Neues aus der Mongolei
11. bis 17. November 2013

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


November in der Mongolei

Erster offizieller Besuch José Manuel Barrosos in der Mongolei
Am 17. /18. November absolvierte EU-Kommissionspräsident José M. Barroso seinen ersten offiziellen Besuch in der Mongolei.
Er wurde von Präsident Ts. Elbegdorj empfangen und traf sich mit Ministerpräsident N. Altankhuyag zu Gesprächen über den Stand und die Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen der Mongolei und der EU.
Vor Lehrern und Studenten der Mongolischen Staatsuniversität hielt er eine Vorlesung zu aktuellen Problemen der internationalen Zusammenarbeit.

Staatshaushalt 2014 beschlossen
Nach der gesetzlich vorgeschriebenen vierten Lesung haben die Abgeordneten am 15. November mehrheitlich dem Staatshaushaltsplan 2014 sowie den Haushaltsplänen für die Sozialversicherung und den nationalen Bevölkerungsfonds zugestimmt.
Die Staatsausgaben werden um 20 Milliarden Tugrug gekürzt (Bildung und Gesundheit sind nicht betroffen).
Regierung und zuständige Ausschüsse hatten darauf gedrungen, die Gründe für die gestiegenen Staatsausgaben sowie für die zwar bereits finanzierten, aber nicht fertiggestellten öffentlichen Gebäude herauszuarbeiten.

Statistik Oktober 2012
Nach Angaben aus dem Nationalen Amt für Statistik wurden bis Oktober 2013 66 618 Kinder geboren, 6,9 Prozent mehr als im vergleichszeitraum des Vorjahres.
953 Babys starben vor ihrem ersten Lebensjahr, 0,4 Prozent mehr, 1 181 vor ihrem fünften Geburtstag, 2,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
Die Polizei registrierte 21 100 Straftaten, 16,1 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum.
Infolge von Straftaten erlitten 7 800 Menschen Verletzung, 817 starben, 13,5 bzw. 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr.


Ehemaliges Leninmuseum

115 Millionen Tugrug Einnahmen
Die Ministerin für Kultur, Sport und Tourismus Ts. Oyungerel freute sich, mitteilen zu können, dass sich das provisorische Dinosauriermuseum auf dem Chinggis-Khaan-Platz in Ulaanbaatar zum Publikumsmagneten entwickelt hat. Bis zum 15. September wurden 115 Millionen an Eintrittsgeldern und durch den Verkauf von Souvenirs eingenommen.
In den Wintermonaten müsse das Museum leider umziehen, die Exponate wurden ins Darkhan-Uul-Aimag-Museum transportiert.
Leider sei das Problem bezüglich der Umgestaltung des ehemaligen Leninmuseums in ein Dinosauriermuseum bis heute nicht abschließend geklärt.
Der Vorschlag in Zuun Mod, der Hauptstadt des Zentralaimags ein paläontologisches Museum zu bauen, werde geprüft.
Die Mongolei erwarte gegenwärtig die „Rückkehr" von drei Tyrannosaurier Baatar – Skeletten aus Europa, von denen eines offiziell seit 1987 in einer Ausstellung in Italien gezeigt worden sei.
Ein anderes befinde sich in Tokio.

MRVP-Parteikonferenz
Am 24. November soll eine Parteikonferenz der MRVP Klarheit über den künftigen Kurs und die Führung der Partei bringen.
Der Vorsitzende Nambaryn Enkhbayar befinde sich zwar noch zur medizinischen Behandlung in Südkorea, sein Zustand bessere sich allmählich und nach zwei Operationen könne er in die Heimat zurückkehren. Die Parteikonferenz müsste aber höchstwahrscheinlich ohne ihn stattfinden, kritisiert die Basis die Pläne der Führung.

1,2 Milliarden für Viehhalter
In diesem Jahr erhielten die Viehhalter aus dem Staatshaushalt Vorauszahlungen in Höhe von 1,2 Milliarden Tugrug, im Gegenzug flossen 18 Millionen Tugrug an Steuergeldern aus dem Verkauf von Schaf- und Kamelwolle an einheimische Unternehmen in den Staatshaushalt.
Jeder Viehhalterhaushalt bekam also 2 000 Tugrug pro Kilogramm Wolle als Prämie vom Staat, jedoch nur, wenn sie direkt an heimische Produzenten verkauften.

11. Asien-Europa-Meeting (ASEM) in Neu Delhi
Der stellvertretende Außenminister D. Gankhuyag leitete die mongolische Delegation, die am ASEM vom 10. – 12. November in Neu Delhi (Indien) teilnahm.
Vertreter aus 51 Staaten hatten sich versammelt, um über eine engere Kooperation zwischen Europa und Asien zu beraten.
Außerdem standen auf der Agenda Themen wie Terrorismusbekämpfung, Menschenhandel, Geldwäsche sowie die Herausforderungen des Klimawandels.
Am Rande der Veranstaltung traf Gankhuyag mit den Außenministern Ungarns, der Schweiz und Großbritanniens, dem australischen Sonderbeauftragten „Big 20" sowie mit dem finnischen Minister für internationale Entwicklung zu bilateralen Gesprächen zusammen.

