Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
21. bis 27. Februar 2011

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Mongolei - Weite und Stille

Mongolei ist Kulturpartner auf der ITB
In diesem Jahr ist die Mongolei der Kongress- und Kulturpartner der Internationalen Tourismusbörse (ITB) Berlin 2011 vom 09. bis zum 13. März.
Das umfassende Begleitprogramm umfasst kulturelle Darbietungen, Vorträge, Foren, Pressekonferenzen und Filmabende.
Bereits am 27. Februar wird im Kino in den Hackeschen Höfen in der Rosenthaler Straße 40/41 der oskarnominierte Film „Uneenii Nulims" (Das weinende Kamel) gezeigt.
Der Mongoleipavillon im ICC befindet sich in der Halle 26 C. Außerdem ist die Mongolei mit Ständen in der Kulturhalle und in der Halle für Trends und Events (10.2 und 4.1) vertreten.

Tavantolgoi-Börsengang
Am 24. Februar gab der zuständige Minister in Ulaanbaatar bekannt, wer von den 16 Bewerbern, die sich im Laufe von 14 Tagen in der mongolischen Hauptstadt höchstselbst präsentiert hatten, den Zuschlag für das IPO-Management der Tavantolgoi-Kohlemine bekommen hat.
Es sind dies die Deutsche Bank und Goldmann Sachs aus den USA.
Die Platzierung der Aktien an den Börsen ist für die erste Hälfte des Jahres 2012 geplant, erläuterte ein Regierungsvertreter. BNP Paribas (Frankreich) und die australische Macquarie Bank werden in die Verkaufs- und Brokeraktivitäten einbezogen.
Endgültig bestätigt werden wird die Auswahl auf der Kabinettsitzung am 03. März.

Übernehmen die Deutschen Erdenes Tavantolgoi?
Am 25. Februar erschien in der Tageszeitung „Uls Turiin Toim" ein Artikel, in dem die Entscheidung, der Deutschen Bank eine führende Rolle beim Börsengang von Erdenes Tavantolgoi MGL. einzuräumen, in Verbindung mit den Fall Khurts gebracht wird.
Warum habe Deutschland die Auslieferung nicht 2003 beantragt, sondern erst mit Beginn des Bergbaubooms in der Mongolei 2006? Ist Khurts das Pfand für eine deutsche Beteiligung bei der Vermarktung der mongolischen Bodenreichtümer? Geht es um Khurts oder um den „mongolischen Kuchen"?
Deutschland fürchte wie die anderen großen Industrienationen die chinesischen Handelsbeschränkungen mit Seltenen Erden. Auch in der Mongolei soll es Vorkommen geben.

Ehefrau von D. Enkhbat im deutschen Innenministerium
Am 23. Februar kam es zu einem Treffen der Frau von D. Enkhbat mit Mitarbeitern im Bundesministerium für Justiz und Innere Angelegenheiten.
Vermittelt worden sein soll das Gespräch über einen in der Schweiz lebenden mongolischen Studenten.
D. Enkhbat wurde 2003 von mongolischen Sicherheitskräften aus Frankreich über Belgien und Deutschland in die Mongolei entführt. Hier war auf ihn ein Haftbefehl wegen des Mordes am damaligen Infrastrukturminister S. Zorig ausgestellt worden.
Enkhbats Frau übergab den Deutschen Dokumente über die Entführung, den Aufenthalt im Krankenhaus und Ergebnisse der medizinischen Untersuchung.
Enkhbat war kurz nach seiner Haftentlassung in Ulaanbaatar an Tuberkulose gestorben.
Seine beiden Kinder sollen mittlerweile deutsche Staatsbürger sein.
Im September 2010 war auf Veranlassung der deutschen Justizbehörden der hohe Beamte im Nationalen Sicherheitsrat der Mongolei, B. Khurts, auf dem Londoner Flughafen Heathrow festgenommen worden. Am 18. Februar 2011verkündete das Gericht in erster Instanz die Auslieferung des Mongolen an Deutschland. 17 Tage habe die mongolische Seite Zeit, Berufung gegen den Beschluss einzulegen.
Der Vorsitzende der NGO „Ehrliche Justiz" Kh. Bat-Yalalt hat am 23.02. dem britischen Botschafter in Ulaanbaatar ein Schreiben überreicht, in dem die sofortige Freilassung von Khurts gefordert wird.
In der vergangenen Woche hatten die Mitglieder der NGO eine Protestkundgebung: „Khurts freilassen!" „Keine Börsenzusammenarbeit mit den Engländern" vor der Botschaft Großbritanniens und Nordirlands organisiert.
Sollte die Botschaft bis März keine offizielle Stellungnahme abgegeben haben, würden die Proteste verschärft, drohten die Organisatoren.

Kohleforum 2011
Am 24. und 25. Februar fand in Ulaanbaatar das Kohleforum 2011 statt.
400 mongolische und 150 ausländische Teilnehmer diskutierten die Möglichkeiten, die mongolische Kohle auf den internationalen Märkten gewinnbringend zu verkaufen.
Im Jahr 2010 hat die Mongolei 25 Millionen Tonnen Kohle abgebaut und davon 17 Millionen ins Ausland verkauft.
Experten schätzen, dass die Exportmenge in naher Zukunft 30 Millionen Tonnen erreichen könnte.

Ein Kilogramm Rindfleisch kostet über 5 000 Tugrug
Nach Angaben aus dem Nationalen Amt für Statistik stiegen die Lebensmittelpreise zwischen Dezember 2010 und Januar 2011 um 6,3 Prozent.
Alkohol und Zigaretten wurden um 1,8 Prozent teurer.

