Neues aus der Mongolei
16. bis 22. Februar 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar

Abschluss der Herbstsitzungsperiode der Großen Staatsversammlung 2014
An 99 Tagen hatten sich die Mitglieder der Großen Staatsversammlung versammelt, 165 Gesetze und 44 Beschlüsse wurden abschließend behandelt, 15 Gesetze außer Kraft gesetzt sowie elf internationale Verträge und Vereinbarungen sowie die dazugehörigen Gesetze beschlossen, so die nüchterne statistische Zusammenfassung der Arbeit der Abgeordneten in der Abschlussrede des Vorsitzenden Z. Enkhbold.
Nach einem Sitzungsmarathon im Plenum, in den Fraktionen und in den Ausschüssen beendete der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold am Abend des letzten Tages im blauen Pferdejahr oder am 18. Februar die Herbstsitzungen 2014.

Gesetzesänderungen beschlossen
Zuvor hat die Mehrheit der anwesenden Abgeordneten (von den 76 Abgeordneten hatten 52,6 Prozent ihre Plätze im Sitzungssaal eingenommen) den Zusätzen und Änderungen zum Gesetzentwurf über den Schutz der Flüsse, Seen und Wälder, dem Verbot von Bergbauaktivitäten in schützenswerten Wald- und Gewässerreservoirs („Gesetz mit dem langen Namen") zugestimmt.
Ebenfalls Zustimmung fanden die Zusätze zum Bergbaugesetz sowie zum Gesetz über die Steuerung der Staatsverschuldung sowie der Beschluss „Über Maßnahmen zur Überwindung der Wirtschaftskrise".
Der Gesetzentwurf zur Überführung von 20 Prozent der Gatsuurt-Goldlagerstätte in Staatseigentum wurde zurückgewiesen und zur Überarbeitung an die Regierung weitergereicht.
Gegen die Ausbeutung der Lagerstätte und gegen weitere Bergbauprojekte in der Noyon-Uul-Region im Selenge-Aimag, die nicht nur reich an Bodenschätzen, sondern auch an kulturellen Hinterlassenschaften ist, protestieren seit Wochen verschiedene Bürgerbewegungen (Bewegung zum Schutz von Noyon-Uul, Bosoo Khukh Mongol, Gal Undesten, Schamanismus-Assoziation), Privatpersonen und Politiker.
Auf Vorschlag des Vorsitzenden Z. Enkhbold wurde nach den Gesetzesdebatten Ch. Sodnomtseren als Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission (ZWK) bestätigt und Ts.-I. Boldsaikhan zum Generalsekretär der ZWK berufen.
Herr Tsengel ist der neue Chef der Zentralen Zollverwaltung, als nahezu sicher gilt die Berufung von Frau M. Oyunchimeg zur neuen Direktorin von „MM", der Nachrichtenredaktion des Nationalen Rundfunk- und Fernsehfunks.
Auf Ablehnung bei der Mehrheit stieß der Antrag einiger Abgeordneter auf Rücktritt des Chefs der Regierungskanzlei S. Bayartsogt wegen ungesetzlicher und zu hoher Honorarzahlungen an eine amerikanische Rechtsberatungsfirma.
Die Antragsteller waren zur Sitzung nicht erschienen.
Für mehr Informationen zu den Gesetzesänderungen sh. www.open.parliament.mn

Ehrerweisung am Chinggis-Khaan-Denkmal
Um 08:00 Uhr am ersten Tag des blauen Schafjahres verneigte sich Präsident Tsakhiagiin Elbegdorj vor dem Denkmal des Staatsgründers Chinggis-Khaan auf dem gleichnamigen Platz in Ulaanbaatar sowie vor der neunschwänzigen weißen Ehrenstandarte.
Danach versammelten sich der Präsident, der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold und Ministerpräsident Ch. Saikhanbileg im Ehrenger zur traditionellen Neujahrsbegrüßungszeremonie (Zolgolt) mit dem Überreichen der blauen Ehrenschals (Khadag) und dem Austauschen der Tabakdosen.
Sie wünschten allen Mongolen ein friedliches neues Jahr, Winter- und Frühjahrslager ohne Katastrophen, dafür mit erfolgreicher Jungtieraufzucht, reichen Ernteerträgen im kommenden Herbst, Glück und Wohlstand.
Der Oberlama des Gandanklosters D. Choijamts sowie andere Oberlamas entboten den drei Staatsspitzen ebenfalls ihre Neujahrsgrüße.
Zur Tradition der Neujahrsbegrüßungszeremonien im Ehrenger gehört der Vortrag des Musikers, Dichters und Lobpreisungssänger Ts. Tserendorj auf der „Khaan-Pferdekopfgeige".
Wie in jedem Jahr beglückwünschten Präsident, der Vorsitzende der Staatsversammlung und der Regierungschef hoch betagte Bürger und wünschten persönlich alles Gute im Schafjahr.


