Neues aus der Mongolei
12. bis 18. Juni 2017

Renate Bormann, Ulaanbaatar


Eine geeinte Mongolei wird siegen. MVP-Wahlplakat

Präsidentschaftswahlen 2017
Der Kandidat der DP Kh. Battulga hat seine Mitbewerber um das Präsidentenamt M. Enkhbold (MVP) und S. Ganbaatar (MRVP) zu einer Fernsehdiskussionsrunde über „Mongol HD" im Livestream eingeladen. http://tv.onair.mn/watch/mongolhd.
Als Termin hat er den 24. Juni vorgeschlagen.
Der Verband der mongolischen Fernsehsender hatte bereits für den vergangenen Samstag eine Diskussionsrunde im Kulturpalast vorbereitet.
Kh. Battulga musste aus terminlichen Gründen absagen.
Eine Teilnahme Battulgas an der vom Mongolischen Nationalen Rundfunk und Fernsehen organisierten Fernsehdiskussionsrunde am 24. Juni wurde von der DP gleichfalls abgelehnt.


Die Mongolei wird siegen. DP-Wahlplakat

Das Nationale Fernsehen diene hauptsächlich den Interessen der machthabenden MVP.
Unter den Losungen „Die Mongolei wird siegen" (DP), „Es gibt einen anderen Weg. Vertrauen Sie uns" (MRVP) und „Eine geeinte Mongolei wird siegen" (MVP) reisen die Kandidaten durchs Land, um in der kurzen Wahlwerbekampagne möglichst viele Wähler in allen Aimags von ihren Programmen zu überzeugen.
Mitunter spielt jedoch das eigene Programm nur eine untergeordnete Rolle, Hauptziel scheint zu sein, den Mitbewerber zu diskreditieren.
Battulga werden unlautere Geschäftspraktiken vorgeworfen. Angeblich verfügt er über ein Milliarden-US-Dollar Offshore-Konto.
Dem MVP-Kandidaten soll die „60-Milliarden-Tugrug-Frage" schaden.
Es geht um die Anschuldigung, zwei MVP-Spitzenpolitiker (M. Enkhbold, Ts. Sandui, damals Ulaanbaatar-MVP-Vorsitzender, heute Vorsitzender der UB-Stadtverordnetenversammlung) und ein Geschäftsmann A. Ganbaatar hätten in einem Gespräch am 08. September 2014, das von 12:00 bis 13:30 Uhr dauerte, Überlegungen angestellt, wie durch den „Verkauf" von Posten Geld generiert werden könnte. Ein Staatsminister z. B. sollte eine Milliarde einbringen.
Von diesem Gespräch gäbe es einen Mitschnitt und der sei in die Hände eines jungen Mannes G. D. gelangt.
Bereits vor den Parlamentswahlen 2016 spielte das Band eine Rolle.
Die Polizei hatte seinerzeit befunden, es handele sich um eine Fälschung.
„Mitnichten" hält die DP dagegen, die Umsetzung des Plans sei doch im vollen Gang.
Die Polizei wollte D. als Zeugen befragen, der hatte sich sicherheitshalber zu Unterstützern geflüchtet.
Vom Haus der ehemaligen Abgeordneten Ts. Oyungerel aus erklärte er (Fernsehen und Reporter waren zur Stelle), er fürchte um seine Sicherheit.
Nun feiern ihn die einen als mongolischen Snowden, die anderen als geldgierigen Erpresser.
Die Mongolen wissen jedenfalls nicht so recht, wen sie wählen sollen.
Wahlversprechungen glauben sie schon lange nicht mehr.


Es gibt einen anderen Ausweg, Vertrauen Sie uns. MRVP-Wahlplakat

Der MRVP-Kandidat fühlt sich von den Medien diskriminiert, im 60-Milliarden-Tugrug-Fall unterstützt er G. D.
Verleumdungen und Lügen seien zu verachten, aber staatliche Gewalt gegen einen Bürger, wenn für die Machthaber der unliebsame Dinge anspricht, verletze die Meinungsfreiheit und schade der Demokratie.
Ganbaatar fordert übrigens die 100-prozentige Übernahme von Tavantolgoi und Oyutolgoi in Staatseigentum.


