Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
Präsidentschaftswahlen

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Tsakhiagiin Elbegdorj

Tsakhiagiin Elbegdorj hat Präsidentschaftswahlen gewonnen
Nach vorläufigen Angaben hat der Kandidat der DP die Präsidentschaftswahlen mit 35 000 Stimmen Vorsprung gewonnen. Elbegdorj gewann in sieben von neun Hauptstadtbezirken und in acht Aimags.
Präsident N. Enkhbayar und Ministerpräsident S. Bayar (MRVP) erklärten auf einer Pressekonferenz am Morgen des 25. Mai in Ulaanbaatar, „wir erkennen das Ergebnis der Wahlen an“. Amtsinhaber N. Enkhbayar hat der DP und seinem Herausforderer zum Sieg gratuliert.
Die ZWK erklärte, sie habe die Parteien bisher nicht offiziell informiert. Das endgültige Ergebnis liege noch nicht vor.
Nach der MRVP-Pressekonferenz versammelten sich auf dem Sukhbaatplatz feierfreudige DP-Anhänger. Ursprünglich war die Feier erst für den Nachmittag angesetzt.
Der designierte Staatspräsident Elbegdorj legte am Chinggis-Denkmal Blumen nieder und bedankte sich bei seinen Wählern für das ihm erwiesene Vertrauen.

Spannender Präsidentschaftswahlkampf
Zum fünften Mal haben die Mongolen am 24. Mai ihren Staatspräsidenten gewählt.
Von 07:00 bis 22:00 Uhr konnten die 1 484 094 registrierten wahlberechtigten Bürger in 1 691 Wahllokalen für einen der beiden Kandidaten stimmen.
Bis 21:00 Uhr hatten 958 901 oder 64, 6 Prozent der Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.
2005 waren es zum gleichen Zeitpunkt 74,98 Prozent.
Kurz nach Mitternacht Ortszeit verkündeten beide Wahlkampfleiter die ersten Auszählungsergebnisse. Danach hat Elbegdorj in 158 von den bisher ausgezählten 236 Bags gewonnen.
Zur Stunde versammeln sich die Mitglieder der Führungsgremien der DP, die Vorsitzende der Zivilcouragepartei, S. Oyun, Grünenparteichef D. Enkhbat, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Bürgerbewegungspartei, Magnai, der Chef der „Front Ehrlicher Bürger", G. Arslan und Vertreter anderer Bürgerbewegungen und Parteien im DP-Gebäude, um gemeinsam den Fortgang der Auszählungen zu verfolgen.
Auch die MRVP-Führung hat sich versammelt und informiert über die aktuellen Auszählungsergebnisse.
In 20 von 21 Aimags habe ihr Kandidat, N. Enkhbayar, gewonnen (Stand 03.40 Uhr).
In Ulaanbaatar hat nach Informationen aus der DP-Parteizentrale Elbegdorj die Nase vorn.
Nach dem Gesetz muss das offizielle Wahlergebnis spätestens fünf Tage nach den Wahlen, am 29. Mai, verkündet werden.
Stündlich werden die Ergebnisse aus weiteren Aimags und Sums gemeldet. In Khentii hat Amtsinhaber Nambaryn Enkhbayar gewonnen, im Chingeltei-Duureg von Ulaanbaatar Elbegdorj.

