Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
31. August bis 6. September 2009

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Denkmal für die Opfer des Stalinismus

„Tag der politisch Verfolgten"
Aus Anlass des Gedenktages für die politisch Verfolgten am 10. September hat der stellvertretende Vorsitzende der Großen Staatsversammlung und Vorsitzender der Staatlichen Rehabilitierungskommission, N. Enkhbold, am 02. August Opfer politischer Repressionen seit den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts empfangen. Bei dieser Gelegenheit informierte er über den Stand der Rehabilitierungsmaßnahmen und betonte die Notwendigkeit, alles dafür zu tun, dass sich ähnliches in Zukunft nie wieder ereigne.
Im Namen der Opfer forderten M. Terbish und D. Tsogtbaatar Entscheidungen hinsichtlich der Übergabe eines Gebäudes an den „Verband der politisch Verfolgten", der Verbesserung der Wohnraumsituation und der Sozialleistungen für die Betroffenen.
Zurzeit leben noch 50 direkt betroffene Opfer der politischen Verfolgungen bis 1990.
Die Rehabilitierungskommission der Hauptstadt hat fünf Opfern Wohnungen zugewiesen, 15 erhielten zusätzliche finanzielle Unterstützung.
Am 10. September sind alle Kraftfahrzeugführer aufgerufen, zwischen 10.00 und 13.00 Uhr mit eingeschaltetem Licht zu fahren, Opferabordnungen, Vertreter der Parteien, der Regierung politischer Organisationen und der Staatsversammlung werden am Denkmal für die Opfer vor dem Nationalmuseum und am „Khambyn Ovoo" Blumenkränze niederlegen.
In den Klöstern finden ebenfalls Gedenkveranstaltungen statt und an den allgemeinbildenden Schulen werden Vorträge über dieses „dunkelste Kapitel in der mongolischen Geschichte der Neuzeit" gehalten.
Wie der Presse- und Informationsdienst der Rehabilitierungskommission mitteilte, leben heute noch 50 der politisch Verfolgten der Stalin-Choibalsanzeit.

Fischers Besuch verzögert sich
Der für den 02. bis 04. September vorgesehene offizielle Besuch des tschechischen Ministerpräsidenten Jan Fischer in der Mongolei verzögert sich.
Grund sei die innenpolitische Lage Tschechiens.
Eine entsprechende Mitteilung erreichte das mongolische Außenministerium Ende August.

Nachwahlen in Chingeltei
Bisher haben die MRVP, die Gesamtmongolische Traditionspartei und die DP bei der ZWK ihre Anmeldung zur Nachwahl im Wahlkreis 24 (Chingeltei) eingereicht.
Die Grüne Partei, die Zivilcouragepartei und die Bürgerbewegungspartei haben noch nicht darüber entschieden, ob sie gemeinsam oder getrennt zur Wahl antreten.
Als unabhängiger Kandidat hat sich der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation „Wahre Bürgerkontrolle", Kh. Bat-Yalalt, registrieren lassen.

Enkhbayar erneuert Parteimitgliedschaft
Expräsident N. Enkhbayar hat seine Mitgliedschaft in der MRVP wieder aufleben lassen.
Das teilte der Vorsitzende der Parteigruppe 68 im Sukhbaatar-Duureg mit.
Damit erhalten die Gerüchte neue Nahrung, Enkhbayar werde sich um das im WK 24 freigewordene Abgeordnetenmandat seines Nachfolgers Ts. Elbegdorj bewerben.
Bisher sind sechs MRVP-Kandidaten vorgeschlagen worden. Enkhbayar ist nicht dabei.
Eine endgültige Entscheidung darüber, wer schließlich für die Partei kandidieren wird, fällt der Parteirat.

Italienvisa in Ulaanbaatar erhältlich
In einer Note der italienischen Botschaft in Peking an das Ministerium für Auslandsbeziehungen heißt es, dass ab dem 01. August Visa für mongolische Staatsbürger direkt in Ulaanbaatar beantragt und ausgehändigt werden können.
Anlaufstelle sei die Botschaft der BR Deutschland in Ulaanbaatar. Die Anträge könnten in englischer und deutscher Sprache eingereicht werden.


