Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
26. Oktober bis 1. November 2009

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

Mongolei zum Mitglied des UN-Wirtschafts- und Sozialrats gewählt
2007 hatte sich die Mongolei um die Mitgliedschaft im Wirtschafts- und Sozialrat der UNO (ECOSOC) beworben.
Am 26. Oktober stimmten 185 Ländervertreter für das Begehren der Mongolei. Notwendig wäre lediglich eine Zweidrittelmehrheit oder 128 Stimmen gewesen.
Jedes Jahr werden 18 Mitglieder von insgesamt 54 für jeweils drei Jahre neu gewählt.


S. Batbold mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Juli 2009

26. Ministerpräsident vereidigt
Auf ihrer Sitzung am 29. Oktober bestätigten die Abgeordneten Sukhbaataryn Batbold (MRVP) als neuen Ministerpräsidenten.
Batbold, in der Koalitionsregierung von MRVP und DP Außenminister, tritt die Nachfolge von Sanjaagiin Bayar an.
Bayar hatte am 26. Oktober aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt vom Amt des Regierungschefs erklärt.
Der Schritt sei ihm sehr schwer gefallen, aber letztendlich könne er aufgrund seiner Hepatitiserkrankung und seiner noch nicht ausgeheilten Rückenverletzung den Anforderungen des Amtes nicht voll gerecht werden.
Mit Stolz erfülle ihn, dass das Investitionsabkommen mit den Großinvestoren Rio Tinto und Ivanhoe Mines schließlich doch noch zustande gekommen sei.
Er werde weiter als einfacher Abgeordneter politisch aktiv bleiben.
Kenner der politischen Szene der Mongolei widersprechen Gerüchten, Bayar sei wegen innerparteilicher Querelen und der großen Widerstände, auch seitens des Präsidenten gegen ihn zurückgetreten. Immer wieder hatten die Medien zudem über das Privatleben des Premiers berichtet. Er sei der erste mongolische Ministerpräsident, der an hohen Staatsfeiertagen ohne Ehefrau erschienen sei. Auch einen Deel hätte er offenbar nicht mit großer Begeisterung getragen.
Die Bevölkerung, hauptsächlich die der Städte, schätzte ihn jedoch, gerade wegen seiner Abneigung gegen Anbiederung und Populismus.
Die Parteikonferenz der MRVP hatte sich mit großer Mehrheit für den ehemaligen Vizeaußenminister (2000-2004) und Industrieminister (2004-2006) Batbold und gegen Justizminister Nyamdorj als Nachfolger für Bayar entschieden. Präsident Elbegdorj akzeptierte die Nominierung.
In Anwesenheit des Präsidenten überreichte der Erste Stellvertreter des Ministerpräsidenten L. Gankhuyag im Staatsempfangsger das Amtssiegel.
Batbold lobte die Arbeit und die Erfolge seines Vorgängers und versprach, ihm nacheifern zu wollen.
Von den 66 anwesenden Abgeordneten waren vier der Abstimmung ferngeblieben. Die 62 stimmten geschlossen für Batbold.
Der russische Regierungschef V. V. Putin und der russische Außenminister S. Lavrov sowie der Ministerpräsident des Staatsrates der VR China, Wen Jiabao, haben ihrem Amtskollegen bereits Glückwunschtelegramme gesandt.

Der Diplomat und Ökonom S. Batbold wurde 1963 in Ulaanbaatar geboren. Nach dem Abschluss der 14. zehnklassigen Mittelschule in Ulaanbaatar 1980 studierte er in Moskau und London Internationale Beziehungen und Ökonomie.
Er lebt mit Frau und Kindern in Ulaanbaatar. (Große Heiterkeit erntete der Präsident für den Versprecher in seiner Begrüßungsrede, Batbold lebe mit Ehefrau (ekhner) und Frauen (khuukhnuud anstatt khuukhduud) …
Batbold spricht russisch, englisch und französisch.
Seit 2004 ist er Mitglied in der Großen Staatsversammlung.

„Oyutolgoi"-Investoren überweisen erste Rate
Am 20. Oktober überwiesen die Investoren die erste Rate der vereinbarten insgesamt 250 Millionen USD an Vorauszahlungen im Zusammenhang mit der Übernahme der Gold und Kupferlagerstätte „Oyutolgoi" im Südgobi-Aimag an die Regierung der Mongolei.
Der stellvertretende Chef von Ivanhoe Mines, P. Meredith, übergab den 100 Millionen-USD-Scheck an Finanzminister S. Bayartsogt.

