Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
24. bis 30. März 2008

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Ulaanbaatar am 28.03.08


Feuerwehrübung auf dem Platz der Freiheit. 28.03.08

Außerordentliche Sitzung der Großen Staatsversammlung
Der Vorsitzende des Großen Staatskhurals (Große Staatsversammlung), D. Lundeejantsan, hatte für den 25. und 26. März eine außerordentliche Sitzung des Abgeordnetenhauses einberufen.
Die Änderungen und Zusätze zum Bergbaugesetz müssten diskutiert und beschlossen werden. Für die Verzögerungen hätten die Lizenzinhaber und Investoren kaum noch Verständnis.
Am Abend des 25. wollten sich die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses mit dem Gesetzentwurf befassen. Die meisten Ausschussmitglieder blieben der Sitzung fern.
Am 26. forderte die DP-Fraktion eine Unterbrechung der Parlamentssitzung bis zum 04. April.
Das Bergbaugesetz sei eines der wichtigsten Gesetze für die wirtschaftliche Entwicklung der Mongolei und nicht an ein, zwei Sitzungstagen erschöpfend zu debattieren. Der Entwurf weise immer noch Mängel auf und berücksichtige nicht genügend mongolische Interessen.
Der Vorschlag, Investitionsverträge über mehr als 100 Millionen Tugrug im Parlament beschließen zu lassen, sei aus dem Entwurf gestrichen worden.
Damit ist der anberaumte Termin für den Beginn der Frühjahrssitzungsperiode nicht zu halten. Ursprünglich war der 05. April geplant, da der auf einen Samstag fällt, hätte er zwar sowieso nicht eingehalten werden können.
Nun warten alle auf die Fortsetzung der Sondersitzung.

Ministerpräsident auf Dienstreise in der Westregion
Am 24. März ist Ministerpräsident S. Bayar von einer Dienstreise in die Aimags Bayan-Ulgii und Khovd wieder in Ulaanbaatar eingetroffen.
Unter anderem traf er sich mit Grenzsoldaten und Mitarbeitern der im Aufbau befindlichen Freihandelszone in Tsagaannuur im Nogoonnuur-Sum des Bayan-Ulgii-Aimags, um sich mit ihren Arbeitsbedingungen vertraut zu machen.
972 Einwohner von Nogoonnuur unterschrieben eine Resolution, in der eine schnelle Lösung der „Asgat" (Silberlagerstätte)-Frage gefordert wird und bekräftigten ihre Zustimmung für die Investoren aus Russland.
Des Weiteren wurden Fragen des Handels und der Produktionserweiterung im Länderdreieck Russland, Kasachstan und Mongolei besprochen sowie die Probleme bezüglich der Versorgung mit Kartoffeln, Getreide und Gemüse, da die Böden des Aimags nur eine unzureichende Ernte zuließen. Vorgeschlagen wurde der Bau einer großen Getreidemühle in der Freihandelszone, um aus Kasachstan importiertes Getreide zu verarbeiten.
Bayar nahm am Nauryz-Frühlingsfest der Kasachen teil, übermittelte die Glückwünsche der Regierung und versprach Unterstützung bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Aimags.