Erinnerung an S. Danzan
In Vorbereitung des 90. Jahrestages der mongolischen Volksrevolution organisierte die MVP am 25. Februar im Regierungspalast eine wissenschaftliche Konferenz „Reiche Bürger - Reicher Staat".
Der Mitbegründer der MVP Soliin Danzan hätte mit seiner Politik die Basis für die heutige Wirtschaftsentwicklung in der Mongolei gelegt.
Für seine Überzeugungen und Pläne ging der damalige Vorsitzende der MVP 1924 in den Tod. Mit der Begründung prokapitalistischer und antirevolutionärer Umtriebe wurde Danzan zum Tode verurteilt und im Herbst 1924, im Alter von 39 Jahren, hingerichtet.

Kritik an Bum-Yalagch und Baasandorj
Mitglieder der Grünen Partei haben sich am 25. in einem Pressegespräch gegen die Versuche der ehemaligen Führungsmitglieder der Grünen O. Bum-Yalagch und L. Baasandorj gewandt, die Partei spalten zu wollen.
Demokratie bedeute, die Minderheit müsse sich der Mehrheit beugen.
Ein Zusammengehen mit der Zivilcouragepartei bedeute eine Stärkung gegenüber den beiden „Großen" DP und MVP.
D. Enkhbat hätte nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden als Kandidat der Grünen einen Sitz in der Staatsversammlung errungen. (Die Grünen traten 2008 gemeinsam mit der Bürgerbewegungspartei an).


Yang Jiechi und G. Zandanshatar. Foto PA des AA

Chinesischer Außenminister in der Mongolei
Am 24. und 25. Februar weilte auf Einladung von Außenminister G. Zandanshatar sein chinesischer Amtskollege Yang Jiechi in der Mongolei.
In den Gesprächen ging es um die weitere Vertiefung der allseitigen Zusammenarbeit und die Festigung freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Völkern.
Beide Seiten unterzeichneten ein Abkommen über die Zusammenarbeit zwischen den Außenministerien Chinas und der Mongolei 2011 bis 2012.
Der chinesische Gast wurde auch von Präsident Ts. Elbegdorj und Ministerpräsident S. Batbold empfangen.

Mehr Touristen
456 000 Touristen besuchten im vergangenen Jahr die Mongolei, verlautete aus der Tourismusbehörde in Ulaanbaatar. Das entspräche einer Steigerung um 10,8 Prozent gegenüber 2009. Die Einnahmen durch den Tourismus erreichten 222,4 Millionen USD.
In diesem Jahr erwarten die Verantwortlich noch einmal eine Steigerung.
Zum einen begingen die Mongolen den 2 220. Jahrestag der Gründung des Hsiung-nu-Staates, außerdem den 100. Jahrestag der Befreiungsrevolution von China und den 90. Jahrestag der Volksrevolution.
Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erschließung der Kohlelagerstätte Tavantolgoi, der Uranlagerstätte im Osten der Mongolei u. a. würden zudem Unternehmensvertreter und Bergbauspezialisten in großer Zahl erwartet.


V. l. A. Altansukh, O. Gerelsukh

Vom Kinderstar zum Produzenten
Otgony Gerelsukh gehörte zu der von Außenministerium und Goetheinstitut eingeladenen internationalen Berlinale-Besuchergruppe. „Für mich war es eine tolle Erfahrung, mit Kollegen aus Asien, arabischen und lateinamerikanischen Ländern Erfahrungen auszutauschen, gemeinsam über die Wettbewerbsfilme und die eigenen Arbeiten zu fachsimpeln, die Revolution in Ägypten – ein Teilnehmer konnte wegen der Unruhen in Kairo seine Einladung nicht wahrnehmen – zu diskutieren oder die zahlreichen Partys zu genießen".
Gerelsukh begann seine Filmkarriere 1987 als 14-jähriger Kinderdarsteller in dem Kinofilm „Amdralyn Nakhia".
Seine Eltern, die Mutter Mikrobiologin im Milchkombinat, der Vater Straßenbauingenieur, waren eher erstaunt als begeistert, dass ihr Sohn Künstler werden wollte.
Nach dem Besuch der Schauspielschule 1991 bis 1995 gehörte er zum Ensemble des Schauspielhauses in Ulaanbaatar.
Von seinem Romeo in Shakespeares „Romeo und Julia" schwärmen die Leute noch heute, stellte sein Freund und Künstlerkollege aus Amsterdam A. Altansukh klar.
Von 1999 bis 2003 wollte Gesu eigentlich Theaterwissenschaften in Berlin studieren, die Bedürfnisse seiner jungen Familie, inzwischen war er verheiratet und Vater eines Kindes, erzwangen einen Wechsel der Studienrichtung hin zum Tourismusmanagement.
2007 konnte er endlich seinen Traum verwirklichen: Er studierte Filmregie in Südkorea. Seine Abschlussarbeit „Zasal" (Heilung) wurde begeistert gefeiert.
Nach Berlin kam er natürlich nicht mit leeren Händen.
Im Mongoleizentrum in der Böckhstraße präsentierte er drei Kurzfilme, zwei davon hat er gemeinsam mit S. Batmunkh produziert, und einen 70-minütigen Dokumentarfilm „ Vorwärts". Dieser Film über die gesellschaftlichen Umbrüche in der Mongolei entstand in Zusammenarbeit mit österreichischen Ethnologen.
Gesu, wie ihn seine Freunde nennen, lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Ulaanbaatar. Er arbeitet als Schauspieler, Produzent und ist der Koordinator des Unabhängigen Verbandes der Filmproduzenten der Mongolei.


   

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Last Update: 01. Januar 2017