Neues aus der Mongolei
24. Oktober bis 6. November 2011

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

Staatshaushalt 2012
Am 26. Oktober nahm Ministerpräsident S. Batbold vor den Abgeordneten der Großen Staatsversammlung Stellung zum Staatshaushaltsplan 2012.
Dieser Staatshaushalt sei nicht nur der letzte der ablaufenden Legislaturperiode und der Koalitionsregierung, er stellte gleichzeitig die Weichen für die Strukturreform der mongolischen Volkswirtschaft.
Bei der Formulierung des Haushaltes hätte die Regierung die weiteren Reformen bei der Haushaltspolitik, die Sicherung eines steten Wirtschaftswachstums sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Investitionen im Gesundheits- und Bildungswesen, bei der Förderung der Privatwirtschaft im Blick gehabt. Ziel sei es, die Familieneinkommen zu erhöhen und die Armut zu verringern.
Das BIP werde 2012 auf 5 362 USD oder 6,4 Millionen Tugrug pro Kopf steigen.
Batbold benannte vier Schwerpunkte des Haushaltsgesetzes 2012:

  1. Jeder Bürger muss vom Profit aus dem Bergbau profitieren können
  2. Die Wirtschaftspolitik muss direkt dem Menschen dienen
  3. Die Infrastruktur (Eisenbahn, Autobahnen, Energieversorgung) muss nachhaltig verbessert werden
  4. Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel bei geringst möglichen Kosten.

Im nächsten Jahr plant die Regierung 6,4 Trillionen Tugrug Staatseinnahmen, das entspräche 36 % des BIP. Davon würden zwei Trillionen aus dem Bergbau erwartet.
Am Ende seiner Rede forderte der Regierungschef die Abgeordneten auf, die Gesetzentwürfe für den Staatshaushaltsplan 2012 sowie die Budgets für die Sozialversicherung und den nationalen Bevölkerungsentwicklungsfonds zu diskutieren und zu beschließen.
Aktuell beträgt die Inflationsrate 10.5 Prozent. Kritiker monieren, sollte dieser Staatshaushaltsplan Wirklichkeit werden, stiege die Inflation auf 14 bis 27 Prozent an.

IX. Bogd Gegeen inthronisiert
Am 02. November versammelten sich im Gandankloster in Ulaanbaatar der Khamba-Lama (Oberlama, Abt) des Klosters D. Choijamts, Mitglieder der Großen Staatsversammlung, der Botschafter der Republik Indien in der Mongolei Satbir Singh sowie Oberlamas und Lamas verschiedener Klöster, um den IX. Bogd Gegeen als Oberhaupt der mongolischen buddhistischen Kirche willkommen zu heißen.
Die 9. Reinkarnation des tibetischen Schriftgelehrten Taranatha (geb. 1575) wurde 1932 in Tomsig, in der Nähe der tibetischen Hauptstadt Lhasa, geboren. Im Alter von vier Jahren wurde er zum Nachfolger des 1924 gestorbenen VIII. Bogd erkoren. Vier Jahre später war er bereits Gezul und trug fortan den Namen „Jambalnamdalchoijijantsan".
1959 war er im Gefolge des XIV. Dalai-Lama nach Indien geflohen, wo er seine Ausbildung und Studien in verschiedenen Klöstern fortsetzte.
Erst seit 2010 lebt er dauerhaft in der Mongolei, nachdem ihm die mongolische Staatsbürgerschaft verliehen wurde.
Jambal setzt die Reinkarnationsreihe der Oberhäupter der lamaistischen Kirche in der Mongolei, die in der Tradition der Gelupga-Sekte steht, fort.
Unumstritten war und ist seine Inthronisierung unter den Würdenträgern der lamaistischen Geistlichkeit in der Mongolei nicht.
Auch diesmal gab es Versuche, die Ernennung rückgängig zu machen. Da offenbar Choijamts seinen Widerstand aufgegeben hat, werden diese Versuche wohl ohne Erfolg bleiben.
Sh. auch „Neues aus der Mongolei" vom 02. und 31.01. 2011.

„Goldene Zeiten"
„Langsam schwindet die sommerliche Wärme, der Herbst taucht die Welt für einen Moment in Gold. So heißt es in der Einladung zur Ausstellung mit Werken der Schweizer Malerin Beatrice Bues-Bohl in der Zuraggalerie in Berlin-Mitte.
Aber wer erwartet, lediglich Licht- und Schattenspiele in eleganter Verbindung mit wunderbaren Blautönen und schimmerndem Gold zu sehen, irrt. Goldene Zeiten lässt durchaus an den Tanz ums Goldene Kalb denken und erinnert hintergründig an die aktuelle Krise der toll gewordenen Finanzwirtschaft.
Nur zur Vernissage und zur Finissage der Ausstellung am 27. Oktober bzw. am 24. November können die Besucher auch die Werke der Gold- und Silberschmiedekunst der jungen Schmuckdesigner Jannis und Fritz bewundern.


