Neues aus der Mongolei
10. bis 30. August 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar


Auf dem Weg von Ulaanbaatar nach Berlin

Erneute Sondersitzung der Staatsversammlung
Am 28. August verkündete der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold die Einberufung einer neuerlichen außerordentlichen Parlamentssitzung am 07. September.
Auf die Tagesordnung setzte er die Berufung der sechs Minister, deren Aufgaben bis dahin provisorisch von den verbliebenen Kabinettsmitgliedern mit erledigt werden.
Am 25. August hatte Enkhbold ein Schreiben an Ministerpräsident Saikhanbileg gerichtet, in dem er die Nominierung der Minister für die vakanten Posten bis zum 06. September forderte.
Bislang konnten sich die einzelnen Flügel der DP, das Wahlbündnis „Gerechtigkeit", die Unabhängigen, die Zivilcourage-Grüne-Partei nicht über die Kandidaten einigen.
Als Haupthindernis gelten innerparteiliche Querelen der DP.
Nur eine voll funktionsfähige Regierung könne dazu beitragen, die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten (geringere Rohstoffnachfrage aufgrund der Krise in China, Preisverfall für Rohstoffe) des Landes nachhaltig zu überwinden.

20. Forum der nationalen Menschenrechtskommissionen der Asien-Pazifik-Region in Ulaanbaatar
Vom 26. bis zum 28. August versammelten sich Repräsentanten der nationalen Menschenrechtskommissionen der Asien-Pazifik-Staaten in Ulaanbaatar.
In seiner Abschlussrede verwies Präsident Ts. Elbegdorj auf die Aussage eines berühmten mongolischen Dichters, wonach der schönste Beruf der Welt der Lehrerberuf sei.
„Ich möchte ergänzen, die wertvollste Tätigkeit ist der Einsatz für die Durchsetzung und Bewahrung der Menschenrechte".
„Im Juni 2009 legte ich zum ersten Mal meinen Amtseid ab und habe mich für die Abschaffung der Todesstrafe in der Mongolei eingesetzt.
Seitdem wurde in meinem Land kein einziges Mal die Todesstrafe vollstreckt".
Alle Menschen sind gleichberechtigt, aber Menschen mit viel Geld oder hohen Positionen in Staat und Wirtschaft maßen sich mehr Macht und Befugnisse an.
Diese Gefahr besteht auch in unserem Land.
Der müssen wir immer und überall energisch entgegentreten, das sei keine leichte Aufgabe.

Ausbildungsjahr 2015/16
Am 01. September beginnt landesweit das neue Schuljahr für Kindergärten, allgemeinbildende Schulen und Hochschulen.
218.100 Kinder werden in 1.225 Kindergärten betreut, 11.400 mehr als im Vorjahr
In Ulaanbaatar gab es erheblichen Unmut, da nicht alle Eltern für ihre Kinder einen Kindergartenplatz in Anspruch nehmen können.
539.818 Schüler werden an den 799 allgemeinbildenden Schulen erwartet, von denen 64.364 Abc-Schützen sind.
Landesweit sind 6.900 Kindergarten-Lehrer und 28.800 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen tätig.
Ein Schulbuch kostet durchschnittlich 2.600 Tugrug.
Schuluniformen sind Pflicht. Sie werden in mongolischen Betrieben gefertigt und zu erschwinglichen Preisen verkauft.
An den 99 staatlichen und privaten Hochschulen und Universitäten werden 169.000 Studenten das Studium aufnehmen bzw. fortsetzen.
Ab diesem Jahr haben diese die Möglichkeit, im zweiten oder dritten Studienjahr ihre Fachrichtung zu spezifizieren.
123 Bildungseinrichtungen wurden mit Mitteln des Staatshaushalts, 26 mit Mitteln der lokalen Verwaltungen neu errichtet, 40 Schulen und ebenso viele Kindergärten wurden auf Vertragsbasis gebaut.
Mit finanzieller Unterstützung Chinas entstanden ein Kindergarten und 21 Schulen, mit Hilfe Japans zehn Kindergärten.

