Unterrichtsbetrieb aufgenommen. Vier mongolische und drei deutsche Lehrer, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) gefördert werden, die auch die Unterrichtsmaterialien stellt, sind für den Deutschunterricht verantwortlich.
Insgesamt lernen an der Schule 200 Schüler von der ersten bis zur elften Klasse. Das jährliche Schulgeld beträgt etwa 780 Dollar.
Besonders stolz sind die Lehrer und ihre Direktorin darauf, dass die Schule seit 2005 das Deutschdiplom Nr. 2 (DSD-2) vergeben darf. Dieses Diplom berechtigt zum Studium an Universitäten und Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ohne eine Sondersprachprüfung ablegen zu müssen.
Anne Schulte-Hillen, seit zwei Monaten Fachschaftsberaterin für Deutsch in der Mongolei, beklagte die mangelnde Grundschulpädagogik an den Schulen, hier könnte durch didaktisch aufbereitete Materialien, die Fortbildung von Lehrern, eventuell auch mit deutscher Unterstützung, einiges verbessert werden.

587 000 statt 61 000 Murmeltiere gejagt
Am 18. Oktober informierte B. Chimed-Ochir, Direktor des Mongoleiprogramms der Weltnaturschutzstiftung über Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Einhaltung der Naturschutzgesetze.
Die Untersuchungen beziehen sich auf die drei Aimags Bayan-Ulgii, Khovd und Uvs in einem Zeitraum von drei Jahren.
Das Ministerium für Umwelt und Natur hatte für die drei Aimags Lizenzen für den Abschuss von 61 60 Murmeltieren erteilt, tatsächlich wurden 587 600! geschossen. Diese Zahl bezieht sich nur auf die Entdeckungen auf den Schwarzmärkten der genannten Aimags. Wie viele Murmeltiere oder –felle in Ulaanbaatar bzw. über die Grenze verkauft wurden, vermag niemand zu sagen.
Seit zwei Jahren ist die Jagd auf Murmeltiere verboten, irgendein Erfolg hat sich nicht eingestellt.Mittlerweile befürchten Naturschützer das Aussterben der Tiere in den nächsten vier bis fünf Jahren.
Schneeleoparden, Wildschafe, Wildziegen, Gazellen, Antilopen, Saigaantilopen und Rotwild sind bereits sehr selten oder vom Aussterben bedroht. Der Hauptgrund liegt in der illegalen Jagd. Nach Schätzungen werden jährlich 20 Schneeleopardenfelle illegal über die Grenze nach Russland gebracht, bei Chinesen, Koreanern, Vietnamesen sind Hirschgeweihe und Bärengallen sehr begehrt.
Noch leben in der Mongolei 10-20 Gobibären (Mazaalai), 400-500 Schneeleoparden und etwas mehr als 1 000 Saigaantilopen. Werden sie nicht nachhaltig geschützt, gehören diese Naturreichtümer in der Mongolei bald der Vergangenheit an.

Tödlicher Unfall in Erdenet
Am 20. Oktober, gegen 11:00 Uhr ereignete sich im Bergbauunternehmen „Erdenet" ein tragischer Arbeitsunfall. In Laborant und ein Techniker stürzten vom höchsten Punkt einer Gesteinszerkleinerungsanlage, wo sie planmäßige Untersuchungen vornahmen. Sie waren sofort tot. Polizei und Arbeitsschutz untersuchen den Vorfall

Munguntuul verfehlt nur knapp eine Medaille
Bei den Jugendweltmeisterschaften im Schach in Jerewan (Armenien), die am 17. Oktober zu Ende gingen, erreichte die mongolische Großmeisterin B. Munguntuul mit 8,5 Punkten aus 13 Partien einen beachtlichen vierten Platz. Eine noch bessere Platzierung verfehlte sie in der siebenten Runde, als sie überraschend gegen die grusinische Großmeisterin Salome Melia verlor.
Der erste und der zweite Platz gingen an die Chinesinnen, Yan Shin und Yu Fen, die Bronzemedaille gewann S. Melia.
Insgesamt beteiligten sich 57 Sportlerinnen am Kampf um die Medaillen.
Munguntuul war die einzige, der gegen die Gold- und Silbermedaillengewinnerinnen Siege gelangen.

Ulaanbaatar ist Millionenstadt
Im Dezember 2005 hatte Ulaanbaatar offiziell 965 300 Einwohner.
2002 waren es 846 500, 2003 893 400 und 2004 928 400 Einwohner.
Legt man diese Steigerungsraten zugrunde, gehört Ulaanbaatar spätestens seit 2006 zu den Millionenstädten.


   

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Last Update: 01. Januar 2017