Neues aus der Mongolei
10. bis 16. Juni 2013

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

Geringe Wahlbeteiligung
Nur 6.233 wahlberechtigte Mongolen, die im Ausland leben, lernen und arbeiten, haben sich für die Präsidentschaftswahlen registrieren lassen.
Bis zum 16.06., 14:00 Uhr (mongolische Zeit), hatten 3.188 Bürger ihre Stimmen abgegeben, 446 von 1.454 in Seoul, 290 von 838 in London und 91 von 244 in Washington.
In 39 Hauptstädten, darunter Tokio, Canberra, Seoul, Pjöngjang, Vientiane, Tokio, Hanoi, Bangkok, Sofia, Ankara, Stockholm, Budapest, Prag, Washington, Kairo, Wien, Rom, Warschau, Astana, Berlin und in Städten mit Konsulaten (Osaka, Ereen, San Francisco, New York u. a.) konnten die Mongolen vom 14. bis 16. Juni zwischen 07:00 und 22:00 Uhr zwischen Amtsinhaber Ts. Elbegdorj, N. Udval (MRVP) und B. Bat-Erdene (MVP) wählen.
In Ländern ohne unterschiedliche Zeitzonen werden die Wahllokale am 16.06., 22:00 Uhr geschlossen, in Ländern mit mehreren Zeitzonen endet die Stimmabgabe am 17.06, 10:00 Uhr.
63 der in Deutschland lebenden Mongolen haben sich registrieren lassen zehn von ihnen hatten bis zum 15. Juni, 17.00 Uhr, tatsächlich gewählt.

G. Denzen zurückgetreten
Der stellvertretende Leiter der Regierungskanzlei G. Denzen hatte am 13. Juni den Wunsch geäußert, von seinem Amt abgelöst zu werden.
Auf der Regierungssitzung am 15. Juni stimmten die Mitglieder dem zu und ernannten Ch. Sainbileg zum Nachfolger.
Seit dem Frühjahr waren Vorwürfe gegen Denzen laut geworden, er hätte der Firma seiner Frau Wettbewerbsvorteile bei Ausschreibungen verschafft sowie dafür gesorgt, dass seine Schwester Abteilungsleiterin im Staatsunternehmen „Erdenes Tavantolgoi" geworden sei.
Denzen hat alle Vorwürfe zurück gewiesen.

Bitte um politisches Asyl
Der von der nationalen Antikorruptionskommission über Interpol gesuchte ehemalige Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Ulaanbaatar T. Bilegt hat in den USA um politisches Asyl gebeten.
Die Antikorruptionskommission beschuldigt ihn, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der MRVP und Expräsident N. Enkhbayar sowie weiteren Personen an illegalen Privatisierungsaktionen beteiligt gewesen zu sein.
Interpol erklärte, der mongolische Staatsbürger T. Bilegt habe in den USA politisches Asyl beantragt. Für ein weiteres Vorgehen seitens Interpol müssten zusätzliche Informationen und Materialien übermittelt werden.
Darüber, wie in der Causa weiter verfahren würde, sollte dem Gesuch Bilegts stattgegeben werden, könnten noch keine Aussagen getroffen werden, erklärte ein Mitarbeiter der Antikorruptionskommission.
In jedem Fall würde Interpol mit ausführlicheren Informationen versorgt werden.

„Pariser Straße" in Ulaanbaatar
Bei einem Treffen von Oberbürgermeister E. Bat-Uul mit dem Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter Frankreichs in der Mongolei Yves Delune informierte der Botschafter über das Interesse französischer Firmen, sich an Vorhaben zur Wasseraufbereitung und am Bau der geplanten Untergrundbahn in Ulaanbaatar zu beteiligen.
Im September dieses Jahres würden offizielle Vertreter der Stadtverwaltung Paris sowie zehn Architekturstudenten nach Ulaanbaatar reisen, um sich einen Überblick über den Stadtbebauungsplan zu verschaffen und um gemeinsam mit mongolischen Studenten und Baufachleuten Erfahrungen auszutauschen und Vorschläge, v. a. zur Verbesserung der Wohnsituation in den Gervierteln und zur Versorgung von immer mehr Bürgern mit Wohnungen zu diskutieren.
Delune regte an, in Ulaanbaatar ein „Pariser Kulturzentrum" zu eröffnen und eine Straße nach der französischen Hauptstadt zu benennen.
Bat-Uul zeigte sich erfreut über die Vorschläge und sagte seine volle Unterstützung zu.

