Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom März 2000

von Renate Bormann, Berlin/Ulaanbaatar

 

29 Parteien für 2,4 Millionen Bürger

Seit Januar können die mongolischen Medien fast jede Woche die Gründung einer neuen Partei melden. Allerdings ist es auch für ansonsten gut unterrichtete Kreise nicht immer klar ersichtlich, ob es sich um eine neue Partei, eine Namensänderung oder lediglich um eine Fraktionsbildung handelt.

Neben der Mongolischen Demokratischen Partei gehört die Mongolische Bürger-Mut-Partei (Mongol Irgenii Zorig Nam) zu den spektakulärsten Neugründungen. Zur Parteivorsitzenden wurde am 09.03. S. Oyun, die jüngere Schwester des ermordeten MNDP-Politikers S. Zorig, gewählt.

Erklärtes Ziel der Partei: der Kampf für eine stabile Demokratie sowie gegen Korruption.

 

Zahl der Analphabeten steigt

Die in Ulaanbaatar erscheinende Tageszeitung "Heute" hat in den vergangenen drei Monaten Mongolen aller sozialen Schichten nach der Zufriedenheit mit ihren Lebensverhältnissen befragt und was sie für die Zukunft erwarten. Nur ein Parlamentsabgeordneter äußerte sich zufrieden mit der Gegenwart und hoffnungsvoll, was die Zukunft betrifft. Die Mehrheit schaut eher skeptisch drein. Die Wohnverhältnisse haben sich für viele verschlechtert: Nicht selten leben mehr als zehn Menschen in kleinen Einraumwohnungen ohne Strom und Sanitäreinrichtungen. Allein im Songinokhairan-Distrikt in Ulaanbaatar leben 5000 Analphabeten. Schon die Kinder müssen als Schuhputzer, Limonadenverkäufer u.ä. zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

 

Mongolen in Tuva verhaftet

Beim Versuch, die Grenze zwischen der Mongolei und Tuva zu überwinden, wurden zwei Einwohner des Tes-Somon im Zavkhan-Aimak von tuwinischen Grenzbeamten festgenommen. Als Grund für ihren Grenzübertritt gaben die Mongolen an, nach 20 von Tuwinern gestohlenen Rindern Ausschau halten zu wollen.

 

Tsagaan Zud

Noch nicht abzuschätzen sind die Folgen der diesjährigen Naturkatastrophe für die mongolische Volkswirtschaft. 1,6 Millionen Tiere sollen bereits verendet sein. Diese Zahl könnte leicht die Zweimillionengrenze erreichen.

Die Diskussion um die subjektiven Ursachen für das Desaster laufen auf Hochtouren: Mangelnde Sorgfalt bei der Wintervorbereitung, Missachtung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen den einzelnen Vieharten, das Vernachlässigen der veterinärmedizinischen Betreuung.

MP Amarjargal geht von fünf bis zehn Jahren aus, ehe die Folgeschäden des Viehsterbens behoben sein werden.

 

79 Jahre MRVP

Anfang März feierten die Mitglieder der MRVP den 79. Jahrestag ihrer Parteigründung. Von 1921 bis 1990 regierte die MRVP das Land zwischen China und Russland allein.

Nach den Wahlen von 1996 fand sie sich wider Erwarten auf den Oppositionsbänken im Großen Staatskhural wieder.

Heute folgt die Partei sozialdemokratischen Grundsätzen, ist Mitglied der Sozialistischen Internationale und mit 90 000 Mitgliedern die zahlenmäßig stärkste Partei in der Mongolei.

Zum Vergleich: Die Regierungspartei MNDP hat gegenwärtig 75 000 Mitglieder.

 

Bleiben die Sozialdemokraten den Nationaldemokraten treu?

Am 18.03. verblüffte die MSDP die mongolische Öffentlichkeit mit der Ankündigung, nun doch nicht, wie vielerorts kolportiert wurde, im Vorfeld der Wahlen die Koalition mit den Nationaldemokraten aufzukündigen. Das ist ein kleiner Lichtblick für die Partei Amarjargals, die aufgrund von Parteiaustritten prominenter Mitglieder und anschließende Parteigründungen durch dieselben arg gebeutelt ist. Die drohende Vertreibung von den Machtpositionen zwingt die Nationaldemokraten zu einem zunehmend offensiv geführten Wahlkampf. Gegen Korruption, für eine stabile Demokratie, für eine offene Gesellschaft, in der auch für die sozial Schwachen gesorgt werde sowie Weiterführung der Privatisierung - das sind die Schlagworte, die die Wähler überzeugen sollen.

 

Frühjahrssitzung des Großen Staatskhurals

In der ersten Aprilwoche beginnt für die Abgeordneten des Großen Staatskhurals die Periode der Frühjahrstagungen.

Zwei Gesetzesvorschläge zur Amnestie und zur Energieversorgung stehen zunächst auf dem Programm.

 

Neue Personalausweise

14% der Einwohner Ulaanbaatars sind bereits im Besitz der neuen Personalausweise, die neben Namen und Vatersnamen, auch einen Familiennamen erfordern. Der ist nicht immer so leicht zu finden, sind doch die alten Sippen- und Stammesnamen nicht mehr in jeder Familie geläufig. Der erste und einzige Kosmonaut der damaligen MVR z.B. wählte "Kosmos" als sgn. dritten Namen.

Bis zum 01.04. sollten alle bei den zuständigen Behörden registriert sein, ansonsten könnte es Probleme bei Reisen ins Ausland geben.

 

2.382,500 Mongolen

Laut "Mongol Messenger" vom 29.03. ergab die im Januar 2000 abgeschlossene Volkszählung folgende vorläufige Ergebnisse:

Gesamtbevölkerung: 2.382,500, davon

0-14 Jahre: 33,8%
15-17 Jahre: 6,9%
18-59 Jahre: 52,1%
über 60: 5,2%

Informationen zur Mongolei:
 

   

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Last Update: 01. Januar 2017