Mongolische Soldaten nehmen an Militärparade in Peking teil
Angehörige der mongolischen Streitkräfte werden an der Militärparade anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges im Befreiungskrieg am 03. September in Peking teilnehmen.
Über die Vorbereitung informierten am 15. August der Leiter des Präsidialamtes P. Tsagaan, Verteidigungsminister Ts. Tsolmon, Außenminister L. Purevsuren sowie der Vizechef des Generalstabes Generalmajor B. Bayarmagnai.
An der Siegesparade werden 76 mongolische Soldaten 63 Angehörige der Rückwärtigen Dienste und 13 Angehörige der Grenztruppen teilnehmen.
20 mongolische Armeeangehörige hatten bereits im Mai an der Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau teilgenommen.
Die 76 Soldaten vom einfachen Soldaten bis zum Oberstleutnant im Alter zwischen 18 und 38 sind am 15. August nach Peking abgereist, um sich hier mit den Vertretern anderer Armeen auf die Große Parade vorzubereiten.

Ts. Munkhbayar wird doch vom Amnestiegesetz profitieren
Nach der Verabschiedung des Amnestiegesetzes in der Staatsversammlung stellten sich die Mitglieder J. Batzandan, L. Bold und Ts. Oyungerel den Fragen der Journalisten.
Bisher hätte es fünf Amnestiegesetze gegeben (1991, 1996, 2001, 2006 und 2009), insgesamt seien 7.000 Straftäter vorzeitig aus der Haft entlassen worden bzw. ihre Urteile wurden aufgehoben.
Drei bis vier Prozent von ihnen seien nach der Amnestie erneut straffällig geworden.
Das aktuelle Amnestiegesetz gelte für leichte bis mittlere Straftaten, Ersttäter, Jugendliche unter 18 Jahren sowie schwangere Frauen.
Auf die Frage nach dem Schicksal des Chefs von „Gal Undesten" Ts. Munkhbayar, der zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden war, antwortete Batzandan: Wir haben uns sehr für seine Freilassung eingesetzt. Seine Tat (er hatte gedroht, vor dem Regierungsgebäude eine Bombe zu zünden) sei kein terroristischer Akt gewesen, sondern ein Protest gegen die Regierung.
Munkhbayar hätte mit seiner Aktion auf die Gefährdung der Natur und Umwelt durch unkontrollierten Bergbau hinweisen wollen.
Wegen Korruption verurteilte Straftäter könnten unter bestimmten Voraussetzungen (Entschuldigung, Wiedergutmachung) ebenfalls amnestiert werden.

Abschluss der Sondersitzung der Großen Staatsversammlung
Am 14. August hat der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold die Sondersitzung, die vom 03. bis zum 14. August dauerte, für beendet erklärt.
Von den sechs geplanten Themen seien vier abschließend behandelt worden: Entscheidung über Entlassung der MVP-Minister, Gesetz über Feuerwaffen, Transparenz in der Wirtschaft sowie das Amnestiegesetz.
Nach wie vor nicht einigen konnten sich die Abgeordneten über die Novellierung der Strafgesetzgebung sowie über Zusätze und Änderungen zum Einspruchs(Widerspruchs)gesetz.

Gegen Mitarbeiter-Entlassung
Die MVP hat gegen den Beschluss des amtierenden Arbeitsministers, gleichzeitig Minister für Soziale Sicherheit und Bevölkerungsentwicklung, S. Erdene protestiert.
Erdene hatte nach seiner Ernennung zum Arbeitsminister (nach der Entlassung der MVP-Minister) 16 Leiter von Abteilungen für Arbeit in den Aimags und Hauptstadtbezirken entlassen, die von seinem MVP-Vorgänger berufen worden waren.

Gründung eines Gender-Komitees für die Hauptstadt
Einer Anordnung des Regierenden Bürgermeisters von Ulaanbaatar zufolge, soll im Rahmen des Nationalen Gender-Komitees ein Komitee für die Hauptstadt gegründet werden.
Zur Leiterin wurde Ts. Enkhtsengel, stellvertretende Abteilungsleiterin „Soziale Entwicklung" in der Ulaanbaatar-Stadtverwaltung, ernannt.

„Sarangerel-Stiftung"
Mit dem Ziel, den Nationalen Freizeitpark für die Besucher attraktiver zu gestalten, (die Bepflanzung zu erweitern, die Wege zu verschönern, mehr Parkplätze bereitzustellen) hat Justizminister D. Dorligjav eine Stiftung gegründet und sie nach seiner Tochter Sarangerel benannt.
Sarangerel war im Februar in Istanbul (Türkei) beim Versuch, ihren Freund zu retten, ertrunken.

