Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
21. bis 27. Januar 2008

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Ulziibaatar aus dem Mittelgobiaimag wartet auf Käufer für seine Uuts

Tsagaan Sar 2008
Nicht nur in China, auch in anderen asiatischen Ländern, darunter in der Mongolei, beginnt am 08. Februar nach dem Tierkreis- oder Mondkalender ein neues Jahr.
„Tsagaan Sar" (Weißer Mond oder Monat), das mongolische Mondneujahrsfest, ist eines der wichtigsten Familienfeste der Mongolen und die Vorbereitungen beginnen schon Wochen vorher. Fleisch, Gebäck, Süßigkeiten, Getränke, Geschenke, neue Kleider gehören zum Fest genau wie die himmelblauen, grünen, gelben und weißen Ehrenschals sowie die Ringerwettkämpfe in den Aimags, Sums und im Ringerpalast von Ulaanbaatar.
Am 07. Februar nach dem Sonnenkalender wird der letzte Tag (Bituun) des alten Jahres verabschiedet, am 08. beginnt der erste Tag des ersten Frühlingsmonats des Erdmausjahres. (In China Jahr der Ratte).
Jedes Jahr ist durch zwei zyklische Zeichen gekennzeichnet.
Die 12 Erdäste benennen die 12 Monate des Jahres, die 12 Doppelstunden des Tages und entsprechen den 12 zyklischen Tieren. Die Zeichen der Himmelsstämme schließen erstens eines der fünf Elemente (Holz, Feuer, Erde, Eisen, Wasser), zweitens eine der fünf Farben (blau, rot, gelb, weiß, schwarz) und drittens Begriffe des „Starken", „Männlichen", „Dunklen" und des „Weiblichen", „Schwachen", „Hellen" ein.
Ein 60-er Zyklus beginnt immer mit „männlich, blau, Holz, Maus". Metall oder Eisen wird mit der Farbe Weiß assoziiert, Feuer mit Rot, Wasser mit Schwarz und Erde mit Gelb oder Ocker.
Das Jahr der Maus, 2008/09 trägt es den Zusatznamen „Khotlyg barigch", gilt als gutes Jahr für eine reichhaltige Ernte, allerdings drohe die Gefahr von Krankheiten.
Wie in jedem Jahr werden die Spitzen des Staates in den Klöstern den Segen für das Gelingen ihrer Vorhaben empfangen. Überall wird für eine erfolgreiche Jungviehaufzucht, reiche Ernte, günstige Witterungsbedingungen und das Wohlergehen für alle Mongolen gebetet.
Trotz aller Vorfreude auf die Festlichkeiten – in vielen Familien wachsen die Sorgen über die stetig steigenden finanziellen Belastungen.
Ein Hammelrücken (Uuts) kostet mittlerweile 85 bis 100 000 Tugrug, nicht alle können sich das leisten.


Shar Tos und Etagengebäck dürfen zum Tsagaan Sar nicht fehlen

Volkszählung
In Vorbereitung der Parlamentswahlen im Juni plant die Zentrale Wahlkommission eine Volkszählung, um Widersprüche, wie sie bei den Wahlen 2004 aufgetreten waren, zu vermeiden. Die Zentrale Wahlkommission, das Nationale Amt für Statistik und die Einwohnermeldeämter verfügten über jeweils unterschiedliche Angaben über die Zahl der Wahlberechtigten.
Vermieden werden soll Doppelregistrierung z. B. bei Umzügen.
Die Namen Verstorbener sollten ordnungsgemäß aus den Wählerlisten entfernt werden,
Auslandsmongolen ihre neugeborenen Kinder unverzüglich und nicht mit oft jahrelanger Verspätung anmelden.
Die Abstimmung zwischen den zuständigen Behörden genüge keinesfalls den Anforderungen.
Am 15. Dezember 2007 waren beim Staatlichen Einwohnermelde- und Informationszentrum 2 611 181 Bürger registriert, 1 780 053 Personalausweise wurden ausgegeben, aber nur 1 761 251 Wahlberechtigte registriert.
Nach Überprüfungen des Einwohnermeldezentrums leben in Ulaanbaatar 8 000 Menschen ohne Meldung bei den zuständigen Ämtern, in den Aimags betrifft das 19 991 Mitglieder von 3 794 Familien.
Die landesweite Volkszählung soll bis zum 01. April abgeschlossen sein.


