Neues aus der Mongolei
2. bis 8. Februar 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar


Winter in Terelj

Ministerpräsident reist nach Japan
Seine erste Auslandsdienstreise führt Ministerpräsident Ch. Saikhanbileg vom 09. bis 11. Februar nach Japan.
In Tokio wird er mit Regierungschef Shinzo Abe, dem Vorsitzenden der Rätekammer des Parlaments M. Yamazaki Gespräche über die bilaterale Zusammenarbeit führen.
Begleitet wird der mongolische Kabinettschef unter anderem von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation.

Shadar Said Khurelsukh empfängt deutschen Botschafter
Der stellvertretende Ministerpräsident Shadar Said U. Khurelsukh hat am 05. Februar den Botschafter der BR Deutschland G. Thiedemann zum Gespräch empfangen.
Zunächst übermittelte er ihm sein tiefempfundenes Beileid zum Tod von Exbundespräsident R. von Weizsäcker.
Khurelsukh betonte zum wiederholten Mal, die Bundesrepublik sei der wichtigste Partner der Mongolei in der EU und die mongolische Regierung würde den deutsch-mongolischen Beziehungen einen hohen Stellenwert beimessen. „Wir hoffen, die Beziehungen werden demnächst vom Niveau einer „allumfassender Partnerschaft" auf das Niveau einer „strategischen Partnerschaft" gehoben.
Botschafter Thiedemann stimmte Khurelsukh zu.
Die bilateralen Beziehungen entwickelten sich stetig zu beiderseitigem Vorteil.
„Wir freuen uns auf die Staatsbesuche von Präsident Ts. Elbegdorj und vom Vorsitzenden der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold im März in Deutschland".
Diese Besuche werden unserer Freundschaft sowie der allseitigen Zusammenarbeit weitere Impulse verleihen.

„Tsagaan Sar – 2015"
Am 07. Februar wurde auf dem Chinggis-Khaan-Platz in Ulaanbaatar die Verkaufsausstellung „Tsagaan Sar – 2015" eröffnet.
Namhafte mongolische Wirtschaftsverbände und Unternehmen wie die Verbände der Lederindustrie, der Woll-und Kaschmirproduzenten, der Getränkeproduzent „APU", die Backwarenunternehmen „Talkh Chikher", „Uguuj (Ögööj) Chikher Boov", „Altan Taria", das Molkereiunternehmen „Suu", die Fleisch- und Wurstproduzenten „Makh Market", „Makh Impex", die Handelsgesellschaften „Green City", „Best Shoes", „Exklusiv" und andere stellen ihre Produkte vor.
Schuhe, Kleidung, Milchprodukte (Tsagaan Idee), Obst- und Gemüsekonserven, Fertigbackwaren, Süßigkeiten und Mehl, Fleisch- und Wurstwaren, alkoholische und nichtalkoholische Getränke werden zum Produktionspreis verkauft.
Ähnliche Ausstellungen sind auch in den sechs innerstädtischen Duuregs organisiert worden.
Der Zuschauer- und Käuferandrang ist wie jedes Jahr sehr groß.
Mitglieder des Buchklubs „Bücherfreunde" appellieren währenddessen an ihre Landsleute, zum Neujahrsfest Bücher zu verschenken.
N. Khulgen („Bücherfreunde"), Ts. Budjidmaa (Liberal Womens Intellectual Fund), B. Turbold (Klub der Jungpolitiker) sowie der Direktor von „Grace of God" N. Munkhbayar haben auf einer Pressekonferenz am 03. Februar in Ulaanbaatar beklagt, dass die Mongolen seit vielen Jahren zwar zur Wirtschaftsentwicklung in China beitrügen, Unterstützung für die einheimische Produktion jedoch vermissen ließen.
Von Tag zu Tag verlöre der Tugrug an Wert, wir aber fahren fort, „Socken, Hosen und Shampoos als Neujahrsgeschenke zu kaufen".
Lasst uns lieber Bücher kaufen und verschenken, bat N. Khulgen.
Die Aktion begann vor drei Jahren und auch in diesem Jahr wird im Unabhängigkeitspalast ein Buchbasar mit verbilligten Büchern organisiert.

Neuer Direktor von Erdenes Mongol LLC ernannt
Auf der Regierungssitzung am 04. Februar wurde B. Byambasaikhan von Newcom LLC zum Direktor des staatseigenen Bergbaukonzerns Erdenes Mongol LLC ernannt.
Er löst O. Sainbuyan ab, der ihm bei der Übergabe der Vollmachten am 06. Februar viel Erfolg in seinem Amt wünschte.
B. Byambasaikhan war Chef des Wirtschaftsrates, der bei der Innovationsregierung unter N. Altankhuyag ins Leben gerufen worden war.
„Erdenes Mongol LLC" ist das größte Staatsunternehmen der Mongolei.
Ihm gehören 100 Prozent von Erdenes Tavan Tolgoi Co. Ltd, 34 Prozent von Oyutolgoi LLC, 51 Prozent des Bergbauunternehmens „Erdenet", 90 Prozent bzw. 75 Prozent der Kohleproduzenten Shivee Ovoo Co. Ltd und Baganuur Co., Ltd.

