Neues aus der Mongolei
19. Dezember bis 1. Januar 2012

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Vor dem Staatssiegeldenkmal. 29.12.11. Foto PA d. Reg

100 Jahre Bogd-Khaan-Regierung - Tag der Unabhängigkeit
Mit einer Festsitzung im Regierungspalast am 28. Dezember würdigten Präsident, Parlament und Regierung den 100. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Äußeren Mongolei von China am 29. Dezember 1911.
Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden der Großen Staatsversammlung D. Demberel, sprachen Präsident Ts. Elbegdorj und Ministerpräsident S. Batbold über die Wachstums- und Wohlstandschancen für die Mongolen in den kommenden Jahren.
Batbold versicherte, bis 2030 könnte die Mongolei das Niveau Norwegens und der Schweiz erreichen.
Der 29. Dezember 2011 war zum gesetzlichen Feiertag erklärt worden. Diesen Tag auf Dauer zum Feiertag zu erklären und dafür eventuell den 26. November zu streichen, hatte eine Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt.


Das Herdfeuer ist entfacht. 29.12.11. Foto PA d. Reg

Herdfeuer entfacht
Anlässlich des 100. Jahrestages der Proklamation der Unabhängigkeit von China und der Bildung der Bogd-Khaan-Regierung versammelten sich am 29. Dezember die Spitzen des Staates im Festger, um das Anzünden des Herdfeuers zu zelebrieren. Der Tradition folgend waren dabei Frauen – weibliche Abgeordnete, Politikerinnen und Journalistinnen - nicht zugelassen.
Zuvor hatten Präsident Elbegdorj, Parlamentsvorsitzender Demberel und Ministerpräsident Batbold Kränze am Staatssiegeldenkmal, am Sukhbaatardenkmal und am Chinggis-Khaan-Denkmal niedergelegt.
Am Tag darauf ließ Präsident Elbegdorj durch eine Sprecherin mitteilen, in seinem Erlass zum Ritual des Herdfeueranzündens sei von einem Verbot für die Teilnahme von Frauen nicht die Rede gewesen.

Postume Ehrung für VIII. Bogd Gegeen
Anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung von China und der Bildung der ersten mongolischen Regierung unter dem VIII. Bogd-Gegeen, der als weltliches Oberhaupt den Titel „Bogd-Khaan" (Heiliger Kaiser) annahm, verlieh der Mongolische Demokratische Bund erstmals den eigens geschaffenen Unabhängigkeitsorden.
Zum ersten Träger des Ordens wurde der 1924 gestorbenen VIII. Bogd gewählt.
An seiner Stelle nahm sein Nachfolger, der erst kürzlich inthronisierte IX. Bogd-Gegeen Jebsundamaba Khutagt, die Ehrung entgegen.

Wahlkreise bestätigt

Am 28. Dezember bestätigten 78,6 Prozent der anwesenden Abgeordneten die Mandatsverteilung in den 26 Wahlkreisen.
Kritik am Ungleichgewicht der nötigen Stimmenanzahl zwischen den Stadtbezirken und Aimags fand keine Berücksichtigung.
Und so verteilen sich die 48 Direktmandate (von insgesamt 76):

Arkhangai 2
Bayan-Ulgii 2
Bayankhongor 2
Bulgan 1
Gov’-Altai 1
Dornogov’, Gov’sumber 1
Dornod 2
Dundgov’ 1
Zavkhan 2
Umnugov’ 1
Uvurkhangai 2
Selenge 2
Sukhbaatar 1
Tuv 2
Khovd 2
Khentii 2
Khuvsgul 2
Uvs 2
Darkhan-Uul 2
Orkhon 2

Ulaanbaatar

Khan-Uul, Bagakhangai, Baganuur 2
Bayanzurkh, Nalaikh 3
Sukhbaatar 2
Chingeltei 2
Bayangol 2
Songinokhairkhan 3

Die übrigen 28 Mandate werden nach dem Verhältniswahlrecht vergeben.

DP und Zivilcouragepartei bald wieder vereint?
In Ulaanbaatar verdichten sich die Gerüchte, DP und Zivilcouragepartei würden sich bald zusammenschließen.
Die jeweiligen Parteiorganisationen im Sukhbaatar-Aimag hätten diesen Schritt bereits vollzogen, die Jugendorganisationen beider Parteien arbeiteten auf Landesebene schon jetzt eng zusammen.

Statistik November 2011
Nach Angaben aus dem Nationalen Amt für Statistik vom 09. Dezember 2011 wurden in den ersten elf Monaten des Jahres 64 910 Kinder geboren, 4 007 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
1 055 Kinder starben vor ihrem ersten Geburtstag, 120 weniger und 231 bis zu ihrem fünften Geburtstag, 86 weniger als 2010.
62 700 Personen waren arbeitslos gemeldet, 22 100 mehr als im November 2010.
Die Polizei registrierte 17 591 Straftaten, 342 weniger als im vergangenen Jahr. Während Eigentumsdelikte, Mord und Totschlag zurückgingen, nahmen Verkehrsdelikte und die Gewalt innerhalb der Familien zu.
Infolge von Straftaten starben 871 Menschen, 318 weniger als im Vergleichszeitraum.
Die Inflationsrate stieg gegenüber Oktober um 1,3 Prozent, um 8,1 Prozent gegenüber Dezember 2010 und um 10,8 Prozent gegenüber November 2010.