Nach der Vertragsunterzeichnung. Ya. Ichihashi, S. Oyun

Japanisch-Mongolische Zusammenarbeit
Am 25. Januar 2008 unterzeichneten die mongolische Außenministerin, S. Oyun und der japanische Botschafter in der Mongolei, Ya. Ichihasi, eine Note über finanzielle Zuwendungen des japanischen Staates an die Mongolei in Höhe von 800 Millionen Yen oder acht Millionen USD.
Die Mittel sind für Verbesserungen der Infrastruktur und im Bildungswesen vorgesehen.
Seit 1991 sind allein im Rahmen dieses Programms 17, 4 Milliarden Yen in die Mongolei geflossen.
Bereits am 18. Januar informierte der japanische Botschafter über 270 Millionen USD an zinsgünstigen Krediten, die Japan der Mongolei für den Bau des neuen internationalen Flughafens bewilligt hat.
Als Standort ist das Khoshigt Tal im Sergelen Sum des Zentralaimags, 45 km von Ulaanbaatar entfernt, im Gespräch. Geplante Kapazitäten des Flughafens: 1,7 Millionen Passagiere und 18 100 Flüge pro Jahr, Parkplätze für 800 Autos. Vom Chinggis-Khaan-Flugplatz starten jährlich 3 700 internationale und 4 200 nationale Flüge, 500 000 Passagiere. Parkmöglichkeiten gibt es für 160 Fahrzeuge.
Die Ausschreibung beginnt 2009 oder 2010. 2015 soll der neue Flughafen seinen Betrieb aufnehmen.
40 Jahre beträgt die Kreditlaufzeit bei einer Zinsrate von 0,2 Prozent.
Mindestens 30 Prozent aller Güter und Technologien, ausgenommen sind Beratungsleistungen, müssen in Japan bzw. von japanischen Firmen erworben werden.


Airag aus dem Bulgan-Aimag

„Beste Viehhalter" ausgezeichnet
Am 23. Januar wurden 40 Viehhalter, 15 Ackerbauern und acht Landwirtschaftsbetriebe mit den Titeln „Bester Viehzüchter", „Bester Ackerbauer" und Bestes Team" der Mongolei 2007 ausgezeichnet.

Mikrobergbau
Die Regierung plant, bis März Richtlinien für den Mikrobergbau, besonders für den informellen Bergbau, zu erarbeiten und zu verabschieden.
Mit Stand vom Juli 2007 wurden in 16 Aimags und 80 Sums etwa 66 000 Bürger gezählt, die illegal nach Bodenschätzen graben. Die meisten davon in Bayankhongor (24 400) und Uvurkhangai (15 700). Die Kriminalität in den Regionen um die Grabungsplätze nimmt zu, Arbeitsschutzbestimmungen werden nicht eingehalten, giftige Substanzen schädigen Menschen, Tiere und Pflanzen.

Mongolische Friedenstruppen in Sierra Leone
Die mongolische Regierung hat beschlossen, die fünfte Gruppe von Friedenssoldaten nach Sierra Leone zu entsenden.
Seit Beginn ihres Engagements in dem westafrikanischem Staat im Jahr 2005 hat die Mongolei insgesamt 1 000 Soldaten entsandt.

Sukhbaatar-Stipendium
Am 02. Februar jährt sich zum 115. Mal der Geburtstag von Damdiny Sukhbaatar, einer der Initiatoren der Revolution von 1921.
Aus diesem Anlass beschloss die Regierung, 40 Millionen Tugrug für ein Dokumentarfilmstipendium sowie die Rekonstruktion des Kreismuseums im Sukhbaatar – Sum auszuloben.

Kalligrafiekünstler ausgezeichnet
Am 18. Januar übergab Ministerpräsident S. Bayar Preise und Auszeichnungen an die besten Kalligrafiekünstler der Mongolei.
Der Wettbewerb umfasst vier Kategorien: Erwachsene, Lehrer, Schüler der Klassen eins bis zehn und der elften Klasse.
Vier Schülerinnen und Schüler aus Ulaanbaatar, dem Südgobiaimag, dem Khuvsgul-Aimag und dem Arkhangai-Aimag gewannen Stipendien für die Staatsuniversität bzw. die Pädagogische Hochschule.
Der Ministerpräsident würdigte die Leistungen aller Teilnehmer und wies auf die Bedeutung des Studiums der klassischen mongolischen Schrift hin, die seit 15 Jahren wieder zum Lernprogramm der allgemeinbildenden Schule gehöre.

Neues Flugzeug für „MIAT"?
Der stark angewachsenen Nachfrage nach Mongoleiflügen kann die nationale mongolische Fluggesellschaft „MIAT" seit geraumer Zeit nur schwer nachkommen.
Die Fluggesellschaft verfügt über einen Airbus-310 sowie eine Boing – 737 für internationale Flüge.
Der Mietvertrag für die Boing läuft 2010 aus, der Airbus geht Ende Mai in das Eigentum der „MIAT" über.
Nun plant die MIAT eine Boing 737 – 800 W von der irländischen „CIT-Aerospace International" zu leihen.

Kampf gegen den Alkoholmissbrauch
Durch Änderungen am Alkoholgesetz versucht die Regierung, der negativen Folgen des Alkoholmissbrauchs Herr zu werden.
Produktion, Import und Verkauf sollen stärker kontrolliert werden, die Lizenzen dafür deutlich teurer, die Verkaufszeiten eingeschränkt werden. Justizminister Munkh-Orgil stellte auf der Parlamentssitzung am 25.01. den Entwurf des Gesetzes „Über die Produktion, den Import und den Verkauf von Alkohol" vor. Munkh-Orgil: Von den 116 „Arkhi-Betrieben" sollen 31 übrig bleiben. In der Diskussion ging es auch um die Frage, ob für die 17 000 Arbeitskräfte, die in diesem Zweig beschäftigt sind, ausreichend andere Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden könnten, wie die geplanten Entschädigungen bei Unternehmensschließungen realisiert werden u.ä.
Über die Wirksamkeit des Verkaufsverbots in den vergangenen Wochen gehen die Meinungen auseinander.
Allein am 23. Januar registrierte die Polizei im Bayanzurkh-Duureg 13 Straftaten, davon sechs durch Alkoholeinfluss verursacht. Drei Menschen starben.
Am 26. Januar wurde in einigen Stadtbezirken der Alkoholverkauf gänzlich untersagt, dafür hatten die Kunden am Sonntag gleich zwei Flaschen in den Händen oder in den Einkaufskörben.