S. Oyun und Kh. Ayurana. 28.03.08

Außenamtschefin in China
Vom 24. bis zum 27. März absolvierte Außenministerin S. Oyun einen offiziellen Besuch in der Volksrepublik China.
Gespräche mit Vizepräsident Si Jinpin, dem Mitglied des Staatsrates, Dai Binguo und Außenminister Yang Jiechi dienten einer Bestandsaufnahme der mongolisch-chinesischen Beziehungen und den Vorbereitungen der Staatsbesuche auf höchster Ebene anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern im Jahr 2009. Außerdem wurden die Hauptrichtungen für die weitere wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit diskutiert.
Außenministerin Oyun und ihre chinesischen Partner traten in einen intensiven Meinungsaustausch über internationale und regionale Probleme.
Der Vorschlag der Mongolei, für die Sonderverwaltungszone Macao einen Honorarkonsul zu berufen und ein Konsulat in der Regierungsunmittelbaren Stadt Shanghai zu eröffnen, traf bei den Chinesen auf Zustimmung. Beide Seiten unterzeichneten eine entsprechende Note.
Weitere Gesprächsthemen bezogen sich auf die Verwendung der chinesischen Zuwendungen und Vorzugskredite für die Verbesserung der Infrastruktur. Der Personenzugverkehr zwischen Ulaanbaatar und Peking soll auf sieben Tage in der Woche ausgedehnt werden, die Schienen- und Straßennetze im Westen und Osten der Mongolei rekonstruiert bzw. erweitert werden.
Debattiert wurden Erleichterungen bei den Grenzkontrollen in Zamyn-Uud und Ereen (Erlian).
Im Autonomen Gebiet Innere Mongolei informierte sich die mongolische Delegation unter anderem über die Milchwirtschaft im Gebiet, beim Treffen mit dem Vorsitzenden des Autonomen Gebietes Innere Mongolei, Yang Jing, betonten sowohl die mongolische Außenministerin als auch ihr innermongolischer Partner die Brückenfunktion des Gebietes für die Beziehungen zwischen der Mongolei und der Volksrepublik. Erfahrungen wurden ausgetauscht über eine intensive Viehwirtschaft, Probleme des Ackerbaus.
Seit 2005 studierten jährlich 100 Mongolen mit einem Regierungsstipendium der Inneren Mongolei an Hochschulen des Gebietes, ab 2008 werden es 500 sein.
Auf einer Pressekonferenz der Außenministerin am 28. März in Ulaanbaatar äußerte sich S. Oyun auf Anfrage auch zur offiziellen Haltung der Mongolei bezüglich der aktuellen Ereignisse in Tibet.
Danach stellt die Mongolei die „Einchinapolitik" der Volksrepublik nicht infrage und sieht Tibet als „untrennbaren Bestandteil des chinesischen Territoriums".
Die schweren Unruhen in Tibet, bei denen viele Menschen ihr Leben verloren oder verletzt worden sind, „bedauern wir zutiefst und hoffen, die Probleme werden in naher Zukunft auf friedlichem Wege gelöst."
Die mongolischen Sportler bereiteten sich intensiv auf die Olympischen Spiele im August vor. Boykottforderungen aus hauptsächlich europäischen Ländern habe sich die Mongolei nicht angeschlossen.

Wahlkampf 2008
Der Vorsitzende der Partei des Volkes, L. Gundalai, verspricht den Wählern 50 000 Tugrug Kindergeld pro Monat. Bisher sei die Partei noch kein Wahlbündnis eingegangen. Für die Zukunft ausschließen will er das aber nicht, so Gundalai auf eine entsprechende Frage.
Ende April werden die Kandidaten feststehen. Wahrscheinlich werde seine Partei in 30 Wahlkreisen antreten.
Die Bürgermutpartei wird sich in allen 76 Wahlkreisen dem Votum der Wähler stellen.
Auch sie wird nach dem aktuellen Stand der Dinge allein in den Wahlkampf ziehen.
Anders die Bürgerbewegungspartei. Ihr Vorsitzender J. Batzandan spricht von zehn Bürgerbewegungen und vier Parteien, mit denen sie gemeinsam um den Einzug ins Parlament kämpfen werden. Über die Kandidatenliste wollte er sich nicht äußern.
Die Kandidatenkür der großen Parteien, der MRVP und der DP, ist in vollem Gange. In einigen Wahlkreisen bemühen sich mehrere Bewerber derselben Partei um ein Mandat.

Registrierung der Wahlberechtigten vorläufig abgeschlossen
Alle Wahlen wieder gab es erhebliche Differenzen bezüglich der Zahl der Wahlberechtigten zwischen den Angaben der Zentralen Wahlkommission, des Nationalen Amtes für Statistik und des Einwohnermeldeamtes.
In diesem Jahr wurde eine Arbeitsgruppe des Ministeriums für Justiz und Innere Angelegenheiten eingesetzt, um das Problem zu lösen.
Am 28. März legte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe die vorläufigen Ergebnisse vor.
Danach wurden 1 685 793 mongolische Staatsbürger im Wahlalter gezählt, davon 1 552 539 mit Wohnanschrift auf den Wählerlisten erfasst.
Nach Angaben des Einwohnermeldeamtes der Hauptstadt sind in Ulaanbaatar 980 600 Personen registriert. (Stand 17. März).

Tavan-Tolgoi-Vertrag
Nach dreimonatigen Verhandlungen und neun Treffen unterzeichneten am 21. März Industrie- und Handelsminister N. Narankhuu und der Chef von Energy Ressources T. Lkhagvadorj einen Vertrag über die Übergabe von 93,6 Prozent der Kohlelagerstätte Tavan Tolgoi an den Staat. Das bedeutet fünf von sechs Lizenzen übernimmt die Regierung.
Narankhuu kündigte die Erarbeitung einer Strategie und Regierungspolitik für die Nutzung der Kohlelagestätte an.