Wohnungsbaukreditverordnung beschlossen
Auf ihrer Sitzung am 12. Juni beschlossen die Kabinettsmitglieder die Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe beim Wohnungsbau bzw. –kauf.
Für den Kauf einer Wohnung (Alt- oder Neubau) mit einer Gesamtfläche nicht über 80 m2 können die Bürger einen Kredit mit einer Laufzeit bis 20 Jahre und einer Zinsbelastung zwischen sieben und neun Prozent in Anspruch nehmen.
Als Eigenkapital müssen zehn bis 30 Prozent aufgebracht werden.

Ehrung der „Großen Schwarzen Armeestandarte"
In diesem Jahr erwiesen Präsident Ts. Elbegdorj und Oberkommandierender der mongolischen Streitkräfte Ts. Elbegdorj, Verteidigungsminister D. Bat-Erdene, Generalstabschef Generalleutnant Ts. Byambajav sowie Vertreter aller Waffengattungen in einer feierlichen Zeremonie am 12. Juni auf dem Gipfel des Aguit-Berges der Großen Schwarzen Armeestandarte ihren Respekt.
Die Khar-Suld-Ehrung geht auf Chinggis-Khaan zurück, die erste neuzeitliche Khar-Suld-Ehrung wurde auf Anordnung des damaligen Staatspräsidenten P. Ochirbat am 13. Juni 1995 auf dem Khan-Khentii-Uul im Khentii-Aimag zelebriert.

MVP muss ehemaliges Leninmuseum räumen
Der Streit um das ehemalige Leninmuseum, in dem nach dem Willen der Kulturministerin das neue Dinosauriermuseum eine Heimstatt finden soll, scheint beigelegt.
Zur Verhandlung vor dem Stadtbezirksgericht Chingeltei am 12. Juni, in der es um die Eigentumsrechte am Gebäude ging, waren die MVP-Vertreter nicht erschienen.
Zuvor waren Verhandlungen zum wiederholten Mal verschoben worden, da die MVP durch Abwesenheit glänzte.
Nun hat das Gericht entschieden, das Nutzungsrecht der MVP am betreffenden Gebäude für null und nichtig zu erklären.

Rohstoffexport verschoben
Noch am 11. Juni hatten internationale und mongolische Medien gemeldet, am 14. Juni sei mit dem Beginn des Exports von Kupferkonzentrat aus der Mine Oyutolgoi in Khanbogd im Südgobiaimag zu rechnen.
Beobachter schlossen das aufgrund einer Einladung zur Pressekonferenz, die u. a. die britische Nachrichtenagentur Reuters erreichte.
Das 6,2-Milliarden-Projekt Oyutolgoi wird für Rio Tinto immer wichtiger, mussten doch wegen eines Erdrutsches eine Mine in den USA und wegen eines Unfalls die Grasberg-Mine in Indonesien vorübergehend stillgelegt werden.
Die Produktion in Oyutolgoi läuft bereits seit Monaten, doch nachdem die mongolische Regierung die Investitionsvorschriften verschärft hatte und regelmäßig einen höheren Eigentumsanteil fordert (aktuell 66 Rio Tinto-Tochter Tourquoise Hill:34 Mongolei) brachen nicht nur die Auslandsinvestitionen ein, das Unternehmen verzichtete auf Exporte.
Am 12. wurde bekannt, dass der Export mitnichten am 14. beginnen werde.
Gründe wurden nicht genannt, der ursprüngliche Termin 30. Juni aber auch noch nicht abgesagt.

