Neues aus der Mongolei
8. bis 14. Juli 2013

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Vereidigung des Präsidenten am 10. Juli 2013 vor dem Chinggis-Khaan-Denkmal. Foto Präsidialamt

Zweite Amtszeit für Präsident Ts. Elbegdorj
Zum ersten Mal sprach das neu gewählte Staatsoberhaupt der Mongolei seinen Amtseid vor dem Chinggis-Khaan-Denkmal auf dem Sukhbaatarplatz.
Zu diesem Zwecke waren die neunschwänzige Staatsstandarte sowie alle übrigen Insignien aus dem Regierungspalast um das Denkmal aufgebaut worden.
Zum ersten Mal konnte auch die Bevölkerung an der feierlichen Zeremonie teilnehmen, die pünktlich am 10. Juli, 11:40 Uhr, in der Stunde des Pferdes, begann.
Der Zeremonie wohnten ferner die Mitglieder der Großen Staatsversammlung, der Regierung, des Verfassungsgerichts, des diplomatischen Korps und als Ehrengast der ehemalige polnische Präsident, Begründer der Bürgerbewegung „Solidarität", Friedensnobelpreisträger Lech Walesa teil.
Nachdem die Eidesformel gesprochen war, paradierten 2250 Soldaten aller Waffengattungen über den Festplatz.

Abschluss der Frühjahrssitzungen der Staatsversammlung
Nach der Vereidigung des neuen und alten Staatsoberhauptes versammelten sich Präsident, Ministerpräsident, Abgeordnete und ihr Vorsitzender sowie Regierungsmitglieder und Behördenchefs im Versammlungssaal im Regierungspalast zur Abschlusssitzung der Frühjahrssitzungsperiode.
Zu Beginn wählten die Abgeordneten den stellvertretenden Vorsitzenden der Großen Staatsversammlung R. Gonchigdorj zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Staatsversammlung. Auch hier hat Gonchigdorj die Nachfolge des wegen illegaler Geldgeschäfte zurückgetretenen S. Bayartsogt angetreten.
Danach sprach der Vorsitzende der Staatsversammlung Z. Enkhbold über Ergebnisse der zurückliegenden Wochen und Monate.
26 Mal hätte die Staatsversammlung getagt, die Ständigen und Unterausschüsse 86 Mal. 13 Gesetze und 45 Gesetzesänderungen sowie vier internationale Verträge, Konventionen und Kreditvereinbarungen beschlossen worden.
Fünf Gesetze und Teile von Gesetzen wurden für ungültig erklärt, die Staatsversammlung habe 26 Beschlüsse diskutiert und bestätigt.
In den Frühjahrsitzungen legten die Abgeordneten die Richtlinien für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes für das Jahr 2014 vor, in dem mit dem Bau eines erdölverarbeitenden Werkes sowie mit der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte begonnen werde, wobei die Partnerschaft zwischen Staat und Privatwirtschaft immer größere Bedeutung erlangte.


