Dr. Renate Bormann, Berlin

Botschafter Mandakhbileg in seinen
Amtsräumen am Hausvogteiplatz in Berlin
Nach vier Jahren und fünf Monaten neigt sich die Amtszeit des mongolischen
Botschafters in Deutschland Dr. B. Mandakhbileg dem Ende zu.
Das Bedauern darüber ist allerorten groß.
Seine freundliche Art im Umgang mit Partnern, Kollegen und Mitarbeitern gepaart
mit Erfahrung, Durchsetzungsvermögen und Gestaltungswillen haben ihm viel
Respekt verschafft.
Nach unserem Gespräch im September 2024 haben wir uns kurz vor seiner Heimreise
in die Mongolei erneut in seinen Amtsräumen am Hausvogteiplatz getroffen, um auf
seine Amtszeit zurückzublicken.
MongoleiOnline (MO):
Herr Botschafter, wie blicken Sie auf Ihre Amtszeit in Deutschland zurück?
B. M.
Die knapp viereinhalb Jahre meiner Amtszeit fielen in die Amtszeit von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der bereits 2014 als Außenminister die
Mongolei besucht hat und als großer Unterstützer der Mongolei geschätzt wird.
Mein Beglaubigungsschreiben habe ich am 06. Dezember 2021 überreicht und wenige
Tage später nahm die Ampelregierung aus Grünen, FDP und SPD ihre Arbeit auf.
Olaf Scholz wurde Bundeskanzler.
Die Botschaft nahm umgehend Kontakt zu Außenministerin Annalena Baerbock und der
Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Svenja Schulze
auf, um Möglichkeiten für wohlwollende Aktivitäten zu besprechen.
Im Herbst 2022 wurde die direkte Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen,
die im Frühjahr 2020 reduziert und mittelfristig beendet werden sollte.
Angesichts der veränderten internationalen Bedingungen, spielt die Mongolei für
die deutsche Außenpolitik sicher nicht eine hervorragende Rolle, vielleicht
rangiert sie auf Platz 50?
Ein Höhepunkt während meiner Amtszeit waren die Feiern zum 50. Jahrestag der
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Mongolei und der BR Deutschland
im Januar 2025.
Gute Grundlagen dafür schufen die offiziellen Besuche des Bundespräsidenten in
der Mongolei und des damaligen Ministerpräsidenten L. Oyun-Erdene in
Deutschland.
Ein weiterer Erfolg war zweifellos die Vereinbarung der strategischen
Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern im Rahmen des Staatsbesuchs von
Frank-Walter Steinmeier in der Mongolei im Februar 2024.
Bereits 2008 war mit Deutschland als erstem EU-Land eine „umfassende"
Partnerschaft vereinbart worden.
Die Mongolei hat in den vergangenen 35 Jahren erfolgreich ihre Außenpolitik
diversifiziert. Wir streben gute, auf gegenseitigem Vorteil beruhende Kontakte
zu Japan, Südkorea, Indien, den USA und Europa an und natürlich nehmen die
Beziehungen zu unseren unmittelbaren Nachbarländern Russland und China einen
besonderen Raum ein.
Die Beziehungen zu Deutschland reichen 100 Jahre zurück, die Schlacht bei
Liegnitz einmal ausgeklammert.
1926 entsandte die damalige mongolische Regierung junge Mongolen und Mongolinnen
zur Ausbildung nach Deutschland.
Dieses Erbe fand durch die Partnerschaft mit der DDR ihre Fortsetzung und hat
sich im vereinten Deutschland weiter positiv entwickelt.
In Fortsetzung dieser Tradition werden auf Initiative des Präsidenten im Jahr 33
mongolische Stipendiaten aus nicht wohlhabenden Familien nach Deutschland
geschickt.
Im Bundestag kümmert sich eine Parlamentariergruppe Deutschland-Zentralasien um
die Zusammenarbeit und den Austausch zu Fragen der Demokratisierung,
Zivilgesellschaft und Entwicklung.
