Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
16. bis 22. Juni 2008

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Unterzeichnung des außenpolitischen Kooperationsplans 2009 - 2010. Hintere Reihe Mitte v. l. Xi Jinpin, S. Bayar

Chinesischer Vizepräsident zu Gast in der Mongolei
Auf Einladung der mongolischen Regierung stattete Xi Jinpin*, stellvertretender Staatspräsident der VR China, vom 19. bis zum 21. Juni der Mongolei einen offiziellen Besuch ab.
Unmittelbar nach seiner Ankunft auf dem internationalen Flugplatz von Ulaanbaatar erinnerte Xi Jinpin daran, dass die Mongolei und China freundschaftlich verbundene Nachbarn seien, dass beide Völker von einer engeren Zusammenarbeit profitieren würden und beide Länder in der Region eine wichtige Rolle spielten. China messe den chinesisch-mongolischen Beziehungen große Bedeutung bei. Er sei überzeugt, dieser Besuch werde zur weiteren Festigung der freundschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Wohle beider Länder beitragen.
Im Kleinen Konferenzsaal im Regierungspalast trafen sich die Delegationen unter Leitung von Xi Jinpin und Ministerpräsident Sanjaagiin Bayar zum offiziellen Gespräch. Anschließend unterzeichneten beide Seiten 13 Verträge, Abkommen und Vereinbarungen über die weitere Zusammenarbeit in der Außenpolitik, in der Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung, Kultur und Wissenschaft sowie im Umwelt- und Naturschutz. Finanzminister Ch. Ulaan und der Präsident der Chinesischen Export-Import-Bank, Li Ruogu, unterzeichneten ein Memorandum über die Änderung des 300-Millionen-Dollar-Rahmenkreditvertrages aus dem Jahr 2003. Danach kommt die Mongolei in den Genuss günstigerer Zinsvereinbarungen, außerdem wurde Einigung über den Verwendungszweck der Gelder erzielt. Ursprünglich sollte es für den Bau eines Wasserkraftwerkes am Egiin Gol eingesetzt werden. Dieses Projekt wurde kürzlich von mongolischer Seite annulliert.
Am 20. Juni nahm die chinesische Delegation an der Grundsteinlegung für das neue Sportzentrum in der Nähe des Flugplatzes „Chinggis Khaan", das von chinesischer Seite finanziert wird, teil.
Das mongolisch-chinesische Wirtschaftsforum vereinte 300 Unternehmensvertreter aus beiden Ländern.
R. Rash, Minister für Wege, Transport und Tourismus, beschrieb das große Potenzial für die Zusammenarbeit zwischen China und der Mongolei, vor allem im Bergbau, bei der Entwicklung der Infrastruktur, in der Landwirtschaft, beim Naturschutz und im Tourismus.
Xi Jinpin und Mitglieder seiner Delegation wurden von Präsident N. Enkhbayar und dem Vorsitzenden der Großen Staatsversammlung, D. Lundeejantsan, empfangen.
Enkhbayar sagte seine Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten für die Olympischen Spiele am 08. August in Peking zu.
Die Mongolei war die zweite Station der ersten Auslandsreise des Vizepräsidenten. Am 18. Juni wurde Xi Jinpin in Pjöngjang (Nordkorea) von Staats- und Parteichef Kim Jon Il empfangen.
Die Mongolei und China haben am 16. Oktober 1950 diplomatische Beziehungen aufgenommen. In den 60-er Jahren kamen die Kontakte zwischen beiden Ländern fast zum Erliegen, ehe sie seit Mitte der 80-er Jahre allmählich wieder belebt wurden.
Heute verbinden die Mongolei und die VR China gutnachbarliche Beziehungen, alle Grenzstreitigkeiten sind beigelegt. Von 13 Grenzübergängen sind sechs ständig in Betrieb, fünf sind internationale Grenzübergänge.
Seit acht Jahren führt China die Liste der Auslandsinvestitionen in der Mongolei an, 50 Prozent davon fließen in den Bereich Geologie und Bergbau, 30 Prozent in Handel und Gastronomie.
China ist gleichfalls der größte Handelspartner der Mongolei. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres exportierte die Mongolei Güter im Wert von 648,5 Millionen USD nach China und importierte Güter im Wert von 445 Millionen.

