Neues aus der Mongolei
29. Dezember 2014 bis 4. Januar 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar


Präsident Ts. Elbegdorj in Erdenet. Foto president.mn

Neujahrsansprache des mongolischen Staatsoberhauptes
Präsident Ts. Elbegdorj hatte sich in diesem Jahr einen ungewöhnlichen Ort für seine Neujahrsansprache an das mongolische Volk gewählt.
„Vor 33 Jahren habe ich hier mein Arbeitsleben begonnen. Zu dieser Zeit war das Molybdän-Kupfer-Kombinat in Erdenet das größte Industrieunternehmen des Landes.
Viel hat sich seitdem getan", begann der Präsident, sichtlich gut gelaunt, seine Neujahrsansprache in Erdenet-Stadt.
Von einem von der Viehwirtschaft geprägten Land habe sich die Mongolei zu einem modernen Industrie-Agrarstaat entwickelt.
2014 verzeichnete das Land eine positive Handelsbilanz, der Viehbestand erreichte fast 52 Millionen, im vergangenen Frühjahr erhöhte sich die Anbaufläche auf 313.000 Hektar, 520 000 Tonnen Getreide wurden geerntet, der höchste Wert seit 17 Jahren.
Das Ansehen der Mongolei und seiner Bürger in der Welt habe ein hohes Niveau erreicht, wirtschaftliche Fortschritte und die Erfolge bei der Demokratisierung des Landes würden von namhaften Politikern in der ganzen Welt geschätzt.
2015 werde für die Mongolen ein wichtiges Jahr werden. „Nicht nur erwarten wir die Geburt des dreimillionsten Mitbürgers, die Mongolei wird Gastgeberin für bedeutende internationale Veranstaltungen sein.
Der Präsident wünschte seinen Landesleuten ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr sowie Kraft und Durchsetzungsvermögen für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben.

Die Mongolei wartet auf ihren dreimillionsten Bürger
Der dreimillionste Bürger der Mongolei werde im Januar 2015 erwartet, verlautete aus dem nationalen Statistikamt.
Zwischenzeitlich kursierte in mongolischen Medien der 04. Januar als Datum.
Nach einem Beschluss der Regierung wird je ein Baby aus den 21 Aimags und aus den neun Ulaanbaatar-Stadtbezirken als dreimillionster Bürger anerkannt.
Jedem der 30 Babys stehen dann eine Wohnung oder der entsprechende Geldwert (70 Millionen Tugrug) sowie eine Unterstützung (monatlich?) in Höhe von drei Millionen Tugrug zu.
Eine Geburt per Kaiserschnitt könne nicht berücksichtigt werden.
Der einmillionste Bürger war 1962 geboren worden, der zweimillionste 1988.
25 Neugeborene aus Ulaanbaatar und den Aimags waren damals als zweimillionste Bürger identifiziert worden.
Die Livezählung des Bevölkerungswachstums auf der Website des Nationalen Amtes für Statistik ist für die Mongolei vorübergehend ausgesetzt worden.
www.nso.mn

Gegen Kürzungen des Kindergeldes
Ministerpräsident Saikhanbileg hatte unbeliebte Entscheidungen angekündigt.
So soll die Zahlung des monatlichen Kindergeldes in Höhe von 20.000 Tugrug an die Einkommen der Eltern gekoppelt werden. Wer mehr als eine Million Tugrug im Monat verdient, solle künftig kein Kindergeld mehr bekommen, auch die Zahlungen im Zusammenhang mit den Mütterorden sollen gestaffelt werden.
Dagegen haben die Frauen in der Großen Staatsversammlung Widerspruch eingelegt.


103 Jahre Befreiungsrevolution. Foto news.mn

103 Jahre Befreiungsrevolution
Aus Anlass des 103. Jahrestages der Befreiungsrevolution von 1911 legten Präsident Ts. Elbegdorj, der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold und Ministerpräsident Ch. Saikhanbileg am Staatssiegeldenkmal im Park an der Nordseite des Regierungspalastes Blumen und Kränze nieder.
Die vier Seiten des Denkmals zeigen die Staatssiegel des mongolischen Großreiches, des Bogd-Khaan-Staates (1911-1924), der 1924 gegründeten Mongolischen Volksrepublik und des 1992 proklamierten demokratischen Staates Mongolei.
Bewacht werden die Siegel von einem Tiger.
An der Basis des Denkmals sind umlaufend 168 historische Brandzeichen mongolischer Familien, Sippen und Stämme zu sehen.
Am selben Tag wurde das Porträt des ersten Ministerpräsidenten der Mongolei Sain Noyon Khan Tugs-Ochiryn Namnansuren der Ehrengalerie im Regierungspalast hinzugefügt.


