So fing die mongolische Fußballsaison an:
Mit Ausländern, Prominenten, Mädchenteams und Faßbier
Von Hugo Kröpelin, Ulaanbaatar


© Hugo Kröpelin

Seit dem 15. Juli rollt in der Mongolei der Fußball für die Meisterschaft. Es ist eine ganz besondere Saison. Denn nachdem die sieben Mannschaften im September ihren Champion ermittelt haben, wird es ganz ernst: die Nationalmannschaft muß formiert werden für eine Premiere ganz besonderer Art. Zwei Jahre nach der Aufnahme der Mongolei in den Weltfußballverband FIFA treten die Kicker in der Asien-WM-Qualifikationsgruppe 10 gegen Saudiarabien, Bangladesh und Vietnam an. Die Saudis, schon einmal WM-Teilnehmer, werden sicher der schwerste Brocken sein, und nur die Gruppensieger kommen in die nächste Quali-Runde, um schließlich die beiden WM-Teilnehmer zu ermitteln.

Nichts lag also dem Mongolischen Fußballverband näher, als den etwa 2000 Zuschauern zum Auftakt der Landesmeisterschaft internationalen Fußball anzubieten. Dabei liefen nicht etwa Profis aus Russland, Japan oder Korea auf, sondern eine Multikulti-Truppe von in Ulan-Bator tätigen Ausländern, die höchstens dreimal im Jahr als Mannschaft zusammenspielt und dabei nicht frei von Besetzungssorgen ist. Aus Deutschland, dem Land des Ex-Welt- und Ex-Europameisters, lief zum Beispiel Werner Klöfer auf, Chef einer hiesigen Fleisch- und Wurstwaren GmbH und ein Mann mit Trainer- und Schiedrichterausweis, der früher Libero und Manndecker beim SV Kempten im Oberallgäu war. Oder Dr. Michael Frank, deutscher Mediziner und ein Computergenie, das die Zweikämpfe nicht scheute, und nicht zuletzt Toralf Pilz, ein Laufwunder mit Spielübersicht, guter Technik und scharfem Schuß. Der hatte seine Amtskollegen von der russischen Botschaft, die 1. Sekretäre Leonid Jegorow und Anatoli Oshegow samt Attache Ilja Khishik mitgebracht. Aus dem Diplomatenlager war auch Südkorea mit seinem Konsul Shi Shen Gü vertreten. Peter Loeb von der Lufthansa-Vertretung wollte beim Aufwärmen noch das Tor hüten. Doch als ihm die ersten Bälle seiner Vorderleute um die Ohren pfiffen, nahm er doch lieber eine Verteidigerposition ein, wo er manchen Angriff vereiteln half. Zwischen die Pfosten stellte sich der mongolische Trainer Tumenbajar. Ebenfalls Gastspieler in der Verlegenheitself war Mr. Nassanbukh vom US Peace Corps.

Ihr Gegner waren Prominente und Altrepräsentative des Gastgeberlandes, die eine volle Reservebank aufzuweisen hatten. Noch-Regierungschef und Verbandspräsident Amarjargal sowie sein Verbandssekretär Ganbold hatten nach dem Einmarsch der sieben Klubs und dem Hissen der FIFA-Flagge noch Reden halten müssen, dann aber flugs den Anzug mit der Fußballerkluft vertauscht. Erwähnenswert auch der Vizechef der Verkehrspolizei, Pionier, etliche gerade abgewählte und neu berufene Parlamentarier, drei Firmendirektoren und schließlich ein Sänger und ein Musikus der Erel-Hurd-Band.

Das Match war recht ansehnlich. Der Rasen war nicht frisch geschnitten, so dass der Ball nicht allzu schnell wurde, was den Lungen der kaum trainierenden Spieler durchaus entgegenkam. Bei den Gästen hielt Werner Klöfer die Abwehr zusammen, die dem Gegner in der ersten Halbzeit kaum eine Lücke bot. Allerdings wurden vorn drei dicke Chancen versiebt, bevor Ilja Khishik kurz nach Wiederanpfiff den mongolischen Libero stehen ließ und das Leder flach versenkte. Später trat ihm sein Gegner, der wie alle dem SchiRi vor dem Anpfiff faires Spiel in die Hand versprochen hatte, 13 Meter vor dem Tor kräftig vor das unbewehrte Schienbein. Letzteres brach nicht, aber statt Elfmeter pfiff der Mann in der schwarz-gelben adidas-Montur nur Freistoß. Dafür hob er schon mal die Basecaps auf, die die Männer von Multikulti gegen die knallende Sonne aufgesetzt hatten und hin und wieder im Eifer der Zweikämpfe verloren. Der Ausgleich lag einmal in der Luft, aber es blieb bei der Luft, denn die Gastgeber konnten einen Handelfmeter nicht verwandeln. Das 1:1 besorgte später der Regierungschef, und dabei blieb es bis zum Schlußpfiff nach 2x20 Minuten. So kam das Publikum noch in den Genuß eines Elfmeterschießens. Rein, gehalten, daneben, rein, gehalten, drüber rein, – am Ende hatten die Ausländer mit ihrem einheimischen Keeper die Nase vorn. Ob 6:5 oder 7:6 – eine Anzeigetafel gibt es im Zentralstadion noch nicht – spielte da keine Rolle mehr. Ein 30-l-Faß vom KhanBräu, dessen Direktor Gankhuu auf dem Platz ebenfalls eine ordentliche Partie bot, war der verdiente Lohn für beide Mannschaften. Die Revanche der Gastgeber für das 1:2 am 1. Juni war nicht geglückt.

Geglückt scheint aber der Versuch, zumindest in der Hauptstadt Mädchen für „Khulbumbug“ zu begeistern. Wenn auch hin und wieder ein zartes Bein etwas ungelenk in der Luft stocherte – mit Sechser-Mannschaften über 2x10 Minuten auf dem Kleinfeld ist der Anfang gemacht. Wenn erst zweimal elf Mädchen 90 Minuten lang auf dem Großfeld um das Leder kämpfen ... doch seien wir nicht ungeduldig, da wächst doch gerade die erste Generation Fußball spielender Frauen heran!

Der Auftakt der Männer endete mit einem 4:2 von Ertschim gegen Shiguur. Die Elf der Kraftwerker, die Kohle verfeuern, war der MIAT-Mannschaft, die ihre Maschinen mit Kerosin antreibt, in allen Belangen überlegen. Nimmt man noch die Sonntagsresultate hinzu (Khangard – Bajangol 3:2 und Heineken – Sonor 7:2), dann haben die Zuschauer beider Tage doch zum Meisterschaftsstart ein richtiges Torfestival erlebt.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(Juni 2000)


   

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Last Update: 10. September 2006