Neues aus der Mongolei
5. bis 11. Januar 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar

Mongolen trauern mit dem französischen Volk
„Wir trauern mit allen Franzosen und allen freiheitsliebenden Menschen auf der Welt um unsere Kollegen von „Charlie Hebdo" und die anderen Opfer des Mordanschlages vom 08. Januar in Paris".
Mongolische Journalisten aller Medien hatten am Abend des 09. Januars eine Gedenkstunde auf dem Chinggis-Khaan-Platz organisiert.
Hunderte Kerzen wurden entzündet.
Zu den Teilnehmern der Lichterzeremonie gehörten auch Vertreter der französischen Botschaft in der Mongolei.

Demonstration für mehr Gehalt
Etwa 200 Lehrer allgemeinbildender Schulen sowie Krankenhausärzte demonstrierten am 09. Januar auf dem Chinggis-Khaan-Platz für mehr Gehalt.
Angemeldet waren 10.000 Demonstranten.
Die Lehrer und Ärzte wenden sich gegen die Beschlussvorlagen der Regierung, wonach es keine Möglichkeiten für Lohn-, Gehalts- und Sozialhilfeerhöhungen gäbe.
Mit Plakaten und Losungen wie „Wir sind keine Schuldner", „Die Machthaber sollen bei sich selbst anfangen, Kosten einzusparen" oder „Wir wollen im Heimatland gut leben" unterstrichen sie ihre Proteste und Forderungen.
Das Durchschnittsgehalt der Lehrer und Ärzte liege bei 500.000 Tugrug, das reiche hinten und vorne nicht. Im Haushalt des vergangenen Jahres wären 500 Milliarden Tugrug für Gehaltserhöhungen vorgesehen gewesen. Was ist mit diesem Geld geschehen? fragten die Demonstranten.

Kürzungen von Sozialleistungen?
Die von der Regierung vorgeschlagenen Kürzungen beim Mütter- und Kindergeld stoßen auf den Widerstand der Miniopposition in der Staatsversammlung und bei den weiblichen Abgeordneten.
Finanzminister J. Erdenet hält dem entgegen, dass es keinerlei Spielraum für Gehaltserhöhungen (Lehrer und Ärzte fordern zwischen 30 und 60 Prozent mehr Gehalt) gäbe.
Das Müttergeld würde auch nicht komplett gestrichen. Es würde nicht mehr 12, sondern nur noch sieben Monate gezahlt.
Arbeitslose Mütter würden die Zahlungen weiterhin 12 Monate lang erhalten.
In Zeiten des überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums hätten die Regierungen die Sozialleistungen erhöht, ohne an schwierigere Zeiten zu denken.
Die Staatsschulden müssten verringert werden.
Die Debatte um den Haushalt 2015 in der Großen Staatsversammlung wird fortgesetzt.
Gleichfalls gehen die Verhandlungen mit den ausgewählten Investoren für das Kohlevorkommen Tavantolgoi, die pünktlich am 05. Januar begonnen hatten, weiter.
Leiter der mongolischen Verhandlungsgruppe ist Staatsminister M. Enkhsaikhan.

Personalabbau
In Erfüllung der Regierungsvorgaben, Personal abzubauen, um die Staatsausgaben zu senken, kündigte der Minister für Wege und Verkehr N. Tumurkhuu Änderungen in der Struktur der Mongolischen Zivilluftfahrtbehörde an.
So wird es in Zukunft nur noch einen Stellvertreter geben, die Posten des Ersten und Zweiten Stellvertreters werden ersatzlos gestrichen.
Abteilungen mit ähnlichen Aufgaben werden zusammengelegt.
Die entsprechenden Richtlinien und Durchführungsbestimmungen sollen bis zum 25. Januar erarbeitet werden.

Neue Leitung beim Nationalen Fernsehen und Rundfunk
Am 05. Januar stimmten die Mitglieder des Nationalrates des Nationalen Rundfunks und Fernsehens einstimmig für die Ernennung der bisherigen Generalsekretärin der DP Ts. Oyundari zur neuen Direktorin des Mongolischen Nationalen Öffentlichen Rundfunks und Fernsehens.
Zu ihren ersten Amtshandlungen gehörte die Entlassung des Fernsehdirektors Ts. Lkhagvadash, der noch unter dem Exdirektor Naranbaatar berufen worden war.
Oyundari berief D. Enkhtuya zurück auf diesen Posten.
Künstlerische Mitarbeiter der Behörde dementierten Meldungen, sie hätten die Abberufung Oyundaris gefordert, da sie einer politischen Partei angehörte.

