Neues aus der Mongolei
19. August bis 8. September 2013

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Provisorisches Dinosauriermuseum auf dem Chinggis-Platz

 


Der Wolf und die sieben Geißlein im Kindergarten Nr. 25

Ausbildungsjahr 2013/14
Die Renovierungsarbeiten an neun Schulen, sechs Kindergärten und dem Internat einer allgemeinbildenden Schule in der Hauptstadt könnten nicht bis zum 01. September beendet werden, wodurch sich der ordnungsgemäße Schuljahresbeginn verzögerte. Die Schüler würden auf andere Schulen verteilt, der Betrieb in den betroffenen Kindergärten könne nicht vor November aufgenommen werden.
Nichtsdestotrotz begann an den meisten Bildungseinrichtungen, einschließlich der Kindergärten, am 01. September, einem Sonntag, das neue Ausbildungsjahr.
2013/14 lernen 504.200 Kinder an den 755 staatlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen des Landes, davon 54.600 Abc-Schützen.
Überall stand „Die Geheime Geschichte der Mongolen" auf dem Programm des ersten Unterrichtstages.
Präsident Ts. Elbegdorj hielt seinen traditionellen Teleunterricht zum Schuljahresbeginn zum Thema: „Gute Regierungsführung und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen".


Vor der Lehrerausbildungsfakultät der Universität für Bildung

Erste mongolisch-französische Regierungskonsultationen
Am 02. September gingen die ersten mongolisch - französischen Regierungskonsultationen in Paris zu Ende.
Die mongolische Arbeitsgruppe leitete der Staatssekretär im Außenministerium G. Tsogtsaikhan, die französische Arbeitsgruppe vom Direktor der Abteilung Energie und Klimaveränderung im Ministerium für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie Laurent Michel.
Im Focus der Gespräche standen Diskussionen über die Schaffung von Beratungsmechanismen und die Bereiche der bilateralen Zusammenarbeit und die Abfassung eines Memorandums im Zusammenhang mit der Beteiligung des französischen Energieversorgungskonzerns „GDF Suez" am Bau des Heizkraftwerks Nr. 5.
Die Zusammenarbeit vertiefen wollen beide Seiten bei der Nutzung erneuerbarer Energien, in der Landwirtschaft, bei der Entwicklung der Infrastruktur in der Mongolei, bei der Wiederaufforstung, beim Kampf gegen die Austrocknung der Böden und bei der Schaffung der dafür notwendigen Bewässerungssysteme.
Gespräche führten die Mitglieder der mongolischen Arbeitsgruppe auch mit dem Staatssekretär im Außenministerium Pierre Sellal und mit dem Büroleiter von Energieminister Philippe Martin, Gilles Ricono.

Rücktritt der Regierung gefordert
Auf einer Pressekonferenz am 30. August in Ulaanbaatar forderte die Reformkommission der MVP den freiwilligen Rücktritt der Regierung unter Ministerpräsident N. Altankhuyag innerhalb der nächsten 14 Tage.
Von Erneuerung könne keine Rede sein, die wirtschaftliche Situation und die Sicherheitslage des Landes hätten sich im vergangenen Jahr aufgrund falscher Beschlüsse und Entscheidungen der Regierung verschlechtert. Als Beispiele führte die MVP die Hindernisse an, die einen für die Mongolei profitablen Betrieb von Tavantolgoi und Oyutolgoi verhinderten. Tausende Menschen hätten ihre Arbeitsplätze verloren, das allgemeine Geschäftsklima in der Mongolei verschlechtere sich zusehends.
Die 1,5 Milliarden teure Staatsanleihe („Chinggis-Bond") hätte ihre Wirkung verfehlt, Löhne, Gehälter und Renten stagnierten, der Tugrug verliere an Wert. Allein in den letzten Monaten hätte er gegenüber dem USD 240 Tugrug verloren. Die Studiengebühren seien demgegenüber um 15 bis 20 Prozent gestiegen, die Wohnungspreise stiegen ebenfalls unaufhörlich, das Außenhandelsdefizit hätte einen neuen Rekordwert erreicht.
Sollte die Regierung nicht zurücktreten, würde die MVP ihren „Kampf" gegen die Regierung verschärfen.

Tony Blair besucht die Mongolei
Auf Einladung der mongolischen Regierung stattet der ehemalige britische Ministerpräsident Tony der Mongolei am 07. Und 08. September einen Arbeitsbesuch ab.
Die „Tony-Blair-Stiftung" berät die Regierung unter anderem auf den Gebieten Bildung, Gesundheit, der Schaffung von Arbeitsplätzen, bei der Gewinnung von Direktinvestoren und vor allem bezüglich der Ausgestaltung nachhaltigen Finanzpolitik.
Außer mit Regierungsmitgliedern wird Blair auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin, mit dem Fraktionschef der MVP N. Enkhbold zusammentreffen.
Die Zusammenarbeit von Blairs Stiftung mit der Mongolei begann während der Regierungszeit von S. Batbold (MVP).