Turiin Zolgolt. 19.02.15 Foto PA d. MGL

Auszeichnungen
Am 17. Februar überreichte Präsident Ts. Elbegdorj im Regierungspalast anlässlich des Mondneujahrsfestes an 20 verdiente Bürger Orden, Medaillen und Auszeichnungsurkunden.
Gewürdigt wurden Bürger, die über lange Jahre hinweg hervorragende Leistungen in Wissenschaft, Kultur und Kunst, im Gesundheitswesen, in der Industrie, im Bauwesen, in der Viehwirtschaft, beim Umwelt- und Naturschutz oder im Sport erbracht haben.
Der 69. Yokozuna und Sohn des Ringergroßmeisters J. Munkhbat Hakuho M. Davaajargal wurde von Präsident Ts. Elbegdorj mit dem Titel „Held der Arbeit" ausgezeichnet.
Davaajargal hatte im Januar mit seinem 33. Turniersieg im Sumoringen den bisherigen Spitzenreiter nach Turniersiegen abgelöst, nicht nur die meisten Turniersiege errungen, auch die meisten Kämpfe insgesamt gewonnen.
Er wird nicht nur in der Mongolei, sondern auch in Japan als Volksheld verehrt und gefeiert.
Mit dem Rotbannerorden wurden der Berufssumoringer B. Dashnyam sowie der Künstler Ts. Tumurkhuyag, mit dem Titel „Verdienter Wissenschaftler" der Leiter des Instituts für Geografie der AdW der Mongolei Dambyn Bazargur ausgezeichnet.

Z. Enkhbold reist nach Japan
Der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold wird vom 23. bis zum 27. Februar einen offiziellen Besuch in Japan absolvieren.
Neben Gesprächen mit den Vorsitzenden des „Hauses der Repräsentanten (Unterhaus) N. Machimura und des Senats (Oberhaus) M. Yamazaki sowie mit Regierungschef Shinzo Abe wird Z. Enkhbold auch von Kaiser Akihito empfangen werden.
Die Mongolen erwarten u. a. weitere Fortschritte bezüglich eines visafreien Reiseverkehrs nach Japan.


Mongolia-Nomadic by Nature

Mongolia - Nomadic by Nature
Die Mongolei ist offizielles Partnerland der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin (ITB) vom 04. bis zum 08. März 2015.
Am 03. März wird Präsident Ts. Elbegdorj an der Spitze einer hochrangigen Delegation, der u.a Außenminister L. Purevsuren, der Regierende Bürgermeister von Ulaanbaatar E. Bat-Uul und die Ministerin für Umwelt, Grüne Entwicklung und Tourismus D. Oyunkhorol angehören werden, am deutsch-mongolischen Wirtschaftsforum im Roten Rathaus und an der Eröffnungsgala im CityCube Berlin teilnehmen.
Präsident Elbegdorj und Tourismusministerin Oyunkhorol werden dann am 04. März, 10:00 Uhr, den Stand der Mongolei in Halle 26 C/309 offiziell eröffnen.
Unter dem Motto „Mongolia – Nomadic by Nature" präsentieren sich in verschiedenen Hallen 17 mongolische Tourismusveranstalter, Fluggesellschaften und Verlage.
Mongolische Künstler gestalten die Eröffnungsgala am Vorabend der ITB und treten auf dem Delphischen Fest „Künstler bauen Brücken" zum Abschluss am 08. März im Palais am Funkturm auf.


