Neues aus der Mongolei
22. bis 28. Februar 2016

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar


Mongolei. Unter ewig blauem Himmel

ASEM 2016
Außenminister L. Purevsuren informierte am 26. Februar über den Stand der Vorbereitungen des XI. ASEM-Gipfeltreffens am 15. und 16. Juli dieses Jahres in Ulaanbaatar.
Bisher hätten Staats- und Regierungschefs aus 20 Ländern offiziell ihre Teilnahme zugesagt.
Außerdem würden 4.000 Delegierte und Medienvertreter erwartet.
Auf dem Treffen würden zehn Foren organisiert, die Arbeit der verantwortlichen Regierungsbehörden verlaufe erfolgreich.
Im Mittelpunkt der Debatten der asiatischen und europäischen Spitzenpolitiker auf dem 11. ASEM-Gipfel werden regionale und internationale Konfliktherde sowie die Möglichkeiten einer institutionalisierten Zusammenarbeit in Politik und Wirtschaft stehen.

Entwicklungsprogramm für die Regionen
Ministerpräsident Ch. Saikhanbileg hat in der „Stunde der Regierung" über die Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung der entfernten Regionen berichtet.
Unter anderem konnte er konstatieren, dass durch die Reduzierung der Preise für Kraftstoffe um 150 bis 350 Tugrug pro Liter ein ähnliches Preisniveau wie in der Hauptstadt erreicht werden konnte, die Arbeiten am Ausbau von befestigten Straßen zwischen Ulaanbaatar und den Aimagzentren würden erfolgreich fortgesetzt.
Weite Entfernungen wie in die Westaimags und zwischen den Aimags müssten jedoch durch schnellere und günstigere Flugverbindungen bewältigt werden.
Der Flugplatz in Khovd verfüge über befestigte Start- und Landepisten, so dass auch größere Maschinen hier landen und starten und die Aimags Bayan-Ulgii, Uvs und Gobi-Altai in kürzerer Zeit erreicht werden könnten.
Zudem müssten die Flugtickets billiger werden. Dies zu prüfen, beauftragte der Regierungschef die am Gespräch teilnehmenden
G. Nyamdavaa, Leiter der Zivilluftfahrtbehörde und T. Tamir, Direktor der „MIAT".
Khovd würde von Ulaanbaatar aus mit großen Maschinen angeflogen, von hier aus starteten kleinere Maschinen Richtung Bayan-Ulgii und Zavkhan oder Gobi-Altai.
Bedeutsam seien diese Entwicklungen auch für den Tourismus: Verbindungen Hongkong-Ulaanbaatar-Khovd, Berlin-Ulaanbaatar-Bayan-Ulgii, verschiedene Städte in China und Russland müssten über eine Fluggesellschaft gebucht werden können, die Serviceleistungen verbessert werden.
Die „MIAT" könnte dabei von privaten Fluggesellschaften wie „Aero Mongolia" unterstützt werden.
Ab 15. April soll Richtung Westen nach den neuen Richtlinien verfahren werden, versprach Tamir.

Keine Vereinigung vor den Wahlen
Auf einer Pressekonferenz der MRVP-Generalsekretärin B. Tulga und des MVP-Generalsekretärs D. Amarbayasgalan betonten beide Seiten ihre Absicht, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten.
Eine förmliche Vereinigung beider Parteien vor den Wahlen schlossen sie hingegen aus.

Der Kampf geht weiter
Die Umweltschutzgruppen „Noyon Uul Avarya", „Gal Undesten" und „Bosoo Khukh Mongol" haben angekündigt, den Kampf gegen die Zerstörung der geschichtsträchtigen Noyon-Uul-Region als Folge der Ausbeutung der 75-Tonnen-Goldlagerstätte seitens „Centerra Gold" nicht tatenlos zuzusehen.
Der Zerstörung der mongolischen Umwelt müsste endlich Einhalt geboten werden.
An der Pressekonferenz nahm auch der nach zwei Jahren Haft amnestierte Vorsitzende von „Gal Undesten" Ts. Munkhbayar teil.
Für mehr Informationen sh. auch:
http://www.globalresearch.ca/foreign-mining-state-corruption-and-human-rights-in-mongolia/5367622


Mit den Augen von Frauen Foto dnn.mn

„Mit den Augen der Frauen"
„Mit den Augen von Frauen: die Entstehung einer Zivilgesellschaft" ist das 11. Forum der Organisation in der kommenden Woche im Chinggis-Hotel überschrieben.
Die Teilnehmerinnen diskutieren die Qualität und Teilhabe der Zivilgesellschaft an der politischen Entscheidungsfindung, an der Entwicklung der Demokratie in der in der Mongolei.
Wie kann das Klima für die Arbeit und die Wirkung der Zivilgesellschaft verbessert werden?
Was muss getan werden, um die Demokratie zu festigen, die Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter zu schützen, eine echte Demokratie, eine gerechte und ehrliche Gesellschaft zu schaffen?
Am Forum werden Vertreter nationaler und internationaler Organisationen und verschiedener Gruppen teilnehmen.

