Neues aus der Mongolei
21. bis 27. August 2017

Renate Bormann, Berlin


Minister Sergelen und Prinz Abdulrahman

Saudi-Arabien und Mongolei für engere Zusammenarbeit
Der Minister für Nahrungsgüter, Landwirtschaft und Leichtindustrie P. Sergelen hat am 22. August eine Delegation aus Saudi-Arabien unter Leitung von Prinz Abdulrahman bin Abdulaziz al-Saud empfangen.
„Wir sind ein Land mit vielen Fleischkonsumenten", erklärte der Prinz und schlug vor, in Vorbereitung für den Bau eines gemeinsamen Fleisch-Unternehmens eine Arbeitsgruppe zu bilden.
Gegenwärtig verfüge die Mongolei über Exportkapazitäten für 150.000 Tonnen Fleisch jährlich, erläuterte Minister Sergelen.
Der Viehbestand in der Mongolei hätte inzwischen 61,5 Millionen Stück erreicht.
Im vergangenen Jahr hätte die Mongolei 9.200 Tonnen Fleisch allein nach Russland und China exportiert, zwei mongolische Unternehmen Fleisch im Wert von zwei Millionen Stück Vieh in den Iran.
Der Iran habe angekündigt, wöchentlich 4.000 Tonnen Fleisch aus der Mongolei importieren zu wollen.
Dies übersteige jedoch zurzeit die vorhandenen Kapazitäten.
Während der Treffen mit den arabischen Gästen wurden Vereinbarungen für Fleischexporte nach Saudi-Arabien und für den Bau einer fleischverarbeitenden Fabrik in der Mongolei getroffen.
Der saudische Prinz ist auch von Präsident Kh. Battulga zu Gesprächen über eine Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit empfangen worden.

MVP-Abgeordnete fordern Rücktritt von Ministerpräsident Erdenebat
Das Mitglied der Großen Staatsversammlung T. Ayursaikhan hat am 23. August eine Petition mit der Forderung nach Rücktritt von Ministerpräsident J. Erdenebat eingereicht.
30 Mitglieder der regierenden MVP haben die Petition unterzeichnet.
Begründet wird die Forderung mit Verstößen Erdenebats gegen Gesetze und gegen die Interessen der Bevölkerung.
Seine Handlungen berücksichtigten lediglich die Interessen einer kleinen Gruppe von Menschen.
In Empfang genommen hat sie der stellvertretende Vorsitzende der Staatsversammlung Ya. Sanjmyatav.
Der Vorsitzende M. Enkhbold, gleichzeitig Vorsitzender der MVP und unterlegener Präsidentschaftskandidat war nicht anwesend.
M. Enkhbold sei krank, er werde über das weitere Vorgehen mit ihm konferieren, versprach Sanjmyatav.
Laut Gesetz muss innerhalb einer Woche der Ständige Ausschuss „Staatsaufbau" über den Antrag beraten, innerhalb von zwei Wochen die Staatsversammlung.

Antikorruptionskommission ermittelt gegen U. Khurelsukh
A. Uilstuguldur, der Berater von Shadar Said U. Khurelsukh, hat erklärt, die Vorwürfe der Antikorruptionskommission gegen Khurelsukh entsprächen nicht der Wahrheit.
Khurelsukh werde sich in den nächsten Tagen selbst äußern.
Dem Statement vorausgegangen war die Ankündigung der Antikorruptionskommission vom 25. August, Khurelsukh von der Staatsanwaltschaft vorladen zu lassen.
Ihm werde die Organisierung von „Lauschangriffen" vorgeworfen.

Khurelsukh reicht Rücktritt ein
Der stellvertretende Ministerpräsident Shadar Said U. Khurelsukh hat am 17. August Ministerpräsident J. Erdenebat um seine Entlassung gebeten.
Khurelsukh begründet den Antrag mit dem Versäumnis des Regierungschefs, Stellung im Fall der in den sozialen Medien verbreiteten Aufzeichnung eines Gesprächs über den Verkauf von Staatsposten für insgesamt 60 Milliarden Tugrug zwischen mehreren Politikern zu beziehen.
Er könne nicht länger mit einem Ministerpräsidenten zusammenarbeiten, dessen Politik nicht die Interessen des mongolischen Staates und der nationalen Sicherheit zum Ziel hat.
Laut Gesetz muss das Rücktrittsgesuch eines Regierungsmitglieds in der Staatsversammlung entschieden werden, nachdem es im zuständigen Ausschuss diskutiert wurde.
Bis zur endgültigen Entscheidung werde Khurelsukh seine Pflichten als Vizeregierungschef weiter erfüllen.