Neue Flugverbindungen
Einem Vorschlag aus dem Ministerium für Wege, Transport und Tourismus zufolge werden zwischen Murun (Zentrum des Khuvsgul-Aimags) und Irkutsk sowie zwischen Ulaanbaatar und Ulan-Ude Flugverbindungen eingerichtet.
Die Zahl der Touristen, die die Region um den Khuvsgul-See besuchen, wächst von Jahr zu Jahr, außerdem beabsichtigen die Tourismusverantwortlichen, einen Teil der jährlichen 40 000 Reisenden zum Baikalsee auch für den Khuvsgul zu interessieren.


M. Giefer-Publikation

„Zu Fuß ins Land des Dschingis Khans"
Michael Giefer, 1974 in Euskirchen in der Eifel geboren und seit Oktober 2004 Sonderschullehrer für Erziehungshilfe in Urft/Eifel, wanderte im Sommer 2004 in 51 Tagen vom Baikalsee in die Wüste Gobi. Im Herbst 2006 erschien seine Reisebeschreibung unter dem Titel „Zu Fuß ins Land des Dschingis Khans. 1 800 Kilometer durch Sibirien und die Mongolei".
Nach einer 700 Kilometer langen Fußwanderung durch den Mongolischen Altai - „Zwischen Gletschern und Wüsten" – im Jahr 2005 begab er sich in diesem Jahr auf eine Winterwanderung durch die Geburtsorte Chinggis Khaans im Khentiigebirge.
Der deutsche Botschafter nutzte die Gelegenheit und lud den Extremsportler zu einem Lichtbildervortrag über seine Baikal-Gobiwanderung in die Botschaft in Ulaanbaatar ein.
Am 27. März fanden sich nicht nur deutsche „Gastarbeiter", sondern auch viele Mongolen im Konferenzraum der Botschaft ein, um sich von den Erlebnissen eines Fußgängers durch die mongolischen Steppen beeindrucken zu lassen.
Sie wurden nicht enttäuscht. Angenehm unprätentiös, mit Selbstironie und einer Begeisterung für Land und Leute, die nie in Lobhudelei ausartete, schilderte Giefer seine Freuden und Qualen, sein Staunen, Erwartetes und Unerwartetes im Land des Ewigen Blauen Himmels.
Er zeigte Bilder der Landschaften, der Menschen, denen er begegnete, mit denen er Stunden ihres Lebens gemeinsam verbrachte, Bilder von Klöstern und Straßenrandsiedlungen. Dabei war immer noch seine Verblüffung zu spüren, ob der Unterschiede zwischen äußerlicher Armseligkeit und Behaglichkeit im Inneren von Gers oder Blockhäusern.
Nebenbei vermittelte er auch Wissenswertes über die Geschichte und die Kultur der Mongolei, was auch für Menschen, die das Land kennen, immer wieder reizvoll sein kann.
Michael Giefer, der zudem ein begeisterter Akkordeonspieler ist, unternimmt anspruchsvolle Wanderungen und Radtouren seit 1990. Radtouren führten ihn durch Frankreich, Großbritannien und Irland, Deutschland, die USA und zum Nordkap.
Über seine Aktivitäten hat er verschiedene Bücher verfasst, er hält Vorträge und veröffentlicht in Zeitungen und Zeitschriften.
Sein Mongoleiwanderungsbericht erschien u. a. im „Playboy" 02/2007 und bei „Tours" 01/2007.

(Sh. auch „Neues aus der Mongolei vom 13. bis zum 19. September 2004)

