Neues aus der Mongolei
22. bis 28. Oktober 2012

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)

Einigung zwischen DP und MVP
Am 22. Oktober einigten sich der Chef der MVP-Abgeordneten N. Enkhbold und der Fraktionsvorsitzende der DP D. Erdenebat darauf, den Termin, an dem die DP-Abgeordneten aus dem Uvurkhangai-Aimag ihren Eid ablegen können, zu verschieben, um die Debatte über den Staatshaushalt, die Sozialversicherung und den Haushalt des nationalen Bevölkerungsentwicklungsfonds 2013 zügig abschließen zu können. (Die MVP erkennt den Beschluss der ZWK, nach dem den beiden MVP-Kandidaten im WK 10 die Mandate aberkannt und den DP-Kandidaten zugesprochen wurden, nicht an).

„Volkskhuraldai"
Auf der von der MRVP initiierten Volksversammlung am 26. Oktober im ASA-Zirkus (ehemals Staatszirkus) hielten der Generalsekretär der Partei G. Shilegdamba und der stellvertretende Ministerpräsident D. Terbishdagva die Hauptreferate.
Dargelegt wurden politische und wirtschaftliche Erfolge unter dem ehemaligen Präsidenten N. Enkhbayar. Dazu gehörten die Initiativen zum Bau der Jahrtausendstraße, zum Bau befestigter Autostraßen zwischen Ulaanbaatar und den Aimagzentren, die Zusage von 220 Millionen USD aus dem US-Millennium Challenge-Programm und die erfolgreiche Teilnahme mongolischer Soldaten an internationalen Friedensmissionen.
Außerdem nahm die Parteiführung (der Parteivorsitzende N. Enkhbayar wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, wird jedoch zurzeit im Krankenhaus Nr. 2 medizinisch betreut) Stellung zur Vorbereitung auf die Kommunalwahlen am 21. November.
Die MRVP tritt in den meisten Wahlkreisen allein an, in einem Wahlkreis gemeinsam mit der Zivilcourage-Grüne Partei, in wenigen gemeinsam mit der MNDP.
Am Khuraldai nahmen etwa 2 000 Delegierte aus 21 Aimags und den neun Hauptstadt-Duuregs teil.


Die Außenminister Bold und Westerwelle. Foto AA

Außenminister Bold in Deutschland
Außenminister Luvsanvandangiin Bold wurde am 23. Oktober von Außenminister Guido Westerwelle zu seinem Antrittsbesuch als Außenminister empfangen.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen die weitere Entwicklung der bilateralen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland und die gegenseitige Zusicherung, weiterhin gemeinsam an der Lösung internationaler und regionaler sicherheitspolitischer Probleme zusammenzuarbeiten.
Der Besuch der Bundeskanzlerin A. Merkel im Oktober 2011 in der Mongolei und der Deutschlandbesuch des mongolischen Staatspräsidenten Ts. Elbegdorj im März dieses Jahres belegten eindrucksvoll das hohe Niveau der deutsch-mongolischen Beziehungen. Deutschland sei der wichtigste Partner der Mongolei in Europa, „wir streben an, in naher Zukunft unsere allseitige Partnerschaft auf das Niveau einer strategischen Partnerschaft zu heben, so der mongolische Außenminister.
Gegenwärtig werde das 40-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten 2014 vorbereitet, in Ulaanbaatar soll eine gemeinsame Technische Hochschule entstehen, die Mongolei unterstütze das Bestreben, die Mongoleiforschungen an der Bonner Universität weiterzuführen.
Westerwelle und Bold besprachen außerdem Fragen des visafreien Reiseverkehrs zwischen beiden Ländern.
Beim Treffen mit der Vorsitzenden der deutsch-zentralasiatischen Parlamentariergruppe Dagmar Enkelmann ging es um Fragen der Zusammenarbeit zwischen den beiden Volksvertretungen, Enkelmann informierte ihren mongolischen Gast über die Bundestagswahlen 2013 sowie das zu verabschiedende neue Wahlgesetz und die sich daraus ergebenden Probleme.
Sowohl Außenminister Westerwelle und D. Enkelmann nahmen die Einladungen zu einem Besuch in der Mongolei in naher Zukunft gerne an.