„Schlangenmädchenprozess" in Mainz
Am 14. Januar begann in Mainz der Prozess gegen ein deutsch-mongolisches Ehepaar wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung.
Der 44 Jahre alte Deutsche und seine 36-jährige mongolische Ehefrau hatten im November 2006 zwei Mädchen aus der Mongolei nach Deutschland geholt, um sie als Contortionistinnen (vulgo Schlangenmädchen) auszubilden und sie in die eigene Artistengruppe aufzunehmen. Da sich die Mädchen nach Auffassung der Eheleute nicht gekonnt genug „verdrehten" und „verrenkten" wurden sie geschlagen, getreten und durften das Haus nicht verlassen.
Am 11. Juli gelang ihnen die Flucht. Jetzt leben sie in einem Kinder- und Jugendheim in Mainz-Bingen.
Die in Ingelheim wohnhaften Angeklagten wurden wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung in 17 Fällen zu drei Jahren und sechs Monaten bzw. zu fünf Jahren Haft verurteilt, außerdem müssen sie 40 000 Euro Schmerzensgeld an die beiden Opfer zahlen.

Sohn eines Botschaftsmitarbeiters wegen Vergewaltigung und Raub in London verhaftet
Am 20. Januar nahm die Polizei in London den 18-jährigen Sohn eines Mitarbeiters der mongolischen Botschaft in London fest. Er wird beschuldigt, in der Nacht vom 18. zum 19. ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Außerdem soll er das Handy seines Opfers sowie 150 Pfund entwendet haben.
Die junge Frau wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert.
Das mongolische Außenministerium bestätigt den Vorfall, der Beschuldigte genieße keine diplomatische Immunität und werde, sollte sich die Anklage bewahrheiten, von offizieller Seite nicht verteidigt werden.

Sieben Jahre Haft für Lkhagvasuren
Der Sänger der beliebten mongolischen Popband „Kharanga", Kh. Lkhagvasuren, ist wegen Drogenkonsums- und -handel zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wurden.
Gegen diese harte Strafe protestierten am 25. Januar u.a. Mitglieder der Pentatonik-Akademie, der Gruppen „Kharanga" und „Shar Airag".
Sie betonten ausdrücklich, wie gefährlich Drogen seien und welch schädliche Auswirken ihr Konsum auf Gesundheit und Verhalten der Menschen habe. Die Strafe für Lkagvasuren stehe jedoch in keinem Verhältnis zu seinem Vergehen. Personen, die Millionen von Tugrug unterschlagen hätten, gingen gänzlich straffrei aus.
Drogenhandel hätte ihm nicht nachgewiesen werden können, er habe lediglich Mohn (Opium? R. B.) geraucht. In vielen europäischen Ländern würde Marihuana ganz legal konsumiert. Mohn sei demgegenüber eine noch weichere Droge.

Sumo
Die Karten für das Januarturnier der Sumoprofis waren so schnell wie lange nicht ausverkauft.
Alle wollten miterleben, wie Großmeister Asashyoryu Dagvadorj die vier Monate Zwangspause verkraftet hat.
Die japanischen Medien waren sich einig, seine Kampfkraft habe Dagvadorj nicht verloren, aber auch seine ihm oft angekreidete Arroganz nicht.
Nach 13 Kämpfen lagen die beiden Großmeister, der ebenfalls in der Mongolei gebürtige Davaajargal und Dagvadorj mit jeweils einer Niederlage und 12 Siegen an der Spitze.
Am Sonntag, 16.20 Uhr, erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Der Neujapaner Davaajargal und der Mongole Dagvadorj begannen ihren Kampf um den Turniersieg. Es war ein Kampf so ganz nach dem Geschmack des Publikums.
Zunächst sah es noch gut aus für Dagvadorj, doch letztlich setzte sich Davaajargal nach großem Kampf beider durch.
Das Turnier endete mit 14:1 für Hakuho Davaajargal. Zum sechsten Mal konnte er den Kaiserpokal in Empfang nehmen.
Asashyoryu Dagvadorj wurde Zweiter mit 13:2.

Übrigens …
Wer einen richtigen Winter mit klirrender Kälte, Natureisflächen und mit Schnee, der sogar in der Hauptstadt glitzert, erleben will, sollte sich auf eine Reise in die Mongolei begeben.


Eislaufen vor der mongolischen Börse


   

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Last Update: 01. Januar 2017