Erstrebenswert wäre die Bildung einer deutschen-mongolischen
Parlamentariergruppe im Bundestag. Das würde den Dialog über wichtige Fragen der
Kooperation in Sicherheit, Wirtschaft, Kultur und Politik sicher intensivieren
und zu messbaren Ergebnissen führen.
MO:
Hat sich Ihr Blick auf Deutschland verändert?
B.M.
Doch.
Die Parteienlandschaft hat sich verändert. Die AfD wird stärker, nicht nur im
Osten des Landes.
Auch das Straßenbild hat sich verändert.
Gewalt in der Öffentlichkeit wird zunehmend zum Problem.
Ereignisse wie die Anschläge auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg oder Axt- bzw.
Messerangriffe in Zügen, auf Plätzen und Straßen sind besorgniserregend.
MO:
Welche Vorhaben oder Projekte hätten Sie gern noch abgeschlossen?
B. M.
Leider konnte ich es nicht erreichen, dass 7 000 Staats- und
Behördenbedienstete ohne Visum nach Deutschland einreisen dürfen.
Innenministerin Nancy Faeser und auch ihr Nachfolger Alexander Dobrindt berufen
sich auf Jahre zurückliegende Vorfälle in Istanbul (Drogenschmuggel durch
Mitarbeiter des mongolischen Generalkonsulats in Istanbul. MO).
In den meisten europäischen Staaten wurden die Restriktionen zurückgenommen.
In Russland und China sind sie (die 7 000 „Mitentscheidungsträger") durchaus
willkommen.
Eine Beeinflussung dieser doch nicht unwichtigen Personengruppe im Sinne
Russlands und Chinas ist nicht auszuschließen.
Im Systemwettbewerb vergibt Deutschland da vielleicht eine Chance auf
Einflussmöglichkeiten.
MO:
Welche Themen dominierten in der bilateralen Zusammenarbeit und wo sehen Sie
das größte Potenzial?
B. M.
Seit jeher wünschen wir uns intensivere wirtschaftliche Kontakte zwischen
Deutschland und der Mongolei.
In der deutschen Wirtschaft herrscht eine zögerliche Haltung gegenüber der
Mongolei vor.
Fehler unsererseits haben dem Vorschub geleistet.
Nennen möchte ich nur den Windpark Sainshand oder den Umgang mit Rio Tinto.
Gründe für mangelnde Investitionsbereitschaft liegen nicht nur in
Infrastrukturproblemen und extremen klimatischen Bedingungen, sondern auch am
„Filz" zwischen Behörden und Energieunternehmen. Kohleunternehmen fordern „keine
Experimente!".
Die Reise der damaligen Parlamentarischen Staatssekretärin im BMWK Franziska
Brantner (seit 2024 Co-Vorsitzende von Bündnis90/Die Grünen. M.O.) im
Juni 2023 in die Mongolei diente der Stärkung der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit insbesondere in den Fragen Rohstoffe und erneuerbare Energien.
Unsere Hoffnungen in der Mongolei beruhen jetzt auf dem neuen Energieminister,
der aufgeschlossen gegenüber Reformen im Energiesektor ist.
Wie in Deutschland hat es auch in der Mongolei einen Regierungswechsel gegeben.
Die Regierung Uchral versammelt junge Leute, die keine Dogmatiker sind.
Wir waren ständig im Gespräch mit deutschen Unternehmen, z. B. bezüglich der
Errichtung einer Goldschmelze in der Mongolei durch ein deutsches Unternehmen.
Eine Investitionsentscheidung ist noch nicht gefallen.
Bei kleineren Investitionen sieht es günstiger aus.
Allerdings hat der Krieg in der Ukraine dem Handel massiv geschadet,
Transportwege sind verschlossen und unsicher.
Trotzdem sind unsere Exporte nach Deutschland um 2 Prozent gestiegen,
hauptsächlich liefern wir Kaschmir und Schafwolle.
Zusätzlich zur Wildberry Handelsgesellschaft mbH in Bonn, plant eine Hamburger
Firma den Import und Vertrieb von Chinggis-Wodka.