Tavantolgoi
Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Staatsminister M. Enkhsaikhan verhandelt den Investitions- und Kooperationsvertrag zur Ausbeutung der Kohlemine „Tavan Tolgoi" mit dem mongolischen Staatsunternehmen „Energy Resources", dem chinesischen Konzern „China Shenhua Energy" und dem japanischen Konzern „Sumitomo" t.
Am 02. Februar hat Enkhsaikhan über den Fortgang der Verhandlungen der DP-Fraktion in der Staatsversammlung Bericht erstattet.
Auf dem internationalen Markt werde das Projekt unter dem Namen „Mongolian Mining Corporation" angekündigt werden.
In mongolischen Medien wird in diesem Zusammenhang die Frage gestellt, wem eigentlich „Energy Resources" gehöre?

Ausgabe von Lebensmitteltalons
Ab Februar werden an 25.000 Familien oder 135.000 Bürger Lebensmittelgutscheine ausgegeben.
Der Wert eines Gutscheins für ein Kind beträgt 6.500 Tugrug, für einen Erwachsenen 13.000 Tugrug.
Seit 2013 gilt dieses Gesetz über Sozialhilfeleistungen.
2013 waren es noch 99.000 Menschen, die auf diese Lebensmittelhilfe angewiesen waren, 2014 86.000.
In diesem Jahr erhöhte sich die Zahl auf 135.000.
Versorgt werden Familien, denen lediglich das Mindesteinkommen zur Verfügung steht.

Ehrung für Kh. Choibalsan
Anlässlich des 120. Geburtstags des Mitbegründers der MVP und Mitinitiators der mongolischen Volksrevolution von 1921 Khorloogiin Choibalsan (1895-1952) hat der Vorsitzende der MVP und Vizevorsitzender der Großen Staatsversammlung M. Enkhbold die Enkelin des Staats- und Parteiführers Ch. Khaliun zu einer Festveranstaltung geladen.
Choibalsan hätte in schwierigen Zeiten dazu beigetragen, die Unabhängigkeit der Mongolei zu erringen und zu bewahren, geholfen 1921 und 1939 die Mongolei von ausländischen Aggressoren zu befreien.
Ihm sei es hauptsächlich zu verdanken, dass die Mongolei 1945 auch völkerrechtlich zu einem unabhängigen Staat werden konnte.
In der Gegenwart würde sein Andenken beschädigt. Geschichte könne jedoch nicht umgedeutet werden.
Die MVP werde das Andenken von Marschall Choibalsan stets in Ehren halten, er werde im Gedächtnis der Mongolei ewig weiterleben.
Die MVP werde während des gesamten Jahres 2015 Veranstaltungen, Ausstellungen, Konferenzen und Filmvorführungen zu Leben und Werk von Choibalsan organisieren.

(In der internationalen Politikwissenschaft und Mongolistik wird Choibalsan häufig als „Stalin der Mongolei" bezeichnet. Von den 1934 gewählten Politbüromitgliedern der MRVP war 1940 nur noch Choibalsan am Leben). R. B.

Mumienfund
Ende Januar entdeckte die Polizei in einem Gehöft im neunten Wohnviertel im Ulaanbaatar-Stadtbezirk Songinokhairkhan die mumifizierte Leiche eines Mannes, bedeckt mit einer Tierhaut.
Die sehr gut erhaltene Mumie in Lotusstellung und offenbar in Meditationshaltung wurde dem kriminaltechnischen Institut Ulaanbaatars übergeben.
Eine Expertengruppe, der Archäologen, Gerichtsmediziner, Kriminalisten, Historiker und kirchliche Würdenträger angehören und die vom Direktor der Hochschule für buddhistische Kunst beim Gandankloster G. Purevbat geleitet wird, hat erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Danach handelt es sich um den Schüler des Großen Heiligen „Uvgun Geser Lam" (der Alte Geser Lama) Tsorj Sanjjav.
Sanjjav lebte vor etwa 200 Jahren und war 25 Jahre jünger als sein Mentor und Lehrer Geser Lam.
Sanjjav war seinerzeit in den Sodnomdarjaa-Bergen im Tsakhir-Sum des Arkhangai-Aimags begraben worden.
Ein Kontrollbesuch dort hätte ergeben, dass die Grabstätte leer sei, so Purevbat.
Die Polizei geht davon aus, E., der Eigentümer des Khashaa, in dem die Mumie entdeckt worden war, hätte das Grab ausgeraubt, um seinen Fund gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen.
Religionswissenschaftler erklärten, es wäre immer wieder vorgekommen, dass Mönche oder Lamas, sobald sie ihren Tod nahen fühlten, sich in Meditationshaltung versenkten und so ihren Tod erwarteten.
Die natürlichen Bedingungen führten dann zur Konservierung des Leichnams in der selbst gewählten Lotusstellung.
Purevbat vertritt die Meinung, es handelte sich nicht um eine zufällige Mumifizierung, sie wäre als heilige Handlung bewusst in Gang gesetzt worden.

