Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
19. bis 25. März 2007

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Bei Darkhan. Plötzlicher Wintereinbruch. 23.03.

Kasachisches Neujahrsfest in der Mongolei
Am 22. März haben die mongolischen Staatsbürger kasachischer Nationalität ihr traditionelles Neujahrsfest „Nauryz" gefeiert.
Nauryz stammt aus dem Persischen und bedeutet „Neuer Tag" - „Nau"- neu, „ryz" - Tag..
Das Fest wird jährlich um den 21. März (Frühlings-Tagundnachtgleiche) auch bei den Kirgisen, Turkmenen, Tadschiken, in Afghanistan, im Iran (Nauroz), bei den kaukasischen Völkern und den Kurden (Newroz) mit Musik und Tanz ausgiebig gefeiert.
Verwandte und Freunde besuchen sich, es wird reichlich gegessen und getrunken. Kinder und Erwachsene legen ihre traditionelle Festkleidung an.
Im Unterschied zu den vorangegangenen Jahren, als der mongolische Staatspräsident kasachische Mitbürger in den Regierungspalast eingeladen hat, um mit ihnen gemeinsam das Neujahrsfest zu feiern, besuchte Präsident N. Enkhbayar in diesem Jahr die Familie des ältesten kasachischen Bürgers von Ulaanbaatar, Sh. Anuar, im Stadtbezirk Bayangol.
Anuar wurde 1916 im Ulaankhus-Sum im heutigen Bayan-Ulgii-Aimag geboren. 30 Jahre lang diente er in der mongolischen Armee. Sein Sohn, A. Noota, gehört zu den bekannten und verdienten Ärzten der Mongolei.
Der Ratsvorsitzende des Bayan-Ulgii-Aimags würdigte den Besuch des Präsidenten als besonders ehrenvolle Geste gegenüber den kasachischen Mitbürgern.

Mongolische Spitzenpolitiker in den Aimags und Stadtbezirken unterwegs
Noch nie zuvor haben mongolische Spitzenpolitiker eine so rege Reisetätigkeit entfaltet wie zu Frühlingsbeginn 2007. Die Wahlen 2008 werfen ihre Schatten voraus.
Am vergangenen Samstag ging die Dienstreise von Präsident Enkhbayar in die Aimags Orkhon, Bulgan und Khuvsgul zu Ende. Zum ersten Mal hatte das Ministerium für Wege, Transport und Tourismus in Zusammenarbeit mit einem mongolischen Reiseunternehmen ein großes Wintertourismusereignis organisiert: 200 Sporttouristen, keine Profis, aus Holland, Frankreich und anderen europäischen Ländern beteiligten sich an einem Eislaufmarathon (10 km) über den Khuvsgul-See. Außerdem spendeten sie 1 000 Dollar für die Mittelschule in Khatgal.
Zuvor hatten der Präsident und seine Begleitung dem Tsagaannuur-Sum einen Besuch abgestattet. In der Taiga westlich und östlich des Khuvsguls leben 52 Familien, 200 Menschen, Angehörige der Tsaatan (Rentierhirten). Sie nutzten die Gelegenheit, über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen.
Den Kindern ist nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule der Zugang zu den weiterbildenden Schulen, Universitäten und Hochschulen kaum möglich. Die Zahl der Rentiere ist zwar auf 800 angewachsen, aber ihr körperlicher Zustand ist schlecht. Landwirtschaftsminister Terbishdagva versprach den Ankauf hochwertiger Zuchttiere aus dem benachbarten Tuva (Russische Föderation).
B. Erdenebat, Minister für Energie und Brennstoffe und aus dem Khuvsgul-Aimag stammend, versprach die Lieferung von Sonnenkollektoren.für die Versorgung mit Energie.
Ministerpräsident M. Enkhbold besuchte die Aimags Gobi-Altai, Zavkhan und Arkhangai. Er wurde u.a. von Justizminister D. Odbayar begleitet.

