Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
2. bis 17. Januar 2010

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

Präsident Elbegdorj für Abschaffung der Todesstrafe
Präsident Ts. Elbegdorj hat auf der Parlamentssitzung am 14. Januar die Abgeordneten aufgefordert, sich für die Abschaffung der Todesstrafe in der Mongolei einzusetzen. Sie sei ein Schandfleck für den guten Namen des Landes, habe kaum abschreckende Wirkung, zudem seien Fehlurteile nicht ausgeschlossen. Der Staat dürfe nicht zum Mörder werden.
Er werde gegen sämtliche Todesurteile sein Veto einlegen.
Amnesty Asien-Pazifik hatte zuvor das Moratorium der mongolischen Regierung zur Todesstrafe gelobt.
Damit habe die Regierung ihr Engagement für die Menschenrechte unter Beweis gestellt und wirke hoffentlich als Vorbild für die Region.
Informationen über die tatsächliche Vollstreckung von Todesurteilen sieht das Gesetz in der Mongolei nicht vor. Auch die Angehörigen werden nicht unterrichtet, die Überreste des Hingerichteten werden ihnen nicht zur Bestattung übergeben.

3. Mongolisch-ungarische Regierungskommissionsverhandlungen
Bei den mongolisch-ungarischen Verhandlungen der bilateralen Regierungskommission am 13. Januar in Ulaanbaatar standen Fragen der wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit im Mittelpunkt der Diskussionen.
Die Mongolei und Ungarn vereinbarten, in der Landwirtschaft, in der Industrie, im Bergbau, in der Wasserwirtschaft, im Bauwesen, in Wissenschaft, Technik, Kultur und Bildung, im Naturschutz, im Gesundheits- und Sozialwesen, beim Bankensektor und bei der Lösung von Zollfragen enger zusammenzuarbeiten.

Mongolisch-tschechische Konsultationen
Am 13. Januar trafen die stellvertretenden Außenminister der Mongolei und Tschechiens, B. Bolor und H. Bambasova, in Ulaanbaatar zu ihren dritten regulären Konsultationen zusammen.
Beide Delegationen berieten über den aktuellen Stand der bilateralen Beziehungen, die Ziele der weiteren Zusammenarbeit sowie weitere beide Seite interessierende Fragen.


4. v. l. T. Badamjunai.
(Foto Pressestelle des Außenministeriums der Mongolei)

Landwirtschaftsminister zu Arbeitsbesuchen in China und Deutschland
Der Minister für Landwirtschaft, Nahrungsgüter und Leichtindustrie T. Badamjunai stand an der Spitze einer Delegation, die am 12. Januar in Peking an einem von chinesischer Seite organisiertem Forum "Mongolischer Fleischexport" teilnahm.
Der Delegation gehörten unter anderem die Abgeordneten T. Terbishdagva und B. Bat-Erdene sowie der Exekutivdirektor der Mongolischen Fleischverbandes M. Lkhachinbal an.
Im Mittelpunkt des Meinungsaustausches standen veterinärmedizinische Aspekte, Fragen der Kontrolle über Quarantänemaßnahmen, Maßnahmen der mongolischen Unternehmen und Behörden zur Qualitätssicherung und Möglichkeiten, Hindernisse für mongolische Fleischexporte zu beseitigen.
An der Veranstaltung nahmen Vertreter von zehn mongolischen und 50 chinesischen Fleisch verarbeitenden Unternehmen, Behördenmitarbeiter und 20 Repräsentanten diplomatischer Vertretungen aus Ländern Asiens und des Nahen Ostens in Peking teil.
Eine Ausstellung mongolischer Fleisch- und Wurstprodukte ergänzte die Veranstaltung.
Am 14. Januar begann die mongolische Delegation mit den Abgeordenten E. Bat-Uul, D. Terbishdagva, B. Bat-Erdene, N. Batbayar, D. Odbayar, dem Gouverneur des Selenge-Aimags J. Erdenebat sowie dem Botschafter der Mongolei in Deutschland B. Davaadorj ihren Arbeitsbesuch in Deutschland.
Am Rande der 75. Internationalen Grünen Woche führte Minister Badamjunai mit deutschen und internationalen Partnern Gespräche über eine engere Zusammenarbeit in der Landwirtschaft.
Beim Treffen mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, G. Kopp, äußerten die mongolischen Gäste ihr Interesse an deutscher Unterstützung für die Einführung moderner Landwirtschaftstechnik, bei der Viehwirtschaft und bei der Einführung eines Genossenschaftssystems..
Am 17. Januar werden die Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz I. Aigner und Minister Badamjunai ein Zusammenarbeitsabkommen unterzeichnen.
Überdies beteiligen sich Badamjunai und 50 weitere Agrarminister am Kolloquium zum Thema "Landwirtschaft und Klimawandel".


