Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Anmerkungen zur Entwicklungsproblemen der mongolischen Wirtschaft

von Dr. Klaus Bormann, Ulaanbaatar

Als ich vor 30 Jahren zum ersten Mal in die Mongolei kam, flogen wir noch mit einer AN-24 von Irkutsk nach Ulaanbaatar und verließen das Flugzeug über eine wacklige Metallleiter. Die Ankunftshalle: ein kleines grünes Holzhaus und ich erinnere mich, dass es sehr kalt war. Die Fahrt vom Flugplatz in die Stadt war ein Erlebnis – auf den Straßen keine Autos, dafür aber viele Rinder und Schafe, die unser Fahrer schnell und geschickt umfuhr. Manchmal stand auch ein Kamel im Wege. In Ulaanbaatar gab es rund 300 Fahrzeuge (heute: ca. 80.000), alle im staatlichen Besitz. In der Stadt herrschte völlige Ruhe, nur wenige Passanten auf den Straßen – die kälteste Hauptstadt der Welt, eine verschlafene Hauptstadt.

Das war 1974. Herz- und Kreislauferkrankungen, hervorgerufen durch alltäglichen Arbeitsstress, waren nahezu unbekannt. Teufel Alkohol war schon damals ein Problem und für die Erledigung der Arbeits- oder Studienaufgaben hatte man viel Zeit. Post nach Deutschland brauchte 2 Wochen hin und 2 Wochen zurück. Um eine Antwort zu erhalten, verging mindestens ein Monat. Die Leute zogen es vor, sich persönlich zu treffen, als zu telefonieren. Private Telefonanschlüsse besaß ohnehin nur die Nomenklatura des Partei- und Staatsapparates. Aber auch diese Apparate funktionierten oft nicht und Auslandsgespräche führten höchstens der Ministerpräsident und der oberste Parteichef bzw. deren Mitarbeiter. In der Hauptstadt gab es zwei Hotels – das „Ulaanbaatar" und das „Bayangol" - die im Winter leer standen und auch in den Sommermonaten nur gering ausgelastet waren. Einkaufsmärkte, Restaurants, Discos und Bars waren unbekannt. Ausländer - abgesehen von Russen, die vorwiegend als Militärangehörige in der Mongolei stationiert waren, und Spezialisten aus den COMECON Ländern, die die Mongolen beim Aufbau von Industriebetrieben unterstützten – traten im Stadtbild kaum in Erscheinung. Wirtschaftlich war das Land aber in der Lage, seine Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln selbst zu versorgen und das war zweifellos ein positives Merkmal der seinerzeit sozialistischen Entwicklung. Das Angebot war allerdings dürftig.Wenn es im zentralen Kaufhaus Äpfel gab, mußten wir lange anstehen und oft gingen wir anschließend trotzdem leer aus. Aber wir waren ja Studenten und hatten ausreichend Zeit.

30 Jahre später hat sich das Leben in der Mongolei grundlegend verändert. Ulaanbaatar hat ein neues, moderneres Gesicht bekommen, das Stadtbild ist bunter und das alltägliche Leben schneller und hektischer geworden. Die Städter werden mit Informationen überhäuft und viele sind nicht in der Lage, sie zu verarbeiten. Auf dem Lande ist zwar noch vieles wie damals, aber auch dort sind deutliche Veränderungen spürbar. Fortschritte machten z. B. die Bereiche Ackerbau, Tierhaltung, Obst- und Gemüseproduktion. Die ersten Jahre nach den politischen Veränderungen waren für das Land eine schwere Zeit. Es gab keine Erfahrungen mit den neuen Markt- und Regulierungsmechanismen und die Hilfe aus dem Ausland diente nicht immer den nationalen Interessen. Hinzu kamen sprachlich bedingte Verständigungsprobleme. Russisch war plötzlich out, englisch war in, aber kaum einer beherrschte diese Sprache. Ein positives Moment war, dass in der ehemaligen DDR zahlreiche Mongolen die deutsche Sprache erlernt hatten. Dieser Personenkreis ist heute im politischen und wirtschaftlichen Bereich ausgesprochen aktiv und hat die Veränderungen in der Mongolei seit der politischen Wende an vorderster Front mitgetragen. Viele von ihnen sind inzwischen erfolgreiche Unternehmer und/oder Politiker.