Altmongolisch als offizielle Staatsschrift
Das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus hat beschlossen, die Initiative von Präsident Ts. Elbegdorj, die alte mongolische Schrift (Uigurisch) wieder als Nationalschrift zu verwenden, in die Tat umzusetzen.
Ministerin Oyungerel kündigte an, ab dem 01. September 2014 müssten alle Angestellten des Ministeriums fließend altmongolisch lesen und schreiben können.
In der ersten Januarwoche 2014 würden die aktuellen Altmongolischkenntnisse der Mitarbeiter überprüft, danach entsprechende Kurse zur Verbesserung dieser Fähigkeiten angeboten.
Der Staatspreisträger und Verdiente Lehrer der Mongolei Prof. Dr. Sh. Choimaa wird die Prüfungen abnehmen.

Verzicht auf Abgeordnetenmandat
Das prominente Mitglied der DP-Fraktion R. Amarjargal (mit M. Enkhsaikhan, heute MNDP und Ts. Elbegdorj gehörte er seinerzeit zur Riege der Ministerpräsidenten, die die DP im Laufe ihrer Regierungszeit von 1996-2000 stellte) hat angekündigt, auf sein Abgeordnetenmandat verzichten zu wollen.
J. Batzandan, nach den gewalttätigen Unruhen 2008 kurz inhaftiert und seitdem Führungsmitglied der DP, hat hingegen per Twitter dementiert, ein ähnliches Gesuch abgegeben zu haben.

Ministerpräsident Altankhuyag empfängt deutschen Botschafter
Im Zusammenhang mit der Übergabe seines Beglaubigungsschreibens vor wenigen Monaten hat Ministerpräsident N. Altankhuyag den deutschen Botschafter in der Mongolei G. Thiedemann am 12. November zu einem ersten offiziellen Gespräch empfangen.
Während seiner Zeit als Botschafter in Nordkorea habe er 2011 die Mongolei als Tourist besucht. Das Land habe ihn so beeindruckt, dass er sehr erfreut gewesen sei, Deutschland als Botschafter in der Mongolei zu vertreten, so Thiedemann.
Beide Seiten bereiteten zurzeit die Feierlichkeiten aus Anlass der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der MVR und der Bundesrepublik Deutschland am 31. Januar 1974 vor.
(Der untergegangene zweite deutsche Staat DDR und die MVR hatten bereits im April 1950 diplomatische Beziehungen aufgenommen).


Naturkundemuseum in Ulaanbaatar

Nationales Archäologiemuseum
Das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus plant die Errichtung eines nationalen archäologischen Museums im Nationalpark.
Am 12. November hat das Ministerium die öffentliche Ausschreibung (in englischer und mongolischer Sprache) für das umfangreiche Projekt (Bauten, Dienstleistungseinrichtungen, Gestaltung der Umgebung) vorgestellt.
Das Museum werde sechs Abteilungen – Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Xiongnu-Zeit, Zeit der Uiguren und Großreich umfassen.
Die Bewerber können vom 12.11. bis zum 11.12. ihre Projektvorschläge einreichen, am 16. Dezember sollen die Sieger verkündet werden.
Für den ersten Platz werden drei Millionen, für den zweiten Platz zwei Millionen und für den dritten Platz eine Million Tugrug als Prämien gezahlt.
Auch für das Museum der schönen Künste, das Naturkundemuseum und das ethnologische Museum würden neue Konzeptionen erarbeitet.
Auch für die Umsetzung dieser Projekte würden öffentliche Ausschreibungen vorbereitet.

Einladung zum Mongoleikolloquium
Die Abteilung für Mongolistik und Tibetstudien der Universität Bonn lädt alle Interessierten zum Kolloquium am 21. November, 18:00 Uhr, ein.
Ort: Bonn, Regina-Pacis-Weg 7, Raum ÜR 2.024.
Prof. Dulam von der Mongolischen Staatsuniversität wird zum Thema "Interpretationen der mongolischen Symbolik" sprechen.
Mongolen verwenden Symbole in jeder Lebenslage und so dienen sie als Code für das Interpretieren kultureller Gegebenheiten und tragen zur Erkenntnis von „Gesetzmäßigkeiten des Seins und Verfallens" bei.
Prof. Dulam wird sich zu den sieben Grundkategorien der mongolischen Symbolik – Zahlen, Farben, Himmelsrichtungen, Formen, Mimik und Gestik, Träume sowie Zeit - äußern. Frau Senderjav wird die Übertragung der Präsentation ins Deutsche besorgen.

Mongolischer Filmabend im Zentralasienseminar-Mongolistik der HUB
Frau A. Ganchimeg lädt alle Mongoleifreunde am 20. November, ab 18:00 Uhr zum ersten mongolischen Filmabend in die Invalidenstraße 118 in Berlin ein.
Ab diesem Wintersemester soll einmal im Monat ein mongolischer Film präsentiert werden.
Den Anfang macht die 1963 gedrehte Komödie „Aman Khuur" (Mundharmonika), einer der bekanntesten und beliebtesten Filme der Mongolen.
Frau Ganchimeg hat eine deutsche Zusammenfassung erarbeitet und wird, sollte es gewünscht werden, während der Filmvorführung übersetzen.

Berichtigung: Frau Ganchimeg ist seit dem 01. Oktober fest angestellte Mitarbeiterin an der HUB und leitet als Nachfolgerin von Prof. Dr. Ines Stolpe die Mongolistik am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften. R. B.

 


   

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Last Update: 01. Januar 2017