Empfang in der Botschaft anlässlich der Deutsch-Mongolischen Konsultationen. Botschafter Stefan Duppel begrüßt die Gäste

Deutsch-Mongolische Konsultationen
Bei politischen Konsultationen am 14. Juni in Ulaanbaatar besprachen Vertreter der beiden Außenministerien den Stand und die Perspektiven der Kooperation zwischen der Mongolei und Deutschland.
Sie tauschten sich über Maßnahmen zur weiteren Vertiefung der politischen, ökonomischen, militärpolitischen und bildungspolitischen bilateralen Zusammenarbeit aus sowie über regionale und internationale Kooperationsmöglichkeiten.
Außerdem bekräftigten beide Seiten ihre Absicht, die Vorschläge der mongolischen und deutschen Arbeitsgruppen zur Entwicklung der Zusammenarbeit in Industrie, Bergbau und Technologie zu unterstützen.
Die deutsche Delegation stand unter Leitung des Asienbeauftragten des Auswärtigen Amtes Dr. Riedel, die mongolische wurde angeführt vom Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten D. Davaasuren.
Am Abend hatten Botschafter Stefan Duppel und seine Frau Elena Alonso Frayle zu einem Empfang in die deutsche Botschaft geladen.
Der Einladung gefolgt war u. a. das Mitglied der Großen Staatsversammlung Luvsanvandangiin Bold.


V.l. E. Shuteen, M. Zenker, M. Erian, D. Novakov

Für die musikalische Umrahmung sorgte ein Jazzquartett: Prof. Martin Zenker, Leiter des Goethe Musik-Labors in Ulaanbaatar, Saxophonist Prof. Michael Erian, Schlagzeuger Dušan Novakov (beide Österreich), am Jazz-Piano E. Shuteen, Studentin am Konservatorium Ulaanbaatar.

Neuer Vorsitzender des Verfassungsgerichts gewählt
Die Mehrheit des neun Mitglieder zählenden Verfassungsgerichts hat D. Odbayar, Mitglied der Großen Staatsversammlung von 2008 bis 2016, Minister für Justiz und Inneres von 2006 bis 2007 am 14. Juni zum Vorsitzenden gewählt.
Im November 2016 war Odbayar von der Staatsversammlung zum Richter am Verfassungsgericht berufen worden.
Die Amtszeit beträgt zunächst drei Jahre, danach kann er höchstens einmal wiedergewählt werden.

Ulaanbaatar-Dialog
An der 4. Internationalen Konferenz des „Ulaanbaatar-Dialogs zu Fragen der Sicherheit in Nordostasien" am 15./16. Juni im Außenministerium nahmen außer Nordkorea, Südkorea, der Mongolei, China, Russland und Japan auch Vertreter der USA, Deutschlands, Kanadas und Frankreichs sowie der UNO, des UN-Naturschutzprogramms, der EU und der internationalen Energieagentur teil.
Insgesamt debattierten 150 in- und ausländische Politiker und Wissenschaftler in zwei Plenarsitzungen den „Paradigmenwechsel im Sicherheitsumfeld Nordostasiens" und „Der Weg vorwärts: Verbesserung der Sicherheitslage in Nordostasien" sowie in zwei Teilsitzungen die Themen Energie und Zusammenarbeit im Naturschutz.
Der Dialog geht auf eine Initiative von Präsident Ts. Elbegdorj aus dem Jahr 2013 zurück.


