Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
28. Mai bis 3. Juni 2007

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Papas Kamera war ihm lieber, als der bunte Luftballon

Entscheidung über Nyamdorj - Rücktritt verschoben
Die Mitglieder des Ständigen Ausschusses Staatsorgane haben am 30. Mai mehrheitlich gegen einen Rücktritt des Parlamentsvorsitzenden Ts. Nyamdorj gestimmt: Zehn der anwesenden 14 Mitglieder stimmten gegen und vier für einen Rücktritt.
Die Fronten treten nicht klar zutage, wie die Parlamentssitzung am 31. Mai zeigte.
An diesem Tag versammelten sich die Abgeordneten, 60 von 76, um über das „Urteil" des Verfassungsgericht abzustimmen.
Die MRVP-Abgeordneten hielten sich in der Diskussion auffallend zurück. Dafür äußerten Mitglieder der DP-Fraktion ihre Besorgnis darüber, dass das Verfassungsgericht offenbar mehr politische Entscheidungsbefugnisse anstrebe.
Nyamdorj widersprach entschieden Meinungsäußerungen, wonach er in den Sitzungen des Verfassungsgerichts Mitglieder seiner Partei beschuldigt habe, den Spruch des Verfassungsgerichts „bestellt" zu haben.
Am Nachmittag des 31. versammelten sich die DP-Abgeordneten hinter verschlossenen Türen und erschienen nicht mehr zur Nachmittagssitzung.
Schließlich wurde die Parlamentssitzung abgebrochen und auf den 05. Juni verschoben.


Präsident Enkhbayar überreicht den Verdienstorden an B. Baasansuren. Die anderen Ausgezeichneten, v.l. Z. Tumenjargal, Ch. Dambajav, D. Choijamts

31. Mai 2007
Am Vormittag finden im Gandankloster die offiziellen Zeremonien zum „Ikh Duitsen Udur" (Empfängnis, Erleuchtung, Eingang ins Nirwana von Buddha Shakyamuni) statt. Hauptakteure: Ikh Lam Choijamts und Präsident Enkhbayar.
Am selben Tag wird ebenfalls in einem Festakt mit Präsident, Klosteräbten und dem Oberbürgermeister von Ulaanbaatar, der Grundstein für das neue Nationale Kultur- und Religionszentrum gelegt.
Im Großen Saal des Regierungspalastes treffen sich auf Initiative der weiblichen Mitglieder des Abgeordnetenhauses und unter der Schirmherrschaft des Präsidenten 800 Trägerinnen des Mutterordens. Der Orden wird seit 1960 an Mütter mit mindestens fünf Kindern (Rang II) und an Mütter mit mindestens acht Kindern (Rang I) verliehen. Die Abgeordnete T. Gandi räumte in ihrer Rede ein, dass die Belastungen für Mütter unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen besonders hoch seien, Renten und Beihilfen unzureichend.
Im Kleinen Soyombo-Saal überreicht Präsident Enkhbayar an verdienstvolle Bürger - Künstler, Wissenschaftler, hohe Lamas – Titel und Orden. Die Geehrten sind der Abt des Gandanklosters, Großlama D. Choijamts, der Abt des Dashchoilon-Klosters, Oberlama Ch. Dambajav, der Kinderbuchautor Z. Tumenjargal und der Biologe B. Baasansuren.
Nebenan tagen die Abgeordneten des Großen Staatskhurals, um über den Verbleib ihres Vorsitzenden im Amt zu diskutieren.
Besuchergruppen schlendern durch das Regierungsgebäude, darunter Schüler aus dem Bayantsogt-Sum im Zentralaimag.
Vor dem Gebäude demonstrieren Kreditgenossenschaftsgeschädigte und blockieren einen Nebeneingang, aus dem Haupteingang strömen Kinder in Festkleidung, beladen mit Obst, Süßigkeiten, Spielzeug und Getränken.
Auf dem Sukhbaatarplatz finden die Veranstaltungen anlässlich des Weltnichtrauchertages statt.


