WORLDVISION-Kinderpatenschaften

„Temuulel“ zieht um und baut aus
Von Hugo Kröpelin, Ulaanbaatar


© Hugo Kröpelin

Nun steht das Haus in Songinokhairkhan leer. Die 22 Kinder sind mit Betten und andere Möbeln, Küchengeräten, Schul- und Spielzeug nach Dambadardsha, an den neuen Standort im Osten von Ulaanbaatar gezogen (Foto). „Die Stadt hatte uns Haus und Grundstück zur Nutzung überlassen, wir hatten es mit Eigenmitteln renoviert“, erzählt Jan Felgentreu, der für MISEREOR das Straßenkinderprojekt „Temuulel“ (Sehnsucht) betreut. „Mit der Hilfe zur Selbsthilfe hat das Projekt nach zwei Jahren ‚laufen gelernt‘ und trägt sich selbst.“ Dass sich die Behörde im Zuge der Privatisierung von der Immobilie trennen wollte, tut den „Temuulel“-Bewohnern nicht sonderlich weh. Die Kriminalität sei dort größer gewesen, sagt der deutsche Sozialarbeiter. „Zum Beispiel hatte man mehrfach bei uns eingebrochen und hatte Werkzeuge und Tiere geklaut. Zum andern hatte das Grundstück keine Nachbarn, der niedrige Zaun war für niemand ein Hindernis.“


© Hugo Kröpelin

Dambadardsha ist ein typisches städtisches Jurtenviertel, in dem ein reger Bauboom herrscht. Das Grundstück für die Straßenkinder mit einem einstöckigen Haus hat „Temuulul“ dank deutscher Spenden für 5000 Dollar erstanden. Von drei Seiten in Nachbarn eingebettet, haben sich die Kinder mit Beginn der Schulferien hier eingerichtet. In der Küche (Foto) sorgen Sainzaja und Sugar für das nächste Mittagessen. Nebenan wächst unter der Regie des 23jährigen Mjagmarshaw ein zweistöckiges Holzhaus (Foto) heran. Dort sollen ab August unten die Tischlerwerkstatt und oben die älteren Kinder untergebracht werden. Der älteste Junge der
Gruppe, dessen Eltern verschollen sind, ist seit fünf Jahren bei „Temuulel“ und hat in der Zeit eine gute Ausbildung als Holzfacharbeiter erhalten. „Auf den kann ich mich verlassen, was den Bau betrifft“, sagt Felgentreu, dessen Wiege in Vorpommern stand. „Auf ‚Mega‘ hören die anderen Kinder und Jugendlichen.“

Auf dem Hof haben die Kinder ein Stück umgegraben und Radieschen und Petersilie sowie die ersten Blumen angesät. Offensichtlich für eine Terrasse hatte der vormalige Besitzer eine mit Betonkanten umfriedete Fläche gedacht. „Hier müsste unser Gewächshaus stehen“, schlugen die „Temuulel“-Bewohner vor. Hin und wieder, wenn der Bau am Holzhaus wegen fehlenden Materials oder wie dieser Tage wegen des Umzugs ruht, reifen detaillierte Pläne für die 4 x 5 Meter große Fläche, auf der im nächsten Jahr Tomaten und Gurken für den Eigenbedarf gezogen werden sollen.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(Juli 2000)


   

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Last Update: 10. September 2006