Naadameröffnung im Zentralstadion von Ulaanbaatar. 11. Juli

Nach Naadam beginnt der Herbst
Die meisten Medien haben noch die alte Formel im Zusammenhang mit der Eröffnung des diesjährigen Nationalfestes verwendet: „Anlässlich des 2222. Jahrestages der Gründung des ersten mongolischen Staatswesens (dies bezieht sich auf die Gründung des zentralasiatischen Xiongnureiches und wird seit einem Erlass von Präsident Elbegdorj aus dem Jahr 2010 besonders gewürdigt), des 807. Jahrestages der Gründung des mongolischen Großreiches und des 92. Jahrestages der Volksrevolution …".
Präsident Elbegdorj hat gegen einige Passagen des Gesetzes über den Nationalfeiertag Naadam sein Veto eingelegt. Er will die Erwähnung der Volksrevolution aus dem Gesetz entfernen lassen. Bei der Eröffnung der diesjährigen Feiern am 11.Juli im Zentralstadion hat er folgerichtig den 92. Jahrestag der Volksrevolution nicht erwähnt, auch der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar E. Bat-Uul verzichtete darauf, an die Volksrevolution zu erinnern.
Die MVP widerspricht den Plänen für die Gesetzesänderung, „Der feste Termin für Naadam geht auf den Sieg der Volksrevolution von 1921 zurück".
Am 10.07.1921 war der Sieg der Volksrevolution verkündet worden, am 11.07. übernahm die Volksregierung die Amtsgeschäfte, der Bogd Gegeen wurde zum Staatsoberhaupt mit eingeschränkten Befugnissen ernannt.
Zuvor, zurückgehend bis Chinggis-Khaan, wurde Naadam nicht an einem festgesetzten Termin gefeiert.
Der 102. Jahrestag der Befreiungsrevolution von 1911 wird seit 2010 im Dezember als Tag der Verfassung und Unabhängigkeit begangen, ist offizieller Feiertag. Wann er den 26. November (1924 - Proklamation der MVR und Verabschiedung der ersten Verfassung der Mongolei endgültig als Feiertag ablöst, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.
Nichtsdestotrotz waren auch bei den diesjährigen Feiern Ringen, Reiten und Bogenschießen die Attraktionspunkte für Einheimische und Touristen und wie in jedem Jahr ließen sich die Spitzenpolitiker an den Wettkampfstätten sehen und versuchten sich selbst zumindest als Bogenschützen oder Knöchelwerfer. Außerdem haben nicht wenige Prominente, Politiker, Unternehmer, Künstler eigene Rennpferde im Wettbewerb.
Die Busse beförderten ihre Passagiere kostenlos zu den Veranstaltungsstätten.
Theater, Galerien und Museen boten Programme für Alt und Jung, auf den zentralen Plätzen sorgten Estradenprogramme mit beliebten Künstlern für regen Zulauf.
Das Festival „Mongolische Nationaltrachten" am 13. Juli musste allerdings wegen Dauerregens auf den 20. Juli verschoben werden.
Zum offiziellen Abschluss der Naadamfeierlichkeiten mit der Ehrung der besten (von insgesamt 512) Ringer am 12. Juli im Zentralstadion konnte Präsident Elbegdorj acht neue Staatstitelträger, darunter einen Landesmeister (Ulsyn Avraga) auszeichnen:
Mit Landeslöwe (Ulsyn Arslan) G. Erkhembayar gewann zum ersten Mal ein Ringer aus dem Selenge-Aimag (Mandal-Sum) das zentrale Naadamringen und wurde dafür mit dem höchsten Titel Ulsyn Avraga geehrt.
Zweiter wurde Jugend-Landesfalke B. Gonchigdamba aus dem Ikh-Uul-Sum im Zavkhan-Aimag, der mit dem Titel „Landesgaruda" (Ulsyn Garid) geehrt wurde.
B. Batmunkh aus dem Bayankhangai-Sum im Zentralaimag ist der neue Landeselefant (Ulsyn Zaan).
Hinzu kommen dreie neue Landeshabichte, darunter Judoolympiasieger N. Tuvshinbayar und zwei neue Landesfalken aus den Aimags Bulgan, Uvs, Khentii und Gobi-Altai.
Für mehr Fotos von der Vereidigung und vom Naadam sh.
www.news.mn, www.president.mn, www.parliament.mn.

Wieder verletzte Kinder bei den Reitwettbewerben
Trotz verschärfter Sicherheitsbestimmungen bezüglich der Rennkleidung (Helme, Brust-, Knie- und Armschützer) sind auch in diesem Jahr wieder Kinder vom Pferd gestürzt und wurden mit teils schweren Verletzungen - Arm- und Beinbrüche sowie Gehirnerschütterungen – ins Krankenhaus eingeliefert.
Insgesamt haben 600 Kinder an den Pferderennen teilgenommen. 22 von ihnen sind vom Pferd gestürzt, von denen sich drei schwer verletzt haben, die übrigen trugen Schürfwunden und Prellungen davon.
S. Narantuya vom Kinderschutzzentrum erklärte, im nächsten Jahr noch genauer das Tragen der vorgeschriebenen Schutzkleidung kontrollieren zu wollen.
In diesem Jahr hätten zwar alle Reiter und Reiterinnen Schutzhelme getragen, aber nur etwa 50 Prozent der Kinder Brust-, Arm- und Knieschützer.