Obgleich es auch heute noch internationale Projekte gibt, die am tatsächlichen Bedarf des Landes vorbeigehen, hat sich die politische und wirtschaftliche Situation deutlich stabilisiert. Dazu beigetragen haben u.a. die zahlreichen Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit, die in der Mongolei vertreten sind, und die finanzielle, technische und politische Unterstützung gewähren. Aus meiner Sicht möchte ich die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) nennen, mit denen mich von Anfang an eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet und die vor allem bei der Entwicklung des Rechtswesens – einem für Investoren ausgesprochen wichtigen Bereich – eine aktive und erfolgreiche Arbeit geleistet haben.

Die Mongolei verfügt bekanntlich über große Rohstoffvorkommen, die größtenteils noch unerschlossen sind. Die weitere Erschließung und der gezielte Abbau dieser Vorkommen sichern ausländischen Investoren, auf die die Mongolei in allen Wirtschaftsbereichen dringend angewiesen ist und ohne deren Unterstützung sie ihre Wirtschaft nicht entwickeln kann, mittel- und langfristig eine gute Perspektive. So wurde auf dem Weg privater Finanzierungen in den vergangenen Jahren ein bedeutender Beitrag von ausländischen Investoren erbracht, die inzwischen in nahezu allen Bereichen der mongolischen Wirtschaft tätig sind. Die Anzahl der Goldgruben und Bergwerke hat deutlich zugenommen. Der Bauboom in Ulaanbaatar – gerade im Wohnungs- und Bürobereich – ist unübersehbar. Natürlich darf die Frage erlaubt sein, was mit all diesen Wohnungen und Büros passieren soll, denn nur wenige Mongolen werden sich in nächster Zeit diesen Standard und die damit verbundenen Kosten leisten können und die Zahl der Ausländer wird sich sicher auch nicht über Gebühr erhöhen. Auch das Baumaterial und die Bauausführung sind oft mangelhaft – gebaut wird billig. Auf dem Lande sind - oft mit ausländischer Unterstützung - kleine und mittlere Betriebe für die Erzeugung und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte entstanden, die sich in ihren Regionen zu Leistungsträgern entwickeln könnten. Allerdings kommt es wegen der mitunter unzumutbaren Arbeitsbedingungen hin und wieder zu Streitigkeiten, die im Extremfall mit von mongolischen Behörden angeordneten Betriebschließungen enden können.

In den sieben Jahren, die ich nun als Journalist und Berater in der Mongolei arbeite, bin ich mit vielen interessanten Ideen mongolischer Unternehmer und Politiker konfrontiert worden und manches Vorhaben wurde auch realisiert. Es entstanden gewerbliche Kleinbetriebe, landwirtschaftliche Unternehmen, Hotels, Restaurants, Geschäfte, Reisebüros, Touristikunternehmen und anderes mehr. Ein wichtigstes Vorhaben ist gegenwärtig - gemeinsam mit einem zuverlässigen mongolischen Partner - der Aufbau einer modernen Rindermilchanlage in der Nähe der Stadt Darkhan. Die Mongolei kann nicht daran interessiert sein, ihre Viehzahlen ständig zu erhöhen, vielmehr kommt es (in diesem Fall) darauf an, die Milchleistung der Kühe zu verbessern und die gewonnene Milch zu hochwertigen Produkten (Käse und Joghurt) zu verarbeiten. Der Senior-Experten-Service (SES) Deutschland unterstützte dieses Projekt, indem er im Herbst vergangenen Jahres einen erfahrenen Berater entsandte. Generell ist der SES eine der wichtigsten deutschen Entwicklungshilfeeinrichtungen in der Mongolei und seine Experten, die in nahezu allen Bereichen tätig sind, leisteten in den vergangenen Jahren einen bedeutenden Beitrag für die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Dabei ist die Unterstützung des SES – und das ist sein Vorteil - immer konkret und zielorientiert. Die Experten arbeiten vorwiegend in privaten mongolischen Unternehmen und geben ihre Erfahrungen, die sie während eines langen Arbeitslebens erworben haben, an die dortigen Mitarbeiter weiter. In den zehn Jahren, die der SES in der Mongolei aktiv ist, haben über 250 deutsche Seniorexperten den politischen und wirtschaftlichen Aufschwung in der Mongolei unterstützt und es sind viele persönliche Freundschaften entstanden. Übrigens war der Zehntausendste Experte, der über den SES weltweit eingesetzt wurde, in der Mongolei – Herr Horst Bolk aus Bad Kreuznach, von Beruf Heizungsbauer.

Für deutsche Unternehmen stellen die große Anzahl deutschsprachiger Mongolen sowie die traditionelle Ausrichtung über Russland hinweg nach Europa und dort in erster Linie nach Deutschland einen besonderen Heimvorteil dar. Deutsche Produkte haben in der Mongolei und den angrenzenden Regionen einen hohen Stellenwert. Der starke Euro bremst diesen Prozess allerdings zunehmend und wirkt sich auf die Handelsbeziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland negativ aus.

