Neues aus der Mongolei
22. bis 28. April 2013

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

7. Ministerkonferenz der Gemeinschaft Demokratischer Staaten
1200 Delegierte, darunter Staats- und Regierungschefs aus 104 Ländern versammeln sich vom 27. bis zum 29. April zur 7. Ministerkonferenz der Gemeinschaft Demokratischer Staaten in Ulaanbaatar.
Das Mitglied der Großen Staatsversammlung R. Amarjargal leitete die Plenartagung am 27. April, Ministerpräsident N. Altankhuyag hielt das Eröffnungsreferat
Nach der Eröffnungsveranstaltung im Regierungspalast werden die Diskussionen und der Meinungsaustausch in den Foren Frauen, Jugend, Parlamentarismus, Zivilgesellschaft und Unternehmenskultur fortgesetzt, am 29. April werden sich die Außenminister der Gemeinschaft zu Konsultationen treffen.
Zu den 12 von Präsident Ts. Elbegdorj eingeladenen Ehrengästen zählen die Friedensnobelpreisträgerinnen Aung San Suu Kyi und Tawakkul Karman.
Von Juli 2011 bis April 2013 hatte die Mongolei den Vorsitz der Gemeinschaft inne, El Salvador wird die Gemeinschaft während der nächsten zwei Jahre führen.
Wegen strenger Sicherheitsvorkehrungen müssen die Hauptstädter an den Konferenztagen mit Verkehrseinschränkungen rechnen.
Fahrer von Privatfahrzeugen benötigen besondere Lizenzen für das Stadtzentrum.
Die Busunternehmen befördern ihre Passagiere kostenlos.

Bayartsogt muss seinen Stuhl räumen
Auf der Sitzung der Großen Staatsversammlung am 25. April stimmten 56 der 74 Abgeordneten für den Rücktritt S. Bayartsogts von seinem Posten als Vizevorsitzender der Staatsversammlung.
Einigen Abgeordneten des Wahlbündnisses „Gerechtigkeit" ging das nicht weit genug. Sie forderten Bayartsogt auf, sein Abgeordnetenmandat ebenfalls niederzulegen.
S. Bayartsogt, von 2008 bis August 2012 Finanzminister, hatte Einlagen von über einer Million USD sowie eine Offshore-Firma auf seinen Namen nicht deklariert.
Der Antrag der 25 MVP-Abgeordneten, Ministerpräsident N. Altankhuyag müsste zurücktreten – der Antrag beinhaltete neun „Anklage"punkte – fand hingegen keine Mehrheit.
Altankhuyag wies alle neun Punkte zurück. Interessenkonflikte hätte es nie gegeben.
Er habe sieben Schwestern und Brüder und sehr viele Verwandte. Die wären in verschiedenen Branchen tätig.
Nie hätte er irgendeinen Einfluss auf Ausschreibungen von Staatsunternehmen genommen.
Die MVP wirft ihm u. a. vor, eine seiner Nichten hätte eine Ausschreibung von Erdenes Tavantolgoi im Wert von 17 Milliarden Tugrug unter falschen Voraussetzungen gewonnen.
Seine Regierung hätte auch nie irgendwelche Medien an ihrer Arbeit gehindert, die Zahl der Staatsangestellten sei nicht gestiegen, sondern um 400 gesunken.
Von den 69 anwesenden Abgeordneten stimmten 23 für und 46 gegen den Antrag.

Mindestlohn erreicht 1 142 Tugrug
Wie Arbeitsminister Ya. Sanjmyatav am 11. April erklärte, ist der Mindeststundenlohn seit 2011 um 307 auf 1 142 Tugrug gestiegen.
Der monatliche Mindestlohn erreicht mittlerweile 140 400 Tugrug.
Im Arbeitsgesetz ist vorgeschrieben, den Mindestlohn alle zwei Jahre anzuheben.

