Premiere in Deutschland:
Mongol Free Press Party mit R.Gontschigdorj
Ein nächtlicher Kiosk bot sechs Blätter aus Ulaanbaatar

Von Hugo Kröpelin / Berlin


Für eine Nacht ein mongolischer Zeitungsladen in Berlin. 
Seine Initiatoren N.Nyamtsooj (l.) und D.Batjargal
© Hugo Kroepelin

Eine mongolische Zeitung am Kiosk ? In den 80-er Jahren gab’s am Ostbahnhof und den S-Bahnhöfen Friedrichstraße  und Karlshorst die „Unen“ für Pfennige. In der DDR konnte man alles aus dem Ostblock abonnieren. Aber heute: DDR weg, Ostblock weg und alle subventionierten Blätter auch. Russische Zeitungen sind teuer, einige in Deutschland gedruckte etwas billiger. Und mongolische? Gar nicht auf dem Markt! Dabei ist die mongolische Kommune viel größer als damals.

Doch das könnte sich ändern. SUPER-Journalist Batjargal hat zum 10. Jahrestag der freien mongolischen Presse schon mal 2500 Zeitungen einfliegen lassen. Und um die unter die Leute zu bringen, hatten er und sein Partner, der Geschäftsmann N. Nyamtsooj eine pfiffige Idee: Sie machten aus der Cafe-Bar „Walden“ im Berliner Prenzlauer Berg für eine Nacht einen Zeitungskiosk und feierten mit rund 200 Landsleuten eben diesen Jahrestag.

Höchster Partygast war kein geringerer als der frühere Vizepräsident der (noch: Volks-)Republik und Sprecher des Parlaments von 1996 bis 2000, Radnaasumbereliin Gontschigdorj. „Wer frei denken will, braucht eine freie Presse“, betonte er in einer kurzen Ansprache. Im März 1990 gehörte Gontschigdorj zu den Mitbegründern der Sozialdemokratischen Partei, jetzt hatte er gerade knapp zwei Wochen Lektionen in Heidelberg und Bonn hinter sich. An die Zeiten zurück zu denken, als die Medien noch von der Partei gelenkt wurden, bringe nichts, sagte er. „Denkt nach vorn!“ forderte er das vorwiegend junge Publikum auf, „und holt den Fortschritt in die Heimat.“

Der Wäschekorb mit den Zeitungen war bis Mitternacht leer, und lange noch sah man, wie sich wissbegierige Mongolen bei Steppensuppe mit Bandnudeln und Fleisch oder Khuuschuur mit Niislel-Salat in die Lektüre vertieften. Bei „Eruul Mend“ erfuhren sie, was Kinder bis zu drei Jahren am besten essen sollten, „Mongolyn neg udur“ befasst sich mit den Kosten und den Ergebnissen des Besuchs von Präsident Bagabandi in Indien und Nepal. Ex-Finanzminister B. Baabar ist unter die Dramatiker gegangen und hat schon sein erstes Stück geschrieben, weiß „Deedsiin Amdral“. Das Blatt druckt auch ein Interview mit Gontschigdorj über den Weg zur neuerlichen Demokratischen Partei, in der sich die National- und die Sozialdemokraten nach dem Machtverlust mit drei kleineren Parteien zusammen geschlossen haben.


Starkes Interesse für den neuen mongolischen Blätterwald 
– auch die Journalistin Ina Beyer war nach ihrer Reise im Sommer 2000 gespannt, 
was sich in der Mongolei tut
© Hugo Kroepelin

 „Seruuleg“ befasst sich wie andere Blätter zum Jahresbeginn mit dem immer noch nicht aufgeklärten Mord an S. Zorig und druckt eine Anzeige der Carl-Duisberg-Gesellschaft. Deren Niederlassung in der Olympiastraße erwartet bis zum 9. Februar die Bewerbungen für den nächsten Management-Lehrgang. Die „Gelbe Zeitung“ erinnert an den Besuch des Präsidenten im Bayankhongor. Mit dem Auto war er gekommen, mit dem Flugzeug reiste er wieder gen UB, und die „Aimgiinkhan“ durften das Präsidentenauto wieder in die Hauptstadt bringen. Diese Nachricht wird auf Seite 1 angekündigt und ist auf Seite 2 nur drei Sätze lang. Die SUPER hat mit der Nr. 01/2002 auf der Titelseite die stilisierten Fische aus der Soyombo durch einen Orden ersetzt. Der Mongolische Jugendverband dekorierte das erst sieben Jahre alte Blatt mit dem „Arbeitsruhm“ – der erste Orden für eine Zeitung nach dem Sozialismus. Für alle, die in Deutschland Deutsch lernen wollen, druckt die SUPER das Lehrprogramm und die Aufnahmebedingungen der „HARTNACK-Schule, Berlins größter Sprachenschule“.dSchließlich ein Blick in „Urt Tschich“: Hier macht der Verdiente Schauspieler  Batsukh seinem Herzen Luft, dass ihm die Fans manchmal auf den Wecker gehen. So hat ihm doch eine Schülerin der 8. Klasse einen Liebesbrief geschrieben!

Genug der Presseschau – sie war willkommen, denn die Disco eignete sich kaum für eine mündliche Unterhaltung. Mongolische Blätter - davon können die Mongolen in Deutschland bald mehr haben. Vielleicht bringt ihnen die Post bald Zeitungen nach Hause. Batjargal und Nyamtsooj haben nicht nur die genannten Blätter zu bieten, sondern auch „Khumuus“, „Deedsiin khureelen“, „Super“, „“Khan“, „Khongorzul“, „Noyod ba khatagtai“, „Notstoi medee“, „Khukh tolbo“, „Khuviin amdral“ und „Khuviin soyol“. Es könnten auch andere Zeitungen bestellt werden. Noch erforschen die Beiden den Markt und sammeln die Wünsche. Denn wie Transport mit der MIAT funktionieren soll, muss nach ausgehandelt werden, und wie Vertrieb in Deutschland funktionieren soll, darüber zerbrechen sie sich auch noch die Köpfe.

Wer eines der genannten Blätter bestellen möchte, kann dies  anmelden auf den Mobiltelefonen

0173 614 65 49 oder
0174 276 72 73 oder
per e-mail auf batja316@hotmail.com

Elf Gäste des Abends haben schon auf dieser Party ausgesorgt: Bei der Verlosung gewannen sie auf ihre Eintrittskarten Halbjahres-Abonnements.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(Januar 2001)


   

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Last Update: 10. September 2006