Gespräch mit dem Außerordentlichen und Bevollmächtigtem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Mongolei, S. E. Jörn Rosenberg

Dr. Renate Bormann, Berlin


Botschafter Jörn Rosenberg. Foto Dt. Bot.

Am 09. August hat Präsident Khaltmaagiin Battulga im Ehrensaal des Regierungspalastes in Ulaanbaatar das Beglaubigungsschreiben des deutschen Botschafters in der Mongolei Jörn Rosenberg in Empfang genommen.
An seinem zweiten? offiziellen Arbeitstag, am 17. September, dem „Tag der Offenen Tür des mongolischen Außenministeriums" hatte der neue „Erste Mann" Deutschlands bereits Gelegenheit, seine Kollegen vom diplomatischen Corps, Mitglieder der mongolischen Regierung und Vertreter internationaler, nationaler und deutscher Organisationen kennenzulernen, erste Erfahrungen auszutauschen.
Herr Rosenberg ist verheiratet, seine Frau ist ebenfalls Diplomatin. Ihre beiden Kinder studieren in Deutschland.
Trotz eines dicht gedrängten Terminkalenders erklärte sich Herr Rosenberg bereit, sich, seine Ziele und Aufgaben den Lesern von Mongolei Online vorzustellen.

MO: Herr Botschafter, war die Mongolei ein Wunschziel oder folgten Sie eher Ihrem Pflichtbewusstsein?

J. R.: Die Mongolei gehörte zu unseren ausdrücklichen Wunschzielen.
Sowohl meine Frau als auch ich waren sehr froh, als die Mongolei als unser nächster Einsatzort feststand.
Das Land blickt nicht nur auf eine lange bewegte Geschichte zurück, es gilt als Bindeglied zwischen Europa und Asien, war lange von den Einflüssen Moskaus geprägt, ehe es Ende der 1980iger Jahre den Weg Richtung Demokratie und Freiheit, Marktwirtschaft und pluralistischem Parteiensystem einschlug. Mit Erfolg wie ich durch Gespräche nicht nur mit meinen Vorgängern erfahren konnte.
Sehr bewegt hat uns auch die überaus freundliche Aufnahme im „Land des Ewig Blauen Himmels".

MO: Verraten Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang, in welchen Ländern waren Sie bereits auf Posten?

J. R.: Nach meinem Jurastudium hatte ich mich für eine Laufbahn als Diplomat entschieden und bin inzwischen seit 30 Jahren in diesem spannenden Beruf tätig.
Meine Einsätze führten mich nach Polen, Rumänien, Tschechien, Washington.
1990 war ich dabei, als in Generalkonsulat in Stettin die deutsche Flagge gehisst wurde.
Zuletzt arbeitete ich als Generalkonsul in Almaty, Kasachstan, ein Land nicht weit entfernt von der Mongolei und mit einer ähnlichen Geschichte und Kultur.

MO: Haben sie schon Unterschiede zwischen Kasachstan und der Mongolei entdeckt?

J. R.: Die Berge in Almaty sind höher und bieten grandiose Ausblicke (lacht).
Vergleiche stellt man immer an, aber das ist das Spannende, Aufregende an meinem Beruf, im Laufe der Zeit entdeckt man an jedem Ort neues, landestypisches. Darauf freuen wir uns schon.
Dazulernen, Freundschaften pflegen und ausbauen – das haben wir, meine Frau und ich, uns vorgenommen.

MO: Welche Möglichkeiten sehen Sie, dem Wunsch der Mongolen nach mehr direkter wirtschaftlicher Kooperation entgegenzukommen?

J. R.: Möglichkeiten bestehen immer. Hier sind die Wirtschaftsakteure, die Unternehmen gefragt. Sie treffen die Entscheidungen. Der Staat hat dabei nur begrenzten Einfluss.
Schon in den ersten Wochen haben wir viele Kontakte zu mongolischen, deutschen und internationalen Unternehmensführern oder Wirtschaftsverbänden geknüpft und werden unser Mögliches dafür tun, die interessierten Partner zusammenzubringen.

MO: Im Gespräch mit Präsident Kh. Battulga haben sie zugesagt, eines der Lieblingsprojekte des Präsidenten, der Ökostadt „Maidar City" zu unterstützen.
Ist „Maidar City" nur ein teures Prestigeprojekt mit wenig Nutzen für die Durchschnittsbevölkerung?

J. R.: Der Präsident hat mich darauf angesprochen. Ich werde mir nun Informationen beschaffen, zum Standort fahren, um mir selbst ein Bild zu verschaffen.
Für die Wirtschaft hat dieses Projekt aktuell sicher keine primäre Bedeutung.

