Neues aus der Mongolei
19. bis 25. Oktober 2015

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar


Sh. Abe und Ts. Elbegdorj im Staatsger. Foto Präsidialamt Mgl.

Ministerpräsident Abe in der Mongolei
Am 23. Oktober weilten der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und seine Frau Akie zu einem vierstündigen Arbeitsbesuch in der Mongolei.
Abe traf sich zu Gesprächen über die Vertiefung der bilateralen strategischen Zusammenarbeit mit Präsident Ts. Elbegdorj, Ministerpräsident Ch. Saikhanbileg und dem Vorsitzenden der Großen Staatsversammlung Z. Enkhbold zusammen.
Unter anderem unterzeichneten Außenminister L. Purevsuren und der Botschafter Japans in der Mongolei T. Shimizu ein Memorandum über die Zusammenarbeit beim Bau der Eisenbahn von Tavantolgoi nach Osten.
Der erste Bauabschnitt umfasst eine 455 km lange Strecke von der Kohlemine Tavantolgoi nach Sainshand.
Japan sagte Investitionen in Höhe von 110 Milliarden USD zu.
Japan versprach weiter Unterstützung für die Entwicklung der mongolischen Wirtschaft, darunter den Abschluss eines Freihandelsabkommens.

Außenminister Purevsuren in Italien
Auf Einladung seines italienischen Amtskollegen P. Gentiloni stattete Außenminister L. Purevsuren Italien am 23. und 24. Oktober einen offiziellen Besuch ab.
Purevsuren informierte sich in Mailand über die mongolischen Beiträge auf der EXPO-2015 sowie über die Erfahrungen Italiens bei der Organisation der EXPO-2015 sowie der ASEM-2014.

„Hauptstadt-Tag"
Am 29. Oktober begehen die Einwohner Ulaanbaatars das 376. Gründungsjubiläum ihrer Stadt.
Zum „Hauptstadt-Tag" hat die Stadtverwaltung ein umfangreiches Programm erarbeitet, das am 23. mit dem Kinderkonzert „Sterne der Zukunft" im Kinderpalast begann, es folgen Sportwettbewerbe, Foto- und Gemäldeausstellungen, Zeichenwettbewerbe, am 29. Oktober wird auf dem Chinggis-Platz in einer feierlichen Zeremonie die Stadtflagge gehisst, am Abend folgt im Kulturpalast ein Festkonzert und am 30. werden in der Industrie- und Handelskammer die Sieger im Schachwettkampf „Die Große Wanderung" ausgezeichnet.

Studentenproteste
Auf einer Pressekonferenz des Mongolischen Studentenverbandes am 19. Oktober in Ulaanbaatar forderte Verbandspräsident D. Batbayar die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung auf, den Studenten die gesetzlich verbriefte kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu ermöglichen.
Täglich erreichten den Verband Klagen von Mitgliedern, denen dieses Recht verwehrt worden sei.
Der Verband, der 110.000 Mitglieder vertritt, fordert eine kostenlose Nutzung nicht nur für eine Fahrt am Tag.
„Wir werden auf dem Chinggis-Platz ein behelfsmäßiges Büro einrichten, um Anfragen von Studenten zu bearbeiten und Beratungen anzubieten".
„Außerdem schließen wir nicht aus, demnächst einen Hungerstreik zu organisieren", so Batbayar zum Abschluss der Pressekonferenz.


Vertragsunterzeichnung zwischen DAI und Staatsuniversität. Foto H. Wittersheim, DAI

Feierliche Eröffnung der Großen Halle in Kharkhorin
In Begleitung von Bundespräsident J. Gauck bei seinem Staatsbesuch in der Mongolei vom 14. bis zum 16. Oktober war auch eine hochrangige Wissenschaftlerdelegation in die Mongolei gereist.
Die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Prof. Dr. F. Fless und der Rektor der Mongolischen Staatsuniversität Prof. Dr. R. Bat-Erdene unterzeichneten einen neuen Kooperationsvertrag zur weiteren archäologischen Erforschung der Städte Kharkhorin (Karakorum) und Khar Balgas (Kharbalgasun).


Eröffnung der Großen Halle. Foto H. Wittersheim, DAI.

Am 16. Oktober nahmen Fless und Bat-Erdene an der feierlichen Eröffnung der restaurierten Großen Halle (buddhistischer Tempel aus dem 13. Jahrhundert) auf dem Ausgrabungsgelände in Karakorum teil.


Vor der Eröffnung der Großen Halle

Leider war der Besuch des Bundespräsidenten in Karakorum wegen eines plötzlichen Wintereinbruchs abgesagt worden.
Das bedeutendste Ausgrabungsprojekt des DAI in der Mongolei war unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident R. Herzog während seines Staatsbesuchs in der Mongolei im September 1998 vereinbart worden.