Mongolische Honorarkonsulin für Rumänien Rodica M. Pop, A. Pitum

7. Treffen der Honorarkonsuln der Mongolei
Am 7. Treffen der Honorarkonsuln der Mongolei vom 03. bis 04. September in Ulaanbaatar nahmen 30 Vertreter aus 20 Ländern teil.
Alle zwei Jahre organisiert das Ministerium für Auslandsbeziehungen diese Begegnungen mit den „Ehrenbotschaftern" seines Landes.
In diesem Jahr eröffnete Außenminister S. Batbold das Treffen mit einem Vortrag zum Thema „Ökonomie und Außenpolitik. Weitere Vorträge hielten das Mitglied der Großen Staatsversammlung und Vorsitzender des Sicherheitsausschusses, Z. Enkhbold, die Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Yo. Otgonbayar, für Natur und Umwelt, L. Gansukh, der Vizeminister für Mineralische Rohstoffe und Energie, B. Ariunsan sowie der Vorsitzende der Nationalen Kommission für Entwicklung und Erneuerung, L. Khashchuluun.
Andreas H. A. Pitum aus München, der seit acht Jahren die Mongolei als Honorarkonsul in Baden-Württemberg und Bayern vertritt, antwortete auf die Frage, wo die Interessen der Deutschen bezügliche einer Zusammenarbeit mit der Mongolei lägen: In letzter Zeit sei das Interesse deutscher Firmen an einer Zusammenarbeit im Bergbau stark gestiegen. In den Bundesländern, für die ich verantwortlich bin, arbeiten große Firmen wie Siemens, Mercedes-Benz oder BMW. Sie für Investitionen in der Mongolei zu interessieren ist eines meiner Anliegen, außerdem kümmere ich mich um Studentenaustausch, Qualifizierungsmaßnahmen für mongolische Arbeitskräfte. Erinnern möchte ich zudem an den, von der Mongolei sehr geschätzten Beitrag, den die Hanns-Seidl-Stiftung bei der Reformierung des Rechtssystems in der Mongolei gespielt hat und noch spielt.
Zum ersten Honorarkonsul der Mongolei wurde 1992 Kvok Shumin-I aus Hongkong ernannt.
Heute ist die Mongolei mit 66 Honorarkonsuln in 40 Ländern vertreten.

Ablehnungsfront gegen O-Abkommen formiert sich
Auf einer Pressekonferenz kündigten Vertreter von Bürgerbewegungen und kleineren Parteien an, sich gegen „das Netzwerk von Gaunern in der Mongolei" verbünden zu wollen.
Die vom Parlament beschlossenen Gesetze zugunsten der Oyutolgoiinvestoren seien wenig nützlich für die Mongolei.
Mindestens 51 Prozent der Lagerstätte müssten in Händen des Staates bleiben.
An einer gemeinsamen Beratung im Ulaanbaatar-Hotel waren die Neue Nationalpartei, die Gesamtmongolische Traditionspartei, die Partei der Demokratiebewegung, die Freiheitspartei, der Verband der Grundgesetzhüter, die Bewegungen Radikale Reformen, Ganze Mongolei, Meine Mongolische Erde, Ehrliche Bürgergerichte, der Verband der Erneuerer des Mongolischen Bergbaus, insgesamt 15 Organisationen, vertreten.

Bankrotterklärung der Anod-Bank?
Die Mongolbank hat am 02. August die Offerte der malaysischen Niederlassung einer schwedischen Bank, die angeschlagene Anod-Bank für 180 Milliarden Tugrug zu übernehmen, bestätigt.
Gerüchte besagen, dass das Angebot abgelehnt wurde.
Die Anod-Bank steht inzwischen unter direkter Verwaltung der Mongolbank.
12 ihrer 20 Filialen sind bereits geschlossen, 68 Prozent der Mitarbeiter entlassen. Eine offizielle Bankrotterklärung würde die Rückzahlungsmöglichkeiten für die 200 Milliarden Tugrug, die die Bank ausländischen Banken schulde, verbessern.

Ernte 2009
Angaben aus dem Landwirtschaftsministerium zufolge wird in diesem Herbst eine Ernte von 338 900 Tonnen Getreide, 150 500 Tonnen Kartoffeln und 99 200 Tonnen Gemüse erwartet.
Das wären 135 000, 8 400 und 18 600 Tonnen mehr als im vergangenen Jahr. Damit könnte der jährliche Bedarf an Getreide zu 83,8, der an Kartoffeln zu 114 und der an Gemüse zu 60 Prozent gedeckt werden.
Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Öl- und Viehfutterpflanzen seien auf insgesamt 286 400 Hektar angebaut worden.
42 800 Tonnen des eingebrachten Getreides seien für die Frühjahrsaussaat 2010, 9 900 für die staatliche Saatreserve, 25 200 für die Alkohol-, 20 600 für die Viehfutter- und 56 200 Tonnen für die Mehlproduktion vorgesehen.


Nominzul (l.), Khuslen

Reformen des Bildungssystems werden fortgeführt
Für 500 000 Schüler an den 752 allgemeinbildenden Schulen, 160 000 Studenten an Universitäten, Hochschulen und Colleges, 45 000 Schülern der 64 Berufsausbildungszentren sowie für 140 000 Kindergartenkinder hat am 01. September das neue Ausbildungsjahr begonnen.
Mit Beginn des neuen Schuljahres wird auch das Projekt des allmählichen Übergangs zum 12-Klassenschulsystem fortgesetzt.
Große Aufmerksamkeit widmet die Regierung der Verbesserung des Berufsausbildungssystems. Gute Facharbeiter seien für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung unverzichtbar.
Auch die Hochschulausbildung bedürfe dringender Reformen, um sinkende Qualität zu stoppen.
Einer von drei Hochschulabsolventen sei arbeitslos, das sei trotzdem gegenüber 2004 ein Lichtstreif am Horizont. 2004 hätten nur 17 Prozent der Absolventen einen Arbeitsplatz gefunden.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise bringe Probleme für die Sicherung der versprochenen kostenlosen Schulvesper mit sich.
Auch die durch Feuer oder Regen zerstörten Kindergarten- und Schulgebäude seien noch nicht wieder bezugsfertig, die Kosten für die Heizung und nötige Reparaturen an einigen Schulen seien trotz der Hilfen seitens der Asiatischen Entwicklungsbank und der Weltbank noch nicht gedeckt.
Aufgrund des Babybooms der vergangenen Jahre erhöhte sich zudem die Zahl der Schulanfänger bis 2011 dramatisch, das erforderte mehr Lehrer und Schulen.