Rauchwolke über Gobi

Brand im Hauptwerk von „Gobi" JSC 
Am späten Abend des 14. Juni war im Dachgeschoss des Hauptwerks des Kaschmirunternehmens „Gobi" im Khan-Uul-Duureg ein Feuer ausgebrochen, das erst nach zehn Stunden unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Noch am Vormittag des 15. Juni war weithin eine Qualmwolke zu sehen.
Nach Angaben des stellvertretenden Leiters der Nationalen Katastrophenschutzbehörde D. Erdenebaatar waren mehr als 200 Feuerwehrleute im Einsatz, die von der Ulaanbaatar-Eisenbahn, vom Trink- und Abwasserverband der Hauptstadt unterstützt wurden. Auch aus Brunnen und Wasserreservoirs der Unternehmen „APU" und „Monos" wurde Wasser zur Brandbekämpfung bereitgestellt.
Das Feuer konnte sich wegen der eingesetzten Baumaterialien: Holzbohlen, Papier- und glasfaserverstärkte Kunststoffisolierung am Dach rasend schnell verbreiten.
Den Einsatzkräften gelang es jedoch, ein Übergreifen des Feuers auf das Innere des Gebäudes zu verhindern.
„Gobi"-Arbeiter schafften Rohmaterialen und Fertigwaren ins Freie.
Ernsthafte Verletzungen hat niemand davongetragen, auch der materielle Schaden hält sich in Grenzen.
Trotzdem ist die „Gobi"-Aktie um 15 Prozent von 13.770 auf 11.710 Tugrug gefallen.
Polizei und Brandschutzexperten sind dabei, die Brandursache zu ermitteln.
Erste Ergebnisse sollen in 14 Tagen vorliegen.
In den vier Werken von „Gobi" sind 1.600 Mitarbeiter beschäftigt.
In der Rangliste der 100 besten Unternehmen der Mongolei liegt es auf Platz 18.
„Gobi" ist das einzige mongolische Unternehmen, in dem von der Gewinnung des Rohstoffs über die Verarbeitung und Fertigung bis zum Verkauf im In- und Ausland alles in der Mongolei erfolgt.


Tag der Offenen Tür der Bauwirtschaft

Statistik Mai 2017
Nach Angaben aus dem Nationalen Amt für Statistik hat sich das durchschnittliche Arbeitskommen im ersten Quartal 2017 gegenüber dem 1. Quartal 2016 um 87.700 oder 10,1 Prozent auf 959.100 Tugrug erhöht, im Vergleich zum 4. Quartal 2016 um 16.200 oder 1,7 Prozent erhöht.
In Betrieben zwischen ein und neun Mitarbeitern beträgt das monatliche Durchschnittsgehalt 628.600, in Betrieben mit über 200 Mitarbeitern 1,4 Millionen Tugrug.
Am besten wird in der Bergbauindustrie bezahlt: durchschnittlich 2,5 Millionen Tugrug im Monat.


Mongolisch-Russisch-Chinesisches Handels- und Wirtschaftsforum

13. trilaterales Wirtschaftstreffen
350 Vertreter von vorrangig kleinen und mittleren Unternehmen aus der Mongolei, Russland und China versammelten sich am 15. Juni im Tuushin-Hotel in Ulaanbaatar zum 13. Wirtschaftstreffen, organisiert von den Handels- und Industriekammern der drei Länder.
Nach der Eröffnung des Treffens durch Ministerpräsident J. Erdenebat debattierten die Teilnehmer in den Sektionen Bergbau, Industrie, Infrastruktur, Umwelt und Natur, Grüne Entwicklung, Nahrungsgüter, Landwirtschaft, Zoll und Steuern über konkrete Projekte, Hindernisse und Maßnahmen, diese zu überwinden.
In den ersten vier Monaten dieses Jahres entfielen auf den Handel der Mongolei mit China und Russland 80 Prozent des Gesamthandelsvolumens.
Mit Russland handelte die Mongolei Waren im Wert von 335 US-Dollar, mit China im Wert von 2,1 Milliarden.
Das bedeutet eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46 bzw. 51 Prozent.