„Deutschland-Alumni – weltweit vernetzt"
Mehr als 200 Alumni und Repräsentanten deutscher Organisationen besuchten die Konferenz „Deutschland-Alumni - weltweit vernetzt" am 06. und 07. Oktober in Ulaanbaatar.
In Referaten und Workshops diskutierten sie die Nützlichkeit der globalen Vernetzung für das Berufs- und Privatleben jedes Einzelnen sowie Möglichkeiten, die virtuelle Welt und die modernen Medien für sich zu erschließen. Darüber hinaus tauschten die Teilnehmer Meinungen und Erfahrungen zu aktuellen Problemen der Mongolei aus. Diese Diskussionen würden fortan auf dem Deutschlandportal fortgesetzt.
Eröffnet worden war die Konferenz von der stellvertretenden Geschäftsführerin der Arbeitsgruppe Entwicklung und Fachkräfte (AGEF) Dr. Karin Lutze und dem Vorstandsvorsitzenden der Mongolisch-Deutschen Brücke (MDB) Ts. Batmunkh.
Grußworte sprachen der Abgeordnete der Großen Staatsversammlung und Deutschlandabsolvent L. Gundalai sowie der Erste Sekretär der Deutschen Botschaft Michael Roßbach.  
Frau Lutze verwies darauf, wie aktive Nutzer des Alumniportals Deutschland von diesem profitieren könnten, indem sie sich selbst, ihre Leistungen und ihre Ideen vorstellen, so zum Ansprechpartner für potenzielle Auftraggeber werdend, außerdem würden der Wissenschaftsaustausch sowie die persönlichen Kontakte zu Deutschland und den ehemaligen Ausbildungseinrichtungen gefördert.
Der Vize-Direktor der Regierungsagentur für Informations- und Kommunikationstechnologien J. Bat-Erdene stellte in seinem Vortrag die Pläne der mongolischen Regierung vor, innerhalb der nächsten Jahre Glasfaserkabel zu verlegen, um die Aimags und Städte an das weltweite Netz anschließen zu können.
In weiteren Vorträgen wurden die Verantwortung der Betreiber und Berichterstatter der Onlineportale, die Bedeutung von sozialen Netzwerken für die zukünftige weltweite Kommunikation sowie konkrete Projekte, die im Ausland lebende Mongolen miteinander vernetzen sollen, thematisiert.
Neben Vertretern von AGEF und MDB, mongolischen politischen Einrichtungen beteiligten sich u. a. der DAAD-Klub, der InWEnt-Alumni-Verein (VESS) und der Alumniklub der Universität für Verteidigung.
In einem gemeinsamen Strategiegespräch verabredeten alle Beteiligten, ihre Aktivitäten miteinander abzustimmen.
Ein Ergebnis der Konferenz war die Bildung von neun Fachgruppen, die sich mit Umweltschutz, Wissenstransfer, Nanotechnologie und IT-Entwicklung beschäftigen werden.

736 Grippeinfektionen
Auf einer Pressekonferenz am 02. November informierten der stellvertretende Ministerpräsident M. Enkhbold und Gesundheitsminister Lambaa über Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Grippevirus H1N1.
Mit Stand vom 02.11. würden 736 Menschen mit dem Verdacht auf eine H1N1-Infektion behandelt, davon 608 in Ulaanbaatar, 128 in 14 Aimags (Arkhangai, Dornod, Selenge, Uvurkhangai, Darkhan-Uul, Tuv, Gov’sumber, Khentii, Khuvsgul, Bulgan, Orkhon, Khovd, Dornogov’ und Umnugov’).
Fünf Menschen seien bisher dem Schweinegrippenvirus zum Opfer gefallen.
Geprüft werden soll, warum die bisherigen Quarantänemaßnahmen zu keinen nennenswerten Erfolgen führten.
Für die von Ärzten und Pflegepersonal geleisteten Überstunden soll aus dem Staatshaushalt mehr Geld bereitgestellt werden, Aimagverwaltungen und Polizei Fahrzeuge für die Schnelle Medizinische Hilfe zur Verfügung stellen, die Zolltarife für Medikamente heruntergesetzt werden. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachkräften Chinas und Russlands verstärkt werden.
Internetcafés und Schulen werden zeitweise geschlossen, in Ulaanbaatar ist kaum noch jemand ohne Mundschutz unterwegs.
Die Behörden warnen vor Panik – nicht jede Erkältung bedeute eine Grippeerkrankung - aber auch vor zu großem Leichtsinn. Auf Hygiene sollte geachtet werden, was allerdings in den Gervierteln zunehmend schwieriger wird, da der Frost zu einem Mangel an sofort verfügbarem Wasser führt.