*Xi Jinpin, der wahrscheinlich nächste Staatspräsident der VR China, wurde 1953 in Fupin, einer Kreisstadt in der Provinz Shaanxi, geboren. Im März 2008 wurde er zum stellvertretenden Staatsoberhaupt seines Landes gewählt.


Im Verhandlungssaal. 19.06.08

Mongolei in Internationale Organisation für Migration aufgenommen
Auf der 95. Sitzung des Rates der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am 18. und 19. Juni in Genf wurde die Mongolei als 123. Mitglied aufgenommen.
Insgesamt gehören der Organisation seit Juni 2008 125 Mitglieder an.

Noch sieben Tag bis zur Wahl
356 Kandidaten, davon 45 Unabhängige, bewerben sich am 29. Juni um einen der 76 Sitze in der Großen Staatsversammlung (Ulsyn Ikh Khural).
Am 20. Juni hat die ZWK die Liste der Kandidaten veröffentlicht. 39 hatten zwischenzeitlich ihre Bewerbung zurückgezogen. Gegen drei Kandidaten, einen von der MRVP, zwei von der DP, ermittelt der Staatsanwalt. Sie müssten eventuell ihre Kandidatur ebenfalls zurückziehen bzw. ihre Wahl wird für ungültig erklärt.
Die wenigsten Kandidaten, sechs, treten im Gobialtai-Aimag (WK 5) und im Mittelgobi-Aimag (WK 8), die meisten, 34, in den Stadtbezirken Bayanzurkh und Nalaikh (WK 22), an.
Nach der Wahlprognose der „Forschungsgesellschaft für Volksabstimmungen" für den Sukhbaatar-Duureg (WK 23, 3 Mandate) erreicht S. Bayar mit 72 Prozent das höchste Ergebnis, gefolgt von Su. Batbold, ebenfalls MRVP, mit 48, Lu. Gantumur (DP) 41, M. Enkhsaikhan (Neue Nationalpartei) 33 Prozent. Nach anderen Instituten liegen in Bayanzurkh und Nalaikh (4 Mandate) Ch. Saikhanbileg (DP) mit 51, T. Gandi (MRVP) 48, Z. Altai (Unabhängiger) 46,5 und J. Batzandan (Bürgerbündnis), 28,7 Prozent auf den ersten vier Plätzen.
Ab dem 22. Juni dürfen die verschiedenen Forschungsinstitute ihre Umfrageergebnisse nicht mehr veröffentlichen.

Naadam 2008
Wie hat S. Bayar in einem Interview so treffend gesagt, das Leben geht weiter, egal wer bei den Wahlen gesiegt oder verloren hat, Naadam kommt und wird in jedem Fall gefeiert.
Vom 11. bis 13. Juli begehen die Mongolen ihr Nationalfest mit Wettbewerben im traditionellen Ringen, Bogenschießen, Reiten und Knöchelchenschnippsen.
697 Millionen Tugrug werden aus dem Staatshaushalt für die diesjährigen Naadamfeiern bereit gestellt. 300 Millionen kostet der neue Platz für die Knöchelwurfwettbewerbe (shagai kharvakh) in der Hauptstadt
Die Reparatur- und Verschönerungsarbeiten am und im Zentralstadion sind in vollem Gange. Es wird gestrichen, gehämmert, gepflanzt.
Die Organisatoren befürchten eine weitere Verschlechterung der Parkplatzsituation. Das Verkehrsaufkommen sei weiter gestiegen und überall in Stadionnähe werde gebaut.
Die Konzeption für die Eröffnungszeremonie ist jedenfalls fertig gestellt.
Im Zentrum des Platzes werden fünf riesige Lotosblumen aufgestellt. Beim Öffnen ihrer Blütenblätter erscheinen mongolische „Schlangenmädchen", die ihr Können vorführen. Maskentänze werden nicht fehlen, genauso wenig wie die Volkstänze „Pferdehirt" und „Melkerin". Das eigens zusammengestellte Große Orchester wird neue Kompositionen zu Gehör bringen.


