Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
1. bis 7. Februar 2010

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

Abschluss der Herbstsitzungsperiode
Am 05. Februar diskutierten die Abgeordneten der Großen Staatsversammlung über Änderungen am Wahlgesetz.
D. Ochirbat und R. Gonchigdorj hatten den Gesetzentwurf initiiert, der zunächst von der Mehrheit der Parlamentarier abgelehnt worden war.
Das Verfassungsgericht forderte zum wiederholten Male, die nötigen Änderungen zu beschließen.
Es geht um die Möglichkeit des Obersten Gerichtes, Parteien oder Wahlvereinigungen die Registrierung für Wahlen zu verweigern, wenn sie keine oder nur unvollständige Rechenschaftsberichte ablieferten.
Am Ende wurde die Gesetzesänderung akzeptiert.
Der Vorsitzende schloss die Herbstsitzungsperiode ab. An 91 Tagen hätten die Abgeordneten 104 Gesetze und Beschlüsse beraten und bestätigt, darunter den Staatshaushalt 2010, die staatliche Geldpolitik und die Richtlinien für die Privatisierung 2010 – 2012.
Die Frühjahrssitzungen beginnen Anfang April.


Präsident Elbegdorj (2. v. links) und Außenminister Zandanshatar (1. v. links) in Davos. Foto Presseabteilung des AA der Mongolei

Mongolei und Deutsche Bank
Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos äußerte Kajo Koch-Weser, Ex-Finanzstaatssekretär und jetzt Vizedirektor der Deutschen Bank, in einem Gespräch mit dem mongolischen Staatspräsidenten Ts. Elbegdorj den Wunsch des wichtigsten deutschen Finanzinstituts, enger mit der Mongolei zusammenarbeiten zu wollen. Die Rede war von einer strategischen Partnerschaft.
Elbegdorj dankte Koch-Weser für den Beitrag der Bank bei der Ausbildung junger mongolischer Finanzfachleute.
2009 habe die DB 250 Millionen USD in der Mongolei investiert.

Oyutolgoi-Inbetriebnahme
Am 04. April tritt das am 06. Oktober unterzeichnete Oyutolgoi-Investitionsabkommen offiziell in Kraft.
Der Investor, Ivanhoe Mines Mongolia Inc., habe sich bereits in Oyutolgoi LC umbenannt.
Die Irritationen bezüglich der technischen und wirtschaftlichen Bewertungen des Investors scheinen nahezu ausgeräumt.
Die mongolische Regierung hatte reale Schätzungen über das Vorkommen und den Wasserbedarf gefordert.
Bislang seien in das Projekt bereits eine Milliarde USD investiert worden.

Neue Vizepräsidenten der Mongolbank ernannt
Am 28. Januar stimmten die Abgeordneten der Berufung von B. Javkhlan und N. Zoljargal als Vizepräsidenten der mongolischen Staatsbank (Mongolbank) zu.
Javkhlan wurde von der MRVP, Zoljargal von der DP nominiert.
Während Javkhlan seit 13 Jahren im mongolischen Bankensektor arbeitet und zurzeit ein Zusatzstudium an der Indiana-Universität in Bloomington (USA) absolviert, arbeitete Zoljargal als Buchhalter in der damaligen Staatsbank, als ökonomischer Direktor der Trade and Development Bank und als Exekutivdirektor der mongolischen Börse. Er ist darüber hinaus für ein Münchner Unternehmen tätig.
Seine Nominierung stieß zunächst auf entschiedenen Widerstand innerhalb der MRVP. Ihm werden Bestechlichkeit und Inkompetenz vorgeworfen, außerdem soll er ein Spieler sein.
Für Javkhlan stimmten 93,9 Prozent der anwesenden Abgeordneten, für Zoljargal 87,2 Prozent.
In einem Interview für mongolische Medien am 06. Februar wies Zoljargal die gegen ihn gerichteten Vorwürfe zurück.
Er räumte ein, mehrere mongolische Banken seien in einer schwierigen Lage und die Wirtschaftskrise in der Mongolei werde sich in den nächsten sechs Monaten eher noch verschärfen.
Ein reformiertes Bankengesetz werde für mehr Transparenz sorgen und die Möglichkeit eröffnen, rechtzeitig Maßnahmen gegen drohende Bankenbankrotte zu ergreifen.

