Neues aus der Mongolei
16. November bis 6. Dezember 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar

Elbegdorj auf Klimakonferenz in Paris
Präsident Ts. Elbegdorj stand an der Spitze der mongolischen Delegation, die an der 21. Klimakonferenz in Paris vom 30. November bis zum 11. Dezember teilnimmt.
Am 03. Dezember ist der Präsident in die Heimat zurückgekehrt.
In seiner Rede vor 150 Staats- und Regierungschefs benannte er die Bekämpfung des Terrorismus‘ und die Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung als wichtige Aufgaben der internationalen Gemeinschaft.
Am Rande der Konferenz übergab Elbegdorj den Antrag zur Aufnahme des Burkhan Khaldun ins Weltkulturerbe der UNESCO an die Generaldirektorin Irina Bokova.

25 Jahre Demokratische Revolution
Der Vorsitzende der Demokratischen Partei (DP) und Vorsitzender der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold hat am 06. Dezember im Säulensaal des Regierungspalastes die Fotoausstellung „25 Jahre Demokratische Revolution – Großprojekte" eröffnet.
In seiner Eröffnungsrede erinnerte Enkhbold an den Zusammenschluss von fünf Parteien in der „Demokratischen Partei" am 06. Dezember 2000 und an bedeutende Leistungen für die Entwicklung des Landes in den vergangenen 25 Jahren unter den Bedingungen von Mitbestimmung und Marktwirtschaft.
Am 05. Dezember sei in Ulaangom (Uvs-Aimag) ein großes Straßenbauprojekt vorgestellt worden, der Benzinpreis in den drei westlichen Aimags sei dem in Ulaanbaatar angepasst worden und erheblich gesunken, am kommenden Samstag werde das Straßenbauprojekt im Arkhangai-Aimag vorgestellt.
In der Ausstellung könnten sich die Besucher anhand der Fotos der Großprojekte, die im Laufe von 25 Jahren demokratischer Entwicklung realisiert worden seien, selbst einen Eindruck verschaffen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Dezember geöffnet.

Überarbeitetes Strafgesetz beschlossen
Auf ihrer Sitzung am 03. Dezember hat eine Mehrheit der anwesenden Mitglieder der Großen Staatsversammlung dem Entwurf des neuen Strafgesetzes einschließlich von 14 Folgegesetzen und zwei Resolutionen zugestimmt.
Dem Vorschlag des Abgeordneten Batbayar, Viehsiebstahl als Verbrechen zu werten – der Verlust ihrer Tiere bedrohe die Existenz der Viehhalter – stimmte eine Mehrheit ebenfalls zu.
Das überarbeitete Strafgesetz tritt am 01. September 2016 in Kraft.

Keine Einigung über Grundgesetz-Änderungen
Auf ihrer Fraktionssitzung am 16. November diskutierte die MVP die vorgeschlagenen Verfassungsänderungen und kam zu dem Schluss, diesen nicht zustimmen zu können.
Die Zeit reichte nicht aus, verantwortungsvoll über die 50 Änderungen und Zusätze zu entscheiden, die zahlreiche andere Gesetzesänderungen nach sich zögen.
Wichtig sei jetzt die Debatte über das Wahlgesetz.
Zurzeit lägen vier Entwürfe auf dem Tisch.
Auch den Staatshaushaltsplan 2016 kritisierte die MVP-Fraktion, dieser sei nicht geeignet, die Krise zu überwinden.

Deutschland investiert 745 Millionen USD
Beim Besuch von Industrieminister D. Erdenebat in Deutschland vom 15. bis zum 17. November sagte die deutsche Regierung der Mongolei einen Kredit in Höhe von 795 Millionen USD für die Kupfer-Molybdän-Lagerstätte Tsagaan Suvarga im Mandakh-Sum im Ostgobi-Aimag zu.
Beide Regierungen unterzeichneten Verträge über eine Zusammenarbeit im Bergbau, in der Industrie und im Technologiesektor.
Außerdem unterzeichneten Sod Mongol und das deutsche Unternehmen EDL Anlagenbau GmbH einen Vertrag über den Bau einer Fabrik für Motorenöle und Schmierstoffe.
Der Bau soll im Juli 2016 beginnen.
Im ersten Quartal 2018 sollen die ersten Produkte auf dem heimischen Markt verkauft werden.