T.-O. Namnansuren. Foto open.parliament.mn

Der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung würdigte Namnansuren als einen der Wegbereiter für den Parlamentarismus in der Mongolei.
1912 zum Ministerpräsidenten ernannt, weilte er zu Studienzwecken zwischen 1913 und 1914 in Russland und gehörte nach seiner Rückkehr zu den Mitbegründern der aus einem Ober- und Unterhaus bestehenden Staatsversammlung während der Bogd-Khaan-Periode.
Der VIII. Bogd-Gegeen, als weltliches Oberhaupt des Staates seit 1911 auch Träger des Titels Bogd-Khaan, hatte ihn zum Vorsitzenden des Oberhauses berufen.
Das Porträt des Fürsten war von Dr. S. Chuluun im Foto-, Audio- und Videoarchiv von Saint Petersburg (Russland) kopiert worden.
Ebenfalls anlässlich des 103. Jahrestages der Wiedererlangung von Freiheit und Unabhängigkeit der Mongolen wurde im vom I. Javzandamba Khutagt Undur Gegeen Zanabazar gegründeten Shankh-Kloster oder Baruun Khuree im Kharkhorin-Sum im Uvurkhangai-Aimag am 30. Dezember das Hissen der ersten mongolischen Staatsflagge zelebriert.
Den Beschluss, eine Staatsflagge zu kreieren, hatte die mongolische Regierung unter dem VIII. Javzandamba Khutagt Bogd Gegeen im Dezember 1911 gefasst.
An der Zeremonie in diesem Jahr nahmen neben Würdenträgern der Klöster, Repräsentanten von Behörden und Organisationen teil.
Arbeitsminister S. Chinzorig hatte die Regierung vertreten.

Enkhbold lehnt Entschuldigung ab
Der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold hat es abgelehnt, sich für seine Äußerungen zur Arbeit des Nationalen Fernseh- und Rundfunks zu entschuldigen.
Im Zusammenhang mit der Neuwahl des Rundfunk- und Fernsehrates hatte Enkhbold den staatlichen Fernseh- und Rundfunk als schwierige Behörde bezeichnet, in der 700 Mitarbeiter die Arbeit erledigten, für die bei den privaten Fernsehsendern 100 ausreichten. Außerdem würden über die Maßen Wein und Arkhi konsumiert.
Die neu berufenen Ratsmitglieder sollten mit dem zuständigen Ausschuss eng zusammenarbeiten.
Daraufhin forderte der Generaldirektor des Nationalen Fernseh- und Rundfunks M. Naranbaatar, für diese Beleidigung, die auch die künstlerischen Mitarbeiter einschließen würde, sollte der Vorsitzende der Staatsversammlung um Entschuldigung bitten.
Enkhbold erklärte, er bitte bei allen tüchtigen Mitarbeitern der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten gern um Entschuldigung, da seine Äußerungen offensichtlich bewusst falsch interpretiert worden seien.
Einen Grund, bei Naranbaatar und den mit ihm verbundenen Kreisen um Entschuldigung zu bitten, sehe ich nicht, so der Vorsitzende der Staatsversammlung.

Rücktritt des Generaldirektors des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens
Auf der Tagung des Nationalrates des Mongolischen Nationalen Öffentlichen Radio- und Fernsehfunks am 02. Januar wurde der Generaldirektor M. Naranbaatar von seiner Funktion entbunden.
Naranbaatar hatte diese Funktion seit 2006 inne.
Beschlossen wurde ferner, die Zahl der Mitarbeiter des staatlichen Rundfunks und Fernsehens von 741 drastisch zu reduzieren.
Für die Vorbereitung des entsprechenden Gesetzes wurde eine Arbeitsgruppe gegründet.