Mongolisches Wirtschaftsforum
Das Nationale Komitee für Erneuerung hat für den 08. und 09. Februar nationale und internationale Interessenten zum Wirtschaftsforum nach Ulaanbaatar eingeladen.
Eröffnungsreden werden Ministerpräsident Su. Batbold und der peruanische Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto halten.
Erklärtes Ziel des Forums ist die Konkretisierung der Entwicklungspolitik zur Stabilisierung der mongolischen Wirtschaft.
Zu den Gästen der Veranstaltung gehören Präsident Ts. Elbegdorj und der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung D. Demberel.
Die offizielle Website des Forums: www.meforum.mn

Zud in 12 Aimags
In 64 Sums der Aimags Arkhangai, Bayankhongor, Bayan-Ulgii, Gobialtai, Mittelgobi, Uvurkhangai, Südgobi, Zavkhan, Tuv, Khovd, Khuvsgul und Uvs herrschen katastrophale Winterweideverhältnisse.
Bis zum 01. Februar waren mehr als 1 700 000 Stück Vieh verendet.
Nur in 27 Sums in vier Aimags verläuft der Winter „normal".
Mehrere Arbeitsgruppen des Katastrophenschutzamtes sind im ganzen Land unterwegs, um die Situation zu erkunden und Hilfsmaßnahmen vorzubereiten.
Erfasst werden die Sommerlagersituation des vergangenen Jahres, der Zustand des Viehs, die Ursachen für eine nicht ausreichende Wintervorbereitung, die Schneefallmenge, die Passierbarkeit von Straßen und Pisten, Hindernisse bei der Gesundheitsfürsorge, der Versorgung mit Lebensmitteln, Brennstoffen und Winterkleidung.
In zehn Aimags war der vergangene Sommer nicht nur trocken, es herrschte Dürre.
M. Enkhbold, der Leiter der Katastrophenschutzbehörde, wies die Aimagverwaltungen und die zuständigen zentralen Behörden an, den Anstrengungen, die Viehhalter mit allem Notwendigen zu versorgen, Vieh- und Fleischhandelsstützpunkte sowie Schlachthöfe einzurichten und die Versicherungsmöglichkeiten auszuweiten, oberste Priorität einzuräumen.
Mit den Banken würden Verhandlungen aufgenommen, die Rückzahlungsfristen der Kredite für Viehhalter und Farmer zu verlängern.
Zudem sollen den Bewohnern in den am meisten betroffenen Aimags ihre 70 000 Tugrug „Schatzanteil" vorrangig ausgezahlt werden.
Aber schon jetzt bilden sich in Ulaanbaatar lange Schlangen an den Ausgabeschaltern.
Es ist wenig wahrscheinlich, das alle zunächst Berechtigten (Senioren, Kinder und Behinderte) noch vor Tsagaan Sar in den Besitz ihres Geldes gelangen.
Eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Bisher konnten alle in Schneestürmen verirrten Menschen lebend geborgen werden.
Gerade vor den Feiertagen suchen viele Mongolen die lokalen Kultstätten auf, z. B. „Eejiin Khad", zehn Kilometer vom Sergelen-Sum im Zentralaimag entfernt. Sechs Menschen konnten gerade noch gerettet werden. Sie hatten sich auf dem Rückweg verirrt, mit derartig starken Schneefällen nicht gerechnet.


Uuts für den Festtagstisch. Platz der Freiheit in Ulaanbaatar

Tsagaan-Sar-Märkte in Ulaanbaatar
Die Aimags Tuv, Uvurkhangai und Khovd haben ihre Tsagaan-Sar-Verkaufsausstellungen im „Smart"-Zentrum im Bayangol-Duureg eröffnet.
Bayan-Ulgii, Dundgov’ und Arkhangai verkaufen im „Denjiin 1 000"-Handelszentrum im Chingeltei-Duureg, Khentii, Sukhbaatar und Uvs auf dem Platz vor dem „Sky"-Kaufhaus in Bayanzurkh, Gobialtai, Zavkhan und Khuvsgul im „Khurs"-Handelszentrum im Songinokhairkhan-Duureg.
In allen neun Duuregs werden zudem vor den Feiertagen Waren zu ermäßigten Preisen angeboten.
Die Preise für einen Hammelrücken schwanken je nach Größe zwischen 50 000 und 150 000 Tugrug, ein Stück Kheviin Boov kostet zwischen 1 080 und 1 400 Tugrug, das Kilogramm Aaruul 3 000 bis 8 000, der Liter Milch 1 200 bis 1 400 und die echte mongolische Butter 6 000 Tugrug das Kilogramm.
In allen Stadtbezirken bieten Dienstleister für 5 500 bis 15 000 Tugrug das Garen des Uuts (Hammelrücken) an. Nicht alle Mongolen verfügen über ausreichend große Kochstellen.