Sedaa im Filmmuseum Berlin

Natürlich darf ein original mongolisches Ger nicht fehlen, am Eingang Süd des Messegeländes können kleine und große Besucher die traditionelle Behausung der mongolischen Nomaden begutachten.
„Freunde zu haben, ist wie eine weite Steppe" beginnt der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Mongolei in Deutschland S. E. Ts. Bolor seiner Ansprache auf der Pressekonferenz zu den Publikum- Highlights der ITB 2015 am 18. Februar im Filmmuseum Berlin.
„25 Jahre sind seit der Demokratisierung der Mongolei vergangen.
Die ITB bietet eine exzellente Gelegenheit uns als Land mit reichen kulturellen Traditionen und als modernes, fortschrittliches Land zu repräsentieren.
Deutschland ist für uns ein wichtiges Land, etwa 30 000 Mongolen sprechen Deutsch – bei einer Bevölkerung von drei Millionen ein beachtlicher Prozentsatz und gleichzeitig ein günstiger Umstand für Tourismus aus Deutschland und Europa.
Eine halbe Million Touristen besuchen pro Jahr die Mongolei, unser Ziel ist es, diese Zahl auf eine Million zu erhöhen.
Fünf Prozent des BIP werden in der Tourismusbranche erwirtschaftet, 2020 sollen es 15 Prozent sein.
Weiter führt der Botschafter aus, die Mongolei sei eine wirtschaftliche Wachstumsregion, wobei wir uns um mehr Diversifikation bemühen, weg vom Status eines Rohstofflieferanten, hin zu einem attraktiven Produktionsstandort.
Die Flugkapazität habe sich zwischen 2003 und 2013 auf 800.000 Passagiere fast verdoppelt, die MIAT (nationale Luftverkehrsgesellschaft) biete im Sommer Direktflüge von Frankfurt am Main nach Ulaanbaatar, außerdem fliegt sie zweimal wöchentlich von Berlin über Moskau nach Ulaanbaatar.
Erleichterungen für den Reiseverkehr stellten überdies die seitens der Mongolei für die Bürger in 42 Ländern, darunter alle EU-Staaten, ermöglichte Visafreiheit dar.


D. Ruetz, Dr. Buck, Ts. Bolor, B. Erdenechimeg

Der Vizepräsident der „Messe Berlin" Dr. Martin Buck, ITB-Chef David Ruetz und Projektmanagerin B. Erdenechimeg stellten neue und altbewährte Programmpunkte der diesjährigen ITB vor.
Neu ist das „Turkish Village" und die Repräsentation Irans als Reiseland, zum ersten Mal seit 50 präsentieren sich die Benelux-Staaten gemeinsam als attraktives Reiseziel.
In der Kulturlounge stellen etwa 70 Veranstalter Kulturprojekte vor, darunter Reisen zu den UNESCO-Kulturerbestätten vor.
D. Ruetz wies auf das Wochenende als Publikumstage hin.
In Halle 26 lädt ein Kinderland alle Kinder ab vier Jahre zu Spiel und Spaß mit Bastel-, Mal- und Zaubershow-Stationen ein, es gibt einen Abenteuertag mit Schatzsuche und Gewinnspielen.
Die Gewinner der Buch-Awards lesen aus ihren Werken, darunter Chinagiin Galsan am 07. März, 12:00 bis 12:30 Uhr, aus seinem Roman „Gold und Staub".
Stolz konnten die Organisatoren der 49. ITB verkünden, dass die Messe voll ausgebucht ist.
11.000 Aussteller aus 180 Ländern werden ihre Produkte auf der ITB 2015 vorstellen.
Erwartet werden 170.000 Besucher.
Der diesjährige Länderpreis der ITB Buch Awards war dem Partnerland Mongolei gewidmet.
Ausgezeichnet werden nationale und internationale Veröffentlichungen in deutscher Sprache oder deutscher Übersetzung, die über Ländergrenzen hinweg Interesse „für das breite Spektrum interkulturell bedeutender Publikationen im Bereich Reise und Tourismus" wecken.