Viehzählung 2011
Im Dezember veröffentlichte das Nationale Amt für Statistik das vorläufige Ergebnis der Viehzählung 2011. Danach weiden in der Mongolei insgesamt 36 005 800 Nutztiere, 3 276 300 mehr als im vergangenen Jahr.
Die Anzahl der Pferde erhöhte sich um 172 700 auf 2 093 000, die der Rinder um 139 100 auf 2 315 100, die der Kamele um 10 000 auf 279 600, die der Schafe um 1 028700 auf 15 509 100 und die Zahl der Ziegen erhöhte sich um 1 925 800 auf 15 809 000.

Die neun populärsten Mongolen des Metallhasenjahres ausgezeichnet
Seit elf Jahren kürt die Tageszeitung „Unuudur" (Heute) die neun populärsten, wichtigsten Persönlichkeiten des zu Ende gehenden Mondjahres mit eigens hergestellten Medaillen.
Unter 97 zur Auswahl stehenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur belegte Ministerpräsident S. Batbold wie im vergangenen Jahr den ersten Platz. Zweiter wurde mit nur wenigen Stimmen Rückstand Präsident Ts. Elbegdorj vor Opernsänger E. Amartuvshin, dem Vorstandsvorsitzendem der MCS - Gruppe J. Odjargal, dem Ringerchampion S. Munkhbat, dem Boxer P. Serdamba. Die Plätze 7 bis 9 belegten Finanzminister S. Bayartsogt, der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar G. Munkhbayar und Vizeministerpräsident M. Enkhbold. Außenminister G. Zandanshatar kam auf den zehnten Platz.
Montsame benannte die zehn wichtigsten Ereignisse des Jahres 2011 für die Mongolei. Dazu zählen Staatsbesuche von Präsidenten und Regierungschefs, die Inthronisation des IX. Bogd, der Besuch des Dalai-Lama und ein Wirtschaftswachstum von 20 Prozent. In diesem Zusammenhang wurde allerdings angemerkt, dieses hohe Wachstum hätte nicht allen Mongolen zu einem höheren Lebensstandard verholfen. Im Gegenteil, von Armut betroffen seien mittlerweile 39 Prozent der Bevölkerung.

Ausschluss der MVP von den Wahlen gefordert
Einige Vertreter von Bürgerbewegungen (Feuernation, Bund der Opfer, Reformen jetzt, Soyombo, Front der Ehrlichen Bürger) forderten auf einer Pressekonferenz am 22.12. den Ausschluss der regierenden MVP von den Parlamentswahlen 2012.
Die Führung der MVP sei hauptverantwortlich für die Gewaltakte gegen einfache Bürger am 01. Juli 2008 gewesen. Bis heute hätte sie sich nicht entschuldigt und somit das Recht verwirkt, an demokratischen Wahlen teilzunehmen.
Ein entsprechendes Schreiben wurde dem Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten S. Batbold übermittelt.

Milchprodukte - Ausstellung
Am 19. Dezember wurde im neuen Gebäude der Industrie- und Handelskammer die Verkaufsaustellung „Weiße Speisen" eröffnet.
Seit 2003 organisiert die Stiftung „Der Nationale Weiße Ozean" diese Ausstellung, auf der zudem das „Beste Milchprodukt des Jahres" ausgewählt wird.
Zu den Zielen der zweitägigen Schau gehört nicht nur die Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen, sondern die Verbreitung von Informationen über die Gewinnung und Zubereitung von Milch und Milchprodukten ohne chemische und sonstige gesundheitsschädliche Stoffe.
In diesem Jahr nahmen Viehhalter aus acht Aimags, darunter Arkhangai, Bayankhongor, Khuvsgul und Tuv teil.

Jahreswechsel in Ulaanbaatar
Zum Ausklang des Jahres 2011 wurde den Hauptstädtern ein attraktives Programm geboten. So konnten sie am 31. Dezember im Kulturpalast das Festkonzert „Schneemelodie - 2011" besuchen. Kharanga, Khurd, Nikiton, A-Sound, die Mädchenband SweetYmotion, Nisvanis, insgesamt 35 Pop- und Swingbands, sorgten für gute Unterhaltung. Am Ende ließen sich sogar Kamerton, Nomin Talst und Tatar Khamtlag (Band) herab, gemeinsam mit den anderen auf einer Bühne aufzutreten.
Auf dem Sukhbaatarplatz begann um 19.00 Uhr die traditionelle Silvesterfeier, gemeinsam organisiert von der Stadtverwaltung und dem Demokratischen Jugendverband. Bis 0.30 Uhr konnten die Besucher Musik hören und tanzen.

