Neues aus der Mongolei
20. bis 26. Januar 2014

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


S.D. Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein, Tsakhiagiin Elbegdorj, Staatspräsident der Mongolei und S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein beim Empfang auf Schloss Vaduz
(Quellenangabe: Information und Kommunikation der Regierung, Vaduz)

Präsident Ts. Elbegdorj auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos
Nach seinem Arbeitsbesuch im Fürstentum Liechtenstein vom 19.-21.01., wo das mongolische Staatsoberhaupt u.a. von Erbprinz Alois auf Schloss Vaduz zu bilateralen Gesprächen empfangen worden war, reiste Elbegdorj weiter zum Weltwirtschaftsforum (WWF) nach Davos (Schweiz).
Am 44. WWF vom 22. bis 25. Januar nahmen Staatsoberhäupter aus 40 Ländern, insgesamt 2 500 namhafte Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kultur teil.
Präsident Elbegdorj war u. a. von Staatspreisträger und Verdientem Schauspieler D. Sosorbaram, der Langliedsängerin E. Bolormaa, neun Mitgliedern des Nationalen Musik- und Tanzensembles sowie der Schlangentänzerin G. Nyamgerel begleitet worden.

Für mehr Qualität im Unterricht
Der Minister für Wissenschaft und Bildung L. Gantumur hat auf einer Pressekonferenz am 23. Januar in Ulaanbaatar die Ergebnisse bei der Umsetzung der Bildungspolitik der Innovationsregierung vorgestellt.
An der Veranstaltung nahmen Mitarbeiter der dem Ministerium angeschlossenen Agenturen und Institute teil.
Jedes Kind habe das Recht auf Bildung und Förderung. Die Innovationsregierung widme der Aus- und Weiterbildung der Lehrer und Lehrerinnen mehr Aufmerksamkeit.
2013 seien 23 Schulen mit 10 700 Plätzen, 25 Kindergärten mit 2 350 Betten, sieben Internate mit 830 Betten und 15 Sporthallen in Betrieb genommen worden.
In den staatlichen Schulen der 21 Aimagzentren und der Hauptstadt seien mit finanzieller Unterstützung der Asiatischen Entwicklungsbank (AEB) und des Staates in jeder Klasse Bibliotheken eingerichtet worden. 8 890 Klassen der Stufen I bis IV verfügten über Bibliotheken mit einem Gesamtbücherbestand von 250 722 Stück.
Das Lernumfeld für die Kinder müsse stetig verbessert werden, das Ausbildungsniveau für künftige Lehrergenerationen unaufhörlich steigen.
Im vergangenen Jahr sei damit begonnen worden, die Lehrpläne gründlich zu überarbeiten und neue Lehrbücher zu produzieren.
Dafür seien zahlreiche Vorschläge aus der Öffentlichkeit eingegangen.
Leider seien bei der Produktion und Drucklegung der vielen tausend neuen Lehrbücher Fehler aufgetreten, deren Ausmerzung die Kosten in die Höhe getrieben hätten.

Urteile gegen „Gal Undesten" verkündet
Am 23. Januar verkündete das Gericht die Urteile im Fall der wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung, des Eindringens in die geschützte Zone um den Regierungspalast, der Deponierung von selbstgebastelten Bomben am Chinggis-Platz und im Park am Regierungspalast sowie des Gebrauchs von Schusswaffen angeklagten Mitglieder der Umweltbewegung „Gal Undesten".
Der Prozess war mehrmals verschoben worden.
Die Staatsanwaltschaft Ulaanbaatars musste sich mit der Frage auseinandersetzen, waren Menschenleben bewusst in Gefahr gebracht worden?
Die Angeklagten bestritten dies vehement.
Das Gericht kam zu einem anderen Schluss und verurteilte den Chef von „Gal Undesten" Ts. Munkhbayar sowie G. Boldbaatar, D. Tumurbaatar und J. Ganbold nach den Paragrafen 177.2., 149.3 und 185.2 des Strafgesetzbuches zu je 21,6 Jahren Haft, M. Munkhbold zu zwei Jahren, O. Sambuuyondon und B. Gantulga wurden freigesprochen.