Kindertag 2007

„Das ist unser Tag"
Der Mütter- und Kindertag am 01. Juni wird in der Mongolei als offizieller Feiertag begangen.
Eine Million Einwohner hat Ulaanbaatar, am 01. Juni konnte man meinen, alle 2,6 Millionen Bürger der Mongolei hatten sich in der Hauptstadt versammelt.
Kinderpartys vor dem Schauspielhaus, vor dem Kinderpalast, vor dem Zirkus und natürlich auf dem Sukhbaatarplatz. Gesponsert werden die Veranstaltungen von großen mongolischen Firmen, von Prominenten wie Sumogroßmeister Dagvadorj und vom Staat. Es wird einiges geboten: Zirkus der Spitzenklasse, Wettspiele, Konzerte für Kinder und Jugendliche, Quizrunden und das auch bei Mongolen sehr beliebte Karaoke.
Eine besondere Attraktion war die Eröffnung des ersten Wanderzirkus in der Mongolei.
Zwei Clowns und dressierte Hunde aus Russland sowie Artisten aus China und der Mongolei bestritten die erste Vorstellung auf dem Sukhbaatarplatz. Wegen Schwierigkeiten an der chinesisch-mongolischen Grenze konnten ein Tiger, ein Elefant und ein Pfau leider nicht rechtzeitig nach Ulaanbaatar gebracht werden.
Am 01. Juni galt ein generelles Alkoholverbot. Weder in Restaurants, noch in Geschäften durften alkoholische Getränke jeglicher Art verkauft werden.

Kinderarbeit
Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Mongolischen Staatsuniversität hat kürzlich Untersuchungsergebnisse über die Situation von Kindern in „Ninja"familien (illegale Goldgräber) vorgestellt.
Offiziellen Angaben zufolge graben 46 000 Mongolen illegal nach Gold und anderen Bodenschätzen. Zu diesen 46 000 gehören 10 000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf! und 17 Jahren. Sie leben fast das ganze Jahr über in Hütten oder Zelten in der Nähe der Grabungsplätze.
Jedes vierte dieser Kinder leidet an Atemwegs- und Erkrankungen der Gelenke.
25 Prozent der Kinder leben und arbeiten ohne Elternfürsorge oder andere Betreuung.
Sie sind schutzlos Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt.
Vor wenigen Monaten wurden zwei Brüder im Zaamar-Sum (Zentralaimag) beim Goldschürfen verschüttet, der 12-jährige jüngere Bruder starb bei dem Unfall.
Regierung, nationale und internationale Organisationen wollen seit Jahren helfen, die Probleme zu lösen. Die Zahl der Kinderarbeiter wächst jedoch von Jahr zu Jahr.

Diskussionen um politisches System
Seit geraumer Zeit werden die Diskussionen um mögliche Änderungen am politischen System der Mongolei lauter.
Die Führungsakademie hatte zum Thema: „Das politische System der Mongolei und seine Vervollkommnung" einen Workshop organisiert.
Namhafte Juristen und Wissenschaftler erörterten die Vor- und Nachteile des Präsidial- gegenüber dem parlamentarischen Regierungssystem.
Der ehemalige Ministerpräsident D. Byambasuren würzte seine Ausführungen mit Zitaten von Th. Roosevelt (1858-1919): Fisch oder Fleisch sei unwichtig, der Mensch muss es essen wollen und Deng Xiaopings (1904-1997): Egal, ob schwarze oder gelbe Katze, die Hauptsache, sie fängt Mäuse.
Die Mehrheit der Teilnehmer lehnte das Präsidialsystem zwar nicht rundweg ab, wiesen jedoch gleichzeitig darauf hin, dass der Bevölkerung in einem parlamentarischen System mehr Mitspracherecht eingeräumt werde. Es käme darauf an, den Parlamentarismus in der Mongolei zu stärken. Gegenwärtig würde der Große Staatskhural seiner eigentlichen Aufgabe und Funktion nicht gerecht.

Verbesserung der Wasserversorgung
Im 9. Wohnviertel des Bayangolduuregs wurde mit Hilfe von Rotary International ein Tiefbrunnen gebaut, aus dem 10 000 Einwohner mit Wasser versorgt werden können. Bisher erfolgte die Versorgung im Viertel durch Wasserwagen.

Trockentoiletten für Gersiedlungen
Das Projekt ist Teil des Stadtentwicklungsprogramms der Regierung und wird von der deutschen Regierung unterstützt. Realisiert wird es von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.
Am 25. Mai präsentierten GTZ-Landesdirektor M. Marschke, der Staatssekretär im Bauministerium Gankhuu sowie die Programmdirektorin, R. Erlbeck, die ersten Exemplare der „ECOSAN"-Trockentoiletten für einige Khashaa (Gehöfte) im Sukhbaatar-Duureg.