Manche Vorstellungen seitens der mongolischen Partner waren anfangs überzogen oder unausgereift und es waren mitunter lange und ermüdende Diskussionen, die wir führten. Nicht immer kamen wir zu einem befriedigenden Ergebnis. Ein Problem taucht in den Beratungen immer wieder auf. Vielen potentiellen Unternehmern fehlt es an der notwendigen Einsicht, dass sich der Erfolg nicht von heute auf morgen einstellen wird, sondern dass eine Betriebsgründung ein langer und steiniger Weg – auch mit Konsumverzicht – ist. Wer das nicht einsehen kann (oder will), ist als Partner für ein ausländisches Unternehmen jedenfalls ungeeignet und wird kaum in der Lage sein, jemals selbst ein eigenständiges Unternehmen aufzubauen.

Viele Geschäftsideen scheitern am fehlenden Eigenkapital, was trotz Aufbietung aller Kräfte und Einbeziehung aller Verwandten am Ende dann doch nicht aufzubringen ist. Aber manchmal gelang es, mit 500 Euro eine kleine Schneiderei oder mit 1.000 Euro eine kleine Reparaturwerkstatt zu gründen. Wenn es ausreichte, um die Familie zu ernähren, war das Ziel zunächst erreicht.

Ein Kleinprojekt „Gemüseanbau und – lagerung", das im vergangenen Jahr mit finanzieller Unterstützung durch die deutsche Botschaft in der Stadt Sukhe-Baatar durchgeführt wurde, entwickelt sich zu einem gut gehenden Familienbetrieb, es entstehen neue Produkte und es werden neue Arbeitsplätze geschaffen. In diesem Jahr werden die ersten Schulungen für potentielle Nachahmer durchgeführt. Natürlich müssen diese Schulungen bezahlt werden – aber wenn die erbrachte Leistung stimmt, sind die Teilnehmer dazu auch bereit.

Kapitalgeber aus dem Ausland sind in der Mongolei gern gesehen und ein ganz wesentlicher Bestandteil für die Entwicklung ihrer Wirtschaft. Die Mongolen haben dieses Problem bereits frühzeitig erkannt und in den vergangenen Jahren alles getan, um für ausländische Unternehmen günstige gesetzliche Bestimmungen, insbesondere im Zoll- und Steuerrecht, zu schaffen. Die Wirtschaftsgesetzgebung ist - etwa im Vergleich zu Russland und China - liberal: die Gründung 100%iger Töchter ist möglich, Importe von Anlageinvestitionsgütern sind gemäß den Bestimmungen des Gesetzes über Ausländische Investitionen oft abgabenfrei, Gewinntransfers sind zulässig. Private Investitionen in Industriebetriebe und Infrastrukturvorhaben können bis maximal zehn Jahre völlig und bis zu weiteren fünf Jahren zur Hälfte von der Körperschaftssteuer befreit werden.

Natürlich gab es anfangs Verwerfungen und eine Vielzahl von Problemen und manches schien sogar unlösbar. Harte Auseinandersetzungen (bis hin zu persönlichen Anfeindungen!) mussten wir ertragen, um in einem deutsch-mongolischen Joint Venture Vertrag (1998) als internationale Schiedsgerichtsstelle auch Stockholm zu benennen? Damit waren wir die ersten, denn bis dahin lag die Schiedsgerichtsbarkeit bei Streitigkeiten zwischen Joint Venture Partnern ausschließlich bei der mongolischen Seite und die wollte sie natürlich behalten. Auch heute ist längst noch nicht alles so, wie es wünschenswert wäre. Trotzdem ist es gegenwärtig mitunter weitaus einfacher in der Mongolei zu investieren, als z.B. in Deutschland. Anerkennenswert scheint mir in diesem Zusammenhang die Arbeit des Amtes für Ausländische Investitionen (FIFTA) unter Leitung von B. Ganzorig. Auch sein Vorgänger, D. Jargalsaikhan, hat aus meiner Sicht mit seiner kompetenten Art viel zur Entwicklung eines guten Investitionsklimas in der Mongolei beigetragen.