Wieder Kohlelieferungen
Die wegen eines Preisstreits seit Januar aus der Mongolei nach China gestoppten Kohlelieferungen sind am 22. April wieder aufgenommen worden.
Für eine Tonne Kohle zahlen die Chinesen 70 USD.
Die chinesischen Abnehmer haben weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Areva entdeckt neues Uranvorkommen
Am 22. April meldete die „UB Post", die mongolische Tochter des französischen Industriekonzerns Areva (Energieerzeugung, Nukleartechnik) Areva Mongol hätte in Zuuvch Ovoo im Osten der Mongolei eine neue Uranlagerstätte mit einem Volumen von 54 000 Tonnen entdeckt.
Seit 2006 ist Areva in der Mongolei aktiv, leistet technische und technologische Unterstützung und arbeitet mit den Mongolen bei Exploration und Abbau von Uranerzen zusammen.
Dulaan Uul mit 9 600 Tonnen gehört ebenfalls zu Areva Mongol.
Insgesamt hält das Unternehmen 28 Bergbaulizenzen in der Mongolei.


Jumjaagiin- Tsedenbal-Denkmal in Ulaanbaatar

Tsedenbal-Denkmal wieder an seinem Platz
Nach sorgfältiger Restaurierung steht das Tsedenbal-Denkmal wieder an seinem Platz in der gleichnamigen Grünanlage vor dem Schauspielhaus Ulaanbaatar.
Das Denkmal war seinerzeit durch private Spendengelder errichtet worden. Überhaupt hatte es mehrere Jahre gedauert, ehe seine Nachfolger dem Wunsch seiner Söhne nachgaben, ihren Vater in der Mongolei zur letzten Ruhe zu betten. (Er war 1991 in Moskau gestorben). Die damalige MRVP-Regierung hatte zunächst eine Überführung des Leichnams in die Mongolei untersagt.
Jumjaagiin Tsedenbal wurde 1916 im Davst-Sum im Uvs-Aimag geboren und im Alter von nur 24 Jahren auf dem 10. Parteitag 1940 zum Generalsekretär der MRVP gewählt.
Diese Funktion hatte er bis August 1984 inne.
In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung von 750 000 auf zwei Millionen, hatte 1940 nur ein Staat (UdSSR) die Mongolei anerkannt, waren es 1984 schon 95 und das Land war Mitglied in 60 internationalen Organisationen.

Gagarin-Denkmal enthüllt
Anlässlich des Internationalen Tages der Kosmonauten am 12. April wurde vor der Bilgiin Uud Sekundarschule in Ulaanbaatar ein Gagarin-Denkmal enthüllt.
Die Initiative dafür ging von den Schülern und Lehrern der Schule aus.
Die Enthüllung nahm der erste und bisher einzige Kosmonaut der Mongolei J. Gurragchaa vor.
Juri Gagarin (1934-1968) war der erste Mensch im Weltall.
Am 12. April 1961 war er mit Wostok I zum ersten bemannten Raumflug in der Geschichte der Menschheit gestartet.

„Geschichte und kulturelles Erbe der Xiongnu"1
Anlässlich des 2222-jährigen Gründungsjubiläums des Reiches der Xiongnu (Hsiung- nu) in Zentralasien wurde am 25. April im Museum für nationale Geschichte die Ausstellung „Geschichte und kulturelles Erbe der Khunnu" eröffnet.
Zu sehen sind über 300 Ausstellungsstücke, darunter solche, die erst in den vergangenen zwei Jahren von Archäologen geborgen wurden.
Hauptsächlich handelt es sich um Grabbeigaben hunnischer Adliger wie Schmuck, Waffen, Staatsinsignien aus Gold, Silber Kupfer, Eisen oder aus Knochen.
Die Ausstellung wurde gemeinsam vom Archäologischen Institut der AdW, dem Archäologischen Institut der Staatsuniversität sowie dem Museum für Geschichte erarbeitet.