„Tag der Patrioten"
Der Gründungstag der MVP (ab 1924 MRVP, ab 2010 MVP) wird in der Mongolei als „Tag der Patrioten" begangen.
In diesem Jahr wollen die beiden „Schwesterparteien" MVP und MRVP (2010) diesen Tag gemeinsam feiern.
Zu diesem Zweck haben die beiden Parteien eine Arbeitsgruppe aus sechs Personen, je drei von jeder Partei, gebildet.
Für den 29. Februar ist eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema: „Patrioten und Demokratie" geplant, am Chinggis-Khaan-Denkmal und am Sukhbaatardenkmal werden Blumen und Kränze niedergelegt, im Kulturpalast eine Festversammlung organisiert.
Auf der gemeinsamen Pressekonferenz unterzeichneten beide Generalsekretäre ein Kooperationsabkommen in Vorbereitung zur Würdigung dieses bedeutenden Ereignisses in der Geschichte der Mongolei:
Am 01. März vor 95 Jahren wurde die erste politische Partei der Mongolei gegründet.

Hilfe für die Aimags
Am 26. Februar hat das Rote Kreuz der Mongolei einen Hilfstransport in Richtung Arkhangai-Aimag auf den Weg geschickt.
Die elf Tonnen Hilfsgüter – u. a. Mehl, Reis, Zucker, Pflanzenöl, Tee – sind für 240 Familien in fünf Sums des Aimags bestimmt, die unter sehr schwierigen Frühjahrsweidebedingen leiden.


V. l. M. Reckordt , Philip Degenhardt, N. Movassat, J. Sanchir

Ressourcenfluch in der Mongolei?
„Extraktivismus am Beispiel der Entwicklungen in der Mongolei und Kirgistan und die Rolle deutscher Rohstoffpartnerschaften" lautete das Thema einer Diskussionsrunde in der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin am 24. Februar.
Die Zuhörer erlebten eine lebhafte und spannende Diskussion zu Fragen wie Rohstoffreichtum - Fluch oder Segen für das jeweilige Land und seine Bewohner und zum eher positiven? eher negativen? Beitrag Deutschlands für eine nachhaltige Entwicklung in den Partnerländern.
Zunächst gab Jargalsaikhany Sanchir vom Institut für Nachhaltige Entwicklung in Ulaanbaatar und Mitglied im Organisationskomitee des AEFP einen Überblick über die historische Entwicklung des Rohstoffabbaus in der Mongolei, den Übergang der Mongolei „vom Sozialismus zu einem neoliberalen Politik und Wirtschaftsmodell" und die aktuellen Probleme sowie die weltweiten Forschungen zu diesem Thema.
Sanchir schließt sich der These an, Rohstoffreichtum sei eher ein Fluch für die Länder, er behindere nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, behindere die Förderung des produzierenden Gewerbes und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen in größerer Zahl, fördere Korruption und Machtmissbrauch der einheimischen Eliten
Niema Movassat, MdB für die Partei Die Linke erläuterte die deutsche Regierungspolitik bezüglich der Sicherung von Nachschub an strategischen Rohstoffen für die deutsche Industrie sowie die Ergebnisse der Rohstoffpartnerschaften mit der Mongolei, Kasachstan und Peru.
Michael Reckordt von PowerShift e. V. befasste sich mit den ökologischen und sozialen Folgen des Abbaus in den Lagerstätten. Die Kohle- Gold- und Silberförderung erfolge oft zu für die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt nachteiligen Bedingungen. Seltene Erden gäbe es übrigens überall, der Abbau sei jedoch mit großen Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier verbunden.
Erdenechuluuny Dulamjav von World Garden Mongolia wies auf die repressive Politik der mongolischen Machthaber gegen Umweltschützer hin und verwies dabei auf den Fall des „Gal-Undesten"-Vorsitzenden Ts. Munkhbayar, der 2013 nach einer Protestaktion vor dem Regierungspalast zu 21 Jahren Haft verurteilt worden war. Erst kürzlich wurde er infolge einer Amnestie aus der Haft entlassen.
Auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum erklärte Sanchir, dass die mongolische Zivilgesellschaft noch zu schwach entwickelt sei, überdies sehr zersplittert.
In der Mongolei gäbe es z.B. keine einflussreiche politische Partei in der Großen Staatsversammlung, die sich „grünen Themen" verpflichtet fühlte.
Im Rahmen des Asia Europe People’s Forums (AEFP werden sich zivilgesellschaftliche Akteure aus Asien und Europa treffen und über mögliche Alternativen zur aktuellen Politik beraten.
Für mehr Informationen zu J. Sanchir sh. auch:
https://ie.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/proj_int_entwicklung/Veranstaltungs_Attachments__Flyer_/Seminar_withSanchir_Jargalsaikhan-10-02-2016_final2.pdf
Für mehr Informationen zum Bergbau in der Mongolei sh.
http://munx-tenger.de/index.php?id=75