V. r. A. Krambeer, B. Bayartogtokh, M. Roßbach, Ts. Dulguun, G. Erdenebat. 19.06.08

„Weniin Wals – Wiener Walzer am Rande der Steppe"
Am 19. Juni eröffnete der 1. Sekretär der deutschen Botschaft in Ulaanbaatar, Michael Roßbach, die Ausstellung „Weniin Wals – Wiener Walzer am Rande der Steppe. Tanzstudien von Angelika Krambeer".
Die Architektin Angelika Krambeer stammt aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, hat in Mainz studiert und arbeitet seit Februar 2006 für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) als Dozentin am Berufsausbildungszentrum in Darkhan, der zweitgrößten Industriestadt der Mongolei. Ihre Tätigkeit in der Mongolei endet im August dieses Jahres. „Eigentlich wollte ich Pferdestudien vorstellen. Doch dann fand Ende März in Darkhan der dritte nationale Wettbewerb in den lateinamerikanischen und Standardtänzen statt. Für mich Inspiration und Energiequelle zugleich." Die Mongolen seien vielfältig talentiert, das habe sie während ihrer Zeit in der Mongolei beobachten können, aber dass sie sozusagen aus der Steppe kommend mit lateinamerikanischen und europäischen Tänzen eine so gute Figur machen würden, habe sie dann doch überrascht, so Angelika Krambeer in ihren einführenden Worten auf der Vernissage im Konferenz- und Kulturraum der Botschaft.
Ihre Technik beschreibt sie so: „Zunächst erfasse ich die Figur mit raschen Pinselstrichen. Anschließend widme ich mich der Farbgebung. … Gestus, Bewegung, Spannung, Rhythmus und Farbklang sind mir wichtig. … Spannend für mich ist die malerische und zeichnerische Umsetzung der sich wandelnden Personen der Tänzer."
Frau Krambeer beteiligt sich seit 1985 regelmäßig an Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland, Dänemark und Schweden.
Im nächsten Jahr werden Werke von ihr in der Kunsthalle von Eskilstuna (Schweden) zu sehen sein.
An der Ausstellungseröffnung nahmen neben dem Abteilungsleiter Kunst und Kultur im Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, G. Erdenebat, die Leiterin des Landesbüros des DED in der Mongolei, Claudia Polzer, Mitarbeiter mongolischer Kultureinrichtungen, der Mongolisch-Deutschen Brücke und deutscher Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit teil.


Tanzend dem Alltag entfliehen. A. Krambeer

„Dröhnende Hufe"
Das Eröffnungskonzert am 16. Juni vor dem Mongolischen Nationalmuseum musste leider ausfallen. Eine Gruppe der internationalen Gäste konnte wegen eines Flugzeugschadens den Flug nach Ulaanbaatar nicht rechtzeitig antreten.

Weniger Plastiktüten
In immer mehr Handelseinrichtungen werden die Einkäufe der Kunden nicht mehr in Plastiktüten verpackt. Tatsächlich bringen auch immer mehr Kunden eigene Behältnisse in die die Geschäfte mit, um ihre gekauften Waren einzupacken.
Seit dem 01. Juni gilt das Verbot, Plastiktüten auszugeben.

Wald- und Steppenbrände
Seit Beginn des Jahres registrierten die Behörden in elf Aimags, 61 Sums und in Ulaanbaatar 151 Wald- und Steppenbrände.
Aktuell brennt es noch an fünf Stellen im Selenge- und im Zentralaimag.
178 Feuerwehrleute und Rettungskräfte sind mit zehn Fahrzeugen im Einsatz, die Brände unter Kontrolle zu bringen.


Land unter. Ulaanbaatar am 22.06.08

Starke Regenfälle in Ulaanbaatar
Am Wochenende hat es in Ulaanbaatar fast ununterbrochen geregnet. Straßen sind überschwemmt, Brücken haben sich abgesenkt, in den Gervierteln ist die Situation besonders schwierig. Der Boden ist aufgeweicht, den Gers an Hügeln droht die Gefahr, weggeschwemmt zu werden.


   

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Last Update: 01. Januar 2017