20. - 28. Januar 2001 Messe Stuttgart
Internationale Ausstellung für Caravan - Motor - Touristik
Die Mongolei ist Partnerland der CMT 2001

 

 

Wo Dschingis Khan noch immer lebt

Nomadenkultur, weite Steppen und unberührte Natur im Überfluss / Einzigartig: Kehlkopfgesang zur "Pferdekopf-Geige" / Zehn Spezialveranstalter aus Ulaan Baatar sind auf der Messe in Stuttgart

Ein weites Land, etwa viereinhalb Mal so groß wie die Bundesrepublik, mit nur 2,5 Millionen Einwohnern, hunderttausende Quadratkilometer unberührter Natur, die für Europäer ebenso fremde wie faszinierende Kultur der Steppennomaden, urtümlicher Kehlkopf-Gesang zur "Pferdegeige" und eine stolze Tradition, die direkt auf Dschingis Khan, dem großen Eroberer der Weltgeschichte, gründet – das ist die Mongolei, Partnerland der CMT 2001 vom 20. – 28. Januar in Stuttgart. Nicht mehr als 2500 Touristen aus Deutschland verirren sich bislang pro Jahr in den unvorstellbar grenzenlosen Steppen der Mongolei, im bis zu 4374 Meter hohen Altai-Gebirge, der Taiga im Norden, an der Grenze zu Sibirien, oder in der Wüste Gobi im Süden, Richtung China.

Die Deutschen wissen wenig über die Mongolei, den seit 1992 unabhängigen einstigen "Bruderstaat" des Sowjetreiches. Dies soll sich ändern: Der Auftritt der Mongolei als Partnerland der CMT 2001 in Stuttgart ist der absolut erste auf einer europäischen Touristikmesse. Auf Ihrem mehr als 100 Quadratmeter großen Stand in Halle 5.0 präsentieren sich die Mongolen als offenes, gastfreundliches Land, mit einer Original-Jurte, der traditionellen Behausung der Nomaden, mit eindrucksvollen Foto-Impressionen, der farbenprächtigen Folkloregruppe "Altain Orgil" und landestypischen Spezialitäten. Wen wundert’s: Der am Stand ausgeschenkte Wodka heißt "Dschingis" und das mongolische Bier "Khan-Bräu"...

Wer mit der mongolischen Airline Miat (Tickets vermittelt Wildberry Tours) per Direktflug aus Berlin (oder, weitaus zeitaufwendiger, mit der Transsibirischen Eisenbahn über Moskau) nach Ulaan Baatar anreist, muss zunächst einmal seinen hektischen europäischen Tagesrhythmus über Bord werfen. In der Mongolei ticken die Uhren, so vorhanden, viel langsamer. Der Zeitfaktor spielt in einer seit Jahrtausenden nur wenig veränderten Nomadenkultur keine große Rolle. Wer durchs Land reisen will, ist auf die professionelle Hilfe von Veranstaltern – zehn in Ulaan Baatar ansässige Firmen sind auf der CMT 2001 vertreten – angewiesen. Außerhalb der Hauptstadt gibt es nur sehr wenige Hotels, asphaltierte Straßen sind eher die Ausnahme, und Wegweiser besitzen gleichfalls Seltenheitswert.

Übernachtet wird deshalb in der Regel in Jurtencamps für Touristen, die über das ganze Land verstreut sind. Zwei bis vier Betten stehen in einer solchen kreisrunden Behausung; allein die Konstruktion mit Scherengittern, kunstvoll bemaltem Dachkranz und Filz-Außenhaut ist für Europäer ein faszinierender Anblick – der nächtliche Blick durch das "Guckloch" im Dach auf den glasklaren Sternenhimmel Zentralasiens ein unvergessliches Erlebnis. Allzu hohe Komfortansprüche darf man freilich auf einer Reise durch die Mongolei nicht haben.