Ts. Davaadorj zum neuen Minister für Industrie und Handel ernannt
Am 19.03. hat der Führungsrat der MRVP Ts. Davaadorj zum neuen Minister für Industrie und Handel ernannt. Der Rat folgte damit einem Vorschlag von Ministerpräsident M. Enkhbold. Davaadorj war Berater seines Vorgängers B. Jargalsaikhan und Leiter der Abteilung Schwerindustrie, Geologie und Bergbau im Ministerium für Industrie und Handel. Er ist Mitglied der Republikanischen Partei, dessen Vorsitzender B. Jargalsaikhan ist.
Die Ernennung Davaadorjs stößt auf erbitterten Widerstand der DP und ist auch in der MRVP selbst umstritten. Die Bestätigung der Personalie im Großen Khural gilt als nicht sicher, zumal nach dem Beginn der Frühjahrssitzungen des Großen Staatskhurals am 05.04. mögliche Strukturveränderungen in der Regierung diskutiert werden sollen. Das Industrieministerium soll in jedem Fall betroffen sein.

Mongolen im Irak
Das siebente Kontingent mongolischer Friedenssoldaten ist am 20. März von Ulaanbaatar aus in den Irak verlegt worden. Die Soldaten werden bis zum 01. Juli im Irak Dienst tun.
Auf Anordnung von Staatspräsident und Oberkommandierenden der bewaffneten Streitkräfte der Mongolei, N. Enkhbayar, wird Verteidigungsminister M. Sonompil die mongolischen Soldaten im Irak besuchen und ihnen bei der Gelegenheit den Dank und die Grüße des Präsidenten überbringen.
Aufgrund der schwieriger gewordenen Einsatzbedingungen haben die Amerikaner den Sold von 10 000 Tugrug pro Tag auf 20 000 erhöht.
In einem Telefongespräch mit Präsident Enkhbayar lobte US-Präsident Bush das Engagement der Mongolen bei der Sicherung des Friedens im Irak.

1 700 Arbeitsplätze für Arkhangai
Der Gouverneur des Arkhangai-Aimags, J. Khurelsukh, hat darüber informiert, dass von den 80 000 Arbeitsplätzen, die in diesem Jahr landesweit geschaffen werden sollen, 1 700 auf Arkhangai entfallen. „Das können wir schaffen." Allein im neuen Schlachthof, der in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen wird, werden 400 Arbeitskräfte benötigt. Außerdem wird ein Großhandelszentrum eröffnet. In den Sums sollen weitere 350 Arbeitsplätze entstehen. Das Problem besteht allerdings darin, dass nicht alle Arbeitsplätze ständige Einkommen sichern (Handel..).
Viehhalter und Herden haben die Winterlager im Aimag gut überstanden, die Frühjahrslager werden ähnlich günstig sein.

Treffen mongolischer und russischer Parlamentarier
Am 12. und 13. März haben sich die Russisch-Mongolische und Mongolisch-Russische Parlamentariergruppe in Ulan-Ude getroffen.
Zur mongolischen Delegation, geleitet von D. Idevkhten, gehörten insgesamt 40 Personen. Der russischen Delegation gehörten der Vorsitzende der Russisch-Mongolischen Parlamentariergruppe in der Staatsduma, V. Voitenko, der burjatische Staatspräsident, V. Potapov, und führende Angehörige der russischen und burjatischen Grenztruppen sowie der Zollbehörden an.
In den Gesprächen ging es um die Ausweitung eines erleichterten Grenzhandels zwischen der Russischen Föderation und der Mongolei, gemeinsame Anstrengungen, die Grenzregion zu entwickeln und Zollvergünstigungen.

Auflösung der MRVP gefordert
Der Vorsitzende der „Front Ehrlicher Bürger", G. Arslan, hat die Auflösung der MRVP und des Mongolischen Demokratischen Sozialistischen Jugendverbandes gefordert.
Seit dem 21. März sammeln die Anhänger und Mitglieder der Bewegung auf dem Sukhbaatarplatz Unterschriften für das Verbot. Die Partei hätte ihren Rückhalt in der Bevölkerung verloren, von den 80 000 Parteimitgliedern würden viele die Forderung unterstützen. Der Jugendverband sei in die Unterschlagungen bei der Sparbank direkt verwickelt.
Nach Aussage von G. Arslan haben bis zum 23. 03. 1 300 Bürger ihre Unterschrift für das Verbot bzw. die Auflösung der Partei und der ihr zugehörigen Jugendorganisation geleistet.