Ts. Munkhtur zum Chef der Nachrichtenredaktion des staatlichen Fernsehens gewählt
Der Berater des Ministerpräsidenten Ts. Munkhtur wurde zum neuen Direktor der Nachrichtenagentur des Mongolischen Nationalen Fernsehfunks gewählt.
Er löst S. Batzaya ab, die zuvor über Twitter ihren Rücktritt erklärt hatte.
Ts. Munkhtur hatte bis zu seiner Ernennung als Presseberater des Ministerpräsidenten bei den Fernsehnachrichten gearbeitet. Er war u. a. verantwortlich für Live-Interviews.

Neuer Chef der Behörde zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs
O. Magnai, der bisherige Chef der Behörde zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, hatte um seine Ablösung von diesem Posten gebeten. Er könne mit dem neuen Shadar Said Herrn Khurelsukh (MVP) nicht zusammenarbeiten.
Am 07. Januar wurde der Vorsitzende des Erneuerungskomitees der MVP T. Ayursaikhan zum neuen Leiter der Behörde ernannt.

Tod eines Häftlings
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der „Bewegung zum Schutz der mongolischen Flüsse und Seen" sowie „Gal Undesten" (Feuernation) informierte der Vorsitzende des Führungsrates von „Gal Undesten" Ya. Khundagnai über den Tod von S. Dashtseren.
Dashtseren gehörte zu den vier wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilten Umweltschützern.
Am 30. Dezember sei Dashtseren aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes im Gefängnis gestorben.
Der Gesundheitszustand von G. Boldbaatar sei ebenfalls besorgniserregend, dem Untersuchungsergebnis der Ärzte im 3. Krankenhaus, wonach er haftunfähig sei, hätten andere Gutachter widersprochen.
„Gal Undesten" erklärte, 2014 seien 56 Menschen wegen Krankheit in der Haft gestorben.
Familie und Unterstützer fordern eine Untersuchung des Todes von S. Dashtseren und haben ein entsprechendes Schreiben an Präsident Ts. Elbegdorj gerichtet.
„Wir kämpfen weiter für den Schutz der Umwelt und für die Freilassung unserer drei Mitglieder".

27.318 registrierte Straftaten
2014 registrierte die Polizei 27.318 Straftaten, 7,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Die Aufklärungsquote in der Hauptstadt hätte sich erfreulich entwickelt. Zurückzuführen sei dies auch auf Strukturveränderungen der Polizeidienststellen in den neun Duuregs.
Aus neun wurden 14 Dienststellen, so dass die Randbezirke effektiver in die Polizeiarbeit einbezogen werden konnten.
Nicht nur die Aufklärungsrate sei gestiegen, auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der Ordnungshüter.
Überdurchschnittlich zugenommen hätte die Zahl der Drogendelikte (Produktion, Transport, Konsum) hätte: von 29 im Jahr 2013 auf 51 im Jahr 2014.
Der materielle Schaden für Bürger und Unternehmen infolge der Straftaten betrug 148,3 Milliarden Tugrug. Bisher seien 29,4 Milliarden davon den Opfern zurückgezahlt worden.
Insgesamt wurden 27.475 Menschen Opfer von Verbrechen. 1.078 starben, 11.281 erlitten Verletzungen.

Dokumentation über mongolische Klöster im Internet
Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts von Mongolischem Kulturrat und Wissenschaftlern verschiedener Länder „Geschichte der mongolischen Klöster" wurde jetzt die dazugehörige Webseite online gestellt.
Sie präsentiert der Öffentlichkeit nicht nur die Geschichte von 1.000 Klöstern und Tempeln vor 1939 und der nach 1990 neu entstandenen bzw. wieder aufgebauten, sondern auch Biografien und Lebenserinnerungen der in den Klöstern und Tempeln tätig gewesenen Lamas und Lamaschüler.
Klosterpläne und Fotos, seltene historische und aktuelle, ergänzen das Werk.
www.mongoliantemples.com