Beginn der Aufnahmeprüfungen
Am 14. Juni begannen landesweit die Allgemeinen Aufnahmeprüfungen für die Universitäten und Hochschulen.
Das erste Prüfungsfach war schriftliches Mongolisch.
Von den 38.750 Schülern haben 38.170 die Prüfung tatsächlich abgelegt.
Einige waren nicht erschienen, einige hatten nur unvollständige Dokumente eingereicht.
Am 15. wurden die Prüfungen in den Fächern Englisch, Chemie und mongolische Geschichte fortgesetzt, am 17. folgten Mathematik, Geografie, Biologie und mündliches Mongolisch.
Der Prüfungsmarathon wird am 18. Jun mit den Fächern Sozialkunde, Physik und Russisch beendet.
Die Ergebnisse werden am 01. Juli veröffentlicht.
Eltern war der Zutritt zu den Prüfungszentren, 27 in Ulaanbaatar, 22 auf dem Land, nicht gestattet.

Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin
Das Fach Mongolistik am Zentralasienseminar der Humboldt-Universität Berlin beteiligt sich mit mannigfaltigen Aktionen an der „Langen Nacht der Wissenschaften".
Auf der Rasenfläche vor dem Hauptgebäude der Universität Unter den Linden wird ein original mongolisches Ger aufgebaut und ein mongolisches Maikhan (Zelt).
Mitarbeiter, Absolventen, Studentinnen und Studenten der Mongolistik präsentieren Auszüge aus ihren aktuellen Forschungsarbeiten, aus abgeschlossenen Dissertationen, aus Master- und Bachelor-Arbeiten, gestalten Workshops zum Klassischen Mongolisch, zum Knöchelspiel oder zum Kehlkopfgesang.
Unterstützt wird der Auftritt der Mongolistik durch die Botschaft der Mongolei in Deutschland, die das Ger zur Verfügung stellt und die Gobi Cashmere Europe GmbH.
Datum: 24. Juni
Zeit:17:00 – 0:00 Uhr
Ort: Unter den Linden 6
Mehr Informationen finden Sie unter:
www.iaaw.hu-berlin.de/de/region/zentralasien
www.facebook.com/MongolisticsBerlin

G. Ariunbaatar unter den besten fünf „Cardiff-Sängern"
Der Verdiente Künstler der Mongolei, der Baritonsänger G. Ariunbaatar hat es beim internationalen Gesangswettbewerb „BBC Singer of the World in Cardiff" (Wales) vom 11. bis zum 18. Juni 2017 in die Runde der besten Fünf geschafft.
Auch der zweite mongolische Teilnehmer, der Tenor B. Batjargal, hatte sich unter 300 Bewerbern aus aller Welt für das Finale der besten 20 qualifizieren können.
Alle zwei Jahre seit 1983 organisiert BBC Wales diesen Wettbewerb.
2015 hatte es ein mongolischer Sänger ebenfalls unter die fünf besten Nachwuchsopernsänger geschafft.
Den Hauptpreis hatte seinerzeit die Sopranistin N. Koutcher aus Weißrussland gewonnen, Amartuvshin gewann den Publikumspreis.
In diesem Jahr wurde der mongolische Teilnehmer gemeinsam mit der Mezzosopranistin Catriona Morison (Schottland) mit dem Hauptpreis („Song Prize") ausgezeichnet.
Nun hat Ariunbaatar noch die Chance auf den Publikumspreis, der am 18. Juni, ab 19:00 Uhr vergeben wird.

Dreamer’s Day
Am 17. Juni wurde im iCinema im State Department Store in Ulaanbaatar der Film von Werner Herzog aus dem Jahr 1982 „Fitzgarraldo" gezeigt.
Den exzentrischen Brian Sweeney hatte seinerzeit Klaus Kinski verkörpert.
Die Filmabende im iCinema sind eine Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts und „Altan Khalis".
Einmal im Monat werden hier hervorragende deutsche Filme präsentiert.


Neuer Parkplatz

Parkplatz für 150 Autos
Am südlichen Rand des Sukhbaatarplatzes entsteht ein Parkplatz für 150 Autos.
Am 30. Juni soll er eröffnet werden..

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt, Renate Bormann


 

   

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Last Update: 18. Juni 2017