Karakorum im August 2015

Letzte Ruhestätte für Agramba R. Sanjaijav
Am 21. und 22. Oktober, jeweils zwischen 09:00 und 17:00 Uhr, hatte die Bevölkerung Gelegenheit, dem in ewiger Meditationspose erstarrten mumifizierten Leichnam des Agramba Sanjaijav im größten Tempel des Gandanklosters ihre Ehrerbietung zu erweisen.
Der Agramba (oder Agrimba, einer der Titel für buddhistische Prediger und Geisterbeschwörer) lebte zwischen 1826 und 1905.
Am 24. und 25. Oktober wurde er in seine Heimat im heutigen Arkhangai-Aimag im Tsakhir-Sum überführt.
Auf dem Sodnomdarjaa-Berg (2.733 m ü. M.) soll er seine letzte Ruhestätte finden.
Die Einheimischen haben seit 1894 bis heute zwei in ewiger Meditationspose erstarrte Mumien, es handelte sich um Lehrer und Schüler, verehrt (viele Jahre nur heimlich).
Nach Bränden auf dem Sodnomdarjaa-Berg in den Jahren 1960 und 2002 waren die beiden Mumien an entferntere Orte verbracht worden.
Im Januar dieses Jahres war plötzlich einer der beiden Leichname verschwunden. Er wurde im Gehöft eines Ulaanbaatar-Einwohners gefunden.
Auch der zweite Leichnam soll nach gemeinsamen Ermittlungen und Forschungen von Bildungsministerium, Justizministerium, Gesundheitsministerium und lamaistischer Kirche in den Arkhangai-Aimag zurückgebracht und allen Gläubigen und interessierten Besuchern zur „Besichtigung" freigegeben werden.

Interdisziplinäres Symposium zur Kulturzerstörung
Zum Thema: „Angriff auf die Identität: Die Zerstörung von Kulturgut in bekannten und ungekannten Dimensionen" organisiert die Abteilung für Islamwissenschaften des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften sowie die Abteilung Christliche Archäologie des Instituts für Archäologie und Kulturanthropologie der Universität Bonn ein interdisziplinäres Symposium.
Datum: 30. und 31. Oktober 2015
Ort: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität und Akademisches Kunstmuseum
Kontakt: orthmann@uni-bonn.de und schrenk@uni-bonn.de


Wildpferde im Naturschutzgebiet Khustain Nuruu

 

Takhistute zur Ergänzung der Wildpferdeherde auf dem Weg in die Mongolei
Eine zweijährige Takhistute (Wildpferd-, Przewalskistute) aus dem Schaugehege der Sielmann-Stiftung Naturlandschaft Döbritzer Heide soll die bereits ausgewilderte Pferdeherde in der Gobi ergänzen.
Zunächst wurde sie in eine Außenstelle des Prager Zoos gebracht. Von hier wird sie 2016 mit anderen neu gezüchteten Takhis in ein Auswilderungsgehege in der Mongolei gebracht.
Erst nach längerer Akklimatisierung wird die Stute in die Freiheit entlassen.
Bereits 2012 sind zwei Stuten Greta und Xara aus der Döbritzer Heide erfolgreich in der Mongolei ausgewildert worden.
(Nach einer Pressemitteilung der Sielmann-Stiftung).

Mongoleikolloquien
„Von Steinzeitjägern und Nomadenkriegern: Deutsch-Mongolische Forschungen zur Archäologie der Mongolei" lautet das Thema des ersten Mongoleikolloquiums des Wintersemesters 2015/16 des Zentralasienseminars der Humboldt-Universität zu Berlin.
Den Vortrag wird Dr. Henny Piezonka von der Eurasien-Abteilung des DAI in Berlin halten.
Frau Piezonka gehörte 2005/06 zu den Teilnehmern der mongolisch-deutsch-russischen Ausgrabungen von Grabanlagen aus der Skythenzeit im Mongolischen Altai und war danach an Forschungsprojekten im Orkhontal und in der Gobi beteiligt.
Ort: Zenralasienseminar in der Invalidenstraße Berlin, Raum 507.
Zeit: 28. Oktober, 18:00 Uhr.
Die Abteilung für Mongolistik- und Tibetstudien des IOA der Uni Bonn lädt am 05. November von 18:00 bis 20:00 Uhr zum Mongolei-Kolloquium in die Abteilungsbibliothek in den Regina-Pacis-Weg in Bonn ein.
Dr. L. Munkh-Erdene vom Max-Planck-Institut für Ethnologische Forschung (Social Anthropology) spricht zum Thema: Making Mongolia Multi-Ethnic: Knowledge, Power and Identity.
Vortrags- und Diskussionssprache ist Englisch.  

Hausmesse
Vom 20. bis 22. November 2015, jeweils 10:00 bis 19:00 Uhr, findet im Mongoleizentrum in Bonn die traditionelle Hausmesse statt.
Vorgestellt werden neue Produkte aus der Mongolei.
Die Besucher können sich auf Rabatte und Überraschungen freuen.
Adresse: 53115 Bonn-Südstadt, Kurfürstenstraße 54.

24 Jahre Haft für G. Maralmaa
Die vor kurzem wegen der Tötung ihrer vierjährigen Tochter zu 24 Jahren Haft verurteilte G. Maralmaa ist am 16. Oktober im Haftkrankenhaus von einem Sohn entbunden worden.
M. hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt.
Nach der endgültigen Entscheidung des Berufungsgerichts von Ulaanbaatar wird sie in eine Frauenhaftanstalt verlegt, wo sie ein Jahr lang ihren Sohn selbst betreuen kann.

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt Renate Bormann


 

   

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Last Update: 01. Januar 2017