Metrostreckenführung
Am 11. Juni verkündete Oberbürgermeister E. Bat-Uul in einer Feierstunde in Ulaanbaatar die Streckenführung für die Untergrundbahn.
Die 17,7 km lange Strecke führt von Amgalan über (bzw. unterhalb der) die Friedensstraße nach Tolgoit.
E. Bat-Uul erklärte den Bau der Metro zur nationalen Aufgabe, deren Erfüllung Ulaanbaatar zu einer attraktiven modernen Metropole machen würde.
„Dann könnten wir auch über die Ausrichtung olympischer Spiele reden".
20 bis 30 Minuten soll die Fahrt über 14 Haltestellen von Amgalan nach Tolgoit dauern.
Eine Station entsteht im 29. Khoroo im Songinokhairkhan-Duureg, westlich des „Drachen" Busbahnhofs, die Station in Amgalan im 10. Khoroo im Bayanzurkh-Duureg.

Protest der Milchproduzenten
Bis zum 10. Juni hatte das Landwirtschaftsministerium auf die Forderungen der Milchproduzenten nach einem Stopp für Milchimporte und einen Mindestabnahmepreis von 1.050 Tugrug pro Liter Milch seitens der Milch verarbeitenden Betriebe nicht reagiert.
Der Verband der mongolischen Milchproduzenten kündigte deshalb friedliche Protestaktionen an.
Am 10. Juni versammelten sich Milchbauern auf dem Sukhbaatarplatz und schütteten über den ganzen Platz Milch aus.
Sie beklagen die Verwendung von über 80 Prozent Trockenmilch für die Herstellung von Milchprodukten in der Mongolei.
Sollte die Regierung bis zum 30. Juni nicht reagieren würden die Protestaktionen auf eine neue Stufe geführt.

 


V.l. R. Bretschneider, Ts. Bolor, M. Smolinski

11. Deutsch-Mongolisches Volksfest
Angenehme Temperaturen, Sonne, blauer Himmel, Wolken nur zur Dekoration lockten am 15. Juni Mongoleiinteressierte und Neugierige auf den Festplatz nach Waßmannsdorf (Gemeinde Schönefeld bei Berlin) zum 11. Deutsch-Mongolischen Volksfest.


Musik- und Tanzensemble der Humboldt-Schule Ulaanbaatar

Rainer Bretschneider, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Ortsvorsteher Michael Smolinski und Botschaftsrat Tsolmony Bolor eröffneten das Fest mit allen guten Wünschen für ein paar entspannte Stunden.


Steppenmädchen. Waßmannsdorf 15.06. 2013

Khushuur und Buuz (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen und Suutei tsai (Milchtee) verführten dazu, in der Mitte Europas ein wenig Mongolei zu kosten.


Angehende Bogenschützin mit ihrem Lehrer

Die „Steppenmädchen" (Talyn Okhid), zwei Jungen verstärken in diesem Jahr das Musik- und Tanzensemble der 38. Schule aus Ulaanbaatar, die seit kurzem den Ehrennamen Humboldt trägt, begannen ihre zweimonatige Deutschlandtournee in Waßmannsdorf und erhielten wie bei all ihren Aufenthalten in der Region kostenlose Unterkunft und Verpflegung im Haus Belger in Großziethen.


Khukh Mongol und Steppenmädchen

Genau wie die Musiker und Musikerinnen von „Khukh Mongol" (Blaue Mongolei) wurden sie von den Besuchern begeistert gefeiert, ehe alle zum traditionellen mongolischen Ringkampf zogen. Auch in diesem Jahr hatten sich wieder mutige Nichtmongolen entschlossen, den Kampf aufzunehmen und wie in jedem Jahr landeten sie vorzeitig auf dem Rasen, konnten sich aber des anerkennenden Beifalls des fachkundigen Publikums sicher sein.


Wer liegt zuerst am Boden

Goldmedaille für Mongolischen Judoka
Beim Judo-Grand Prix am 15. und 16. Juni in Miami (USA) gewann Ganboldyn Kherlen in der Kategorie bis 60 kg bei den Männern die Goldmedaille.
Battsetsgiin Batgerel wurde Dritter in der Gewichtsklasse bis 66 kg. Adyaasambuugiin Tsolmon gewann bei den Frauen ebenfalls eine Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 52 kg.


   

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Last Update: 01. Januar 2017