B. Indraa, Direktorin der NGO AJI. PK am 18.02.15

Die Gewinner (Destination Mongolei):
Sarah Fischer und Nicole Funck, Handbuch für individuelles Entdecken „Mongolei" (Reise Know-How)
Frank Riedinger, Reisebildband „Mongolei" (Eigenverlag)
Amelie Schenk, Reisekochbuch „Königshuhn & Stutenmilch" (Mandelbaum-Verlag)
Galsan Tschinag, Werkpreis Literatur, insbesondere für „Gold und Staub", „Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind" (Unionsverlag) und „Mein Altai" (A1 Verlag).
Bereits auf der sehr gut besuchten Pressekonferenz am 18. Februar konnten sich die Teilnehmer einen ersten Eindruck vom vielfältigen mongolischen Kulturprogramm verschaffen.
Drei der vier Musiker von SEDAA (Stimme) stellten ihre Virtuosität bei der „Verbindung traditioneller mongolischer Musik mit orientalischen Harmonien und Rhythmen sowie Elementen aus Klassik, Rock und Pop zu einem faszinierenden Ganzen" unter Beweis.
Nomin und Undraa, Studentinnen aus Berlin, führten farbenprächtige mongolische Trachten vor.
Für mehr Informationen: www.itb-berlin.de, www.mongolia.travel und
www.sedaamusic.com


Tsagaan Sar 2015. Botschaftsgarten in Berlin-Pankow

Tsagaan Sar in Berlin
Mongolen in aller Welt feiern den Beginn des neuen Mondjahres und verschaffen dabei ihren interessierten ausländischen Gästen gern Einblicke in die dazugehörigen Sitten und Bräuche.
Auch in Deutschland wird dieser Brauch gepflegt.
Studenten und Lehrkräfte an der Humboldt-Universität zu Berlin, deutsch-mongolische und mongolische Kulturvereine wie der DMKV in Bärstadt, Deutsch-Mongolisches Tor in Düsseldorf organisieren gut besuchte Tsagaan-Sar-Feiern.
Auch die mongolische Botschaft in Berlin hatte am 19. Februar ihre Türen für Besucher weit geöffnet.
Im Ger im Garten der Botschaft zelebrierten die Mitarbeiter und ihre Familien mit Botschafter Ts. Bolor die Neujahrsbegrüßungszeremonien.
Der Tisch war gedeckt mit Schafsrücken, Buuz und Kheviin Boov.
Der Gast aus Deutschland konnte die wunderschönen Festgewänder, die zu Tsagaan Sar gehören wie Uutz oder Uvjuu und das Tabakdosenritual nur bewundern.
Während es in Ulaanbaatar doch recht kalt für einen echten Frühlingsanfang war, strahlte der Himmel über Berlin in Mongoleiblau und die Temperaturen ließen längere Aufenthalte im Freien durchaus zu.
Und wie es Brauch an diesem wichtigsten mongolischen Familienfest ist, begab sich auch der Botschafter höchstpersönlich auf den Weg zu älteren mongolischen Bürgern in der deutschen Hauptstadt, um ihnen feierlich zum neuen Jahr zu gratulieren.


O. Dashmaa besingt die vier Jahreszeiten

29 Neujahrskinder in Ulaanbaatar
Zwischen 19:00 Uhr des ersten Tages im blauen Schafjahr (19. Februar) und 07:00 Uhr am 20. Februar erblickten in Ulaanbaatar 29 Babys das Licht der Welt.
In „Urguu", der Entbindungsklinik Nr. 1 wurden 12 Jungen und acht Mädchen geboren, in „Khuree", der Entbindungsklinik Nr. 2 zwei Jungen und drei Mädchen und in der Entbindungsklinik in Amgalan zwei Jungen und zwei Mädchen.

Sanjaadamba gewinnt Tsagaan-Sar-Ringen
Landeselefant Chimedregzengiin Sanjaadamba aus dem Khashaat-Sum im Arkhangai-Aimag hat das Turnier im traditionellen Ringen anlässlich des Mondneujahrsfestes 2015 gewonnen.

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann


   

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Last Update: 01. Januar 2017