Ein wesentlicher Vorteil für Investoren aus dem Ausland ist die Überschaubarkeit der wirtschaftlichen Verhältnisse und des Personenkreises, der sowohl staatlich als auch privat mit Investitionen befasst ist. Leider ist es nach wie vor für ausländische Unternehmen schwer, verlässliche mongolische Partner zu finden. Hier liegt ein großes Problem, vielleicht sogar das Hauptproblem. Viele mongolische Unternehmer möchten in kurzer Zeit große Gewinne erwirtschaften und es fehlt ihnen oft die Ausdauer, die man braucht, um ein Unternehmen solide aufzubauen. Auch fehlen ihnen die erforderlichen Fachkenntnisse. Generell wurde in der Vergangenheit das Bildungsniveau in der Mongolei überschätzt. Hinzu kommt, dass inzwischen neue technische Verfahren und Normen Einzug gehalten haben – die fachliche Aus- und Weiterbildung in nahezu allen Bereichen wurde aber stark vernachlässigt. Die Mongolei braucht dringend ein funktionierendes zentrales Ausbildungszentrum für einfache handwerkliche Berufe. Der ehemalige mongolische Botschafter in Deutschland, D. Terbishdagva (heute Parlamentsmitglied und Minister für Landwirtschaft) hat sich in vielen Gesprächen in deutschen Ministerien sehr darum bemüht, leider ohne Ergebnis. Dabei wäre eine solche Investition angesichts der Höhe der deutschen Entwicklungshilfe für die Mongolei ein verschwindend geringer Beitrag. Immer wieder hört man, dass z.B. mongolische Joint Venture Partner ihrem deutschen Partner, der ohnehin den größten Teil der Investitionen trägt, auch noch ihre eigene Arbeitsleistung in Rechnung stellen. Einerseits ist es Unkenntnis, weil sie ihre neue Stellung als die eines Angestellten begreifen, oft wird damit aber auch die „doppelte Ausbeutung" des ausländischen Partners angestrebt. Nach meiner Kenntnis sind davon alle Wirtschaftsbereiche betroffen.

Leider verlassen viele junge Mongolen das Land, um sich in der Fremde eine Zukunft aufzubauen. Die Bundesrepublik Deutschland gehört dabei neben den USA und Korea zu den Hauptzielländern. Wem nutzt es, wenn der DAAD begabte junge mongolische Wissenschaftler zur Weiterbildung nach Deutschland schickt? Nach zwei, drei oder sogar vier Jahren Finanzierung durch den deutschen Staat und Steuerzahler haben sie sich – wer wollte es ihnen verübeln – an die Annehmlichkeiten in Deutschland gewöhnt. Die Mehrheit der über diese Strecke nach Deutschland Entsandten bleibt dort und das Potential geht der Mongolei verloren. Andererseits haben mongolische Unternehmer, die nicht den DAAD oder eine andere staatliche deutsche Stelle an ihrer Seite haben und sich aus ihrer Arbeit heraus täglich selbst finanzieren müssen, große Schwierigkeiten, ein Visum für Deutschland zu erhalten. Mitunter ist es nur dem persönlichen Einsatz des deutschen Botschafters, Herrn Dr. Vorwerk, zu verdanken, daß eine Reise realisiert werden kann. Die Arbeit der Visaabteilung der deutschen Botschaft ist inzwischen zu einer starken Belastung für die deutsch-mongolischen Wirtschaftsbeziehungen geworden. Wir, das sind die deutschen Unternehmer in der Mongolei, regen die Verantwortlichen an, darüber objektiv nachzudenken, wie man die Reisetätigkeit zwischen Deutschland und der Mongolei im wirtschaftlichen Bereich verbessern kann. Wir sind gern bereit, unsere Erfahrungen und Gedanken einzubringen.

Diejenigen, die aus dem Ausland in die Mongolei zurückkehren, sind zumeist in der Lage, erfolgreich zu arbeiten und viele haben inzwischen eigene Unternehmen gegründet. Sie stellen für die Mongolei und für ausländische Investoren ein wichtiges Potential dar - schon auf Grund ihrer guten Beherrschung einer oder mehrerer Fremdsprachen. Über den Senior-Experten-Service (SES) habe ich Kontakt zu mongolischen Unternehmen, die sehr erfolgreich arbeiten. Oft treffe ich dort Absolventen deutscher Universitäten und Hochschulen, vorwiegend aus sozialistischen Zeiten, die in diesen Firmen mit verantwortungsvollen Funktionen betraut sind. Sie gehören in der Regel auch nicht zu denen, die ständig ihre Tätigkeit wechseln. Ansonsten ist die Fluktuation des mongolischen Personals ist in mongolischen Betrieben groß, betroffen sind davon natürlich auch die Joint Ventures. Ein gewinnorientiertes Arbeiten ist in der Mongolei ausgesprochen schwierig und die Tätigkeit eines ausländischen Unternehmens ist in der Regel (nach einer langen und schwierigen Anlaufzeit!) nur dann erfolgreich, wenn das Unternehmen einen eigenen kompetenten Vertreter vor Ort hat, der sein Fach versteht, über Fähigkeiten zur Improvisation verfügt und darüber hinaus mit der mongolischen Gesetzgebung vertraut ist.