Landwirtschaftsministerin trifft deutschen Botschafter
Bei einem Treffen der Ministerin für Landwirtschaft und Nahrungsgüter R. Burmaa mit dem Botschafter der BR Deutschland in der Mongolei S. E. Gerhard Thiedemann am 30. Dezember ging es u. a. um die Fortführung der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen den Landwirtschaftsministerien beider Länder.
Im Rahmen des 2011 beschlossenen Projektes „Nachhaltige Entwicklung der Deutsch-Mongolischen Landwirtschaft" wurde modernste Technologie zum Raps- und Kartoffelanbau aus Deutschland eingeführt, Erfahrungen ausgetauscht und seit 2013 im Zentralaimag Raps und Kartoffeln angebaut, wobei Landwirtschaftsunternehmen aus Deutschland und in Khushaat im Selenge-Aimag eng zusammenarbeiten.
In der zweiten Stufe des Projektes soll die Zusammenarbeit auf die Milchwirtschaft ausgedehnt werden, in Zukunft sollen auch die Gründung und die Arbeit von Viehhaltergenossenschaften unterstützt werden.
Ministerin Burma sagte ihre Teilnahme an der „Internationalen Grünen Woche" 2015 in Berlin zu.

„Gläsernes Konto"
Der Chef der Staatskanzlei S. Bayartsogt informierte am 31. Dezember über Inhalt und die Ziele des Gesetzes über das Gläserne Konto, das ab 01. Januar 2015 in Kraft tritt.
Eine Website www.shilendans.gov.mn ist eingerichtet worden, um größtmögliche Transparenz der finanziellen Transaktionen, Investitionen, Ausschreibungen, des Staatshaushalts sowie der kommunalen Haushalte zu gewährleisten. Einbezogen sind 6.088 Einrichtungen, darunter die Büros des Präsidenten, der Regierung, der Großen Staatsversammlung, die staatlichen Agenturen, die von den Kommunen finanzierten Organisationen und die Staatsunternehmen
Die Website soll den Bürgern den direkten Zugang zu Informationen über die Staatsfinanzen erleichtern.
Die regelmäßige Wartung obliege dem Finanzministerium.

Viehzählung 2014
Am 29. Dezember veröffentlichte das Nationale Amt für Statistik die vorläufigen Ergebnisse der diesjährigen Viehzählung.
Das Endergebnis der Viehzählung, einschließlich der Haustiere (der gefütterten Tiere wie Schweine und Geflügel), soll bis zum 10. Januar veröffentlicht werden.
Demnach erreichte der Viehbestand am Ende des Jahres 2014 51,9 Millionen Stück, 6,8 Millionen oder 15,1 Prozent mehr als 2013.
Davon sind 2,9 Millionen Pferde, 3,4 Millionen Rinder, 349.300 Kamele, 23,2 Millionen Schafe und 22 Millionen Ziegen.
Pferde stellen 5,8 Prozent, Rinder 6,6, Kamele 0,7, Schafe 44,7 und Ziegen 42,3 Prozent des gesamten Herdenbestandes, damit sank der Anteil an Ziegen um 0,3 Prozent, der der Rinder und Schafe erhöhte sich um 0,2 bzw. 0,3 Prozent. Bei Pferden und Kamelen gab es keine Veränderungen.
Während sich in 20 Aimags der Viehbestand im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat, sank er im Orkhon-Aimag um 55.900 Stück.
In 12 Aimags sowie in Ulaanbaatar werden alle fünf Tierarten (Tavan Khoshuu Mal) gehalten.
Arkhangai ist der Aimag mit dem höchsten Viehbestand: 4,3 Millionen Stück, gefolgt vom Zentralaimag mit 4,2 Millionen.
In Ulaanbaatar wurden 385.161 Tiere gezählt, 56.052 mehr als 2013. Davon waren 33.862. Pferde, 76.561 Rinder, 154 Kamele, 178.755 Schafe und 115.829 Ziegen.

Statistik November 2014
Nach Angaben aus dem Nationalen Amt für Statistik betrug das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal sieben Prozent, die Arbeitslosigkeit 6,4 Prozent und die Inflationsrate erreichte 11,5 Prozent.
In den ersten elf Monaten des Jahres konnte ein Außenhandelsüberschuss von 358,2 Millionen USD erzielt werden.

Dramatischer Anstieg der Teenager-Geburten
In den vergangenen beiden Jahren haben 3.589 mongolische Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind geboren.
40 Prozent von 1.000 Geburten entfielen somit auf Teenager.
Teenagerschwangerschaften werden oft auf ungeschützten Sex und/oder sexuelle Gewalt zurückgeführt.
Diskriminierung der betroffenen Mütter, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Selbsttötungen gehören zu den negativen Folgen von Teenagerschwangerschaften.
Das Princess Center in Ulaanbaatar hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Eltern der jungen Mädchen und die Mädchen frühzeitig aufzuklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und gegebenenfalls Hilfe anzubieten.

