Neues aus der Mongolei
30. Januar bis 5. Februar 2017

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar


Leb wohl und Auf Wiedersehen, Franz

Nachruf Dr. Franz Horn - 1952 - 2017

„Und irgendwo sind immer Spuren Deines Lebens, Gedanken, Bilder, Augenblicke, Gefühle.
Sie werden uns immer an Dich erinnern und uns Dich nie vergessen lassen."

Aus Ulaanbaatar erreichte uns die traurige Nachricht, dass Franz Horn am 29. Januar nach schwerer Krankheit verstorben ist.
Bis zuletzt hat er seiner Frau Gabi, seinen Kindern, Enkelkindern, Verwandten und Freunden die Angst vor dem Schmerz, vor dem drohenden Verlust nehmen wollen.
„Der Tod ist nichts. Das, was ich für Euch war, bin ich immer noch".
Franz Horn wurde am 28. März 1952 in Bad Liebenstein in Thüringen geboren.
Nach seinem Studium der Geschichte und Ethnografie hat er bis 1996 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Afrikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin gearbeitet.
Bleibende Verdienste hat er sich um die erfolgreiche Organisation der internationalen wissenschaftlichen Konferenz „100 Jahre Kongo-Konferenz. Die Aufteilung Afrikas unter den Mächten Europas" im Jahr 1984 erworben.
Zwischen 1996 bis 2007 war er selbstständiger Galerist und Gastwirt in Berlin, ehe er 2008 seiner Frau Dr. Gabriele Nagy in die Mongolei folgte.
Doch das Land hatte ihn schon viel früher in seinen Bann gezogen. „Ohne meine Gabi hieße meine Gobi wohl immer noch Sahara oder Namib."
„Mehr als 30 Jahre habe ich mich als Historiker und Ethnologe mit Afrika und seinen Menschen beschäftigt. So durfte ich drei Kontinente tiefgehender entdecken. Das hat meine Sicht auf unseren Planeten nachhaltig geprägt".
Diese einzigartigen Sichtweisen spiegeln sich in seinen attraktiven, dabei spannenden und Neugier weckenden Fotoarbeiten wider.
Davon zeugt auch seine vielbeachtete Fotoausstellung „Stille und Weite. Eine Hommage an die Mongolei und ihre Menschen", die am 19. März 2009 in Ulaanbaatar eröffnet worden war.
Außerdem betätigte er sich als kenntnisreicher, engagierter Reiseführer und betrieb die Website „Massalla/Mazaalai/ Die Wüste Gobi in der Mongolei".
Sein grenzenloser Respekt vor dem Leben eines Menschen, eines Tieres oder einer Pflanze, sein Respekt vor den Meinungen der anderen, seine Lebensklugheit und sein Humor machten einen wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit aus, waren die Basis für die Wertschätzung, die er allerorten genoss.
Schmerzlich vermissen werden ihn auch die Kinder seiner Freunde, die Kinder an diversen Schulen in Ulaanbaatar, die Kinder der Botschaftsmitarbeiter, für die er jedes Jahr im Dezember den „wahrhaftigsten" aller Weihnachtsmänner verkörperte, der, der die Kinder ernst nahm mit ihren Fragen, ihnen aber auch nicht ihre Illusionen, ihre kindliche Unbekümmertheit nehmen wollte.
Lieber Franz, möge Dein Wunsch, in einer anderen Galaxie Halt zu finden, in Erfüllung gehen.

http://web112.lx7.ihr-host.de/massalla/exposee.php?idpro=540&id=3&start=0


Franz Horn. Nicht nur Landschaften, Jurten, Schafe und Reiter sind es wert, fotografiert zu werden

Abschluss der Herbstsitzungsperiode
Am 10. Februar werden die Herbstsitzungen der Großen Staatsversammlung beendet werden.
Begonnen hatten sie laut Gesetz am 01. Oktober 2016.
Beobachter erwarten in der Sitzungspause die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung.
Dann soll ein Programm zur Bekämpfung der Luftverschmutzung verabschiedet werden.

Sodnomsundui Erdene heißt der neue DP-Vorsitzende
Der Vorsitzende der DP-Wahlkommission J. Oyunbaatar hat in den frühen Morgenstunden des 30. Januar das offizielle Ergebnis der Wahl zum neuen Parteivorsitzenden bekannt gegeben.
Danach waren von den 176.000 registrierten Mitgliedern der DP 120.703 wahlberechtigt. 78,2 Prozent hatten schließlich ihre Stimme abgegeben.
Die Auszählung der Stimmen erfolgte nach einem vorher festgelegten Punktesystem.
D. Erdenebat erzielte 857 Punkte, J. Batzandan 1.110, L. Gantumur 1.417, N. Altankhuyag 2.033 und S. Erdene 2.920 Punkte.

Verhandlungen über Stand-by-Abkommen
Eine Delegation des Weltwährungsfonds verhandelt seit Anfang Februar mit Vertretern des Mongolischen Finanzministeriums und der Mongolbank über ein Bereitschaftskreditabkommen (Stand-By).
Sollten die Verhandlungen von Erfolg gekrönt sein, könnten als eine erste Rate 450 Millionen USD überwiesen werden.
Ursprünglich hatte sich die VR China bereit erklärt, der Mongolei einen Kredit über vier Milliarden USD zu gewähren. Aufgrund politischer Spannungen infolge des Dalai-Lama-Besuchs in der Mongolei im November 2016 hat China die Kreditverhandlungen zunächst abgebrochen.
Finanzminister Choijilsuren zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die chinesisch-mongolischen Beziehungen bald wieder einen Aufschwung erleben werden.
Einige Abgeordnete hätten Steuererhöhungen und eine Kürzung der Sozialleistungen vorschlagen. Diese Vorschläge hätten in der Staatsversammlung jedoch keine Mehrheit gefunden.