Zehn Jahre deutsch-mongolische Forschungen in Karakorum
Vor zehn Jahren begannen deutsche und mongolische Wissenschaftler ihre gemeinsamen Grabungs- und Forschungsarbeiten in Karakorum, der ersten Hauptstadt des mongolischen Großreiches.
Auf Einladung von Botschaftsrat Dr. Michael Freudenberg gaben Prof. Jan Bemmann und Dr. Ernst Pohl vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn am 01. September im Konferenzsaal der Botschaft einen Überblick über die bisherigen Forschungsergebnisse und die weiteren Pläne.
Zunächst berichtete J. Bemmann über die aktuellen gemeinsamen Projekte: die Restaurierung von Artefakten aus alttürkischen Felsgräbern im Khovd-Aimag, geoarchäologische Forschungen in der Steppe mit dem Ziel, Kulturlandschaften im Orkhontal zu rekonstruieren sowie die umfangreichen Forschungen unter Einsatz modernster Technologien zur Vervollkommnung der Chronologie der Xiongnu mit Hilfe der C14-Datierungsmethode – ein deutsch-mongolisch-russisches Gemeinschaftsprojekt.
Die Grabungen seien stets begleitet gewesen von internationalen wissenschaftlichen Tagungen und Konferenzen u. a. in Bonn und Ulaanbaatar. Die Universität Bonn und der DAAD hätten sich zudem um die Förderung der Nachwuchsarchäologen der Mongolei mit Hilfe von Seminaren, Summer Schools und der Betreuung von Dissertationen verdient gemacht.
Im zweiten Teil der Veranstaltung widmete sich Ernst Pohl ausführlich den Ausgrabungen im Handwerkerviertel von Karakorum, die zwischen 1999 und 2005 einerseits bisherige Erkenntnisse über die Stadt, seine Entstehung und seine Bewohner bestätigt, andererseits völlig neue Einblicke in die Geschichte und das Alltagsleben der Stadt gebracht hätten.
Die Archäologen legten mehrere Siedlungsschichten frei, entdeckten spektakuläre und weniger spektakuläre Artefakte. Zu den spektakulären gehört zweifellos das Goldarmband aus der Werkstatt eines ansässigen Handwerkers plus dazugehöriger Form.
Beide Referenten veranschaulichten ihre Ausführungen durch aussagefähiges Bildmaterial, Karten und Grafiken.
Der erste Band mit den Ergebnissen der Karakorumgrabungen wird in Kürze erscheinen.
Der Einladung in die Botschaft waren neben mongolischen und deutschen sehr aufmerksamen und interessierten Zuhörern der ehemalige Präsident der Akademie der Wissenschaften der Mongolei, Prof. B. Chadraa und der Direktor des Archäologischen Instituts, Prof. D. Tseveendorj gefolgt.


Straßenausbesserungsarbeiten beendet. Vor dem Staatskaufhaus.

„Tag ohne Alkohol"
Am ersten Tag jedes Monats ist nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von Ulaanbaatar der Verkauf und Ausschank von alkoholischen Getränken in allen Stadtbezirken untersagt.
Die Anordnung gilt seit dem 01. September.
In der Nacht vom 01. zum 02. September registrierte die Polizei 34 Straftaten, darunter neun Diebstähle, einen schweren Raub, vier Autounfälle.
180 Personen wurden in Ausnüchterungsgewahrsam genommen, 40 von ihnen allein im Songinokhairkhan-Duureg.

Doping beim Naadamringen
Ulsyn Zaan (Landeselefant) B. Soronzonbold und Ulsyn Nachin (Landesfalke) Ts. Sumyaabeis heißen die beiden Naadamringer, deren A-Proben verbotene Substanzen enthielten.
Endgültige Klarheit müssten nun die B-Proben bringen.
Auf einer Pressekonferenz mit dem Vizevorsitzenden des Mongolischen Nationalen Ringerverbandes, D. Danzan und dem Vorsitzenden des Ringerrates gegen Doping, Landeschampion G. Usukhbayar, wurde die Kritik an einigen Medien, darunter die „Udriin Sonin", erneuert, die vier Ringer, darunter Ulsyn Avarga (Landeschampion) Usukhbayar und den neuen Nachwuchsstar Ulsyn Khartsaga (Landeshabicht) U. Bat-Orshikh, namentlich des Dopings beschuldigt hatten.
Sie forderten eine offizielle Entschuldigung seitens der Sender und Zeitungen, die diese Falschmeldung verbreitet hätten.


T-Shirt-Tag am 30.08.09


   

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Last Update: 01. Januar 2017