Neues aus der Mongolei
5. bis 25. Mai 2014

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar

 

Präsident Elbegdorj zu Gast beim CICA-Gipfeltreffen
Das vierte Gipfeltreffen für Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen (CICA) am 20. und 21. Mai in Shanghai endete mit der Unterzeichnung des „Shanghai-Konsenses".
Staatspräsident Xi Jinping hatte die Konferenz eröffnet, nachdem ihm der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu die turnusgemäße CICA-Präsidentschaft übergeben hatte.
Xi Jinping, der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew und der türkische Außenministerminister zogen eine positive Bilanz im Zusammenhang mit der Förderung des regionalen Dialogs und der Erarbeitung einer gemeinsamen Sicherheitsstrategie in Asien.
Präsident Ts. Elbegdorj traf u. a. mit seinem russischen Amtskollegen W. Putin zusammen. In den Gesprächen ging es auch um die Vorbereitung der Feierlichkeiten zum des 75. Jahrestag der Schlacht am Khalkhyn Gol (bei Nomonkhan) im August dieses Jahres.
„Es war unser gemeinsamer Sieg. Deshalb wollen wir auch zusammen feiern".
Gleichzeitig hat Elbegdorj vorgeschlagen, das Dreiseiten-Treffen zu Fragen des Eisenbahntransitverkehrs in Kürze in Ulaanbaatar zu organisieren.

Gesetze über Staatshaushalt 2014 und den Haushalt des Sozialversicherungsfonds bestätigt
Auf ihrer Sitzung am 23. Mai bestätigten die Abgeordneten die Gesetze über den Staatshaushalt 2014 und den Haushalt der Sozialversicherung und setzten die Debatte über den Haushaltsentwurf 2015-2016 fort.
Nach neuerlichen Veränderungen und Zusätzen (Erhöhung der Einnahmen, nochmalige Verringerung der Ausgaben stimmten schließlich nach der vierten Lesung 44 der 52 anwesenden Abgeordneten dem veränderten Haushaltsgesetz 2014 und dem Sozialversicherungsgesetz zu.
Danach werden 2014 Staatseinnahmen in Höhe von 6.903,8 Milliarden Tugrug und Ausgaben in Höhe von 7.312,4 Milliarden Tugrug erwartet.

Ministerpräsident auf Dienstreise in Russland
Vom 22. bis zum 25. Mai absolvierte Ministerpräsident N. Altankhuyag einen offiziellen Besuch in Russland.
Begleitet worden war er vom Minister für wirtschaftliche Entwicklung N. Batbayar.
Altankhuyag traf mit dem russischen Regierungschef D. Medvedev zu Gesprächen über beide Seiten interessierende Fragen zusammen und nahm am Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil, wo er mit Präsident W. Putin zusammentraf.
Die bedeutendsten mongolischen Kraftstoffimporteure schlossen mit „Rosneft" einen Fünfjahres-Kooperationsvertrag.
In den Gesprächen ging es um die weitere Vertiefung der allseitigen mongolisch-russischen Zusammenarbeit, die Arbeit der mongolisch-russischen Gemeinschaftsunternehmen, die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Ulaanbaatar – und Mongol-Eisenbahnen sowie die Führung der Gaspipline von Russland nach China durch die Mongolei.
Außerdem wiederholte Altankhuyag die Einladung Präsident Elbegdorjs zur Reise in die Mongolei anlässlich der Feierlichkeiten zum Khalkhyn-Gol-Jubiläum.

Überarbeitete Richtlinien zur Bildungs- und Wissenschaftspolitik vorgelegt
Am 17. Mai hat der Minister für Bildung und Wissenschaft L. Gantumur seine Kabinettskollegen über Veränderungen in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik informiert.
Eine Überarbeitung sei aufgrund der seit 1998 rasanten internationalen Entwicklung in Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft dringend notwendig geworden.
Die neuen Richtlinien basierten auf den Prinzipien der Entwicklungspolitik der Mongolei, wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und den Anforderungen an die mongolische Wirtschaft.
Ziele sind die Verbesserung der Lebensverhältnisse der mongolischen Bevölkerung, die Teilhabe aller Gruppen der Bevölkerung an den Errungenschaften von Wissenschaft, Bildung und Kultur weltweit, die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, die Sicherung der Stabilität des Landes.
Geplant seien die Errichtung von Technologiepark, die Schaffung einer Technologiebörse, eines einheitliches Informationszentrums, die Ausstattung der Laboratorien und Labore mit modernster Technik und die Erhöhung der Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter in den nationalen Einrichtungen, aber auch die Entsendung von Forschern ins Ausland. Dafür sollen vor allem junge Forscher und Forscherinnen finanziell besser ausgestattet werden.