Winterweide

Winter 2009/10
Am 13. Januar informierte die Katastrophenschutzbehörde über die Lage auf den Winterweiden und Maßnahmen der Regierung, die Situation zu entspannen.
Landesweit befänden sich 43,5 Millionen Tiere auf den Winterweiden. 5,2 Millionen davon auf entfernten Weideflächen, bis zum 13.01. seien 456 000 Tiere verhungert oder erfroren.
In 198 Sums von 19 Aimags gestalte sich der Winterweidegang schwierig bis sehr schwierig. In 158 Sums leiden Viehhalter und Vieh unter Zudbedingungen, in 40 herrschen zudähnliche Zustände. Am schlimmsten betroffen ist der Gobialtaiaimag.
Hilfsmaßnahmen reichen von Lohnspenden, Nahrungs- und Futtermittellieferungen bis hin zur Bereitstellung von Fahrzeugen und Schneeräumtechnik durch das Verteidigungsministerium.
Der strenge Frost (stellenweise herrschen Nachttemperaturen bis zu minus 50 Grad) macht um die Hauptstadt keinen Bogen. Viele Bewohner müssen in ungeheizten Wohnungen leben, Gehwege und Fahrbahnen sind spiegelglatt.
Die Wintervorbereitung wird allerorten als unzureichend empfunden. Aber besonders hart träfe es die Viehhalter. Sie könnten nicht in andere Quartiere ausweichen oder im nächsten Supermarkt benötigte Lebensmittel besorgen, sich im Krankenhaus um die Ecke behandeln lassen.

Tag der Verfassung
Am 13. Januar 1992 wurde die vierte Verfassung der Mongolei verabschiedet.
Aus diesem Anlass legten Präsident Ts. Elbegdorj, der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung D. Demberel und Ministerpräsident S. Batbold sowie Abgeordnete der damaligen Großen Volksversammlung Blumen am Sukhbaatardenkmal nieder.
In seiner Rede vor den Abgeordneten ging Demberel nicht nur auf die demokratischen Errungenschaften und Fortschritte der vergangenen 18 Jahre ein, er forderte darüber hinaus, die Anstrengungen zu erhöhen, die Armut, unter der immer noch 35 Prozent der Bevölkerung litten, wirklich zu reduzieren, Bürokratie, Korruption, Alkoholismus und Kriminalität wirksamer zu bekämpfen.

Erdbeben
In einem Umkreis von 53 Kilometern östlich von Mandal Ovoo im Südgobiaimag bebte am 13.01., 03.51 Uhr für 31 Sekunden die Erde.
Das Beben erreichte eine Stärke von 4,3 auf der Richterskala.

A/H1N1
Mit Stand vom 12. Januar wurden in der Mongolei 1 259 Fälle einer Infektion mit dem H1N1-Virus registriert. 29 Menschen sind gestorben.
In Ulaanbaatar 15, in Uvurkhangai fünf, in Ostgobi und Südgobi je zwei, in Arkhangai, Bulgan, Sukhbaatar, Mittelgobi und Bayan-Ulgii je einer.

