Neues aus der Mongolei
14. bis 20. November 2011

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


November in der Mongolei

Mongolei wird Teilnehmerstaat der OSZE
Der Ständige Vertreter der Mongolei bei den in Wien ansässigen internationalen Organisationen und Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter in Österreich J. Enkhsaikhan informierte am 18.11. über die wohlwollende Aufnahme des mongolischen Vorschlags nach einer Mitgliedschaft in der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Bisher gehört die Mongolei zu den Partnerländern der Organisation.
Eine offizielle Beschlussfassung der zuständigen Gremien werde noch vor der Außenministerkonferenz im Dezember in Vilnius (Litauen) erwartet.

Finanzminister Kuwaits in der Mongolei
Am 17. und 18. November weilte eine Delegation aus Kuwait unter Leitung von Finanzminister Mustafa Al-Shimali zu Gesprächen über den weiteren Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder in der Mongolei.
Die Gäste aus Kuwait wurden vom Leiter des Präsidialamtes D. Battulga und von Ministerpräsident S. Batbold empfangen.
Des Weiteren diente der Besuch der Vorbereitung des Staatsbesuchs von Präsident Ts. Elbegdorj im Dezember dieses Jahres.

Neue Führung der Antikorruptionskommission
Am 17. November folgten die Mitglieder der Großen Staatsversammlung dem Vorschlag des Präsidenten, N. Ganbold zum Vorsitzenden der Antikorruptionskommission und B. Khurts¹ zu seinem Stellvertreter zu ernennen.
Ganbold konnte 94,8 Prozent der 58 anwesenden Abgeordneten, Khurts 93,1 Prozent für sich gewinnen.
Am selben Tag nahm das neue Führungsgespann aus der Hand des Vorsitzenden des Justizausschusses D. Odbayar die Ernennungsurkunden und das Amtsiegel entgegen.
Die Antikorruptionskommission war seit der Verhaftung und Verurteilung ihres Vorsitzenden Sangaragchaa und dessen Stellvertreters vor zehn Monaten kommissarisch geleitet worden.

¹Sie haben richtig gelesen. Der ehemalige Büroleiter des Nationalen Sicherheitsrates B. Khurts, der fast ein Jahr in einem Londoner Gefängnis saß, um dann an die deutsche Justiz ausgeliefert zu werden, die ihn wegen Entführung und schwerer Körperverletzung seit Jahren mit europäischem Haftbefehl in ihre Gewalt bekommen wollte und als sie ihn hatte flugs in seine Heimat entließ, wurde auf Vorschlag von Präsident Ts. Elbegdorj zum stellvertretenden Vorsitzenden der nationalen Antikorruptionskommission ernannt. R. B.

Wer soll die Tavantolgoiaktien bekommen?
Nach wie vor streiten die Abgeordneten über die Verteilung der Aktien von „Erdenes Tavantolgoi AG". Laut Beschluss der Großen Staatsversammlung vom Juli 2010 sollten zehn Prozent an die Bürger ausgegeben werden, zehn Prozent an mongolische Unternehmen, 29 Prozent an der mongolischen und internationalen Börsen (Singapur und London) gehandelt werden.
Einige Abgeordnete vertreten die Meinung, eine Vergabe an Unternehmen käme nur wenigen zugute. Den 2,7 Bürgern sollten 20 Prozent zugute kommen, davon zehn Prozent kostenfrei.
Die Diskussionen werden fortgesetzt.

805 neue Mitglieder der DP
Am 19. November wurden 805 jungen Leuten aus dem Songinokhairkhan-Duureg in einer feierlichen Zeremonie vor dem Regierungspalast in die DP aufgenommen. Die Mitgliedsausweise wurden ihnen vom Parteivorsitzenden und Ersten Stellvertreter des Ministerpräsidenten N. Altankhuyag vom Mitglied der Großen Staatsversammlung Kyokushyusan D. Batbayar und dem Präsidentenberater für Stadt- und Landentwicklung. Erkhembayar überreicht.