Wer wird sich durchsetzen?
In der MVP setzen sich die Auseinandersetzungen über die Schuldfrage nach der verlorenen Präsidentschaftswahl und über den richtigen Regierungskurs nicht nur zwischen den Flügeln, auch zwischen Personen unvermindert fort.
Der in die 60-Milliarden-Tugrug-Affaire involvierte Ts. Sandui hat eingeräumt, dass 2016 vor den Parlamentswahlen ein Gespräch u. a. mit M. Enkhbold über die Strategie der Partei stattgefunden habe.
Das Band mit den Aufzeichnungen habe er verloren.
Das von G. Dorjzodov veröffentlichte Material sei gefälscht, darüber herrschte zunächst Einigkeit innerhalb der MVP-Führung.
Das hat sich inzwischen geändert.
Ts. Nyamdorj erklärte in einem Fernsehinterview, er habe M. Enkhbold bereits 2016, nachdem die Aufzeichnungen zum ersten Mal Thema im Wahlkampf geworden waren, geraten, sich von Ts. Sandui zu trenne.
Das Gegenteil trat ein.
Nach den fulminanten Siegen der MVP bei den Wahlen zur Großen Staatsversammlung und zur Stadtverordnetenversammlung wurde Ts. Sandui zum Vorsitzenden der Ulaanbaatar-Stadtverordnetenversammlung gewählt.
Erdenebat wurde überraschend Ministerpräsident, da der MVP-Vorsitzende Enkhbold es vorgezogen hatte, Vorsitzender der Staatsversammlung zu werden.
Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann die Erdenebat-Regierung zurücktreten wird.
Beobachter vergleichen die Situation der MVP mit der der DP vor einem Jahr.
Hier hatte sich schließlich die Gruppe um S. Erdene (heute Parteivorsitzender) und Kh. Battulga (heute Präsident der Mongolei) durchgesetzt.
Gegen die Regierung Erdenebat gab es von Anfang an auch seitens der MVP heftigen Widerstand (vor allem gegen die Vereinbarungen mit dem IWF).
Nun wird spekuliert, dass U. Khurelsukh J. Erdenebat als Ministerpräsident ablösen könnte und/oder M. Enkhbold als Parteivorsitzenden.
Der einflussreiche MVP-Politiker Ts. Nyamdorj könnte dann M. Enkhbold als Vorsitzenden der Großen Staatsversammlung ablösen.
Ein Regierungswechsel bedeutete dann den 16. innerhalb von 25. Jahren. Eine stabile Regierungspolitik sähe anders aus, kritisieren die Anhänger eines Präsidialsystems.
Mehr Informationen zur 60-Milliarden-Tugrug-Frage finden Sie hier:
http://mayaguais.blogspot.de/2017/05/

Mitglied der Großen Staatsversammlung empfängt Abordnung des Lehrerkomitees
Das Mitglied der Großen Staatsversammlung N. Uchral hat am 24. August Vertreter des „Provisorischen Komitees zur Erhöhung der Lehrergehälter" empfangen.
Zunächst informierte Uchral seine Gäste über die Treffen mit dem Präsidenten des Verbandes Junger Lehrer und mit den Initiatoren für ein Gesetz zur Förderung der Lehrer.
Die Erhöhung der Lehrergehälter sei nicht nur eine Frage Ihres Komitees. Sie sind verantwortlich für die Bildung der Kinder der Bevölkerung und deshalb ist es ein Problem der gesamten Gesellschaft.
Ich persönlich kann Ihre Forderung nach Gehaltserhöhung nachvollziehen und werde die Forderung untertützen.
Schon in den Frühjahrssitzungen sei der Gesetzentwurf zur Förderung der Lehrer debattiert worden.
Für Gehaltserhöhungen wurde jedoch keine Möglichkeit gesehen.
Die Lehrerweiterbildung, die Ausbildung von mehr Lehrern, die vorrangige Einbeziehung der Lehrer in Programme wie Günstige Mieten seien aber durchaus als Unterstützung für die Lehrer zu werten.
Das Gesetz soll in den Herbstsitzungen beschlossen werden und würde ab 01. Januar 2018 in Kraft treten, erläuterte Uchral die Vorhaben der Staatsversammlung.

Güterverkehr zwischen China und Russland über die Mongolei wächst
Die Ulaanbaatar-Eisenbahn freut sich über den wachsenden Eisenbahntransitverkehr zwischen Russland und China.
In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sei er auf 1,67 Millionen Tonnen angestiegen. Das seien 18 Prozent mehr als 2016.
Russland hat die Lieferung von Rohöl nach China nach 12-jähriger Unterbrechung wieder aufgenommen.
In nur vier Monaten passierten 1.500 Waggons mit 89.219 Tonnen Rohöl von Russland über die Mongolei nach China.
Russland plane den Export von 400.000 Tonnen Rohöl nach China.
Gute Aussichten für die Einnahmen der Mongolei aus dem Transitgüterverkehr.


Mongolische Mannschaft Hongkong 2017. Foto gogo.mn

Asien-Gedächtnismeisterschaften
Vom 25.-27. August fanden in Hongkong die 2. Gedächtnismeisterschaften Asiens statt.
160 Gedächtnissportler aus elf Ländern kämpften um den Sieg in zehn Disziplinen.
Am ersten Tag siegte die Juniorenweltmeisterin und Internationale Meisterin des Sports Narmandakhyn Munkhshuur in der Kategorie Binärzahlen mit neuem Rekord (6.270 Ziffern.
Weltrekord erzielte die Gedächtnissportlerin auch in der Kategorie „Bilder".
Innerhalb von fünf Minuten konnte sie sich 349!!! Bilder merken.
Bei den Erwachsenen gewann der Internationale Meister des Sports E. Lkhagvadulam in der Kategorie „Zahlensturm".
Bereits am ersten Tag der Meisterschaften hat die mongolische Mannschaft 18 von insgesamt 27 Medaillen gewonnen, fünf bei den Erwachsenen und 13 bei den Junioren und Kindern.
Für mehr Informationen sh. auch:
https://memocamp.com/de/Gedaechtnistraining-mit-Memotechniken/wilkommen/disziplin_numbers
https://memocamp.com/de/Bestenliste/Weltrangliste/Sportlervergleich/4024/Munkhshur-Narmandakh


N. Munkhshuur. Foto news.mn

Der erste U-Bahnhof der Mongolei?
Zum Stadtentwicklungsprojekt „Autofreie Straße" (Tserendorj-Straße vom Kaufhaus Richtung ASA-Zirkus).
https://www.youtube.com/watch?v=JpDNdZIZoYI

 

 


Sommerhaussiedlung im Norden von Ulaanbaatar

 

 


auf dem Weg nach Nairamdal

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt, Renate Bormann


 

   

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Last Update: 27. August 2017