17 Feuerwehreinsätze in der Neujahrsnacht
In der Nacht vom 31. Dezember 2014 zum 01. Januar 2015 wurden Feuerwehr und Rettungskräfte Ulaanbaatars zu insgesamt 17 Einsätzen gerufen.
In der kalten Jahreszeit erhöhte sich die Brandgefahr in Wohnhäusern und Gervierteln, Bewohner und Nachbarn sollten besonders aufmerksam sein, Heizungen und Elektrik regelmäßig überprüfen, rieten Mitarbeiter des Katastrophenschutzes.

Luft- und Bodenverschmutzung verringern
Die Ulaanbaatar-Stadtverwaltung plant für das erste Quartal 2015 den Umzug von weiteren 4.000 Familien aus den Gervierteln in Wohnungen.
Im Oktober 2014 waren die ersten 168 Familien aus dem VI. Wohnviertel im Songinokhairkhan-Stadtbezirk aus ihren Gers in moderne Wohnungen gezogen.
Die Luft- und Bodenverschmutzung, die besonders in den Gervierteln die Gesundheit der Bewohner beeinträchtigt, soll durch die Verringerung der Zahl der Gersiedlungen dauerhaft verringert werden.
Auch die Übertragung von Bodeneigentum über das Internet verläuft erfolgreich.
15.000 Bürger konnten auf diesem Wege Bodeneigentum erwerben und registrieren lassen.

Soll die AdW aufgelöst werden?
20 Mitglieder der Großen Staatsversammlung haben sich am 25. Dezember mit der Forderung an Ministerpräsident Ch. Saikhanbileg gewandt, die Regierungspläne, die AdW-Institute mit den staatlichen Universitäten zusammenzulegen, aufzugeben.
Keinesfalls gäbe es internationale Beispiele, wonach Wissenschaft nur an Universitäten gefördert würde oder wo Wissenschaftsakademien ohne angeschlossene Institute existierten.
Zudem würde die Umsetzung dieses Beschlusses mitnichten positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung nach sich ziehen oder gar helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden.

„Neujahrsbaum-Festival"
Der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold war Ehrengast auf der vom Kinderpalast organisierten Neujahrsbaumfeier am 30. Dezember.
Vor 57 Jahren zum ersten Mal im Kinderpalast organisiert, hatten auch in diesem Jahr wieder Kinder aus allen Stadtbezirken Ulaanbaatars Spaß und Freude an ihren Geschenken und an den Vorstellungen von Kindern aus den künstlerischen Freizeitzirkeln der verschiedenen Kindergärten, Schulen oder des Kinderpalastes.
Enkhbold riet den Teilnehmern, fleißig zu lernen und zu lesen, um ihre Fähigkeiten und Talente entdecken und entwickeln zu können und wünschte allen ein gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr.

Deutschland immer noch unter Besatzungsrecht?
Am 30. Dezember 2014 veröffentlichte sonin.mn ein Interview mit Prof. Dr. J. Foschepoth, das dieser den „Tagesthemen" am 15. Juli 2013 gegeben hatte und in dem er die These vertrat, faktisch stehe Deutschland noch unter Besatzungsrecht. (Anlass des Interviews war die NSA-Affäre).
Sonin.mn zeigt Videos mit dem Originalton Prof. Foschepoths sowie in russischer Übersetzung und eine mongolische Übersetzung.
Der Wissenschaftler Kh. Bolorbold fragt, ob angesichts dieser Situation die Worte „3. Nachbar", „Demokratie", „Freiheit" und „Unabhängigkeit" nicht leere Phrasen seien.

Landesmeister S. Munkhbat gewinnt Pokal des Präsidenten
Beim Turnier im traditionellen mongolischen Ringen zu Ehren des 103. Jubiläums der Befreiungsrevolution von 1911 konnte S. Munkhbat aus dem Baruunturuun-Sum des Uvs-Aimags den Siegerpokal aus der Hand von Präsident Ts. Elbegdorj entgegennehmen.
In der Schlussrunde besiegte Munkhbat Landeshabicht T. Usukh-Ireedui aus dem Orkhontuul-Sum im Selenge-Aimag.
Für die vierte Auflage des Turniers, das gemeinsam vom Mongolischen Ringerverband und dem Präsidialamt organisiert wird, hatten sich 128 Ringer qualifiziert.


Im Himmel über Ulaanbaatar

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann


   

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Last Update: 01. Januar 2017