Ernte 2015
Im November hat die Ministerin für Landwirtschaft und Nahrungsgüter R. Burmaa über die Ernteergebnisse 2015 informiert.
Insgesamt wurden 211.300 Tonnen Getreide eingebracht, davon 200.000 Tonnen Weizen, außerdem ernteten die Bauern 163.900 Tonnen Kartoffeln, 71.600 Tonnen Gemüse, 42.800 Tonnen Futterpflanzen und 21.000 Tonnen Ölpflanzen.
108.000 Tonnen Weizen seien an die Getreidemühlen geliefert worden.

Abdul Karim Zabon tritt vom Kaufvertrag zurück
Der mongolische Staatsbürger iranischer Herkunft Abdul Karim Zabon hat am 05. Dezember bekanntgegeben, dass er vom Kaufvertrag für das Grundstück des ehemaligen Druckereibetriebes östlich vom Regierungspalast (A-Kategorie im Bebauungsplan der mongolischen Hauptstadt) zurücktrete.
Als Grund nannte er den erheblichen Widerstand der mongolischen Öffentlichkeit gegen den Verkauf an einen Nichtmongolen, die Verbreitung von Lügen und Verleumdungen über ihn und seine Frau in einigen mongolischen Medien.
Abdul Karim Zabon hatte die Ausschreibung für das 24-Milliarden-Tugrug-Projekt gewonnen, nachdem er die mongolische Staatsbürgerschaft angenommen hatte (Ausländer dürfen in der Mongolei kein Eigentum an Boden erwerben).

80 Jahre Mongolische Kinoproduktion
In diesem Jahr begehen die mongolischen Filmschaffenden das 80-jährige Gründungsjubiläum des mongolischen Kinos.
Präsident Ts. Elbegdorj wies in seiner Grußansprache auf den hervorragenden Beitrag des Kinos für die kulturelle Entwicklung der Mongolei hin.
Filme wie „Der Sohn der Mongolei" (Mongol Khuu), „Tsogt Taij", „Der unergründliche Tamir" (Tungalag Tamir) oder „Mandkhai, die Kluge" (Mandukhai Tsetsen Khatan) widerspiegelten nicht nur die Geschichte des Landes wider, sondern zeugen auch vom künstlerischen Vermögen der Produzenten, Regisseure und Schauspieler.
Heute genießt das mongolische Kino auch international Wertschätzung, wovon Preise und Auszeichnungen auf internationalen Festivals zeugen.
Die Filmschaffenden hätten sich erfolgreich den Herausforderungen der Marktwirtschaft gestellt und ihre künstlerischen Ansprüche bewahrt.


Grabungsstätte Karakorum. Reste eines Lotusthrones im Palastbezirk.

795 Jahre Kharkhorum
Anlässlich des 795 Gründungsjubiläums der ersten mongolischen Hauptstadt Kharkhorum (Karakorum) und unter der Schirmherrschaft von Präsident Ts. Elbegdorj fand am 04. Dezember im Regierungspalast eine wissenschaftliche Konferenz statt.
Die Veranstaltung war gemeinsam vom Heimatrat des Kharkhorin-Sums im Uvurkhangai-Aimag in Ulaanbaatar, vom Präsidialamt, der AdW, dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, der Bürgerversammlung und Verwaltung des Kharkhorin-Sums organisiert worden.
Die Redner würdigten die Bedeutung der Stadt für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region im 13. Jahrhundert und führten sie als Beispiel für das friedliche Nebeneinander und Miteinander von Buddhisten, Christen und Muslimen, von Menschen mit verschiedenen Sprachen an.
Seit Jahren wird auch der Vorschlag diskutiert, Kharkhorum als Modellstadt der modernen Mongolei neu aufzubauen.
Im Museum für Staatsgeschichte wird gleichzeitig eine Ausstellung „Kharkhorum – 795" gezeigt.
Der Bau der Stadt am Fuße des Khangai im Orkhontal (auf den Grundmauern von Zentren früherer Nomadenreiche) geht auf einen Erlass Chinggis-Khaans aus dem Jahr 1220 zurück.
Unter dem Nachfolger Chinggis-Khaans, seinem drittgeborenen Sohn Uguudei, entwickelte sich Karakorum zur Hauptstadt des mongolischen Großreiches.


Arbeit


Eröffnung Mongolian Soundscapes in der Botschaft

Mongolische Klanglandschaften
Am 04. Dezember, um 19:00 Uhr, hatten die deutsch-mongolischen NGOs „Maidar e. V." und „Nomad Citizens" sowie Art Objective in die Räume der mongolischen Botschaft in der Berliner Dietzgenstraße unter dem Titel „Mongolian Soundscapes" zu Filmvorführung, Performance und Ausstellung geladen.
Das Projekt der Mongolischen Staatsuniversität für Kunst und Kultur (MSUAC) und der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Design, wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert.