Sumgouverneur erliegt Grippevirus
In der Nacht vom 28. zum 29. Oktober ist der Gouverneur des Gurvantes-Sum im Südgobiaimag gestorben.
Seit dem 20. Oktober klagte er über Fieber und wurde unter dem Verdacht, sich mit dem neuartigen Grippevirus infiziert zu haben am 25. Oktober ins Sumkrankenhaus eingeliefert.
Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen der in Gurvantes entnommenen Blutproben, die nach Ulaanbaatar ins Nationale Zentrum zur Behandlung von Infektionskrankheiten eingeschickt worden waren, bestätigten den Verdacht auf eine H1N1-Infektion.
Leider blieben alle Behandlungsversuche erfolglos.
Eine Arbeitsgruppe des Gesundheitsministeriums untersuche den Fall.

Deutsch-Mongolische Gesellschaft e. V.
Auf ihrer Jahrestagung am 17. Oktober wählten die Mitglieder der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft Johannes Limbrunner, Generalhonorarkonsul Dirk Pfeil, Frau Purevdorjiin Gangamaa, Frank Voßen und Astrid Zimmermann in den Vorstand.
Auf der konstituierenden Vorstandssitzung am 27. November in Frankfurt/Main werden die Aufgabenverteilung zwischen Präsident, Vizepräsident und Geschäftsführer präzisiert, über die Kooptierung weiterer Vorstandsmitglieder diskutiert sowie der wissenschaftliche Beirat bestellt.
Die Jahrestagung 2010 soll in Frankfurt während der Internationalen Buchmesse stattfinden.

Kulturprogramm der Alliance Française für November
Anlässlich des 20. Jahrestages des Inkrafttretens der UN-Kinderrechtskonvention wird am 20. November im französischen Kulturzentrum in Ulaanbaatar eine Ausstellung mit Fotos des „Gamma"-Fotografen D. Davaajargal eröffnet.
Am 21. und 22. November dirigiert Robert Ressicaud die für Kinder adaptierte Version der Oper „Carmen" im Opern- und Balletttheater Ulaanbaatar.
Am 16. November können sich Interessenten von der „Reise einer Pariserin nach Lhasa" von Alexandra David-Néel faszinieren lassen.
Mitarbeiter der Buchhandlung „Papillon" stellen im Kulturzentrum die mongolische Übersetzung des Werkes vor.

Mongolween
Halloween erfreut sich auch in der Mongolei wachsender Beliebtheit.
Die zentralen Events in diesem Jahr wurden am 31. Oktober im „Orange Club" und im „Café Havanna" in Ulaanbaatar unter dem Motto „Mongolween" organisiert.
Eingelassen wurde nur, wer sich fantasievoll verkleidet hatte. Der Eintritt kostete 5 000 MNT.
Während im „Havanna" eine Mischung aus mongolischer Folklore und westlichen Traditionen geboten wurde, standen im „Orange Club" Geister, Kobolde, Feen und Hexen im Mittelpunkt des Geschehens.

Mongole kann Reststrafe in der Heimat verbüßen
Zum ersten Mal wurde einem mongolischen Häftling in China die Möglichkeit gewährt, den Rest seiner Strafe in einem Gefängnis in der Mongolei zu verbüßen.
Darauf einigten sich beide Seiten (Gerichte, Haftanstalten, Konsularabteilungen, Strafvollzugsbehörden, mongolische Botschaft in China, mongolisches Konsulat in Khukh Khot - Hauptstadt des Autonomen Gebietes Innere Mongolei in der VR China) nach zähen Verhandlungen.
U. Nyam-Ochir wurde am 26. Oktober aus einem Gefängnis in Khukh Khot in die Mongolei überführt.


   

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Last Update: 01. Januar 2017