MO: Der Bauboom, hauptsächlich in Ulaanbaatar, ist ungebrochen. Kritik gibt es an der fehlenden Infrastruktur in den neuen Wohnvierteln. Es fehlen Schulen, Kindergärten, Grünanlagen, öffentliche Verkehrsmittel…

J. R.: Das sind keine typischen Ulaanbaatar-Probleme. Überall in den großen Städten, auch in Deutschland können wir das beobachten.
Hinzu kommen Immobilienspekulationen, die sicher auch in der mongolischen Hauptstadt eine Rolle spielen.
Ansonsten werden die Verantwortlichen in Ulaanbaatar bei ihren Stadtentwicklungsplänen u. a. auch von Deutschland hinsichtlich energieeffizientem Bauen und der Schaffung der nötigen Infrastruktur beraten.

MO: Konnten Sie sich bereits einen ersten Eindruck von der politischen Lage im Land verschaffen?

J. R.: Nach wenigen Wochen im Land, maße ich mir nicht an, ein Urteil zu fällen.
Die Unterschiede zu seinen beiden großen Nachbarn sind jedoch unverkennbar. Das Internet ist für alle frei zugänglich, freie Meinungsäußerungen werden nicht mit Repressionen seitens des Staates und der Justiz geahndet.
Zu den Diskussionen um Änderungen und Zusätze an der Verfassung steht es dem deutschen Botschafter eher nicht zu, eine Stellungnahme abzugeben.
Die offen und kontrovers geführte Debatte ist jedenfalls ein Ausdruck lebendiger Demokratie und Meinungsvielfalt.
Das gilt auch für die Diskussion um die richtige Staatsform. Wichtig ist nicht, ob Präsidial- oder parlamentarisches System, wichtig ist, in welchem Interesse die Protagonisten ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung gerecht werden.

MO: Im Oktober reisen Sie in den Südgobi-Aimag. Was versprechen Sie sich davon?

J. R.: Noch bin ich neu hier und erhoffe mir von dieser Informationsreise in den Khanbogd-Sum im Südgobi-Aimag einen ersten Eindruck von diesem Megaprojekt „Kupfermine Oyutolgoi".
Ein derartiges Projekt bietet viele Facetten, die zu verstehen, sicher nicht nur mich vor Herausforderungen stellt.
Das Projekt hat für die mongolische Wirtschaft überragende Bedeutung. Probleme bezüglich der Investorenverträge und Finanzierung sollten in nicht allzu ferner Zukunft überwunden werden.

MO:
Herr Botschafter, welche Schwerpunkte werden Sie für Ihre Arbeit in der Mongolei setzen?

J. R.: Als Botschafter bin ich zunächst einmal für alles zuständig.
In erster Linie sehe ich mich als Brückenbauer zwischen unseren beiden Ländern.
Unsere Beziehungen reichen fast 100 Jahre zurück und seitdem haben sich zwischen Mongolen und Deutschen herzliche, freundschaftliche Beziehungen entwickelt, die auch eine gute Basis für die Beziehungen auf staatlicher Ebene sind.
Grundlage unserer Beziehungen ist der 2008 vereinbarte Vertrag über eine allumfassende Partnerschaft.
Darauf kann ich aufbauen, diese Partnerschaft weiter mit Leben zu erfüllen, einen Schwerpunkt werde ich sicher auf die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Zusammenarbeit legen.
Die Bedingungen sind hervorragend: über 30.000 Mongolen, die sehr gut Deutsch sprechen, das Goethe-Institut in Ulaanbaatar feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen, landesweit bieten 20 Pasch-Schulen Deutschunterricht an, die Absolventen der gemeinsamen Bergbau –Universität in Nalaikh können sich vor Stellenangeboten kaum retten, DAAD, ZfA, die politischen Stiftungen (Konrad-adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung) die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), die KfW oder der DMUV genießen hohe Wertschätzung.
Nicht zu vergessen auch die sehr erfolgreiche fast 30-jährige militärische und militärpolitische Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern und die zehnjährige gemeinsame Friedensmission unserer Streitkräfte in Afghanistan.
MO: Planen Sie in ihrer knapp bemessenen Freizeit, Land und Leute, auch außerhalb Ihrer beruflichen Pflichten kennenzulernen?

J. R.: Aber sicher doch. An einem unserer ersten freien Wochenenden haben meine Frau und ich wunderbare Stunden im Terelj-Nationalpark verbringen können.
Unsere Kinder freuen sich jetzt schon, uns hier zu besuchen und mit uns gemeinsam die Mongolei zu bereisen.
Großes Interesse haben wir auch an den deutsch-mongolischen Ausgrabungsprojekten „Karakorum" oder in Kharbalgasun.

Herr Rosenberg, wir danken Ihnen für das vertrauensvolle, sehr interessante Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre zukünftige Arbeit.

Das Gespräch führte Renate Bormann am 25. September 2019 in Ulaanbaatar.

 


   

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Last Update: 02. November 2019