Amnestiegesetz verabschiedet
Am 12. August verabschiedeten die Abgeordneten das neue Amnestiegesetz.
Präsident Ts. Elbegdorj hat angekündigt, gegen Teile des Gesetzes sein Veto einzulegen.
Es sei unerträglich, dass auch wegen Korruption und Bestechlichkeit verurteilte Personen davon profitieren sollen.
Korrupt seien lediglich hohe Staatsbedienstete und Politiker, der einfache Bürger empfände es als Hohn, wenn diese ihre kriminellen Machenschaften straflos erledigen könnten.
Ein Dieb bestehle nur einzelne Personen, korrupte Politiker das ganze Volk.

Unabhängige lehnen Ministeramt ab
Nach dem erzwungenen Rücktritt der MVP-Minister hat die DP Gespräche mit den in der Staatsversammlung vertretenen Parteien und Einzelpersonen aufgenommen.
Bisher ohne Erfolg.
Nach Konsultationen des Vorsitzenden der Staatsversammlung und der DP Z. Enkhbold mit den drei unabhängigen Abgeordneten Ts. Davaasuren, S. Ganbaatar und Bolorchuluun am 11. August lehnten diese das angebotene Arbeitsministerium ab. Ts Davaasuren fordert das Finanzministerium.
Außerdem hielten sie nach wie vor den in Dubai unterzeichneten Oyutolgoivertrag für gesetzwidrig, eine Zusammenarbeit mit der Saikhanbileg-Regierung deshalb für problematisch.
Das Wahlbündnis „Gerechtigkeit" (MRVP/ MNDP) fordert mindestens vier statt zwei Ministerien.
Sondierungsgespräche führt die DP zudem mit der Zivilcourage-Grüne Partei (zwei Abgeordnete).


Gan-Erdene Tsend. Geschwister

Lange Nacht der Museen
Mit der Ausstellung „Modern Transformations – New Identities" hat sich die Mongolei zum ersten Mal an der „Langen Nacht der Museen" am 29. August in Berlin beteiligt.
Im Empfangssaal der Botschaft in der Dietzgenstraße präsentierte der mongolische Künstler Gan-Erdene Tsend einen Teil seiner Gemälde, die zurzeit neben Werken anderer mongolischer Künstler auf der internationalen Kunstausstellung NordArt – 2015 in Büdelsdorf Furore machen.
Außer zeitgenössischer mongolischer Kunst wurde den Gästen im Garten und im Ger auf dem Botschaftsgelände ein Programm, bestehend aus Musik, Tanz, Spiel und Filmen geboten.
J. Enkhtuya aus Frankfurt am Main begeisterte mit ihren Khumiigesängen, wobei sie sich selbst auf der Pferdekopfgeige und auf der Shudarga begleitete.


Lange Nacht der Museen in der mongolischen Botschaft am 29.08.15

Mongolische NGOs wie Maidar erklärten geduldig das Knöchelchenspiel und den Knöchelweitwurf (shagai kharvakh), ein beliebter Wettkampf, nicht nur während der Naadamfeiern.
Gespräche mit Botschaftsvertretern, dem Chefkurator der NordArt Wolfgang Gramm sowie mit den Kuratoren J. Bidibaatar und O. Oyuntuya vermittelten Einblicke in die mongolische Kunst- und Kulturszene, in mongolische Lebenswelten.
Am Abend feierte der Dokumentarfilm von Kurt W. Oelschläger und Oyunjargalyn Oyuntuya „Mongolei - Aufbruch in eine neue Zeit" Premiere. (Amara Film- und Fernsehproduktion).


J. Enkhtuya

Um 18:00 Uhr hatte Botschafter Ts. Bolor die Veranstaltung eröffnet, gegen 0:00 Uhr wurden die Tore der Botschaft geschlossen.
Die Ausstellung ist jedoch noch bis zum 29. September zu besichtigen.
Besucher außerhalb der Öffnungszeiten der Botschaft – Do., Fr., Sa. 11:00 bis 18:00 Uhr - werden gebeten, sich vorher anzumelden.
Tel.: 0170 414 7595
office@nordart-mongolianart.de


Begrüßung der Gäste aus Deutschland

„Auch wir haben von Euch und mit Euch eine Menge gelernt"
Nach 2013 und 2014 reiste eine Delegation von Kunst- und Musiklehrern, Theaterpädagogen und Mediengestaltern zum dritten Mal in die Mongolei, um gemeinsam mit mongolischen Kollegen Erfahrungen in der außerschulischen und schulischen kulturellen Bildung auszutauschen.