Oliver Korff mit Khubilai-Khaan-Medaille ausgezeichnet
Am 10. Januar wurde dem deutschen Wissenschaftler Dr. Oliver Korff die höchste Auszeichnung der Mongolischen Akademie der Wissenschaften, die Medaille „Khubilai-Khaan" in Gold verliehen.
Mit der Auszeichnung wird der wertvolle Beitrag Korffs für die Entwicklung der Wissenschaften, insonderheit der internationalen Mongolistik gewürdigt.
Seit 1991 arbeitet der Deutsche eng mit dem Institut für Informatik, Sprache und Literatur der AdW zusammen.
Zuletzt erschienen ist „LaTeX for Mongolian", ein Übersetzungsprogramm zur Übertragung mongolischer, kyrillischer, tibetischer Buchstaben sowie der Soyombo-Schrift.
O. Korff war der Leiter einer Arbeitsgruppe mit Wissenschaftlern aus sechs Ländern, die den „Fünfsprachenspiegel", „das auf kaiserlichen Befehl" verfasstes Wörterbuch mit systematisch angeordnetem Wortschatz auf Mandschurisch, Tibetisch, Mongolisch, Türkisch und Chinesisch, herausgegeben hat.
Es erschien 2014 in zwei Bänden und wird durch ausführliche Kommentare in fünf Sprachen ergänzt.
Für den deutschen Teil zeichnete ebenfalls O. Korff verantwortlich.
Oliver Korff ist unter anderem Mitglied der Permanent International Altaistic Conference (PIAC).


V.L. H. Menk, Botschafter V. Purevdorj Foto: Privat

Freundschaftsmedaille für Schweizer Agronomin
Helene Menk, Landwirtschaftsexpertin aus Stein am Rhein (Schweiz), die sich seit 14 Jahren in der Mongolei engagiert, ist für ihre Verdienste beim erfolgreichen Wiederanbau einer vom Aussterben bedrohten Heilpflanze vom mongolischen Staatspräsidenten Ts. Elbegdorj mit der Freundschaftsmedaille ausgezeichnet worden.
Im Dezember 2014 konnte sie die Auszeichnung aus der Hand des mongolischen Botschafters in der Schweiz, S. E. V. Purevdorj, entgegennehmen.
Saposhnikova divaricata (mong. derevger jirgzruu) wird ausschließlich in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet.
Foto sh. www.cnseed.org/wp-content/uploads/Saposhnikovia%20divaricata%20seed%20Laserwort.jpg
Helene Menk hat nicht nur große Ausdauer bewiesen, die im Anbaugebiet [angefangen im Khalkh-Gol-Sum über Choibalsan und den Bayandun-Sum im Dornod-Aimag sowie über den Batshireet-Sum im Khentii-Aimag bis hin zum Dadal-Sum im Khentii-Aimag, wo zur Zeit die besten Erfolge erzielt werden] beheimateten Mongolen von der Möglichkeit des Anbaus und dem Nutzen der Pflanze zu überzeugen, sie hat darüber hinaus Koch- und Ernährungskurse sowie Englischkurse angeboten.


Erevger, Jirevger. Foto H. Menk, 2007

Außerdem hat sie sich für die Einführung bzw. die Nutzung von Drainage- und Bewässerungsanlagen, Solarkocher und Windenergie eingesetzt.
Es gab Zeiten, da dachte die Agronomin ans Aufhören.
Die sind vorbei.
Auch in Zukunft wird die Schweizerin die Feldarbeiten in der Mongolei, das gesamte Projekt, unterstützen.


Alles in Ordnung mit dem Baby und mit der werdenden Mutter

Warten, warten …
Im Januar 2015 werde der dreimillionste Bürger der Mongolei erwartet, verlautete aus dem Nationalen Amt für Statistik.
Die Identifizierung verlaufe nach genau festgelegten Kriterien, Manipulationen seien ausgeschlossen.
Gesundheitsbehörden und das Amt für Statistik arbeiteten eng und vertrauensvoll zusammen. Nach einem Beschluss der Regierung erhält der dreimillionste Mongole neben einer Urkunde eine Wohnung oder einen entsprechenden Geldbetrag in Höhe von 70 Millionen Tugrug.
In welchem Aimag, Sum oder Bag, in welcher Stadt oder in welchem Stadtbezirk von Ulaanbaatar das Baby zur Welt kommt, spiele keine Rolle.
Auch die im Ausland geborenen Kinder würden in die Zählung einbezogen.

 


Chinggis-Khaan-Platz mit dem Opern- und Ballettheater 2014. Foto J. Pienkniewski


Sukhbaatarplatz (heute Chinggis-Khaan-Platz) mit dem Opern- und Balletttheater im Januar 2002

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann


   

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Last Update: 01. Januar 2017