Werbung für Ulaanbaatar
Die Stadtverwaltung Ulaanbaatars hat beschlossen, den Regierungsbeschluss vom Februar 2013 über „Maßnahmen zur Verbesserung bei der Beherrschung der mongolischen Sprache und Schrift" sowie das Projekt des Regierenden Bürgermeisters von Ulaanbaatar „Umsetzung des Programms Kluges Ulaanbaatar" aus dem Jahr 2014 in die Tat umzusetzen.
Dazu gehört die Bezeichnung der Adressen und Werbemaßnahmen aller städtischen, privaten und staatlichen Einrichtungen in (alt)mongolischer und kyrillischer Schrift.
Erarbeitet werden soll ein „Brand Book" Ulaanbaatars.
Ziel sei es, dass egal wo, wann und wer „Ulaanbaatar" als Markenname unverkennbar wird (Farben, Design).
Das Mitglied der Großen Staatsversammlung Su. Batbold meinte, die für die Projektumsetzung nötigen Mittel könnten und müssten für andere Vorhaben nutzbringender eingesetzt werden.

Gesetzentwurf Mongolische Sprache
Bei der Debatte um den Gesetzentwurf „Mongolische Sprache" am 06. Februar in der Großen Staatsversammlung prallten gegensätzliche Meinungen aufeinander.
Die Initiatoren streben an, die klassische mongolische Schrift zur alles umfassenden offiziellen mongolischen Schrift zu erklären.
Die Gegner halten dem entgegen, dass das Altmongolische seit dem 13. Jahrhundert keinerlei Reformen unterworfen war, es für viele mongolische Bürger einer „Fremdsprache" gleichkäme.
Das Erlernen bzw. das Lehren würde sehr viele Ressourcen binden.
Außerdem sei Altmongolisch Lehrfach an den allgemeinbildenden Schulen und an Universitäten. Das kulturelle Selbstverständnis der Mongolen an die alte mongolische Schrift, die aus dem Arabischen über das Uigurische stammte, zu binden, sei zu kurz gegriffen.
Der verdiente Mongolist und Hochschullehrer Sh. Choimaa erklärte, die klassische mongolische Schrift stammte mitnichten aus dem Arabischen.
Der Leiter der Arbeitsgruppe L. Enkh-Amgalan bedauerte die Aussagen der Gegner des Projekts.
Dies sei eines Politikers und Volksvertreters unwürdig.
Vielmehr müssten allen Bürgern die Möglichkeiten gegeben werden, die mongolische Schrift zu erlernen.
Immerhin hätte die UNESCO die mongolische Schrift 2013 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. „Dafür haben wir lange gekämpft".


Tanzen macht Spaß

Für Zweigstellen des Kinderpalastes in den Duuregs
In Erfüllung des Hauptstadtprogramms 2013-2016 und im Rahmen der sozialökonomischen Zielsetzung 2014 und 2015 beschloss die Stadtverwaltung Maßnahmen, die es allen Kindern ermöglichen sollen, ihre Freizeit zur Förderung ihrer Talente und zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten zu nutzen.
Deshalb sollen die Freizeitzirkel des Kinderpalastes in allen Stadtbezirken und vor allem in den Randvierteln Zweigstellen eröffnen.
Die erste Zweigstelle wurde in Bayankhoshuu eröffnet.
Die Zirkel umfassen fünf Klassen (Singen, Tanzen, Schach, Schauspiel, Literatur).
Zehn Lehrer leiten die Kurse, in denen insgesamt 540 Kinder ihren Leidenschaften und Interessen frönen können.
Die nächsten Eröffnungen wird es in Shar Khad und in Dari-Ekh im Bayanzurkh-Duureg sowie in Khailaast im Chingeltei-Duureg geben.
Die benötigten finanziellen Mittel wurden in den Hauptstadt-Haushaltsplan eingestellt.
Die NGO „World Vision Mongolei" unterstützt die Projekte und hat für die ersten Kurse eigene Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.
Für die kleineren Kinder ist die Teilnahme an den Kursen kostenlos.

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann


   

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Last Update: 01. Januar 2017