Kheviin Boov

Schuldirektor entlassen, Koch in Untersuchungshaft
Im Zusammenhang mit der Lebensmittelvergiftung, in deren Folge 126 Schüler und Schülerinnen sowie ein Lehrer im Krankenhaus behandelt werden müssen, hat der Direktor der 3. mongolisch-russischen Schule in Ulaanbaatar seinen Rücktritt erklärt. Eltern und der Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft Yo. Otgonbayar hatten den Rücktritt gefordert.
Der Koch der Schulkantine wurde ins Gefängnis Gants Khudag eingeliefert, der Schularzt unter Hausarrest gestellt.

Deutsche Bildungsmesse
Am 20. März veranstalten der DAAD, die ZfA, das Goetheinstitut, die Deutsche Botschaft, der MDV und die Mongolisch-Deutsche Brücke ihre jährliche Bildungsmesse.
In diesem Jahr im Kinderbuchpalast in Ulaanbaatar.
Den Teilnehmern, in der Regel Institutionen, die sich mit Bildungsarbeit und der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur befassen, soll die Möglichkeit geboten werden, ihre Tätigkeit und besonderen Angebote vorzustellen.

 44 Hundertjährige in Ulaanbaatar
Nach Informationen des Seniorenverbandes Ulaanbaatars leben in der mongolischen Hauptstadt 44 Bürger, die 100 Jahre und älter sind.
202 sind zwischen 95 und 99 Jahre alt.
Traditionell werden den Hochbetagten vor Tsagaan Sar im Namen des Präsidenten Geschenke überreicht und sie können sich auf den Besuch von Präsident, Parlamentschef oder Ministerpräsident freuen.

Die Tränen der Großmeister
Wirtschaftskrise und weißer Zud verschlechtern die Lebensbedingungen vieler Mongolen weiter – doch nichts bewegt gegenwärtig die Gemüter so sehr, wie der Rücktritt von Yokozuna Asashoryu Dolgorsurengiin Dagvadorj, der 68. Sumogroßmeister und der erste mongolische überhaupt, vom Wettkampfsport.
Am 04. Februar erklärte er offiziell seinen Rücktritt und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Aber nicht nur er konnte die Tränen nicht zurückhalten.
M. Davaajargal, der zweite mongolische Großmeister und härteste Konkurrent Dagvadorjs, weinte ebenso hemmungslos wie andere mongolische Spitzensportler, allen voran die Meister im traditionellen Ringkampf.
Der 29-jährige Superstar soll nach einer durchzechten Nacht in Tokio in ein Handgemenge verwickelt gewesen sein.
Noch vor der Sitzung der Sumoverbandsspitze informierten Dagvadorj, sein Trainer und sein Manager die Öffentlichkeit über die Entscheidung des Sportlers.
Dagvadorj gehörte nie zu den stromlinienförmigen Sportlern, zu oft spottete er über seiner Meinung nach sinnentleerte Rituale oder verstieß gegen die strenge Disziplinarordnung des Verbandes.
In einer offiziellen Stellungnahme bedauert das mongolische Außenministerium die Vorfälle und den Rücktritt des Großmeisters und gibt gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, auf die mongolisch-japanischen Beziehungen werden die Ereignisse keinen negativen Einfluss haben.
Dagvadorj wird dafür gewürdigt, einen konkreten Beitrag für ein tieferes gegenseitiges Verständnis zwischen Japanern und Mongolen geleistet zu haben.
Fakt ist, die Zweikämpfe zwischen Asashoryu Dagvadorj und Hakuho Davaajargal waren die Attraktion der Sumoturniere der letzten Jahre. Es ist also nicht verwunderlich, dass auch die Verbandsoberen Bedauern über den Rückzug von Superstar Dagvadorj äußern.


   

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Last Update: 01. Januar 2017