Zwei deutsche Radler wagten
sich bis in die Geierschlucht
Von Hugo Kröpelin, Ulaanbaatar


© Hugo Kröpelin

Begegnungen sind oft Überraschungen. Als wir mit dem UNIMOG den kleinen Campingplatz erreicht hatten, von wo aus es noch zwei Kilometer bis zum Gletscher sind, trafen wir auf zwei europäische Radfahrer. Die kamen gerade aus der Geierschlucht, wo das „ewige“ Eis zwei Tage zuvor weggetaut war. „Das sind bestimmt Holländer!“ „Oder vielleicht doch Belgier?“ Also hingehen und ansprechen! Herausstellte sich: So positiv verrückt, sich mit dem Rad durch die Mongolei zu quälen, können eben nur Deutsche sein.

Falk Bierwirth, 26 und studierter Hotelbetriebswirt aus Hamburg, und Marko Seltmann, 25 und Student der Elektrotechnik aus Dresden, waren schon zweieinhalb Wochen (!) im Lande unterwegs. „Wir sind total auf Selbstversorgung eingestellt“, erzählt uns Falk, als sich die kleine Yakherde gemächlich in eine höhere Region der kühlen Schlucht verzogen hatte. „Selbstversorgung muss ein, denn das Delguur (Laden) in der tiefen Provinz bietet nur Promille des Sortiments an, an das sich die Menschen in der Hauptstadt gewöhnt haben.“ Beispiele: Mal kein Zucker, mal kein Tabak, mal keine Glasnudeln. Von Obst und frischem Gemüse ganz zu schweigen. Ich erspare mir die Aufzählung dessen, was die beiden „an Bord“ haben und was den Tritt in die Pedalen zusätzlich erschwert. Unbedingt erwähnenswert ist der Wasserkanister. Der wurde am fließenden Bach wieder aufgefüllt und auf einem kleinen Hänger verstaut. „Vielleicht fahren wir uns mal wieder gegenseitig über den Weg“, sagte Marko, als er den Hänger an seinem Rad befestigt hatte.

Der Glücksfall, nochmal ausführlicher miteinander reden zu können, stellte sich leider nicht ein. Jedesmal, wenn es in der Gobi wieder tüchtig regnete – die Gobi-Landschaft glich stellenweise einer Seenplatte -, dachten wir an die beiden. 30 bis 50 Kilometer wollten sie pro Tag schaffen. Und etwa 2000 Kilometer hatten sie noch vor sich, über Bajankhongor und das Khangai-Gebirge zurück nach Ulaanbaatar. Auf ausgefahrenen Pisten, die über die Felge voll Wasser stehen oder die statt eines festen Untergrundes nur Mahlsand boten. Und keine noch so genaue Landkarte zeigt an, welche scharfkantigen Steine die Gebirgspfade prägen, über die in einer Woche vielleicht gerade mal vier Jeeps oder ein Lkw fahren.

Hut ab vor Euch beiden ! Eine glückliche Heimkehr wünscht Euch die deutsch-israelische UNIMOG-Besatzung.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(August 2000)


   

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Last Update: 30. Dezember 2017