1 Xiongnu, davon abgeleitet das mongolische Khun =Mensch, ist in der alten chinesischen Geschichtsschreibung die Bezeichnung für einen der „nördlichen Barbarenstammesverbände".
Vom 3. Jh. v.u.Z. bis zum 3. Jh. beherrschte die Stammesvereinigung der Xiongnu, darunter werden neben Türken auch Protomongolen vermutet, ganz Zentralasien und zeitweise sogar Nordchina.
Die Schwerpunkte des Reiches lagen in der Mongolei, in Gol Mod (Khangai) und Noyon Uul, etwa 100 km nördlich von Ulaanbaatar.
Im Zuge des Niedergangs ihrer Macht seit dem 1. Jh. zog ein Teil der Xiongnu Richtung Westen. Die Annahme, die im 5. Jahrhundert in Europa Angst und Schrecken verbreitenden Hunnen seien Nachfahren der Xiongnu gewesen. wird heute nur noch von wenigen Wissenschaftlern vertreten.


Piano in der Wüste

Piano in der Wüste. Eine Musikreise in die Mongolei.
„Als wir beide nach der Rückkehr von dieser Reise wieder in der Glaskastenwelt angekommen waren und uns am Berliner Hauptbahnhof eine Currywurst einverleibten, wurde diese unversehens zu einer Art abschiedsschmerzendem Depri-Dinner. Sofort wieder zurück, nickten wir beide uns zu, am liebsten sofort wieder dahin zurück, wo wir gerade hergekommen waren."
So wehmütig beginnt das Fotobuch des Schriftstellers Ulrich Land und des Fotografen Joschi von Scherenberg (Fotos) „Piano in der Wüste. Eine Musikreise in die Mongolei".
2012 hatten sie die Teilnehmer am Musikfestival „Roaring Hooves" in die Mongolei begleitet.
Die von dieser Reise mitgebrachten poetischen und prosaischen Eindrücke sowie Fotos von Landschaften, Menschen und Situationen haben Land und von Scherenberg in diesem kleinen, feinen Buch zusammengeführt.
Die Befürchtung, hier werde neuerlich ein Werk vorgestellt, das den „edlen Wilden" feiert und den eher barbarischen Westler verdammt – übrigens ebenfalls ein Zeugnis von Überheblichkeit - bewahrheitete sich nicht. Lakonisch werden Eindrücke von vermülltem Gelände, kaputten Straßen, dann doch unverständlichen Verhaltensweisen geschildert, um dann ins Schwärmen zu geraten über stille, weite Landschaften, das sagenhafte Improvisationstalent der Mongolen und ihre alles überstrahlende Gastfreundschaft.
Das Festival „Roaring Hooves", das bereits seine 14. Auflage erlebte, war von Prof. Dr. hc. Bernhard Wulff aus Freiburg und der Vorsitzenden des Mongolischen Verbandes für Neue Musik S. Badamkhorol ins Leben gerufen worden. Vertreter zeitgenössischer Musik aus allen Erdteilen musizieren gemeinsam mit mongolischen Musikern und zwar nicht nur in den Konzertsälen der Hauptstadt Ulaanbaatar, sondern in Steppen- und Wüstenorten, in abgelegenen Klöstern. Und manchmal „hören nur die Bäume zu", wie die Autoren eher begeistert feststellen konnten.
In diesem Jahr wird es kein Festival geben. Die Organisatoren wollen die Zeit nutzen, das 15-jährige Jubiläum vorzubereiten. Wir dürfen uns also auf 2014 freuen und vielleicht sind ja Land und von Scherenberg wieder mit von der Partie.
ISBN 978-3-942974-22-6
Edition dpe, Erkrath 2012.
Übrigens, warum Currywurst in Berlin verspeisen? Alle Welt liebt die Stadt – nicht nur, aber auch - wegen ihrer Döner.


   

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Last Update: 01. Januar 2017