Februar in Terelj

Gesetz über den Kampf gegen häusliche Gewalt tritt in Kraft
Am 01. Februar ist das Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt in Kraft getreten.
Die Große Staatsversammlung hatte den Gesetzentwurf am 22. Dezember 2016 bestätigt.
In den vergangenen sechs Jahren haben 94 Menschen infolge häuslicher Gewalt ihr Leben verloren, 4.102 Menschen sind zum Teil schwer verletzt worden.
Das sind jedoch nur die von der Polizei aufgenommenen Fälle. Die Dunkelziffer ist hoch.
Nachbarn und Angehörige werden verpflichtet, gegebenenfalls die Polizei oder andere Behörden zu informieren.
Wiederholungstäter werden als Straftäter behandelt.
Die Polizei hat angekündigt, eine Abteilung für den Kampf gegen häusliche Gewalt und zur Prävention zu gründen.

Präsidentschaftswahlen 2017
Eine Mehrheit der Mitglieder der Großen Staatsversammlung hat für die Änderungen am Gesetz über die Präsidentschaftswahlen gestimmt.
Als Termin für die Wahlen wurde der 26. Juni 2017 festgelegt.
Mongolen, die im Ausland leben und arbeiten, können am 10. und 11. Juni in den jeweiligen diplomatischen Vertretungen der Mongolei ihre Stimmen abgeben

Die USA, der Dalai-Lama und China
Die VR China hat die USA aufgefordert, den Dalai-Lama nicht länger dafür zu benutzen, in China Spannungen zwischen den Nationalitäten und Religionen zu schüren.
Außerdem stehe die Ein-China-Politik nicht zur Debatte.
Der Dalai-Lama als geistliches und weltliches Oberhaupt Tibets war 1959 aus Tibet nach Indien geflüchtet.
Er hat zwar schon vor längerer Zeit versichert, lediglich das religiöse Oberhaupt der Tibeter und der Anhänger des tibetischen Buddhismus zu sein und auf jegliche politische Vertretung der Tibeter verzichtet.
China erkennt diese Haltung jedoch nicht an und wirft ihm unzulässige Einmischung in innerchinesische Angelegenheiten vor.
Taiwan wird von China nicht als abtrünnige Provinz betrachtet, sondern als untrennbarer Bestandteil der Volksrepublik.


Mitglieder des Pferdesportverbandes Khan Mongol entzünden die Festivalflamme. Foto news.mn

Wintersportfest
Am 04. Februar trafen sich in Khui Doloon Khudag bei Ulaanbaatar Wintersportenthusiasten und solche, die es werden wollen oder sollen aus Ulaanbaatar und der näheren Umgebung zum Wintersportfestival „Silbernes Ulaanbaatar".
In seiner Eröffnungsrede warb der Regierende Bürgermeister S. Batbold für mehr Interesse am Wintersport, für die Entwicklung des Wintertourismus in der Mongolei überhaupt.
Die Besucher konnten sich beim Schlittenfahren, Ski- und Schlittschuhlauf oder bei einer Fahrt mit dem Pferdeschlitten entspannen.


Weiße Speisen. Foto news.mn

Tsagaan Sar 2017
Am 04. Februar ist in der „Shangrila-Mall" in Ulaanbaatar eine Verkaufsausstellung mit einheimischen Produkten eröffnet worden.
Initiator ist das Unternehmen „Global Event".
Angeboten werden traditionelle Lebensmittel für das mongolische Mondneujahrsfest „Tsagaan Sar", traditionelle und moderne Kleidung wie Deels, Westen, Stiefel, Handschuhe, Germöbel und Schmuck.
Auch auf dem Platz der Unabhängigkeit zieht in jedem Jahr vor Tsagaan Sar der Verkauf von Hammelrücken, Rinderbrust, Tsagaan Idee (weiße Speisen – Milch, Sahne, Käse, Aaruul) viele Besucher an.
In diesem Jahr sind Viehhalter aus dem Arkhangai-Aimag angereist, um ihre Milchprodukte zu verkaufen und Ratschläge für die richtige Zubereitung zu geben.
Aus jedem Sum des Aimags beteiligen sich Viehhalter. Insgesamt haben sie 100 Tonnen Milchprodukte im Wert von 1,5 Milliarden Tugrug im Gepäck.
Eine Tonne Tsagaan Idee haben sie fünf Kindergärten in Ulaanbaatar gespendet.
Auch in der kommenden Woche eröffnen überall im Land und vor allem in Ulaanbaatar Tsagaan-Sar-Märkte.
Ein Ziel ist es, den Verbrauch im Land produzierter Lebensmittel anzukurbeln.
Jährlich würden Zucker und Süßwaren im Wert von 30-50 Millionen USD importiert.
Tsagaan Sar wird in diesem Jahr am 27. Februar gefeiert.
Am 26. endet das Jahr des roten Feueraffen, am 27. beginnt das Jahr des roten Feuerhuhns.


Gerviertel in Tsetserleg

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt, Renate Bormann


 

   

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Last Update: 05. Februar 2017