Wesentliche Vorteile, die die Mongolei ausländischen Investoren bietet, sind politische Stabilität, niedrige Lohn- und Produktionskosten sowie zu weiteren rechtsstaatlichen und marktwirtschaftlichen Reformen entschlossene Regierungen. Gerade das Lohngefälle ist aber in Joint Ventures immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Der mongolische Arbeitnehmer versteht nicht, warum ein deutscher Arbeiter, der zeitweilig im Joint Venture eingesetzt ist, bis zum Vierzigfachen seines Lohns bekommt. Er anerkennt zwar den technischen Vorsprung seines deutschen Kollegen, kann sich aber die große Differenz nicht erklären. Dem Deutschen andererseits missfällt, das sich der Mongole nicht genau so intensiv „reinkniet" wie er. Es waren nicht immer nur freundliche Diskussionen, die wir in den vergangenen Jahren zu diesem Thema geführt haben.

Aus meiner Sicht hat die Mongolei für klein- und mittelständische ausländische Unternehmen in den vergangenen Jahren an Anziehungskraft gewonnen – allerdings vollzieht sich dieser Prozess sehr langsam und es kommt oft zu Rückschlägen. Das Verhalten mancher deutscher Unternehmen ist selbst für mich mitunter recht ungewöhnlich. Man nimmt sich als Investitionspartner so wichtig, dass man im Vorfeld alle Leistungen bis hin zu aufwändigen Marktanalysen umsonst haben möchte. Sollte anschließend eine positive Entscheidung fallen, könnte man sich ja revanchieren. Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Vorgehensweise in Deutschland zum Erfolg führt. Für die Mongolei hält man das offensichtlich für einen gangbaren Weg und bringt am Ende noch seine Verwunderung zum Ausdruck, dass es so nicht geht.

Noch fehlende Möglichkeiten zum Erwerb von Eigentum an Grund und Boden werden zuweilen als negativ angesehen, stellen in Wirklichkeit aber kein entscheidendes Investitionshemmnis dar. Es wäre aus meiner Sicht auch ein schwerwiegender Fehler, an ausländische Privatpersonen oder Unternehmen mongolischen Grund und Boden zu verkaufen. Vielleicht wird die Mongolei langfristig zu den Ländern gehören, in denen der Erwerb von Bodenflächen für Ausländer generell unmöglich ist? Langfristige Pachtmöglichkeiten sichern ausländischen Unternehmen rechtlich stabile Bedingungen für die Nutzung firmenrelevanter Flächen. Außerdem haben ausländische Firmen, für die dem Standort Mongolei überregionale Bedeutung zukommt und die über den heimischen Markt hinaus auch angrenzende Gebiete wie Ostsibirien und Nordchina bedienen oder in der Perspektive bedienen möchten, seit längerem Niederlassungen oder Vertreterbüros in Ulaanbaatar gegründet.

Abschließend sei mir noch eine Bemerkung zu der von deutschen Unternehmern immer wieder gestellten Frage nach dem Ausmaß der Korruption in der Mongolei gestattet. Anders als Deutschland hat die Mongolei eine geringe Bevölkerung – 2,5 Millionen. Über Jahrzehnte ist ein Netz an persönlichen Beziehungen und Verpflichtungen entstanden, das inzwischen selbst für „eingeweihte" Mongolen schwer zu durchschauen ist. Auch beobachte ich in meiner Arbeit zunehmend wechselnde „Koalitionen". Der Zustand des gegenwärtigen mongolischen Parlaments und in der Regierung dienen dafür als Beweis. Für einen Ausländer, der dieses System nicht oder nur in Teilen kennt, können sich dadurch kurzfristig und völlig unvorbereitet Probleme ergeben. Mir ist allerdings kein Fall bekannt, dass diese Probleme ein die Existenz bedrohendes Maß erreicht hätten, sondern es gab immer Mittel und Wege, um einen Ausgleich herbeizuführen. Stärker als in Deutschland scheint mir allerdings ausgeprägt, dass es Mongolen oft nicht gelingt, persönliche Unstimmigkeiten und gemeinsame Arbeitsanliegen voneinander zu trennen. Kurz und gut: Wer in Deutschland mit dem Problem der „Gefälligkeiten" fertig wird, hat in der Mongolei wenig zu befürchten.

Deutsche Mongolei Agentur
Dr. Klaus Bormann
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Last Update: 01. Januar 2008