Das größte mongolische Getränkeunternehmen APU produziert und vertreibt „Kaltenberg"-Bier
in Lizenz von der König Ludwig International GmbH & Co. KG.
MO:
Welchen Missverständnissen und Vorurteilen sind Sie in Deutschland begegnet
und was denken die Mongolen über die Deutschen?
B. M.:
Neben ihrer immer noch vorhandenen Bewunderung für Deutschland, denken die
Mongolen, die Deutschen seien zu dogmatisch, nicht sehr flexibel.
Ich selbst kann kaum über Irritationen berichten.
Allerdings kann ich die Haltung einiger deutscher Ministerien gegenüber der
Mongolei nicht ganz nachvollziehen.
Wegen eines Einzelfalles werden Entscheidungen blockiert. Mitunter sind
lediglich Unwissenheit über die Rechtsverhältnisse in der Mongolei der Grund
Aber wahr ist auch, die Mongolei hat ihre Hausaufgaben zu machen und
Fehlverhalten ihrer Entscheidungsträger zu unterbinden.
MO:
Was hat Sie während Ihrer Amtszeit besonders nachhaltig negativ belastet?
B. M.:
Nach dem Besuch W. Putins in der Mongolei erreichten uns 200 E-Mails von
empörten deutschen Bürgern, in denen der Staat Mongolei und wir als Personen zum
Teil übel beschimpft wurden.
Nach der 200. Nachricht haben wir den Zugang gesperrt.
Die Mongolei ist von ihren direkten großen Nachbarbarländern Russland und China
abhängig. Sie kann ihre geopolitische Lage nicht ändern und unsere Regierung hat
für die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Bevölkerung zu sorgen.
MO:
Wie hat sich die Arbeit im diplomatischen Dienst in den letzten Jahren
verändert?
B. M.:
Die Bedeutung der Mongolei im internationalen Kontext nimmt angesichts der
Krisen in der Welt ab.
Die internationale Bühne wird von Krisendiplomatie beherrscht.
Die Mongolei spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.
Die Weltordnung zu Zeiten eines Präsidenten Elbegdorj und einer Kanzlerin Merkel
war eine andere. Durch den gemeinsamen Einsatz der Bundeswehr und der
mongolischen Streitkräfte in Afghanistan konnte sich die Mongolei internationale
Anerkennung erwerben.
MO:
Haben Sie und Ihre Familie Gelegenheiten nutzen können, andere europäische
Länder kennenzulernen?
B. M.:
Wir sind sehr gern nach Prag und Warschau gereist und natürlich war ich oft
zu Gast in Brüssel, schon aus dienstlichen Gründen.
MO:
Welche Begegnungen bleiben Ihnen besonders in Erinnerung? Was waren Ihre
liebsten Orte in Deutschland?
B. M.
Alle kann ich gar nicht aufzählen, da fehlt die Zeit.
Deshalb nenne ich nur wenige.
Berlin-Pankow mit dem „Sonderzug"; in Köln besonders der Norden, die Heimat der
„Kölner Mongolenhorde"; München mit dem Oktoberfest; das Eichsfeld, die Heimat
unseres guten Freundes Manfred Grund, bis 2025 Bundestagsabgeordneter; nicht
vergessen will ich natürlich unseren „Stützpunkt" in Schönefeld mit dem
Bayangol-Park.
MO:
Herr Botschafter, vielen Dank für das Gespräch.
Für die Zukunft wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und viel Erfolg
bei all Ihren Vorhaben.
Und natürlich hoffen wir auf ein baldiges Wiedersehen.
Das Gespräch führte Renate Bormann am 14. April in Berlin.
https://hauptstadtecho.de/zum-abschied-des-mongolischen-botschafters-s-e-herrn-mandakhbileg-birvaas/

Feierliche Verabschiedung von Botschafter Mandakhbileg und seiner Frau
Enkhburd in Wassmannsdorf
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Last Update: 05. Mai 2026