Natsagdorj organisierte die erste „moderne" Silvesterfeier in Ulaanbaatar
In der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Geologie und Bergbau" im Jahr 2011 ist ein Artikel erschienen, der die Geschichte der Neujahrsfeiern in der Mongolei thematisierte.
Danach war es D. Natsagdorj, der Mitbegründer der modernen mongolischen Literatur, der 1933 gemeinsam mit Freunden und Künstlerkollegen in Ulaanbaatar eine Neujahrsparty unter dem Namen „Yolka" (Tannenbäumchen) veranstaltete.
In der Mongolei lebende Ausländer hatten zwar ihre Sitten der Jahresabschlussfeiern bereits während der Bogd-Khaan-Zeit praktiziert, für die Mongolen blieb jedoch Tsagaan Sar, das Mondneujahrsfest, das Maß aller Feiern.
In der Zweizimmerwohnung des Schöpfers von „Minii Nutag" hatten sich u. a. der Theaterwissenschaftler D. Namdag, der Schriftsteller und Übersetzer D. Navaanyunden, die zweite Ehefrau Natsagdorjs Nina Shistakova und einige russische Freundinnen versammelt, um das Yolkafest zu feiern. Der Tisch war mit „westlichen" hohen Flaschen Wodka und Wein gedeckt.
Zwei Tage später wurde Natsagdorj verhaftet, einige der Mitfeiernden verschwanden spurlos. Unter anderem wurde ihm bürgerliche Dekadenz und die Bildung einer Verschwörergruppe vorgeworfen.
Erst 1940, nach einem Besuch des Mitglieds des ZK der MRVP S. Luvsan in Moskau, verbreitete sich auch in der Mongolei die Sitte, den 31. Dezember und den 01. Januar festlich zu begehen. Noch später kam dann die Aufstellung von geschmückten Nadelbäumen im öffentlichen Raum hinzu.
Heute beginnen bereits Mitte November die Jahresendfeiern, ähnlich den Weihnachtsfeiern in Deutschland. Restaurants und Bars sind ausgebucht, Schneiderwerkstätten und Handel haben Hochkonjunktur. Die Mongolen haben das russische Yolkafest, das europäische Weihnachtsfest und die Silvesterfeiern glücklich vereint und zu einem der beliebtesten Festlichkeiten der Mongolen, zumindest in Ulaanbaatar gemacht.
Und schon wenige Wochen später folgt Tsagaan Sar.


Buddha in der Jurte

„Buddha in der Jurte. Buddhistische Kunst aus der Mongolei"
Pünktlich zum 100. Jahrestag der Bildung der Bogd-Khaan-Regierung in Niislel Khuree (heute Ulaanbaatar) und der Unabhängigkeitserklärung von China, erschienen im Hirmer-Verlag München zwei Prachtbände mit Abbildungen buddhistischer Kunstobjekte aus der Mongolei.
Darstellungen von Buddha, Bodhisattvas, untergeordneten Gottheiten mit den dazugehörigen Ritualgegenständen und Symbolen sowie den Dämonen gehören seit dem 16. Jahrhundert, als der tibetische Buddhismus (Lamaismus) den Schamanismus als beherrschende Religionsform ablöste, zur Ausstattung der Behausungen (Ger, Jurte) der mongolischen Nomaden.
In den vorliegenden Bänden wird eine repräsentative Auswahl solcher Objekte gezeigt, die gleichzeitig einen Blick auf die Geschichte des mongolischen Buddhismus vom 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ermöglichen.
Mit Zanabazar, dem ersten Oberhaupt der mongolischen lamaistischen Kirche und dem ersten namentlich bekannten Künstler der Mongolei, wurden der aus Indien und Tibet stammenden streng ikonisierten Bilderwelt des Buddhismus Elemente der mongolischen Lebenswirklichkeit hinzugefügt.
Die abgebildeten Kunstwerke stammen aus einer Privatsammlung, einer der größten Mongolicasammlungen Europas. Sie vereinen ausgewählte Kostbarkeiten wie Thangkas (Rollbilder), Figurinen, Miniaturen, Votivtäfelchen, Amulette und tragbare Schreine.
Die beiden Bände mit Bildbeschreibungen und Erklärungen zur buddhistischen Ikonografie, mit Anmerkungen und einem umfangreichen Glossar liegen in deutscher und mongolischer Sprache vor.
Außerdem wird eine Auswahl an Tibetica aus dem 11. bis 18. Jahrhundert präsentiert.
Herausgeberin der attraktiven Bildbände mit kompetenten Erläuterungen und Texten von ihr und Andrey Terentyev ist die Sinologin und Tibetologin Carmen Meinert, zurzeit Visiting Research Fellow am Käthe Hamburger Kolleg „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa" an der Ruhr-Universität Bochum.
Für die Bildaufnahmen zeichnet Achim Bunz verantwortlich.
Die Übersetzung ins Mongolische besorgte Purevgiin Erdensesukh.
ISBN 978-3-7774-4231-0
www.hirmerverlag.de

Das Werk liegt auch in englischer und russischer Sprache vor.


Denkmal der Staatssiegel


   

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Last Update: 01. Januar 2017