Goldene Zeiten. Mitte P. Bues-Bohl

Mongolei ganz nah – Über Sehnsucht, Schamanen und Stutenmilch
Die Stühle reichten nicht aus für die vielen Interessenten am „Mongoleiabend" in der Zuraggalerie am 02. November.
Selbst die Organisatoren, Dr. Jens Gramann vom Herzinstitut Berlin, Ulrike Helmke (Verein „Freunde des Altai e. V.") und Ershuugiin Otgonbayar, Gründer und Leiter der Zuraggalerie waren überrascht ob des gewaltigen Andrangs.


Mongoleiabend in der Zuraggalerie. 02.11.11

Dr. Amélie Schenk, Ethnologin, Schamanismus- und Mongoleikennerin, las aus ihren Werken, unter anderem aus „Das deckellose Land".
Umrahmt wurde die Veranstaltung von der mongolischen Musikgruppe „Khukh Mongol".


Khukh Mongol

Nach der Lesung nutzen die Gäste nicht nur die Gelegenheit zu weiteren Gesprächen mit der Autorin, den Organisatoren und den Künstlern, sie konnten die mongolischen Nationalgerichte Buuz und Khuushuur kosten.


Dr. A. Schenk

Amélie Schenk, von der 2011 „Gesang des Himmels: Galbe – Schamanin des Altai" und 2010 „Königshuhn und Stutenmilch. Eine Reise durch die Kochtöpfe der Mongolei" erschienen ist, gehört zu den Mitbegründern von „Freunde des Altai". Der Verein will helfen, das traditionelle Nomadenhandwerk, Musik und Tanz, aber auch die traditionellen Heilweisen zu fördern.


Deutsche Geologen und Bergleute in der Mongolei

Deutsche Geologen und Bergleute in der Mongolei
Nach „Auf Goldsuche in der Mongolei. Die Geologenexpedition der DDR in der Mongolei" 2005 erschien im September dieses Jahres „Geologen und Bergleute in der Mongolei. Die deutsch-mongolische Zusammenarbeit 1972 bis 1991".
Als Herausgeber zeichnen verantwortlich Joachim Stübner, Aribert Kampe und Reinhard Schirn bzw. Joachim Stübner, Klaus Sehm und Reinhard Schirn.
Die Chronik mit Beiträgen von Geologen, Bergleuten, Markscheidern, Chemikern u. a., die nicht nur über ihre Arbeit, sondern auch über Land und Leute, ihre Eindrücke und Erlebnisse berichten, wendet sich nicht nur an die Expeditionsteilnehmer. Mit ihren Informationen zu Geografie, Wirtschaft und Geschichte, zu Briefmarken und Münzen sowie zum Bergbau „soll ein größerer Interessenkreis gewonnen werden".
Das Buch kostet 39,99 Euro und kann direkt über J. Stübner oder den Mongoleishop bezogen werden.
ISBN 978-3-933236-45-2

Sh. zur aktuellen Entwicklung im Bergbau der Mongolei auch „Berliner Zeitung" vom 11. Oktober: Mongolisches Monopoly von Michael Billig, S. 8 und ebenda vom 19. Oktober: Das Gold fanden Geologen aus der DDR von Dr. Aribert Kampe, S. 4. R. B.

Große Mengen Heu verbrannt
In der Nacht vom 04. zum 05. November mussten Feuerwehr und Rettungskräfte der Hauptstadt mehrere Brände löschen. In einem Gehöft in Songinokhairkhan verbrannten 3800 Ballen Heu, in einem ebenfalls an der Straße gelegenen Gehöft in Jargalant verbrannten 420 Ballen.
Vom 05. bis zum 06. November, 09.00 Uhr, wurde die Einsatzkräfte zu sechs Bränden und einem Verkehrsunfall gerufen.
Außerdem mussten 13 ungeklärte Todesfälle untersucht werden.

83 Ausländer ausgewiesen
Nach Überprüfungen der Ausländerbehörde im Zusammenhang mit Verletzungen der Meldepflicht für Ausländer wurden Geldstrafen in Höhe von 54 842 000 Tugrug verhängt. Betroffen waren 333 Bürger aus 31 Ländern. Die meisten Verstöße bezogen sich auf das Überschreiten der Gütigkeitsdauer von Visa. Andere versäumten die Meldepflicht. Mehrere Unternehmen und Organisationen beschäftigten illegal ausländische Arbeitskräfte. Sie mussten 160 584 000 Tugrug an Strafgeldern entrichten, so dass insgesamt 215 426 Millionen Tugrug zusätzlich dem Staatshaushalt gutgeschrieben werden konnten.
83 Bürger aus acht Staaten wurden des Landes verwiesen.


   

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Last Update: 01. Januar 2017