„Schwerwiegende Information über unser Land in deutscher Zeitschrift"
Unter dieser Überschrift erschien am 24. März in der mongolischen Tageszeitung „Mongolyn Medee" ein Beitrag über einen Artikel in „Der Spiegel" 2/2007.
Das Vorstandsmitglied der Grünen, O. Bum-Yalagch, brachte die Information mit in die Mongolei und äußerte seine Verwunderung darüber, dass bisher weder mongolisches Außenministerium, noch die mongolische Botschaft in Deutschland (zumindest nicht offiziell) reagiert hätten.
In dem Artikel von Manfred Ertel geht es um Korruption im Bergbau, in die hohe und höchste Staatsmänner der Mongolei verwickelt seien. So sollen angeblich für 250 Millionen USD Kohlerechte in die USA verscherbelt werden.
Sollten die Anschuldigungen den Tatsachen entsprechen, müssten die hier untersucht werden, wenn nicht, sollte der Autor gerichtlich belangt werden.
Die Informationen will Ertel von „hohen Beamten des Außenministeriums" bekommen haben.


V.l. T. Ganbold, M. Bock, W. Siebel, Ts. Batmunkh, R. Mertes, M. Hackel

„Hochschulnetzwerk und Stadtentwicklung"
Am 20. März trafen sich mongolische und deutsche Architekten, Stadtplaner, Bau- und Heizungsingenieure zu einem Meinungsaustausch über die Möglichkeiten, die Mongolei in das Kooperationsnetzwerk zwischen Hochschulen und Universitäten Südost- und Südasiens sowie der Bundesrepublik einzubeziehen. Es geht um den „Aufbau integrativer Lehrkonzepte in den Bereichen Architektur und Projektmanagement".
Zur Feststellung des Bedarfs an nachhaltiger Zusammenarbeit an den wissenschaftlichen Einrichtungen der Mongolei waren die Projektverantwortlichen von deutscher Seite, Prof. R. Mertens von der TU Berlin, Prof. W. Siebel, Rektor der Potsdamer Universität für Management und Kommunikation, der Architekt M. Hackel, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin und Gastprofessor an der Tianjin-Universität in China sowie M. Bock, BWL-Dozent an der Potsdamer Uni für Management und Kommunikation in die Mongolei gereist.
Von mongolischer Seite nahmen Vertreter der Mongolischen Staatsuniversität und der Landwirtschaftsuniversität sowie der Sumgouverneur von Bayanchandman im Zentralaimag, T. Ganbold, an dem Treffen teil.
Das Projekt konzentriert sich im Unterschied zu ähnlichen Projekten hauptsächlich auf die ländliche Entwicklung. Bei der Umsetzung sollten alle gesellschaftlichen Gruppen beteiligt werden, Planung und Umsetzung muss transdisziplinär erfolgen, so Prof. Siebel in seinem einführenden Vortrag.
Organisiert wurde die Veranstaltung mit Unterstützung des DAAD und des Vorstandsvorsitzenden der Mongolisch-Deutschen Brücke e.V., Ts. Batmunkh.

29. HIV-Infektion bestätigt
Die mongolischen Gesundheitsbehörden haben den 29. Fall einer HIV - Infektion bestätigt.
Der oder die Betroffene hatte sich freiwillig einem AIDS-Test unterzogen.


Kamel Polo in Ulaanbaatar Foto: B.Chadraabal

Kamel - Polo – 2007
Am 17. und 18. März wurden zum fünften Mal die Sieger bei den Offenen Landesmeisterschaften im Kamelpolo ermittelt.
Seine Premiere feierte das Turnier 2002 im Manlai-Sum im Südgobiaimag.
In diesem Jahr fand zum ersten Mal in Ulaanbaatar das „Kamelfestival" statt. Außer dem Poloturnier in Yarmag, an dem sich 20 Mannschaften, davon zehn aus der Inneren Mongolei, beteiligten, präsentierten die Kamelreiter Spiele und Wettbewerbe, die mit der Aufzucht und der Pflege der Tiere zusammenhängen. Es gab Preise für die Reiter „in den schönsten Nationaltrachten".
Der mongolische Kamelbestand geht kontinuierlich zurück. Nur noch 254 000 Tiere werden geweidet.