Neujahrsglückwünsche des Präsidenten
Zu Beginn des Jahres 2010 wandte sich Präsident Elbegdorj an alle Mongolen im In- und Ausland und wünschte ein glückliches, friedliches neues Jahr.
Jede und jeder sollte mit dazu beitragen, dem Ruf der Mongolei in der Welt Ehre zu machen.
Das vergangene Jahr sei ein Jahr der Superlative, Jubiläen und weittragender Entscheidungen gewesen.
68 000 Kinder hätten das Licht der Welt erblickt, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr, außerdem registrierten die Standesämter die höchste Zahl an Eheschließungen.
Tausende von Sechsjährigen begannen ihr Schülerleben (früher ab acht, später ab sieben Jahre).
Die Landwirte feierten den 50. Jahrestag der Neulandgewinnungskampagne mit einer überdurchschnittlich guten Ernte.
Elbegdorj erinnerte auch an die Leistungen der Senioren, besonders an die der Kriegsveteranen.
2009 beging das Land den 70. Jahrestag des Sieges in der Schlacht am Khalkhyn Gol. Und besonders hervorhebenswert der 20. Jahrestag der friedlichen Revolution, der Beginn der Transformation von der Einparteienherrschaft zu Demokratie und Freiheit.
Eines der wichtigsten wirtschaftlichen Ereignisse sei sicher die Unterzeichnung des Oyutolgoi-Investionsabkommens gewesen. Das Abkommen öffne den Weg zu mehr Wohlstand für die Bürger und garantiere das Eigentumsrecht der Mongolen an ihren Reichtümern.

136 neue Hauptstädter
In der Silvesternacht wurden in Ulaanbaatar 73 Babys, davon 29 Mädchen, geboren.
Am 01. Januar 2010 kamen in den vier Entbindungskliniken der Hauptstadt 33 Jungen und 30 Mädchen auf die Welt.
Die Bevölkerungszahl der Mongolei erreicht damit 2,7 Millionen, in fünf Jahren sollen es drei Millionen sein.

Mongolei Erdölförderland
Am 30. Dezember verkündete die Erdölbehörde der Mongolei, ab Februar 2010 gehöre die Mongolei offiziell zu den Erdöl fördernden Ländern der Erde.
In Tamsag Bulag und Zuunbayan im Dornod-Aimag würden täglich 600 bis 1 000 Barrel Erdöl gefördert.
Für die Ausbildung von 20 Ingenieuren an der TU in Ulaanbaatar hätten die Behörde und Erdölfirmen bisher eine Million Tugrug zur Verfügung gestellt.

2010 – Jahr der Reformen des wirtschaftlichen Umfeldes
Auf ihrer Sitzung am 30. Dezember beschloss die Regierung, das Jahr 2010 als „Jahr der Erneuerung des Wirtschaftsklimas" zu deklarieren.
Die Arbeitsgruppe zur Erarbeitung der notwendigen Maßnahmen und Richtlinien wird vom Ministerpräsidenten und seinem Ersten Stellvertreter geleitet werden.


Urna (Foto poly band)

„… Wehmut erfasst mein Herz."
Urna, eine Sängerin aus der Inneren Mongolei, reist in die Mongolische Republik, um der Pferdekopfgeige ihrer Großmutter die ursprüngliche Gestalt wiedergeben zu lassen und um die „ehrwürdigen Verse", die auf dem Geigenhals eingeschnitzt waren, wiederzufinden.
So beginnt der neue Film von Davaagiin Byambasuren und mit Chakhar-Tugchigiin Urna hat sie eine kongeniale Hauptdarstellerin für die Umsetzung ihrer Filmidee gewinnen können.
Ohne Hast begibt sich Urna zunächst auf die Suche nach einem Geigenbauer, der die nötige Sensibilität für ihr Anliegen aufbringen kann und natürlich über die entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten verfügt. Sie findet ihn in Sambuugiin Khicheengui. Er verspricht gar nichts, macht sich aber sofort an die Arbeit, indem er selbst den Baum fällt, um geeignetes Holz für die Ausbesserungsarbeiten zu gewinnen, nicht ohne vorher bei den Geistern um Verzeihung für sein Tun zu bitten.