J. Batzandan gegen Strafen für Umwelt-Aktivisten
Das Mitglied der Großen Staatsversammlung J. Batzandan hat sich öffentlich gegen das Gal-Undesten-Urteil ausgesprochen und ihn in der Haftanstalt besucht.
Munkhbayar verdiene keine Haftstrafe, sondern eine Auszeichnung, er und seine Mitstreiter setzten sich für die Bewahrung von Natur und Umwelt ein. sie hätten zu keiner Zeit Menschenleben bedroht.
Das Urteil sei politisch motiviert.


MRVP-Gebäude in Ulaanbaatar

„Der Ikh Khuraldai des Volkes" fordert Deregistrierung der MRVP
Die Vorsitzenden der NGO „Große Versammlung des Volkes" und des Verbandes der Mitglieder und Unterstützer der MRVP N. Ganzorig und G. Bayarsaikhan fordern die Deregistrierung (tatan buulgakh) der MRVP, die zum Zufluchtsort für einige Politiker geworden sei.
Was ist wichtiger, die Interessen des Volkes oder die von N. Enkhbayar, Ch. Ulaan, B. Tulga oder D. Terbishdagva?
Am 22. Januar haben die Kritiker der 2010 als politische Partei registrierten MRVP beim Obersten Gericht den Antrag eingereicht, die Registrierung der MRVP rückgängig zu machen.
Die MRVP müsste ihre Tätigkeit einstellen.
Eine Antwort muss laut Gesetz innerhalb von fünf Werktagen gegeben werden.


Ex-Präsident und MRVP-Vorsitzender N. Enkhbayar

Fahrpreiserstattung für Schüler und Studenten aus entfernten Sums und Bags
Einer Verordnung über Universitäten, Hochschulen und Colleges zufolge haben Schüler und Studenten aus entlegenen Aimags einmal im Jahr die Möglichkeit, die Kosten für Hin- und Rückfahrtticket in ihre Heimatgemeinden erstattet zu bekommen. Dazu müssen die Originaltickets bei der zuständigen Stelle ihrer Bildungseinrichtung einreichen.
In den vergangenen vier Jahren haben nach Auskunft aus dem Bildungsministerium stammten 11 000 Schüler und Studenten 500 und mehr Kilometer entfernt von ihrem Wohnort studiert.


Naadam in Khongor. Darkhan-Uul-Aimag

Pferdetrainer gegen Oyungerel
Die Ministerin für Kultur, Sport und Tourismus setzt sich für die Rechte der Kinder ein und unterstützt die Forderungen, Pferderennen mit Kindern streng zu reglementieren.
Mit dieser Forderung hat sie sich den Unmut einer Gruppe „ Repräsentanten der Rennpferdetrainer und Viehhalter" zugezogen.
Die unterstellen der Ministerin, mongolische Feste verbieten zu wollen und fordern ihren Rücktritt.
Unter den Bedingungen der Globalisierung seien die nationalen Sitten und Bräuche das Wenige, was die Nationen unterscheide, doch die Ministerin interessiere das nicht.
Auf der jüngsten Sitzung des Naadam-Vorbereitungskomitees habe sie sich gegen die Verleihung von Ehrentitel an einige Trainer ausgesprochen, die Gefahr bestünde, sie werde für die Abschaffung ganzer Wettbewerbe plädieren, die seit mehr als 1 000 Jahren zur Kultur der Mongolen gehörten.
Vielleicht können amerikanische Kinder nicht reiten oder haben Angst vor Pferden, die mongolischen Kinder nicht, sie wachsen mit Pferden auf und sitzen sicher im Sattel.
Das weiß der amerikanische Ehemann der Ministerin nicht.
Jährlich sterben in der Mongolei 450 Kinder bei Autounfällen, 450 erleiden Verletzungen – darüber äußert die Ministerin keine Besorgnis, sie konzentriert sich auf Angriffe gegen eine alte Tradition der Mongolen.

Keine Alkohol-Geschenke
Die Frauen in der Großen Staatsversammlung, der Mongolische Schülerverband und der Jugendverband der Mongolei haben alle Mongolen eingeladen, sich anlässlich der bevorstehenden Feiertage keine alkoholischen Getränke und Tabakwaren zu schenken.
Dieser Feiertag gehöre zu den wertvollsten Kulturgütern der Mongolen und solle entsprechend gefeiert werden.
Übermäßiger Alkoholgenuss hätte mehr Gewalt und andere Straftaten zur Folge.
Die Familien sollten diese Tage in Harmonie verbringen. Außerdem stellten Alkohol und Tabak ernste Risiken für die Gesundheit dar.
Viel mehr sollten mongolische nationale Speisen und Getränke auf dem Festtisch angeboten werden.