Überlebenstraining in der Mongolei
Leonardo Di Caprio (The Revenant) gehörte zu den Gästen der amfAR-Gala in New York Anfang Februar und hat erfolgreich an einer Auktion für eine Mongoleiexpedition teilgenommen.
Für stolze 95.000 USD hat er das Recht erworben, an einer zehntätigen Mongoleiexpedition mit dem schwedischen Forscher Johan Ernst Nilson teilzunehmen, um seine während der Dreharbeiten zum Film „The Revenant" erworbenen Fähigkeiten im Wettbewerb mit anderen zu testen.
Unter anderem führt die Expedition an den Khuvsgul-See, die „Blaue Perle" der Mongolei, die Teilenehmer werden reiten und mit Falken jagen, gemeinsam mit einer Nomadenfamilie essen, in Gers übernachten.
Ein Ziel der Reise ist es, die gewohnte Komfortzone zu verlassen, eine „Reise ins Ich zu unternehmen, Dinge zu bewältigen, die sonst nicht zum Alltag der Reisenden gehörten", so Nilson gegenüber der New York Post.

Prostitution im Kosmetikstudio
Die Polizei hat in der Nacht zum 23. Februar im Kosmetikstudio „Jim" im Stadtbezirk Bayangol die 54-jährige Betreiberin U. festgenommen.
Sie wird beschuldigt, den Kosmetiksalon ohne Konzession betrieben zu haben und junge Frauen zur Prostitution angehalten zu haben.

„Home to Home, Ger to Ger"
Gate-Netzwerk, Tourismus, Kultur e. V. ist eine Organisation, die sich für sozial- und umweltverträgliches Reisen einsetzt, „sich dabei an ethnologischen Perspektiven orientierend, um klarer zwischen Reisenden und Bereisten vermitteln zu können".
Für den 15. März lädt Gate-Netzwerk zu einer Gesprächsrunde „Home to Home, Ger to Ger" ins Café „Hundertwasser" in Berlin ein, am 17. März nach Köln.
Anhand von Fallbeispielen schildern Sumesh Mangalasseri von „Kabani" aus Indien sowie Y. Bayarsuren und Z. Fromer von „Ger to Ger" aus der Mongolei, wie die Beteiligung der Familien an den Tourismusprogrammen ihr Leben verändert hat.
Zeit: 15. März, 18:30 Uhr
Adresse: Simon-Dach-Straße 39, Berlin-Friedrichshain.
Kontakt:
ChristinaKamp@web.de

Ergänzungen zu „Neues aus der Mongolei" vom 21.02. 2016
„Wo das Gras am höchsten wächst": Zu den Initiatoren und Organisatoren der Veranstaltung im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin am 19. Februar gehörte neben „Maidar e. V., „Nomad Citizens" und „Art Objective" auch die Otgonbayar-Stiftung aus München.
„Die verbotene Reise – Geschichte einer abenteuerlichen Flucht": Diese Veranstaltung in der Botschaft der Mongolei am 20. Februar in Berlin war gemeinsam von der Botschaft, Solongo Treml, der Otgonbayar-Stiftung und E. Dulamjav, Gründer der NGO „World Garden Mongolia" (Weltgarten der Bäume in der Mongolei) organisiert worden.

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt, Renate Bormann


 

   

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Last Update: 01. Januar 2017