Wem gehört die „Dybowski"?
Nach wie vor ist unklar, wer für das im November 2006 im Khuvsgul gesunkene Schiff „Dybowski" verantwortlich ist. Einmal ist die Rede vom Vizedirektor des Zentrums für Mineralogie in Novosibirsk, ein anderes Mal von der Universität in Ulan-Ude. Oder ist es vielleicht doch ein Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der Mongolei?
Es bleibt die Frage, wie das Schiff – kein Spielzeug – auf den See gekommen ist?
Der Gouverneur des Khankh-Sums hat Berichten widersprochen, denen zufolge das versunkene Schiff große Mengen an Treibstoff verloren habe, wodurch das Seewasser vergiftet und als Trinkwasser ungenießbar geworden sei. Tiere seien ebenfalls nicht verendet und die Bewohner von Khankh hätten die Regierung auch nicht verklagt.
Spezialisten untersuchen das Wasser auf Schadstoffe und prüfen Möglichkeiten, mögliche Schädigungen zu beseitigen.
Beobachter fragen sich, welches Ziel die Schiffsbetreiber verfolgten. Suchten sie nach wertvollen Mineralien?

Kampf gegen Umweltschädigung im Khongor-Sum
Der Darkhan-Uul-Aimag fühlt sich bei der Beseitigung der Schäden, die durch in den Boden und ins Wasser gelangte Giftstoffe verursacht wurden, von der Zentralregierung nicht genügend unterstützt.
Die gründliche Säuberung der durch Quecksilber, Cyanide und Natriumcarbonat kontaminierten Flächen sei in vollem Gange, sehr aufwändig und teuer.
Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzuschätzen und offenbar nicht auf den Khongor-Sum beschränkt.
Große Mengen des belasteten Bodens wurden auf das Gelände von „Boroo Gold" transportiert, wo es zunächst ordnungsgemäß gelagert werden kann.
In einer Schnapsfabrik in Khongor wurde illegal Gold gewaschen.
Zwei Mongolen und ein Chinese sitzen in Untersuchungshaft, der Sumgouverneur und der Vorsitzende der Bürgerversammlung (Kreistag) sind von ihren Posten abgelöst worden.


Regierungspark

Neues Parlamentsgebäude
Zum 800. Gründungsjubiläums des mongolischen Staates hat Kuwait der Mongolei 12 Millionen USD für die Errichtung eines neuen Parlamentsgebäudes zur Verfügung gestellt.
Das Problem bestand darin, einen geeigneten, nicht zu weit entfernt vom Zentrum Ulaanbaatars gelegenen, Standort zu finden.
Nun soll das Gebäude im Park nördlich des Regierungspalastes gebaut werden.
Offiziell wird zwar von einer Vergrößerung der Grünfläche gesprochen.
Kritiker bezweifeln das. Mit dem Park verlören die Hauptstädter eine der letzten größeren öffentlichen Grünanlagen.

Investitionsschutzabkommen muss überarbeitet werden
Der Nationale Rat für Sicherheit hat den Regierungsentwurf für ein Investitionsschutzabkommen mit „Ivanhoe Mines" an die zuständige Arbeitsgruppe zurück gegeben. Es seien noch einige Präzisierungen nötig.


Itala 40 von 1907 in Ulaanbaatar 2007

Oldtimer erreichen Ulaanbaatar
Ab dem späten Nachmittag des 30. Mai erreichten die Teilnehmer an der 3. Automobil-Rallye von Peking nach Paris die mongolische Hauptstadt. Die letzten kamen am 31. abends an.
Von den 129 gestarteten Fahrzeugen konnten 110 am 02. Juni ihre Fahrt Richtung Kharkhorin (Karakorum) fortsetzen, darunter das älteste, ein Mercedes von 1903 und die Italas 40, Baujahr 1907.
Am Samstagmorgen wurden die Fahrer vor dem Opern-und Balletttheater feierlich verabschiedet. Eine Polizeikapelle spielte flotte internationale Weisen, der Oberbürgermeister D. Batbayar hielt eine Rede, die Hauptstädter sowie überraschte und begeisterte Touristen spazierten zwischen den Autos umher, ihre Kameras einmal nicht auf das Chinggis-Denkmal, sondern auf die klassischen Automobile gerichtet. In so großer Zahl werden sie sicher nicht so schnell wieder zu Gesicht bekommen.
Die Oldtimerrallye, die Anfang Juli durch die Mongolei führen wird, umfasst etwa 30 Fahrzeuge, sie ist ebenfalls dem 100. Jahrestag Peking-Paris gewidmet
.

Sh. auch „100 Jahre ‚Großes Rennen’ Peking-Paris" – R.B.


   

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Last Update: 01. Januar 2017