Deutscher Botschafter überreicht Beglaubigungsschreiben
Außenminister L. Bold hat am 09. Juli den Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter der BR Deutschland in der Mongolei Gerhard Thiedemann empfangen.
Bold wünschte dem neuen deutschen Botschafter alles Gute für seine Arbeit in der Mongolei. „Ich bin sicher, auch in Zukunft werden sich die engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten und Völkern positiv entwickeln".
Im Herbst werde die gemeinsame Hochschule für Geologie und Bergbau die ersten Studenten aufnehmen, mit Hilfe der deutschen Kohleverflüssigungstechnologie sei die Mongolei imstande, Kraftstoffe sogar zu exportieren. Damit sei eine neue Seite der mongolisch-deutschen Wirtschaftskooperation aufgeschlagen worden.
Bold informierte den Deutschen über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vom 26. Juni und wies darauf hin, dass bei der Erarbeitung der Wahlgesetze auf Erfahrungen der deutschen Gesetzgebung zurückgegriffen wurde.
Thiedemann, geb. 1955 in Hamburg, erklärte seinerseits, dankbar für die Chance zu sein, Deutschland in der Mongolei vertreten zu dürfen.
Von 2010 bis 2013 war er Botschafter in Pjöngjang (Demokratische Volksrepublik Korea).
Am Treffen im Außenministerium in Ulaanbaatar nahm auch das Mitglied der Großen Staatsversammlung und Vorsitzende des Petitionsausschusses R. Burmaa teil, die über die Vorhaben referierte, das Wahlgesetz und das Gesetz über die politischen Parteien erneut zu reformieren sowie die politische Bildung der Bürger zu verbessern.
Am 15. Juli hat Botschafter Thiedemann sein Beglaubigungsschreiben an Präsident Elbegdorj übergeben.
otos sh.
www.president.mn.

Erstes Kupferkonzentrat aus Oyutolgoi exportiert
Am 09. Juli hat der Export von Kupferkonzentrat aus der Oyutolgoi-Mine im Südgobi-Aimag in der Mongolei nach China begonnen.
Der Exportbeginn war mehrmals verschoben worden, da sich der Betreiber der Mine Rio Tinto und die mongolische Regierung nicht über die Verteilung der zu erwartenden Gewinne einigen konnten. Rio Tinto wollte die Gelder auf ausländische Banken transferieren, die Mongolei hätte inländische Banken bevorzugt.
Darüber, wie sich beide Seiten geeinigt haben, wurde bisher nichts bekannt.

Universiade 2013
Bei der der 27. Sommeruniversiade vom 06. bis zum 17. Juli in 2013 in Kasan (Russland) hat die Bronzemedaillengewinnerin von London und Weltmeisterin S. Batstetseg im Freistilringen bis 63 kg die Goldmedaille gewonnen.
Bisher haben die mongolischen Sportler bei der diesjährigen Universiade drei Gold-, fünf Silber- und 14 Bronzemedaillen gewonnen.
Insgesamt nehmen an der Universiade „Kasan 2013" 10 000 Studenten aus 127 Ländern teil.

Chinggis-Khaan-Judo Grand Prix in Ulaanbaatar
Beim ersten Judo Grand Prix am 13. und 14. Juli im Buyant-Ukhaa-Sportzentrum in Ulaanbaatar gewannen die mongolischen Sportler und Sportlerinnen sieben Gold-, sieben Silber- und 12 Bronzemedaillen und siegten damit auch in der Mannschaftswertung vor Südkorea (4-3-5) und Tschechien (1-1-1).
Zum mit 100 000 USD dotierten Grand Prix waren 140 Judoka aus 140 Ländern angereist.


Juli in der Mongolei


   

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Last Update: 01. Januar 2017