In Erwartung des Films der Deutschen, gedreht in der Mongolei

Zur Eröffnung sprachen Botschaftsrat B. Mandakhbileg, der Leiter der Konsularabteilung Ts. Batmunkh, die Dozentin für Grafikdesign an der MSUAC B. Bolormaa, A. Alimaa von Maidar e. V. und Corinna Bethge, Regisseurin und Dramaturgin über das erfreulich hohe Niveau der mongolisch-deutschen Beziehungen insonderheit auf dem Gebiet von Kultur und Wissenschaft sowie über Inhalte des Projekts, Ergebnisse und Perspektiven.


Das Eigene mit den Augen der anderen sehen

Zunächst wurden zwei 15-minütige Filme von deutschen und mongolischen Studierenden gezeigt, in die Liveperformances der Mongolen eingebettet waren:
„Mongolian Soundscapes – Tradition – Transition – Modernity" (Ulaanbaatar 2014)
„Mongol Ruhr – Der fremde Blick auf das scheinbar Eigene" (Dortmund 2015).


Performance zum Film der Mongolen, gedreht in Dortmund

Zudem konnten Werke der im Februar 2015 in der Galerie des mongolischen Künstlerverbandes in Ulaanbaatar eröffneten Ausstellung „Metamorphose" in den Botschaftsräumen begutachtet werden.


Der Steiger kommt ...

Die ausgestellten Werke, eine Serie von Digitalgrafiken, waren bereits in der Galerie „Rotes Ger" des Kunstrats der Mongolei in Ulaanbaatar, in Harbin und Schanghai (China) und im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin präsentiert worden.


Performance zum Film der Mongolen, gedreht in Dortmund

Die 12 mongolischen Studierenden an der MSUAC, darunter Tänzerinnen und Musiker sowie ihre Dozentin B. Bolormaa, die am 14-tägigen Workshop in Dortmund teilgenommen hatten und in dieser Zeit ihren beeindruckenden Film produzierten, gehörten zu den Gästen der Veranstaltung.


Nach der Aufführung

Witwe von S. Zorig verhaftet
Am 13. November wurde die Witwe des Mitbegründers der demokratischen Bewegung in der Mongolei S. Zorig verhaftet.
Der damalige Infrastrukturminister und Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten war in der Nacht zum 02. Oktober 1998 in seinem Haus in Ulaanbaatar durch mehrere Messerstiche getötet worden.
Ermittelt wurde seinerzeit in verschiedene Richtungen, private Motive wurden nicht ausgeschlossen, ein politischer Hintergrund im Zusammenhang mit der Zahlung von Bestechungsgeldern für die Errichtung einer Spielbank durch Unternehmer aus Macao galt als wahrscheinlich.
Zorigs Witwe B. Bulgan war auch damals schon ins Fadenkreuz der Ermittler geraten, aber wieder freigelassen worden.
Im Laufe der Ermittlungen starben zudem Untersuchungsbeamte aus ungeklärten Ursachen.
Bis heute konnte der Mord jedenfalls nicht aufgeklärt werden.
Bulgan wird beschuldigt, unmittelbar nach dem Mord falsche Aussagen zu Protokoll gegeben und falsche Täterbeschreibungen abgegeben zu haben.
Wenige Tage vor dem 13. November seien zwei weitere Verdächtige in Erdenet verhaftet worden.

Aufhebung des visumfreien Reiseverkehrs
Das mongolische Außenministerium hat die Aufhebung des visumfreien Reiseverkehrs in die Mongolei für 42 Länder ab dem 01. Januar 2016 bekannt gegeben.
Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit nötigen Sicherheitsvorkehrungen für den ASEM-Gipfel im kommenden Jahr in Ulaanbaatar.
In Vorbereitung des Gipfels sind in diesem Jahr fünf Milliarden Tugrug aus dem Staatshaushalt ausgegeben worden, im nächsten Jahr würden noch einmal 21 Milliarden bereitgestellt.

203 Arbeiter wieder eingestellt
Die 203 Arbeiter, die „Erdenes Tavan Tolgoi" im Zuge von Sparmaßnahmen entlassen hatte, sind wieder eingestellt worden.
S. Erdene, der Vorsitzende der Gewerkschaft „Solidarität" im Unternehmen, hatte unlängst versucht, sich selbst zu verbrennen.
Noch werde er in Ulaanbaatar behandelt, demnächst werde seine medizinische Betreuung im Ausland fortgesetzt, hieß es aus der Unternehmensleitung.

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt, Renate Bormann


 

   

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Last Update: 01. Januar 2017