Mit Karate fing alles an
Heiße Spuren aus Barleben und Magdeburg in Ulaanbaatar
Systemhaus betreut Netzwerke deutscher und mongolischer Firmen

Von Hugo Kröpelin / Ulaanbaatar

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"Das beherrschen wir, diesen Service können wir verkaufen"
sagt D. Amgalanbaatar, Chef der Magisterfiliale in Ulaanbaatar © Hugo Kroepelin

Ulan-Bator - Delegdorj Amgalanbaatar ist eigentlich Ingenieur für Maschinenbau und Konstruktionstechnik mit Diplom der Otto von Guericke-Universität Magdeburg. Entscheidend aber für seine Karriere wurde eine Begegnung beim Karatetraining. Hier traf der junge Mongole, dessen Eltern aus dem reinen Agrarbezirk Bayankhongor stammen, Dr. Dieter Böhm. Der Geschäftsführer der Magister Computer Systems GmbH in Barleben erkannte die Begabung des talentierten Studenten und bot ihm einen Nebenjob. Seit August 1999 leitet dieser die neue Magister-Filiale in Ulaanbaatar.

Eingemietet hat sich das Systemhaus in früheren Räumen des Revolutionären Jugendverbandes. "Wir betreuen seit kurzem die Netzwerke der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die hier mehrere Außenstellen hat", berichtet der 28-jährige Diplomingenieur. Als Kunden hat er jüngst das Justizministerium und die oberste Kulturbehörde gewonnen. "Wir machen auch Computerschulungen vor Ort in den Firmen" fügt er hinzu. Die Kunden kämen nicht etwa durch die Werbung in den Medien, sagt Amgalanbaatar. "Auf Netzwerkbetreiber zugehen und Angebote unterbreiten, das ist der bessere Weg." Auch andere in der Mongolei ansässige deutsche Firmen sind auf den guten Service von "Magister" Amgalanbaatar aufmerksam geworden.

Die Werkstatt ist ein kleiner Raum, der Platz bietet für Netzwerktechniker und Programmierer. Aus einem GTZ-Projekt hat ist gerade ein Computer in Reparatur. Nicht viel größer ist der Arbeitsplatz der Buchhalterin. Von ihr geht es zum zweiten Geschäftsbereich, der Ausbildung.

Der Andrang ist an dem sommerlicher Vormittag schwach, Ferien- und Urlaubszeit haben begonnen. Nur zwei der 16 Computer sind besetzt. Frau Scharkhuu Ninj-Khorol, die Deutschlehrerin, kontrolliert gerade die Monitore der beiden jungen Frauen, die unter Kopfhörern nach einem CD-ROM-Progrann Deutsch lernen. Sie setzen fehlende Satzteile ein oder beantworten mündlich Fragen. "Für Englisch haben wir zwei Lehrerinnen", erzählt der junge Geschäftsführer. "Die Computerausbildung machen wir selbst."

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Deutschkurs am Computer gibt es bei "Magister" in Ulaanbaatar 
© Hugo Kroepelin

Ein Monat Ausbildung kostet zwischen 50 und 60 Mark, verrät Amgalanbaatar, "damit liegen wir noch weit unter den Spitzentarifen." Der Durchschnittsverdienst im Lande liegt bei etwa 80 Mark. "Da muss man schon eine Firma hinter sich haben oder von einem Nebenjob etwas auf die hohe Kante legen." Aber auch für die Mitarbeiter der Magister-Filiale koste ein Tag Ausbildung in Microsoft 2000 immerhin 900 Mark.

Mit gewisser Genugtuung holt Amgalanbaatar die Investitionsurkunde von Dr. Böhm über 40 000 US-Dollar aus der Schublade: "Damit hat er hier neun Arbeitsplätze geschaffen und eines der führenden Systemhäuser von Ulan-Bator etabliert."

Überhaupt engagiert sich der Barleber Geschäftsführer stark für das zentralasiatische Land. Zwei Computer für das Mongolische Rote Kreuz trugen ihm die Ehrenmitgliedschaft ein. Als er von der Winterkatastrophe für die mongolische Viehwirtschaft hörte, beschaffte er Medikamente und Präparate. Anfang September gehörte Dr. Böhm zu den Teilnehmern der Deutsch-Monglischen Kontaktbörse in Ulaanbaatar. Mitgebracht hatte er Cheftechniker von Magister Deutschland, der Mitarbeiter der dortigen Filiale schulte und neuestes Know how vermittelte.

Erst Anfang November war der von Dr. Böhm ins Leben gerufene "Verein zur Verbreitung der mongolischen Kultur in Deutschland" Gastgeber eines mongolischen Abends mit einem höchst informativen Lichtbildervortrag. Dr.Klaus Koppe, Mongolist an der Universität Leipzig, zeigte Aufnahmen aus drei Jahrzehnten, die den Wandel in der zentralasiatischen Republik ebenso wie die Wahrung kulturelle Traditionen deutlich machten.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(November 2000)


   

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Last Update: 10. September 2006