Eröffnung am 26. November
Die Eröffnung des neuen Parteigebäudes MVP, der „Palast der Unabhängigkeit" soll am 26. November, dem Tag der Republiksgründung, eröffnet werden.
Beinahe wäre das Gebäude noch vor seiner Inbetriebnahme durch einen Brand in Mitleidenschaft gezogen worden.
Am 20. November, kurz vor 12.00 Uhr, brach in der 7. und 8. Etage ein Feuer aus. Der Feuerwehr gelang es, den Brand zu löschen, ehe größere Schäden entstanden.
Vermutet wird, der Brand sei beim verlegen von elektrischen Leitungen in den betroffenen Etagen entstanden. Doch auch Brandstiftung werde nicht ausgeschlossen.
Der Katastrophenschutz der Hauptstadt hat die Ermittlungen aufgenommen.

MRVP und Grüne Partei unterzeichneten Kooperationsvereinbarung
Die MRVP und die Grüne Partei unterzeichneten am 17. November im Hotel „Continental" in Ulaanbaatar, eine Kooperationsvereinbarung für die Wahlen zur Großen Staatsversammlung im kommenden Jahr.
Anwesend waren u. a. der Vorsitzende der MRVP N. Enkhbayar sowie der Vorsitzende der Grünen Partei D. Maam.
Auf diese Partnerschaft angesprochen, erklärte der Vorsitzende der Zivilcourage-Grünen Partei D. Enkhbat, er fände die ganze Sache lachhaft, sie werfe aber ein bezeichnendes Licht auf die Justizbehörden. Nicht nur, dass die Mehrheit beider Parteien seinerzeit einer Vereinigung von Zivilcourage-Partei und Grüner Partei zugestimmt hätte, sei ein Mann namens Maam damals gar nicht Mitglied der Grünen gewesen. Trotzdem würde das Oberste Gericht nach wie die Registrierung der Zivilcourage-Grünen-Partei mit fadenscheinigen Gründen verweigern. Beschwerden hätten bisher nichts gebracht. Er werde sich an den Präsidenten wenden.

Feierliche Vereidigung
Am 19. November legten 1 000 Rekruten auf dem Sukhbaatarplatz ihren Eid, alles für die Sicherheit und den Schutz der Heimat zu tun ab. An der Zeremonie nahmen neben Ministerpräsident S. Batbold führende Vertreter des Verteidigungsministeriums und des Generalstabes teil.
Zwei Stunden zuvor, gegen 09.00 Uhr, war im Kulturpalast der Dokumentarfilm „ Das Geheimnis der schwarzen Standarte" gezeigt worden.

Ernte 2011
Landwirtschaftsminister T. Badamjunai erklärte stolz, die Mongolei könne ihren Bedarf an Kartoffeln und Getreide zu 100 Prozent aus eigenem Aufkommen decken.
2011 seien 448 100 Tonnen Getreide, 199 200 Tonnen Kartoffeln, 105 200 Tonnen Gemüse und 4 500 Tonnen Ölpflanzen eingebracht worden.
Der Bedarf an Gemüse könne zu 63 Prozent aus eigener Ernte gedeckt werden.

Wintervorbereitung 2011/12
In der vergangenen Woche fand im Ulaanbaatar-Hotel ein Seminar zum Thema „Lehren aus dem Zud, Wintervorbereitung" statt.
Die Meteorologen sagen einen harten Winter voraus, doch die Viehhalter seien gut gerüstet.
Von den 37,1 Millionen Nutztieren werden 5,3 Millionen auf entfernte Weiden geführt.
Die Veterinäre hätten ausreichend Impfstoffe zur Vorbeugung von Viehseuchen verteilt. Die Bevorratung von 183 000 Tonnen Heu, 30 200 Tonnen Grünfutter und über 80 000 Tonnen industriell bzw. per Hand produziertes Futter müsste ebenfalls den bedarf decken.