Parteineugründung
Das Oberste Gericht entschied am 23. Oktober über den Antrag N. Dashdavaas, die Konservative Partei (KP) registrieren zu lassen.
Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen (Statut, Programm) gaben die Richter dem Antrag statt.
Damit ist die KP die 22. offiziell registrierte politische Partei der Mongolei.

ASEM-Wirtschaftsforum
Im Rahmen des 9. Gipfeltreffens der ASEM-Staaten in Vientiane (Laos) findet vom 03. -05. November das 13. Business-Forum statt, an dem 200 Unternehmensrepräsentanten aus 50 Ländern teilnehmen werden. Auch die Mongolei wird sich am Forum beteiligen, eine entsprechende Einladung ist in der IHK eingegangen.

Rio Tinto weist Forderung nach Neuverhandlungen zurück
Der multinationale Bergbaukonzern Rio Tinto hat gemeinsam mit Ivanhoe Mines Mgl, jetzt Turquoise Hill Resources, ein Gesprächsangebot des mongolischen Bergbauministers über Neuverhandlungen der Oyutolgoi-Investitionsvereinbarung abgelehnt und gleichzeitig auf das bestehende, rechtskräftige Abkommen verwiesen. Es seien bereits sehr hohe Investitionen getätigt worden, die auch der Mongolei zum Vorteil gereichten.
Die mongolische Regierung sollte bestehende Verträge nicht fortwährend in Frage stellen lassen und ihrem Ruf als sicheres Investitionsland gerecht werden.
Sh. auch
www.emfis.com


Botschafter Schaller übergibt die Birkenrindentexte an Ministerin Oyungerel. Foto Deutsche Botschaft

Mongolische Birkenrindenmanuskripte übergeben
Am 22. Oktober hat der deutsche Botschafter in Ulaanbaatar Dr. hc. Peter Schaller eine Sammlung in der Mongolei gefundener Birkenrindenmanuskripte an die Ministerin für Kultur, Sport und Tourismus Ts. Oyungerel übergeben.
Die stark zerstörten Birkenrindentexte wurden seit 1995 in Köln und Bonn restauriert und in zwei Bänden für weitere wissenschaftliche Forschungen dokumentiert.
Beteiligt waren mongolische, italienische und deutsche Wissenschaftler, darunter der international renommierte Prof. Emeritus Dr. Klaus Sagaster aus Bonn.
Das Auswärtigen Amt, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Gerda-Henkel-Stiftung in Düsseldorf haben das Projekt unterstützt und gefördert.

100 Jahre mongolisches Pressewesen
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des mongolischen modernen Pressewesens finden am 28. Oktober im Ringerpalast von Ulaanbaatar Wettkämpfe im nationalen mongolischen Ringen statt.
224 Staats- und Aimagtitelträger haben ihre Teilnahme zugesagt.
Gleichzeitig ermitteln die mongolischen Nachwuchsringer in Darkhan-Uul ihren Landesmeister.


Des Dopings überführte Ringer. Foto Ringerverband MGL

Doping
Zwei Teilnehmer am Naadamringen 2012 sind des Dopings überführt wurden.
16 Ringer waren zur Dopingprobe gebeten worden, die Ergebnisse der Untersuchungen der ersten Proben, darunter zwei positive, waren bereits im August eingetroffen.
Am 25. Oktober trafen die Ergebnisse der zweiten Proben ein, die das Ergebnis der ersten bestätigten.
Laut Naadamgesetz sind so die Voraussetzungen gegeben, die Namen der Dopingsünder veröffentlichen zu können. Es handelt sich um den Landeslöwen Kh. Munkhbaatar und den Landesfalken B. Sugarjargal, die verbotene leistungsfördernde Mittel eingenommen haben.
Welche Konsequenzen die Sportler zu tragen haben, darüber entscheiden Gesetz und Präsident.
Wahrscheinlich ist eine Sperrung für zwei Jahre und die Aberkennung schmückender Ergänzungen zum Titel.

