Freiflug für vier Falken
Nach zwölf Wochen Asyl im Berliner Grunewald

Von Hugo Kröpelin / Berlin


Dort steht es schwarz auf weiß: Artenschutz! Deshalb musst Du nach Hause © Hugo Kroepelin

Offiziell exportiert die Mongolei Falken. In arabischen Scheichtümern kann das devisenschwache Land mit den Raubvögeln gute Erlöse erzielen. Auch mongolische Wilderer und Händler lassen sich etwas einfallen, um ihren Schnitt am Naturreichtum ihrer Heimat zu machen. Nach offensichtlich schlampiger Kontrolle auf dem Flugplatz Buyant-Ukhaa machte eine Logistikpanne in Moskau jedoch das letzte illegale Geschäft der Wilderer im Jahre 2000 zunichte. Am 18. März traten vier Falkenweibchen in komfortablen Doppelkäfigen von Berlin aus den Heimflug an.

Angekommen waren acht Vögel der Art „falco cherrug" am Heiligen Abend 2000. Im Gepäcklager des Flughafens Berlin-Tegel wurden Zollbeamte auf einen Koffer aufmerksam, aus dem seltsame Kratzgeräusche zu hören waren. Auf dem Koffer-Röntgenschirm vergewisserten sie sich, dass es sich nicht um gefährliche Tiere handle. Die Öffnung des Gepäckstücks gab Aufschluss: in dem von drei Hartfaserplatten aufgeteilten Koffer waren vier Mal zwei Falken 7000 Kilometer von Asien nach Mitteleuropa geflogen.

Der oder die Wilderer hatten den Vögeln Kappen aufgesetzt, sie mit Schnüren über den Flügeln und an den Füßen gefesselt und die Bündel zusätzlich in Stoffsäcke gesteckt. In dem perforierten, mit einer dichten Gaze überzogenen Koffer fanden Zöllner und Grenzveterinär einen toten Vogel vor. Einer starb unmittelbar nach der Befreiung. Sechs Falken kamen in die Greifvogel-Auffangstation im Grunewald. Nach drei Monaten waren vier so weit genesen, dass sie den (passiven) Heimflug antreten konnten.

Vor ihrem „Einchecken" waren Journalisten ins Frachtcenter geladen. „Mit illegal eingeführten Schildkröten, Leguanen und anderen Reptilien sowie mit Pfeilgiftfröschen haben wir ja schon Erfahrungen", sagte Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz. „Aber Falken sind für uns eine absolute Neuheit." Zustande gekommen ist die Begegnung, weil der nach DUBAI adressierte Koffer in Moskau nicht umgeladen wurde, sondern im Airbus der MIAT verblieben war. Das Kriminelle dieses Falkenflugs erläuterte der Spandauer Amtstierarzt Heinz Jürgen Henning: Nur in Gefangenschaft gezüchtete Tiere dürfen als Jagdfalken verkauft werden. „Die müssen aber das Jagen noch lernen, deshalb sind in manchen arabischen Ländern Wildfalken wegen ihres angeborenen Jagdverhaltens begehrt." Im Prinzip sei der Falkenhandel spätestens im November beendet, aber nach Schätzung Hennings hätten die Empfänger pro Vogel noch 3000 bis 5000 US-Dollar gezahlt.

Dank der Zusammenarbeit mit den mongolischen Behörden sei es auch gelungen, so der Zollbeamte Christian Böhm, den Organisator des Schmuggels dingfest zu machen. Der muss nun auf mehrere Jahreseinkommen verzichten und sich vor Gericht verantworten. Er sollte wohl auch die Pflegekosten für die beiden verletzten Falken tragen, die weiter beschränkt flugfähig sind und im Grunewald ihrer Genesung entgegen sehen. In Deutschland warten auf Tierschmuggler bis zu fünf Jahre Gefängnis.


Ein Pärchen für zwölf Wochen © Hugo Kroepelin

Die mongolische Umweltbehörde wird die vier gesunden Vögel wieder an das raue Klima gewöhnen und sie wieder auswildern.

Übrigens war kein Vertreter der mongolischen Botschaft auf der Pressekonferenz zugegen, aber schließlich waren es ja Vögel ohne Pass und Visum, die wieder in die Heimat „abgeschoben" wurden. Bleibt zu hoffen, dass die mongolische Justiz das Urteil gegen solche Verbrechen öffentlich macht.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(März 2001)


   

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Last Update: 10. September 2006