ILA 2014

Mongolischer Verkehrsminister zu Gast auf der ILA
Auf Einladung des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur A. Dobrindt hat eine mongolische Delegation unter Leitung des Ministers für Verkehr und Transport A. Gansukh am Internationalen Verkehrsforum (ITF) in Leipzig teilgenommen.
Vom 21. bis zum 23. Mai trafen sich die Verkehrsminister der 54 Mitgliedsländer und aus 16 Gastländern sowie namhafte Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und internationalen Organisationen, um unter dem Thema „Verkehr für eine Welt im Wandel" über die Herausforderungen an das Transportwesen im 21. Jahrhundert zu debattieren: explodierende Urbanisierung, neue Technologien sowie über die Verschiebung des ökonomischen Gleichgewichts.
Am 23. Mai besuchten das Mitglied der Großen Staatsversammlung, Vorsitzende des Petitionsausschusses und Vorsitzende der mongolisch-deutschen Parlamentariergruppe in der Staatsversammlung R. Burmaa, Verkehrsminister Gansukh und der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Mongolei in Deutschland S. E. Ts. Bolor die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Schönefeld bei Berlin.


Veteran der Luftfahrt Messerschmitt D-ERTA auf der ILA 2014

Sie genossen die Fahrt über das ausgedehnte Ausstellungsgelände, die Berlin Air Show mit historischen und modernen Fluggeräten, darunter eine Messerschmitt He 262 und zwei Eurocopter des Typs Tiger EC 665 der Deutsch-Französischen Tiger Patrouille.
Leider konnten die mongolischen Gäste keinen Blick in den Airbus der Emirates Airline werfen, eine schier unendliche Menschenschlange hatte sich vor den Einstiegen gebildet.


V.l. Ts. Bolor, R. Burmaa, A. Gansukh, U. Haase

Während einige Delegationsmitglieder bereits am 24. die Heimreise antraten, nahm Frau Burmaa die Einladung des Schönefelder Bürgermeisters Dr. U. Haase an, am 25. Mai den Wahlverlauf und die Auszählung der Stimmen in einem Ortsteil von Schönefeld mit zu erleben.

Rücktrittsgesuch von Industrieminister Battulga angenommen
Auf der Sitzung der Großen Staatsversammlung am 17. Mai stimmten 78,3 Prozent der 69 anwesenden Abgeordneten dafür, das Rücktrittsgesuch des Ministers für Industrie und Landwirtschaft Kh. Battulga anzunehmen.
Die Forderung nach Rücktritt des Justizministers Kh. Temuujin fand keine Mehrheit.
Ihm war Missbrauch seines Amtes und unethisches Verhalten vorgeworfen worden.
Kein Rücktritt vom Amt des Ministers, dafür muss er eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehaltes zahlen.


V.l. M. Küster, L. Otgonsuren, M. Gehrke. Im Hintergrund H. Reschke, Kh. Gantstetseg