„Mondschein in düsterer Nacht"
Aus Anlass des 105. Geburtstages des Mitbegründers der modernen mongolischen Literatur Dashdorjiin Natsagdorj (1906-1937), haben Künstler der Gesellschaft für Dokumentarfilme sowie die Nationale Rundfunk- und Fernsehanstalt einen Dokumentarfilm über Damdiny Pagmadulam, die erste Frau Natsagdorjs produziert. Die Schöpfer nutzten bisher unveröffentlichte oder unbekannte Dokumente aus mongolischen und russischen Archiven über das Leben und politische Wirken des Paares. Beide gehörten zu den jungen Mongolen, denen von 1926 bis 1930 in verschiedenen deutschen Städten eine Schul-, Universitäts- oder Berufsausbildung zuteil wurde. D. Natsagdorj ist, vor allem auch wegen seines Poems „Minii Nutag" (Meine Heimat), auch heute noch jedem Mongolen ein Begriff. Pagmadulam hingegen ist trotz des Films von D. Nyamaa aus den 50er Jahren „Leben und Wirken der Ehefrau des Großen Natsagdorj" fast unbekannt geblieben. Dasselbe gelte für die gemeinsame Tochter der beiden, Tserendulam.
Sh. auch R. Bormann: „Luvsansharavyn Namkhaitseren – mongolisch-deutscher Kulturbotschafter", Ulaanbaatar 2009

Drei Monate Untersuchungshaft für A. Batsaikhan
A. Batsaikhan, Mitarbeiter der mongolischen Botschaft in Moskau, muss nach einem Beschluss der Staatsanwaltschaft in Lublin (Polen) für drei Monate in Untersuchungshaft.
In einer Note informierten die Polen das mongolische Außenministerium über den Beschluss. In Kürze werde der Prozess wegen Zigarettenschmuggels beginnen. Batsaikhan, der von 2004 bis 2007 an der mongolischen Botschaft in Warschau arbeitete, werde zunächst nur als Zeuge vernommen.


Magic Mongolia. Foto F. Standke

Magic Mongolia
So heißt die Ausstellung der Fotografen Frank Standke und Lars Menzel, die am 05. Dezember, 18.00 Uhr, im Mongolei-Zentrum Bonn eröffnet wird.
Frank Standke, geboren 1973, lebt in Deutschland und der Mongolei und hat seine Werke bereits sehr erfolgreich auf Ausstellungen in der Mongolei, China und Deutschland präsentiert.
Lars F. Menzel, geboren 1971, lebt in Dresden. Er ist mit beeindruckenden Panoramafotos, die er während einer Reise durch die Mongolei 2007 aufgenommen hat, vertreten.
Menzel widmet sich neben der Landschaftsfotografie der Portrait- und Tanzfotografie.
Die Ausstellung kann bis zum 27. Januar 2012 begutachtet werden.


Magic Mongolia. Foto F. Standke

Ort: Mongoleizentrum Bonn, Kurfürstenstraße 54
Telefon: 02228 6203892
E-Mail: zentrum@mongolei.de
Für weitere Informationen sh. auch
www.mongoleizentrum.org


Magic Mongolia. Foto L. Menzel

Verkehrsbehinderungen durch Schneeglätte
Schneefall und Tagestemperaturen um die minus 11 Grad, verbunden mit Schnee- und Eisglätte auf Gehwegen und Fahrbahnen, haben am Sonntag in Ulaanbaatar zu zahlreichen Auffahrunfällen und Stürzen geführt. Die Verkehrspolizei bittet die Fußgänger, wenn möglich, die Unterführungen zu nutzen.
Beobachter fragen, warum die Stadtbezirke nicht dafür Sorge getragen haben, die Hauptstraßen vom Eis zu befreien, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer nicht zusätzlich zu gefährden.

Berichtigung: In „Neues aus der Mongolei vom 07. bis zum 13. November 2011" muss es im Zusammenhang mit dem BIP der Mongolei richtig heißen 18 Billionen Tugrug anstelle von 18 Trillionen.

Neues aus der Mongolei können Sie wieder am 18. Dezember 2011 lesen. R. B.


   

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Last Update: 01. Januar 2017