Kurzbiografie Elbegdorj
Tsakhiagiin Elbegdorj wurde am 30. März (nach anderen Quellen am 08. März) 1963 im Tsereg-Sum im Khovd-Aimag als jüngstes von acht Kindern des Viehhalters und Kriegsveteranen Tsakhia und der Viehhalterin Khoninkhuu geboren.
Nach dem Besuch der Grundschule und den ersten Jahren auf der Oberschule im Tsereg-Sum zog er 1979 mit seiner Familie nach Erdenet. Hier schloss er 1981 die Oberschule mit Auszeichnung ab und begann zunächst eine Lehre als Maschinist im Kupfer-Molybdän-Kombinat. Bereits während dieser Zeit schrieb er Gedichte, die im Roten Stern veröffentlicht wurden, später handelte er sich wiederholt Ärger mit der Staatsmacht wegen seiner offenen, mehr Demokratie und Freiheit fordernden Artikel ein.
1983 -1988 studierte er Journalistik am militärpolitischen Institut in Lwow (Ukraine), danach arbeitete er bis 1990 als Korrespondent der Armeezeitung „Ulaan Od" (Roter Stern).
Elbegdorj gehörte zu den Begründern der demokratischen Bewegung in der Mongolei, die 1990 das Ende der Alleinherrschaft der MRVP einläuteten.
Am Entwurf der ersten demokratischen Verfassung der Mongolei von 1992 hat er maßgeblich mitgearbeitet, er gründete den ersten freien TV-Sender und arbeitete als Vorsitzender des Unternehmerverbandes.
Nach dem Wahldebakel für die Demokraten im Jahr 2000 absolvierte Elbegdorj 2001 einen Masterstudiengang an der Coloradouniversität, 2002 erwarb er das Diplom als Kommunikationswissenschaftler in Harvard.
Zwischen 1990 und 2000 wurde er zweimal in die Große Staatsversammlung gewählt. Seit 2008 ist er erneut Mitglied im mongolischen Abgeordnetenhaus.
Elbegdorj war zweimal Ministerpräsident (1998 und von 2004 bis 2006) sowie einmal Vizevorsitzender der Staatsversammlung.
Nach den Unruhen im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen 2008 und innerparteilichen Querelen trat er als Vorsitzender der DP zurück.
Ts. Elbegdorj und seine Frau Kh. Bolormaa sind Eltern von fünf Kindern, vier Söhnen und einer Adoptivtochter.

Kritik an unsachlicher Berichterstattung
Die Zentrale Wahlkommission (ZWK) hatte am Mittag in einem Schreiben an die Wahlleitungsstäbe von MRVP und DP über unsachliche Berichterstattung in einigen Radio- und Fernsehsendern informiert. Die Verbreitung von Falschinformationen, für die weder entsprechende Belege noch andere Beweise vorgelegt wurden, sollten umgehend eingestellt werden.
Klagen über die Verletzung des Wahlgesetzes und unzulässige Beeinflussung von Wählern wurden von der MRVP, der DP und von Bürgern eingereicht.

Alkoholverkauf verboten
Der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar, G. Munkhbayar, hat im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen am 24. Mai den Verkauf von alkoholischen Getränken verboten.
Waffenläden wie „Ikh Av" bleiben geschlossen, Großveranstaltungen mussten abgesagt werden.
Aufgrund von Drohungen im Vorfeld der Wahlen, am 24. könnten sich ähnlich gewalttätige Protestkundgebungen wie nach den Parlamentswahlen 2008 ereignen, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt verstärkt.

Sumo
Ozeki Harumafuji D. Byambadorj hat das Maiturnier der Sumoprofis (Natsu Basho) in Tokio mit 15:1 gewonnen.
Im notwendig gewordenen Entscheidungskampf am Sonntag bezwang er Yokozuna Hakuho M. Davaajargal (14:2).
Dritter wurde der Japaner Kisenosato Y. Hakiwara (13:2) vor Yokozuna Dagvadorj (12:3).
Für Byambadorj ist es der erste Sieg bei einem Turnier der höchsten Sumoprofiliga.
Nun strebt er nach dem Titel „Yokozuna" (Großmeister).
Gelegenheit, diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, bietet das Nagoya Basho im Juli.

Am 07. Juni können Sie an dieser Stelle einen Bericht über das Mongoleifest in Waßmannsdorf bei Berlin lesen.

Die Gastgeber erwarten unter anderem eine Delegation des Partnerstadtbezirks Bayangol unter Leitung von Bürgermeisterin Amgalan sowie den Botschafter der Mongolei in der BR Deutschland, Dr. T. Galbaatar. R.B.


   

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Last Update: 01. Januar 2017