Kunst, Kultur und Bildung - Deutsch-Mongolischer Fachkräfteaustausch
Nach den Begegnungen deutscher und mongolischer Kultur- und Bildungsfachkräfte im April 2013 in Schwerin und Berlin sowie im August 2013 in Ulaanbaatar und Terelj, trafen sich die Deutschen und Mongolen in diesem Jahr vom 10. bis zum 21. Mai erneut zum Erfahrungsaustausch.
Die Gastgeber, Holger Reschke, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Schule der Künste (SdK) Schwerin und Heidi Kwella-Reschke, Projektmanagerin und Leiterin interdisziplinärer Kurse (bildende Kunst), hatten ein überaus vielfältiges, anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das Einblicke in Theorie und Praxis der außerschulischen kulturellen Arbeit, vor allem im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern vermittelte.
Der mongolischen Delegation, geleitet von Lhagvaagiin Otgonsuren, Referent im Ministerium für Bildung und Forschung, Beauftragter für das Regierungsprogramm „Talent", gehörten die Mitarbeiterinnen des Ministeriums Kh. Gantstetseg und Ch. Bayarmaa, die Abteilungsleiterin Planung/Monitoring im kürzlich gegründeten Institut für Lehrerfortbildung R. Zolzaya, die Leiterin der Fakultät Theater und Kultur der Universität für Kunst und Kultur in Ulaanbaatar, die Theaterpädagogin, Regisseurin und Schauspielerin M. Ariunjoloo, die Leiterin der Fachabteilung Kindergärten des Khuvsgul-Aimags B. Bayasgalan, die Direktorin der 47. Schule in Ulaanbaatar T. Dulamjav und die Musiklehrerin im 24. Kindergarten in Ulaanbaatar G. Ganzul und der Referent im Bildungsamt Ulaanbaatars A. Gantulga an.
Nach einer Stadtbesichtigung in Schwerin begann die Arbeit mit einer Einführung in die Theaterpädagogik in der interkulturellen Kinder- und Jugendbildung in den Räumen der SdK in Schwerin, die mit dem Besuch des Kindergartens „Schlossgeister" in Schwerin fortgesetzt wurde.
Im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur MV kam es zu einer lebhaften Diskussion über non formale kulturelle Kinder- und Jugendbildung.
Nicht nur hier kam auch das in Deutschland zurzeit viel diskutierte Thema über Sinn und Grenzen der Inklusion zur Sprache.
Überhaupt zeigten sich die Mongolen über manche Erscheinungen des deutschen Bildungssystems überrascht. Nicht alles erachten sie für erstrebenswert für die Mongolei, das trifft auch und vor allem auf das föderalistische Bildungssystem mit unterschiedlichen Anforderungen, Schulformen etc. zu.


Gesprächsrunde mit hmt-Prorektorin Prof. Marion Küster und Theaterpädagogik-studenten im 2. Semester

Die mongolischen Gäste beteiligten sich mit großer Begeisterung an Workshops Theaterpädagogik an der Jugendkunstschule Arthus in Rostock und an der SdK in Schwerin und anschließendem Erfahrungsaustausch mit den beteiligten Kindern und Jugendlichen, an Workshops bildende Kunst, Tonstudio und Computerarbeit.
Sie hospitierten bei Theaterproben an der Kooperativen Kinder- und Jugendkunstschule „das ARTelier" Neubrandenburg („Die kleine Meerjungfrau"), am Landestheater Parchim und an der Hochschule für Theater und Musik (HTM) Rostock, Theaterpädagogikstudenten probten E. Jelineks Stück „Über Tiere" und sahen sich eine Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum mit Mitgliedern des Theaterjugendklubs in Parchim an.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Mongolen von der Darbietung der erst 12-jährigen Janne - Lisabeth Pelz auf der Violine. Sie gilt als hochbegabt und absolviert bereits ein Vorstudium an der hmt.
Viel Spaß hatten Mongolen und Deutsche beim Gang über das traditionelle Parchimer Stadtfest, vor allem die Mongolen sangen und tanzten mit den Parchimern um die Wette und brachten die Schießbudenbetreiber zum Schwitzen.
Auf dem Programm standen weiter Informationsveranstaltungen in der Landeszentrale MV der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie in der Landeszentrale für politische Bildung in Schwerin.
Im Landtag im Schweriner Schloss verwandelten sich die Gäste aus Zentralasien kurz in Minister, Landtagspräsidentin oder in den Regierungschef, ließen sich durch Schloss und Schlosskirche führen, dabei allen Besuchern ein unvergessliches Erlebnis bescherend: Im Thronsaal gelang einer deutschen Touristengruppe nur eine eher klägliche Gesangseinlage, das konnten die Mongolen besser. Ihr Lied über die Mutter wurde mit viel Beifall belohnt.
Vizelandtagspräsidentin S. Gajek empfing die Fachkräfte zu einem Arbeitsessen im Schlossrestaurant, auch die Finanzministerin des Landes H. Polzin, der Landtagsabgeordnete Th. Schwarz sowie der stellvertretende Oberbürgermeister der Stadt Schwerin D. Niesen ließen es sich nicht nehmen, die weitgereisten Gäste zu begrüßen und mit ihnen Erfahrungen auszutauschen.
Zum Abschluss der von beiden Seiten als sehr erfolgreich eingeschätzten Fachtage gelang es H. Reschke, studierter Musiker, doch tatsächlich die Mongolen zu verblüffen.
Auf dem Abschlussfest sang er eine Hymne auf die mecklenburgische Landschaft und die Attraktivität eines vom Streben nach materiellen Reichtümern unbelasteten Lebens.
Zudem hatte er Musik und Text selbst verfasst.
Nun erwarten die Mongolen beim Gegenbesuch im August natürlich eine Fortsetzung.
Nur gute Erinnerungen nahmen die Gäste trotzdem nicht mit in die Mongolei.
Einer Kollegin wurde in einem Schweriner Einkaufszentrum die Handtasche mit Geld, Pass, Smartphone gestohlen.
„Wir dachten, in Deutschland passiert so etwas nicht." Da wiederum konnten die Deutschen nur fassungslos den Kopf schütteln.
Für mehr Informationen über den Fachkräfteaustausch und die SdK sh. auch www.sdkev.de