Spiele zum Kennenlernen

Die mongolischen Teilnehmer und die Offiziellen bedankten sich ein ums andere Mal für das Engagement der Gäste, die Möglichkeit von ihrem Wissen zu profitieren.
Der deutsche Delegationsleiter H. Reschke betonte seinerseits, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhe, „auch wir haben eine Menge von Euch gelernt".
Zum ersten Mal wurden die Deutschen mit dem künstlerischen Leiter der Schule der Künste Schwerin e. V. Holger Reschke an der Spitze, von Schülern und angehenden Studenten aus Schwerin begleitet.
Neben den vielen positiven Erfahrungen – Kreativität, Offenheit, Wissbegierde, Erfindungsreichtum, ungezwungenes Zusammenarbeiten und –spielen – hätten sich die Workshopleiter der deutschen Delegation mehr Reflexion über das Geleistete gewünscht, die Jugendlichen mehr und längeren Kontakt mit mongolischen Altersgefährten.
Trotzdem blieb Zeit, ein gemeinsames Filmprojekt umzusetzen, das unter großem Beifall zum Abschluss der Workshoptage im Kur- und Ferienheim der MIAT im Zentralaimag präsentiert werden konnte.
Für einen intensiveren Meinungsaustausch und die Vermittlung z. B. des Theaterpädagogikkonzepts waren die Gruppen zu groß und die Zeit zu knapp: 60 Teilnehmer – Lehrer und Lehrerinnen an Grundschulen aus 30 Sums aus den Aimags Uvurkhangai, Arkhangai, Sukhbaatar und Dornod, die in zwei Gruppen an fünf Workshops in Theaterpädagogik, Bildende Kunst und Tonstudio teilnahmen.


Zu Gast im Bildungsministerium

Wie in den Jahren zuvor hatten die mongolischen Gastgeber- das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft sowie die NGO „Save the Children" – ein Reiseprogramm vorbereitet, das die Gäste in den Uvurkhangai-Aimag und in den Zentralaimag führte. Besucht wurde eine Nomadenfamilie im Sommerlager, das älteste lamaistische Kloster der Mongolei Erdene Zuu bei Kharkhorin, das Kharkhorin-Museum, Elsen Tasarkhai …


Willkommenstanz in der Steppe


Erholung in Terelj


Freilichtmuseum Ausgrabungsstätte Karakorum


Weltreichdenkmal bei Karakorum

Aus der Ferne mag das Nomadenleben in den Weiten der Grassteppen überaus verlockend und romantisch erscheinen, tatsächlich stellt es den Nichtnomaden immer wieder vor Herausforderungen, die schon im Sommer schwer zu bewältigen sind. Wie würde es ihm dann erst im langen, kalten Winter ergehen?


Picknick in der Steppe

Nach Gesprächen und Informationsveranstaltungen im Bildungsministerium und in einem großen Verlag genossen die ausländischen Gäste den Aufenthalt im malerisch zwischen Felsen, Steppenfluren und Wald gelegenen Gercamp in Terelj, wobei sie ausgiebig die Gelegenheit nutzten, ihre Reitkünste unter Beweis zu stellen.
Der Abschied gestaltete sich zumindest für die 14-jährige Julia und die 16-jährige Saraa tränenreich.
Aber was sind heute schon 7.000 Kilometer?
Für mehr Informationen sh. auch
www.sdkev.de


Freude über die erfolgreiche Teilnahme an der Weiterbildung

„Little Miss World - 2015"
Ab dem 14. August konnten sich Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren um die Teilnahme am 15. Internationalen Kunst-, Kultur- und Modefestival „Little Miss World – 2015" vom 27. September bis zum 03. Oktober in Antalya (Türkei) bewerben.
Der Fernsehsender SBN übertrug die Talente-Show und ermittelte die Siegerin im nationalen Wettbewerb.
Gleichzeitig mit dem Little-Miss-World-Festival findet die zweite internationale Kinder-Kunst-Olympiade statt, die mit der Vergabe der „Goldenen Laurel" endet.
Thema der diesjährigen Veranstaltung: die vier Elemente der Natur.


So schön ist die Mongolei

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann


   

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Last Update: 01. Januar 2017