Mongolische Mitglieder im Oyutolgoi-Aufsichtsrat
Am 04. September wurden die Namen der neuen mongolischen Mitglieder im Aufsichtsrat von Tourquoise Hill bekannt gegeben.
G. Temuulen ist Vizedirektor von „Erdenes MGL", D. Ganbold, Geschäftsführer von „Erdenes Oyutolgoi" und Ch. Otgochuluu Abteilungsleiter Strategie und Planung im Bergbauministerium.

Grüne Woche 2013
Zum achten Mal organisiert die Regierung vom 18.-24. September eine „Grüne Woche".
Zum Programm gehören neben der Verkaufsausstellung von Produkten der Landwirtschaft und Nahrungsgüterindustrie, das Erntedankfest „Goldener Herbst 2013" im „Dunjingarav"-Handelszentrum, die Verkaufsausstellung „Spitzenvieh 2013" in Khui Doloon Khudagt sowie Symposien und Vortragsreihen zur gesunden Ernährung, zum Pflanzenbau und zur Tierhaltung.

Mindestlohnerhöhung
Ab dem 01. September 2013 erhöht sich der flächendeckende Mindestlohn in der Mongolei von 140 400 auf 192 000 Tugrug monatlich.
Damit wird ein Beschluss der Regierung, des Arbeitgeberverbandes und der Gewerkschaften vom 12. April dieses Jahres umgesetzt.
Der Mindeststundenlohn beträgt 1.142,85 Tugrug.


1. Reihe, 3. und 4. v.l. L. Otgonsuren und H. Reschke

Reise in ein unbekanntes Land
Bildung spielt im Programm der Innovationsregierung eine herausragende Rolle und so erreichte Anfang des Jahres eine Anfrage aus dem Amt für Bildung der Ulaanbaatar-Stadtverwaltung die Bundesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ).
Die Mongolen interessierten sich für Strukturen und Praxis der außerschulischen Bildung für Kinder und Jugendliche in Deutschland und wünschten sich die Aufnahme von Partnerschaftsbeziehungen mit dem Ziel einer längerfristigen projektorientierten Zusammenarbeit.
Die Schule der Künste e.V. Schwerin gewann die Ausschreibung und das „Projekt Mongolei" startete mit einem Fachkräfteaustausch.
Im April dieses Jahres besuchten sieben mongolische Kolleginnen und ein Kollege aus Ulaanbaatar und Khuvsgul die Schule der Künste und verschafften sich einen Überblick über Arbeitsstrukturen und Methodik der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Schwerin und Berlin.