Auf dem Weg zur hmt Rostock. V.l. M. Ariunjoloo, G. Ganzul.

Urban Nomads// Mongol Citizens// Festival Berlin 2014
Vom 13. bis zum 15. Mai laden die Organisatoren - Urban Nomads – Mongol Citizens c/o Zentrum der BR Deutschland des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und in Zusammenarbeit mit der Mongolischen Universität für Kunst und Kultur - möglichst viele interessierte Besucher zum Festival „Crossing Identities – Beginners, Experts, Hybrids" ins Radialsystem V in Berlin ein.
Geboten werden Performances, Ausstellungen, Installationen, Workshops, Konzerte, Tänze, Filme. Mitwirkende sind u. a. Ulrike Ottinger, Quiza, Hosoo und Transmongolia, Egschiglen, Domog, Jens Rötzsch und Iris ter Schiphorst.
Die Initiatoren des Projekts, Künstler aus der Mongolei, Deutschland und anderen Ländern Europas und Amerikas, haben sich auf die Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten im Spannungsfeld zwischen mongolischem kulturellen Erbe und der Identität moderner Großstadtbewohner begeben.
Traditionelle mongolische Kunst, Kehlkopfgesang, Langlied, Pferdekopfgeigenspiel treten in einen Dialog mit internationalen aktuellen Formen der Kunstentwicklung.
Für die künstlerische Leitung zeichnen Corinna Bethke, Gereltuya Batjargal und Bayarmaa Munkhbayar verantwortlich.
Bereits vom 08. bis zum 11. Mai haben die Besucher Gelegenheit, an zwei Outdoorparcours „Dream Cities oder The Waste Land" rund ums Radialsystem mit jeweils sechs Stationen teilzunehmen.
Gefördert werden Projekt und Veranstaltung mit Mitteln des Auswärtigen Amtes, des Hauptstadtkulturfonds, der Schering-Stiftung, des Außenministeriums und des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus der Mongolei und der nationalen Luftfahrtgesellschaft der Mongolei „MIAT".
Für mehr Informationen zu Programm und Ticketpreisen sh. auch www.radialsystem.de/rebrush/rs-programme-monatsuebersicht.php

Mongolischer Filmabend an der Humboldt-Uni Berlin
Frau Ganchimeg Altangerel lädt alle Studenten und Mongoleiinteressierte am 28. Mai zum Filmabend in die Räume des Zentralasien/Mongolistik-Seminars ein.
Gezeigt wird der Film „Sergelt" (Erwachen), der von der Einführung der modernen Schulmedizin in die Mongolei um 1928 handelt.
Er gilt als einer der zehn besten mongolischen Filme des 20. Jahrhunderts.
Eines der zentralen Themen des Films ist die Auseinandersetzung zwischen Buddhismus und moderner Wissenschaft.
Im vergangenen Jahr wurde der Film mit Unterstützung Deutschlands digitalisiert.
Die Zuschauer erwartet also ein Film in guter Bild- und Tonqualität und deutsche Untertitel.
Ort: 10115 Berlin, Invalidenstraße 118, Raum 509
Zeit: 18:00 Uhr.

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann

 


   

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Last Update: 01. Januar 2017