Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Tragödie im Uvs-Aimak

von Dr. Renate Bormann, Berlin/Ulaanbaatar

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Trauerfeier

Am Freitag, den 12. Januar, verließ der Hubschrauber vom Typ MI-8 der nationalen mongolischen Luftfahrtgesellschaft "MIAT" die Hauptstadt in Richtung Nordwesten. Eine der letzten Stationen vor der Rückkehr nach Ulaanbaatar sollte der Malchin-Sum (Kreis) im Uvs-Aimak sein. Als der Hubschrauber in Ulaangom, der Hauptstadt des Uvs-Aimaks, startete, befanden sich 23 Menschen an Bord: Neben vier Besatzungsmitgliedern und fünf UNO-Mitarbeitern auch mongolische Politiker und Verwaltungsangestellte, darunter der Parlamentsabgeordnete und Präsident des NOK der Mongolei, Sh. Otgonbileg, ein deutscher Praktikant, zwei mongolische Dolmetscher, ein mongolischer und zwei japanische Journalisten. Ein Mann aus China hat das Unglück schwer verletzt überlebt und wurde zur Behandlung nach Peking ausgeflogen.

Gegen 11.20 Uhr versuchte der Pilot in der Nähe der Jurte des Viehzüchters Zadan, auf einem unebenen, stark verschneitem Gelände, zu landen. Vermutlich streiften die Rotorblätter einen Baum, ehe die Maschine aufsetzte und zur Seite kippte. Dabei berührten die Rotorblätter den Boden, zerbrachen und durchschlugen die Tanks. Der Hubschrauber geriet in Brand, Rauch und Feuer versperrten die Sicht. Die Besatzungsmitglieder zertrümmerten das Cockpit-Fenster, durch das sich drei von ihnen und elf Passagiere retten konnten. Acht Passagieren und dem mongolischen Techniker D. Otgon, der einigen Überlebenden ins Freie verholfen hatte, gelang es nicht mehr, die brennende Maschine zu verlassen.

Noch am 14. Januar nahm eine Regierungskommission zur Untersuchung der Unglücksursachen ihre Arbeit auf. "Schlechte Wetterverhältnisse kommen als Grund für die Tragödie nicht in Frage", so der Chef des Meteorologischen Dienstes Z. Batshargal. "Es war leicht bewölkt, fast windstill und minus 29,5 Grad kalt." Die technischen Untersuchungen sind bis zur Stunde nicht abgeschlossen. Die Unglücksmaschine ist völlig ausgebrannt und die meisten Spuren sind zu Asche geworden.

Auch die Identifizierung der Toten gestaltet sich überaus schwierig. Otgonbileg konnte anhand der Knöpfe seines Deels, dem mantelartigen mongolischen Nationalgewand, die anderen mongolischen Todesopfer mit Hilfe von Gegenständen wie Schnupftabakdosen, Kameras oder Knöpfen identifiziert werden.

Auf einer Pressekonferenz der UNO-Repräsentantin in der Mongolei S. Menon und der UN-Koordinatorin für Humanitäre Hilfe C. McAskie sicherten sie den Mongolen die Fortführung des Hilfsprogramms zu. Bereits am 17. Januar sei eines der vier Mitglieder der UNO-Gruppe, die die Arbeit der Verstorbenen fortsetzen sollen, in Ulaanbaatar eingetroffen. Gleichzeitig kündigte Frau Menon an, "dass die UNO eigene Experten zur Untersuchung des genauen Unfallhergangs heranziehen wird."

Fragen gibt es bezüglich der Reiseroute, der Stationen und des Landeplatzes für das Expertenteam. Nach dem Unglück existierten mehrere Versionen über den Namen des Unfallortes. Warum wurde gerade diese Siedlung ausgewählt? Der Hausherr befand sich mit seiner Herde auf einer abgelegenen Weide. Warum landete der Hubschrauber so nahe an der Jurte? Ein geeigneterer Landeplatz sei vorbereitet gewesen, aber nicht genutzt worden. Hartnäckig hält sich die Vermutung, Otgonbileg, selbst ein begeisterter Flieger, hätte den Landeplatz angeordnet. War die Maschine überfüllt? Der Dolmetscher Gal antwortete auf die Frage, wo er gesessen hätte, "...'mal auf dem Boden, 'mal stand ich."

Wann der Abschlussbericht der Regierungskommission vorliegen wird, kann zur Stund noch niemand sagen.


Abschied von Sh. Otgonbileg


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Last Update: 01. Januar 2017