3. Universiade eröffnet
Am 25. Oktober hat die Ministerin für Kultur, Sport und Tourismus Ts. Oyungerel im Saal A im Zentralen Sportpalast von Ulaanbaatar die 3. Nationale Universiade eröffnet.
Studenten aller Hochschulen und Universitäten beteiligen sich in insgesamt 15 Sportarten, darunter im Judo, Freistilringen, Aerobic, Volleyball, Basketball und in der Leichtathletik.
Im Januar 2013 wird die Universiade in den Wintersportarten (Ski- und Schlittschuhlauf) fortgesetzt.
Sie endet im Mai des kommenden Jahres mit den Finals.

Französische Chansons und afrikanische Filme in Ulaanbaatar
Das französische Kulturzentrum (Alliance Française de Mongolie) ist aus dem Kulturleben der mongolischen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken.
Es bietet nicht nur Französischsprachkurse an, sondern organisiert Kurse über französische Küche, veranstaltet Literaturwettbewerbe und Konzerte, präsentiert Kinotage.
Mit dem senegalesischen Film „Madame Brouette" aus dem Jahr 2002 begann am 24. Oktober der „Monat des afrikanischen Films". Die Filme werden im mongolisch-französischen Kinoklub präsentiert.
Am 26. 10. gab die französische Musikgruppe „Nina Vales" im Opern- und Balletttheater Ulaanbaatar ihr erstes Konzert in Asien und das einzige in der Mongolei. Die Gruppe verbindet Popmusik, Jazz und lateinamerikanische Klänge zu einem ganz eigenen Musikstil, der an Pariser Theatercafé-Atmosphäre erinnert.

Tag der Offenen Tür
Nicht nur für Schüler und Studieninteressierte organisieren Studenten und Mitarbeiter der Abteilung Mongolistik und Tibetstudien der Universität Bonn am 10. November einen Tag der Offenen Tür.
Die Veranstaltung beginnt um 15:00 Uhr mit der Vorstellung der Abteilung und der Studiengänge.
Geboten werden Diavorträge: „Die Wiederbelebung des Buddhismus in Osttibet" und „Mongolei – Stadt und Land. Heute und gestern" sowie eine Filmvorführung „Urga".
Außerdem können die Besucher sich an tibetischen Tanz- und Gesangseinlagen erfreuen und tibetisches Essen probieren.
Ort: Regina-Pacis-Weg 7, 53113 Bonn.


Gesichter eines Landes

Mongolei – Gesichter eines Landes
Frank Riedinger hat in Zusammenarbeit mit Hans-Uwe Hähn, Odmaa Duvaa und Nicholas Freakes einen Bildband „Mongolei – Gesichter eines Landes" vorgelegt, der nicht – wie so oft – die Heimat des Chinggis-Khaan in den Mittelpunkt stellt, sondern die Mongolei heute und das Schicksal des Einzelnen.
Auf 383 Seiten beschreiben er und seine Mitstreiter in Bild und Wort (deutsch und englisch) Menschen verschiedenster Herkunft, unterschiedlichen Alters und Geschlechts.
Trefflich ergänzt wird der Band durch Begriffserklärungen und Interviews mit Politikern, Lamas, Schamanen, Viehhaltern …
Die Kapitel sind überschrieben mit „Dasha, der Schamane", „Deutschunterricht in Ulaanbaatar", „Tsagaan Sar", „Die mongolische Familie", „Nergui, der Goldgräber", „Aishok, die kleine Schülerin" oder „Bei den Tsaatan".

„Neues aus der Mongolei" können sie wieder am 11. November lesen. R. B.


   

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Last Update: 01. Januar 2017