„Davkhar Deel Tailakh"
Dieser von Präsident Elbegdorj initiierte Gesetzesvorschlag fordert eine Trennung von Amt und Mandat.
Ein Mitglied der Großen Staatsversammlung dürfe nicht gleichzeitig ein Regierungsamt ausüben.
Darüber herrscht Einigkeit in der DP-Fraktion, gestritten wird über den Termin des Inkrafttretens des neuen Gesetzes: nach dem 01. Juli 2016 oder sofort nach Beschlussfassung.


Uuts

Vorsicht vor Uuts- und Buuz-Dieben
Jedes Jahr vor Tsagaan Sar (mongolisches Mondneujahrsfest) warnt die Polizei vor Dieben, die für die Feiertage vorbereitete Lebensmittel, vor allem Buuz (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen), von Balkons und aus Wohnungen stehlen.
In diesem Jahr meldete die Polizei des Bayanzurkh-Duuregs, das sich Diebesbanden auf den Diebstahl von Hammelrücken spezialisiert hätten.
In der Nacht vom 20. zum 21. Januar hätten Polizisten im 27. Khoroo des BZD mehrere Diebe auf frischer Tat ertappt, die mit einem eigens bereit gestellten Fahrzeug neun gerade erbeutete Hammelrücken (Uuts) abtransportieren wollten.
Die Polizei ruft die Bürger zur Wachsamkeit auf und rät zu effektiveren Maßnahmen, damit ihr Eigentum nicht zur Beute von Dieben werden kann.

Restaurierte archäologische Funde zurück in der Mongolei
Die Ministerin für Kultur, Sport und Tourismus Ts. Oyungerel, der deutsche Botschafter G. Tiedemann, der Direktor des Archäologischen Instituts der AdW Prof. D. Tseveendorj, der Direktor des Museums für nationale Geschichte D. Sukhbaatar sowie der Erste Sekretär der deutschen Botschaft Michael Roßbach hatten sich am 26. Januar auf dem Flugplatz „Chinggis-Khaan" versammelt, um bei der Entgegennahme wertvoller archäologischer Funde zugegen zu sein.
Die von der gemeinsamen deutsch-mongolischen geo-archäologischen Expedition in Grabanlagen im Altai geborgenen Kleidungsstücke (Deels, Kopfbedeckungen) und Musikinstrumente waren in Deutschland in Labors des Landesmuseums Bonn aufwändig restauriert und anschließend in Bonn, München und Amsterdam einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert worden.

Keine Kinder bei Winterpferderennen
Die nationale Menschenrechtskommission der Mongolei hat an den mongolischen Pferdesportverband appelliert, keine Kinder bei den Pferderennen anlässlich der Mondneujahrsfeiern reiten zu lassen.
Die Winterreitwettbewerbe stellten eine zu große körperliche Belastung dar und beeinträchtigten die Gesundheit der jungen Reiter.

Kritik an Kleidung für mongolische Olympiamannschaft
Mongolische Medien melden, in den sozialen Netzwerken hätten sich die Bürger negativ über die kürzlich vorgestellte Kleidung für die mongolische Olympiamannschaft für Sotchi 2014 geäußert.
Die hellgrauen Anoraks und dunkelgrauen Hosen würden kein ausreichend optimistisches Bild vom Land vermitteln. Als ein Gegenbeispiel wurden die Deutschen in ihrer fröhlichen, farbenreichen Kleidung präsentiert.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, Sportkleidung muss doch nicht immer quietschbunt daherkommen, etwas Eleganz stimmt jedenfalls nicht pessimistisch und schadet dem Auftritt der mongolischen Mannschaft eher nicht.

Kommen Sie gut ins Jahr des Blauen (Holz)Pferdes (Pferd steht für Kraft, Stärke, Schnelligkeit).

Saikhan Shineleerei!

 

 


   

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Last Update: 01. Januar 2017