Dafür wird der Tourist durch die einzigartige, völlig unverdorbene Natur und die Begegnung mit einer ihm fremden Kultur mehr als entschädigt: Wildpferde im Nationalpark von Hustain Nuuru, gigantische Sanddünen im Gebiet von Mongol Els, der riesige Chöwsgöl-See mit seinem Fischreichtum im Norden, Wildschafe, Ziegen und ewiges Eis in der Geier-Schlucht Jolyn Am am Rande der Gobi, das Orchon-Tal mit der alten Hauptstadt Kharakhorum, Adler und Schneeleoparden im Altai-Gebirge, das prächtige Kloster Gandan als Keimzelle des überall im Lande wieder erstarkenden Buddhismus, die "Owoos", glückbringende Steinhaufen mit dem blauen Seiden-"Dschadag"als Symbol des ewigen Himmels über der Mongolei, an jeder Passhöhe – Impressionen aus dem Reich von Dschingis Khan und seinen Nachkommen.

Auf Dschingis, dessen Reiterheere im 13. Jahrhundert bis Mitteleuropa vorstießen und das größte jemals existierende Territorialreich der Weltgeschichte eroberten, geht auch die wichtigste Veranstaltung im Kalender der heutigen Mongolei zurück: das Naadam-Fest in Ulaan Baatar, das jedes Jahr Mitte Juli Hunderttausende von Nomaden in die Hauptstadt lockt, wo sie mit ihrem kompletten Hausstand im Gepäck 4, 5 Tage in der staubigen Steppe rings um die Kapitale campieren. Eine Familie ist in der Lage, ihre Jurte in weniger als einer Stunde zu zerlegen oder aufzubauen. Die Jurte passt auf zwei Kamele, das Mobiliar auf weitere zwei bis drei Trampeltiere – Nomadenkultur in Vollendung.

In drei Disziplinen treten beim großen Staats-Naadam im Juli die Wettkämpfer gegeneinander an: dem Ringen, dem Reiten und dem Bogenschießen. Am Ringerturnier, das über zwei Tage geht, nehmen 1024 kräftige Burschen und Männer teil; gekämpft wird im K.o.-System, Gewichtsklassen gibt es keine. Wer am Ende übrig bleibt, wird von der Menge frenetisch bejubelt und ist ein Volksheld.

Während die Bogenschützen trotz ihrer farbenprächtigen Gewänder heute ein wenig im Schatten stehen, erfreuen sich die Pferderennen nach wie vor größter Beliebtheit. "Mongolen lernen eher Reiten als Laufen", sagt das Sprichwort. Ergo sind die Jockeys der Rennen, bei denen oft mehrere hundert Huftiere bis zu 60 Kilometer weit über die staubige Steppe donnern, Kinder. Wer einen "Naadam"-Sieger aus seinem Stall hervorgebracht hat, ist als Züchter saniert. Für die ebenso schnellen wie ausdauernden Stars unter den Steppenpferdchen werden bis zu 100.000 Mark bezahlt.

Wer einmal erlebt hat, wie sich Hunderte von Menschen im Ziel um ein solches Siegerpferd drängen, um ein paar Tropfen seines (Glück bringenden) Schweißes aufzufangen, wer die Gastfreundschaft des stolzen Besitzers bei Hammelsuppe, getrocknetem Quark und dem "Nationalgetränk" Airag, vergorener Stutenmilch, in der Jurte genießen durfte – der wird diese Eindrücke wohl nie vergessen. Bilder von wilden Reiterhorden, die wie mit ihren Pferden verwachsen über endlose Weiten der Steppe dahinfliegen, gehören auch zur Mongolei 2001. Gerade so, als ob Dschingis Khan, den alle zutiefst verehren, noch immer lebte.

Weitere Informationen zur Mongolei, dem Partnerland der CMT 2001, gibt es bei der Botschaft der Mongolei, Gotlandstraße 12, 10439 Berlin, Tel. 030 / 44 71 47 37, oder auch im Internet unter www.mongolei.de


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Last Update: 01. Januar 2017