Pferdekopfgeigenspieler  (Foto: Jiska Rickels)

Urna reist inzwischen von Ulaanbaatar aus durch die Steppe, nie die Hoffnung verlierend, doch auf jemanden zu treffen, der sich an das uralte Lied von den zwei Pferden des Chinggis-Khaans erinnern kann. Ein Pferdehalter schenkt ihr weißes Rosshaar für die Saiten, von dem Lied habe er zwar gehört, aber die Worte kenne er nicht. Vielleicht habe Urna auf einer Hochzeit, die am nächsten Tag in der Umgebung stattfinde, mehr Glück? Nein, aber sie folgt der Spur zu einem Schamanen, der ihr den Weg zur alten Dolgor weist. Die weist die junge Frau zunächst unwirsch zurück. Sie sei alt und habe alles vergessen.
Traurig oder eher ungläubig setzt sich Urna neben sie, ein Lied, das man einmal gesungen habe, vergäße man niemals. Die Frauen schweigen. Urna beginnt zu singen. „Großmutter, Wehmut erfasst mein Herz, wenn ich an Deine alte Geige denke. Zerbrochen wie unsere Heimat, geteilt wie unser Volk. … verstummt sind die Lieder der Väter".
Da plötzlich bewegen sich die Lippen der alten Viehhalterin und Volkssängerin. Worte und Melodie des alten Liedes sind wieder da.
Urna ist am Ziel ihrer Reise.


Großmutter und Urna (Foto: Jiska Rickels)

Zurückgekehrt nach Ulaanbaatar tritt sie gemeinsam mit dem Pferdekopfgeigenensemble der Mongolei unter Leitung Batchuluuns in der Philharmonie auf, die restaurierte Pferdekopfgeige in den Händen.
Wunderbar gelingt es dem Filmteam um Byambasuren die Atmosphäre des Sommerlebens außerhalb der urbanen Siedlungen der Mongolei einzufangen. In ruhigen, langsamen Einstellungen fährt die Kamera über die Landschaft mit ihren Grassteppen, Wasserläufen und sanften Hügeln. Urnas Lieder besingen die Schönheit dieser Landschaften, der Menschen und die bemerkenswerte Geschichte des Landes.
Erstaunlich authentisch auch die Szene am Postschalter eines Sumzentrums als Urna die Rosshaare nach Ulaanbaatar abschicken will, den Umschlag hat sie auf altmongolisch beschriftet. „Das kann keiner lesen". „Aber kyrillisch kann ich nicht". Ohne viel Worte übernimmt es die Postangestellte, die Adresse „richtig" zu schreiben.
Nur einen Tag nach Abschluss der Filmarbeiten und des Auftritts im Konzertsaal geriet die Mongolei in den Fokus des Weltinteresses: Infolge gewalttätiger Ausschreitungen nach den Parlamentswahlen 2008 brannte die Philharmonie, die Kostüme der Musiker und wertvolle Instrumente gingen für immer verloren.
Der Film „Das Lied von den zwei Pferden" startet am 04. März* in den deutschen Kinos.


Urna Chahar Tugchi singt mit dem Ensemble (Foto: Kerstin Stelter)

* der Kinostart von "Das Lied von den zwei Pferden" wird verschoben.  Bitte beachten Sie:
NEUER Kinostart: Mai / Juni 2010 (ehemals (04.03.2010).
Sobald wir einen festen Termin haben, werden wir Sie informieren.

Tsagaan Sar 2010
Nach dem asiatischen Tierkreis- oder Mondkalender beginnt das neue Jahr am14. Februar. Dann wird das Jahr des Erdrindes durch das Jahr des Eisentigers abgelöst.


   

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Last Update: 01. Januar 2017