Sh. auch „Neues aus der Mongolei" vom 21.04.13


Ulaanbaatar im August 2013

Schon vier Monate später erfolgte der Gegenbesuch.
Acht Delegierte aus Schwerin, Berlin, Frankfurt am Main und Bochum, darunter der Direktor der SDK Holger Reschke und Susanne Herweg, Mitglied der CDU-Fraktion in der Stadtvertretung Schwerin, weilten vom 21. bis zum 31. August in der Mongolei, um mit ihren mongolischen Kollegen den Erfahrungsaustausch zu vertiefen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Länder in der Praxis der kulturellen und künstlerischen Bildung herauszuarbeiten und sie gegebenenfalls für die eigene Arbeit nutzbar zu machen.
Die mongolischen Gastgeber - das Ministerium für Bildung und Wissenschaft, die Staatliche Universität für Bildung, die Staatliche Universität für Kunst und Kultur, das nationale Zentrum für lebenslange Bildung, das Zentrum für lebenslanges Lernen im Sukhbaatar-Stadtbezirk, die Schule für Blinde und Sehschwache, ebenfalls im Sukhbaatar-Duureg, der Nationale Fernseh- und Rundfunk, der Kindergarten Nr. 25, die 93. Schule im Bayangol-Stadtbezirk, der Mongolische Kunstrat - hatten ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das den Gästen nicht nur Einblicke in die Arbeitsweise von Lehrern, Sozialarbeitern und Künstlern bei der Erfüllung ihres außerschulischen und schulischen kulturellen Bildungsauftrages ermöglichte, sondern auch Wissenswertes über Geschichte, Kultur, Sitten und Bräuche der Mongolei vermittelte.
Kurz nach der Landung auf dem internationalen Flughafen „Chinggis-Khaan" ging es auf zur Stadtrundfahrt durch Ulaanbaatar und die Deutschen staunten nicht schlecht – ihre Vorstellungen von einem beschaulichen Nomadendorf mussten sie schnell korrigieren. Ulaanbaatar ist eine moderne Großstadt, die sich bemüht, auch äußerlich an Attraktivität zu gewinnen.
Gandankloster, Bogd-Khaan-Museum, das sowjetisch-mongolische Ehrenmal auf dem Zaisan-Hügel, der Buddhapark, das Zanabazar-Museum im Chingeltei-Duureg, der Kinderpalast zur Talenteförderung dienten als Orte für Workshops zur Geschichte sowie zum künstlerischen und kulturellen Erbe der Mongolei.
In den Schulen, im Kindergarten und im „Gegeerel" Zentrum für lebenslanges Lernen in einem Ger-Khoroo im Sukhbaatar-Duureg gaben die Kinder und Jugendlichen Proben ihres Könnens im Tanzen, im Singen, beim Musizieren, Cécile, Birgit und Heidi gaben Deutsch- und Zeichenstunden, versuchten die Vorstellungskraft der jungen Leute zu stärken und demonstrierten dabei vielfältige Möglichkeiten des Lernens mit spielerischen Mitteln.
Ein Höhepunkt der Reise war zweifellos die Fahrt aufs Land, die Übernachtung im Ger, die Kamel- und Pferderitte und das Pferderennen der Mädchen und Jungen aus dem Erdene-Sum mit anschließender Siegerehrung und die Leistungsschau von Studenten der Kunst- und Kulturuni. Mongolische und deutsche Kunstexperten bewerteten gemeinsam, wie die jungen Menschen Stimmungen und Farben im Wechsel der Tageszeiten wiederzugeben in der Lage waren, welche Fortschritte jeder der 15 Kunststudenten der Fakultät für Malerei aufzuweisen hatte.
Zunächst etwas skeptisch, kosteten schließlich doch alle vom Airag (gegorene Stutenmilch) und ließen sich „Khorkhog", Hammelfleisch, Möhren, Rüben und Kartoffeln, gegart auf heißen Steinen in einer geschlossenen Kanne, schmecken.
Nur beim Singen konnten die Deutschen nicht mithalten.
Während die Mongolen ihren staunenden Gästen ein Volkslied nach dem anderen vorsangen, schafften es die Gäste immerhin, ein Lied textsicher vorzutragen.
Herr Arslan, gemeinsam mit seiner Frau Nergui Betreiber des Gercamps in Terelj und Leiter des „Gegeerel"-Zentrums im Sukhbaatar-Duureg – seit Inkrafttreten des Gesetzes über außerschulische Bildung im Jahr 1997 sind landesweit 370 dieser Einrichtungen in den Duuregs, Sums und Aimags entstanden - bemüht sich, das Camp zum Ferienlager für behinderte Kinder auszubauen. Notwendig dafür seien allerdings eine sichere Wasserversorgung mittels Tiefbrunnen und der Bau von ausreichenden sanitären Anlagen.
Bei der Bewertung des begehbaren Chinggis-Denkmals (Tsonjin Boldog), 53 km von Ulaanbaatar entfernt, kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein, imposant ist es allemal und bestens geeignet für einen Exkurs in die Geschichte des Landes.
Neben dem offiziellen Programm nutzten die Teilnehmer sehr gern die Gelegenheit, sich von Johannes Rey, Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung und Frau Chogdony Oyungerel, Repräsentantin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Ulaanbaatar, über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage der Mongolei informieren zu lassen.
In den Gesprächen mit dem Mitglied der Großen Staatsversammlung Frau Bayanselenge im Regierungspalast und mit Frau Nasanbayar, Abteilungsleiterin im Bildungsministerium sowie dem Mitarbeiter der Abteilung L. Otgonsuren wurden die künftigen Aufgaben der deutsch-mongolischen Zusammenarbeit in der kulturellen Jugendbildung diskutiert.
Im Ergebnis legten die Mongolen ein Memorandum als Grundlage für die Kooperation mit den beteiligten Institutionen in Deutschland bis 2016 vor.
Nach Abschluss des elftägigen Arbeitsaufenthalts in der Mongolei konnte von einem unbekannten Land keine Rede mehr sein.
Die mongolischen und deutschen Kollegen verbindet inzwischen nicht nur eine intensive, von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Arbeitspartnerschaft, darüber hinaus sind enge freundschaftliche Beziehungen entstanden.
Für mehr Informationen zur Schule der Künste in Schwerin und zur Mongoleireise im August 2013 sh. auch
www.sdkev.de


U. Nomin, ehemalige Schülerin im Gegeerel-Zentrum im Sukhbaatar-Duureg, heute Musikstudentin

Gold für mongolische Judoka
Bei den Judoweltmeisterschaften vom 26.08. bis zum 01. September in Rio de Janeiro (Brasilien) gewannen mongolische Sportler eine Gold- und eine Silbermedaille.
Munkhbatyn Urantsetseg (bis 48 kg) ist die erste mongolische Weltmeisterin in der Geschichte des mongolischen Judosports und brachte überhaupt erst die zweite Judogoldmedaille mit nach Hause.
2009 hatte Kh. Tsagaanbaatar eine Goldmedaille bei den Männern gewonnen.
Der Weltranglistenvierte Dashdavaagiin Amartuvshin wurde Zweiter in der Kategorie bis 60 kg.


Blumenger auf dem Chinggis-Khaan-Platz, vormals Sukhbaatar-Platz

 


   

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Last Update: 01. Januar 2017