„Khadak" im Tengis-Kino
Vom 20. bis zum 23. März wurde im Tengis-Kino in Ulaanbaatar der preisgekrönte Spielfilm des Duos Peter Brosens und Jessica Woodworth „Khadak" (Khadag) gezeigt.
Es geht um einen jungen Nomaden, seine Liebe, seine Auseinandersetzungen mit den Schwierigkeiten des Nomadenlebens, seine Ausbruchversuche, seine Zukunftsträume.
Darsteller aus acht Ländern, darunter vier aus der Mongolei, wirkten mit.
Der Film wurde mit dem „Zukunftslöwen" auf dem 63. Filmfestival 2006 in Venedig, fünf Preisen auf dem internationalen Filmfestival in Zypern 2007 und weiteren internationalen Preisen ausgezeichnet. Zwei der Hauptdarsteller, Khyankhyrvaagiin Batzul und Byambagiin Tsetsgee, wurden auf dem 1. Asienfilmfestival in Singapur als „Bester Schauspieler" bzw. „Beste Schauspielerin" geehrt.
Brosens (Mongolische Trilogie: „Steppenstadt", „Staat der Hunde", „Poeten der Mongolei") und Woodworth („Urga Song") arbeiten seit zehn Jahren mit mongolischen Künstlern zusammen.

(am 14. April kommt der Film in Deutschland in die Kinos)

Prozess gegen Mörder Altantuyas wird fortgesetzt
Die mongolische Regierung hat 12,5 Millionen Tugrug bewilligt, damit mongolische Beobachter am Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder von Sh. Altantuya in Kuala Lumpur teilnehmen können.
An der Fortsetzung des Prozesses vom 24. März bis zum 03. April werden der Leiter der Konsularabteilung im mongolischen Außenministerium, eine Vertreterin der nationalen Menschenrechtskommission sowie der Vater des Opfers, S. Shaariibuu, in die malaysische Hauptstadt reisen.

Tod eines Ringers
In der Nacht vom 05. zum 06. März starb Ulsyn Nachin (Landesfalke) P. Ganbayar in der Ausnüchterungshaft im Stadtbezirk Bayangol von Ulaanbaatar.
Im Zusammenhang mit dem Todesfall wurden vier Polizisten festgenommen. Offensichtlich ist das Opfer an den Folgen von Schlägen gestorben. Die Beschuldigten bestreiten dies.
Vor wenigen Tagen wurde ein fünfter Mann, ein Polizeimajor, als Zeuge in dem Fall vernommen.

Urteil bestätigt
Auch in der zweiten Instanz wurde das Urteil des Stadtbezirksgerichts Sukhbaatar gegen den Sänger der Gruppe „Kharanga", Kh. Lkhagvasuren, bestätigt.
Das Gericht hatte ihn zu sieben Jahr Haft wegen Drogenkonsums, -aufbewahrung und –herstellung verurteilt. Mitglieder von „Kharanga" und ein jüngerer Bruder des Verurteilten bestreiten die Vorwürfe.
Der Verteidiger Lkhagvasurens hat angekündigt, sein Mandant werde erneut Berufung einlegen und sich an das Oberste Gericht wenden..

Mongolische Eisprinzessin
Mongolische Sportler und Sportlerinnen sind bei Olympischen Winterspielen im Skilanglauf und im Eisschnelllaufen gestartet. Noch nie hat sich eine mongolische Eiskunstläuferin auf olympisches Parkett gewagt.
2010 könnte sich das ändern. Die 14-jährige Chinbatyn Haranchagaa (genannt Oniuka) hat sich fest vorgenommen, ihr Heimatland bei den „Weißen Spielen" in Vancouver (Kanada) zu vertreten. Sie trainiert im Eiskunstlaufklub in Bozeman, Montana/USA.
Bei den Asienmeisterschaften im Eiskunstlauf will sie ganz vorn mitlaufen.
Oniuka schreibt Gedichte, lernt traditionellen mongolischen Tanz, schwimmt gern und ist ein talentiertes „Schlangenmädchen".
Neben Mongolisch spricht sie Englisch und Spanisch.

Sumo
Großmeister (Yokozuna) Asashoryu (Blauer Drache) D. Dagvadorj hat mit 13:2 das Märzturnier – Haru Basho - der Profisumoringer vor Hakuho Davaajargal (12:3) gewonnen. Zum 22. Mal konnte er den Pokal des Tenno in Empfang nehmen.
Damit hat sich der Mongole wieder knapp vor seinen schärfsten Rivalen, Großmeister Hakuho (Weißer Zaubervogel) M. Davaajargal, platziert.
Auf der Tagung des japanischen Sumoringerverbandes am 20. März wurden die Auf- und Absteiger der Saison bekannt gegeben. Erfreulich aus mongolischer Sicht: Der 24-jährige Daiyubi D. Undrakh steigt in die zweithöchste Ranggruppe (Juryo) auf.


Zwischen Ulaanbaatar und Nalaikh. März 2008


   

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Last Update: 01. Januar 2017