„Börte Chono Chinggis Khaan"
Der auf Initiative des japanischen Regisseurs K. Haruki gemeinsam mit D. Jamyan produzierte Spielfilm „Börte Chono Chinggis Khaan" hatte am 03. März seine Mongoleipremiere. Der Film basiert auf der „Geheimen Geschichte der Mongolen".
Alle Hauptrollen, einschließlich der Gestalt des Chinggis, wurden von Japanern gespielt. Die einzige Hauptrolle eines Mongolen - B. Amarsaikhan spielte Jelme, einen Gefolgsmann Chinggis Khaans - wurde in der Endfassung herausgeschnitten. Die mongolischen Künstler und Filmfreunde bedauerten die Ungenauigkeiten in Gestik und Verhalten, bei der Darstellung von Sitten und Bräuchen (Umgang mit Waffen, den Pferden, in der Sitzhaltung) der Mongolen, Ess- und Trinkgewohnheiten) im 12. und 13. Jahrhundert.
Die mongolischen Kritiker räumten ein, dass der Film auch für ein japanisches Millionenpublikum gedacht ist. Die Japaner übernahmen 40 Millionen USD der Produktionskosten, die Mongolen steuerten 689 Millionen Tugrug (ca. 500 000 USD) bei.
Gedreht wurde in landschaftlich reizvollen Gegenden der Mongolei, u.a. in Terelj, in Khugnu Khan, im Khustain-Gebirge.

Prozessbeginn gegen Kreditgenossenschaft
Am 26. März, 10.00 Uhr, soll der mehrmals verschobene erste Prozess gegen eine der größten Spar- und Kreditgenossenschaft beginnen.
1 800 Geschädigte fordern, am Prozess teilnehmen zu können. Ein entsprechender Verhandlungssaal konnte nicht gefunden werden. Der Prozess findet in der Untersuchungshaftanstalt „Gants Khudag" statt.
Der Vorsitzende des Geschädigtenverbandes fordert die erneute Verschiebung bis ein ausreichend großer Saal bereit gestellt werden kann.

Gerichtsverfahren verzögert sich
Wegen Überlastung und dadurch fehlender vollständiger Akteneinsicht soll die Frist für das Gerichtsverfahren im Fall des ermordeten Chefs der Finanzaufsichtsbehörde, D. Badraa, verlängert werden. Entsprechende Anträge werden geprüft.
Des Mordes beschuldigt wird Ts. Tumengerel, Chef einer Wohnungsbaugenossenschaft und führendes Mitglied der MRVP - Organisation von Ulaanbaatar.

Mordprozess in Malaysia
Der Fall der in Malaysia ermordeten Mongolin Sh. Altantuya bewegt immer noch de Gemüter. Dem international bekannten malaysischen Politologen, Abdul R. A. Baginda, wird Anstiftung zu Entführung und Mord vorgeworfen. Der Prozess, mehrmals verschoben, soll nun im Juni dieses Jahres eröffnet werden.
Von mongolischer Seite werden ein Mitarbeiter des Außenministeriums, zwei Zeugen und eine Dolmetscherin zum Prozess nach Kuala Lumpur reisen. Auch der Vater der Ermordeten, S. Shaariibuu, wird am Prozess teilnehmen.

Hakuho Davaajargal gewinnt Frühjahrsturnier der Sumoringer
Beim Frühjahrsturnier der Sumoprofiringer in Osaka (Japan) führt Ozeki Hakuho Davaajargal nach 13 Kämpfen mit 12:1 das Feld allein an. Zweiter ist, nach seinem Sieg über Tochiazuma, Großmeister Dagvadorj mit 11:2.
Der mit Spannung erwartete Kampf der beiden Führenden am Samstag wird sicher die Vorentscheidung über den Gesamtsieg bringen.
Die Endphase des Frühjahrsturnier der Sumoringer war an Dramatik nicht zu überbieten.
Am Samstag gewann Großmeister Asashyoryu Dagvadorj gegen seinen Landsmann Davaajargal. Es stand für beide 12:2. Am Sonntag (25. März) gewannen beide ihre Kämpfe: 13:2.
Im dadurch notwendig gewordenen Entscheidungskampf zwischen den beiden dominierenden Sumoringern der Gegenwart siegte überraschend schnell der junge Davaajargal.

B. Ganbat siegt beim Armeeringerturnier
Landeselefant B. Ganbat aus dem Uvs-Aimag hat das Ringerturnier anlässlich des 86. Jahrestages der Gründung der mongolischen Streitkräfte gewonnen. Zweiter wurde Landesfalke Do. Gankhuyag aus dem Uvurkhangai-Aimag.


Ein wunderbarer Samstag


   

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Last Update: 01. Januar 2017