Rede des Bundesministers des Auswärtigen Dr. Klaus Kinkel beim Abendessen mit dem mongolischen Staatspräsidenten Ochirbat am 24. Oktober 1996 in Ulaanbaatar


Es gilt das gesprochene Wort:


Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr verehrte Damen und Herren!

Wir alle danken Ihnen sehr herzlich für Ihre freundliche Begrüßung und Ihre großzügige Gastfreundschaft.
Ich freue mich, heute mit meiner Delegation Ihr Gast zu sein.
Schon seit dem ersten Augenblick fühlen wir uns hier wohl umsorgt.
Mit Ihrem "Airag", der berühmten Stutenmilch, haben wir auch schon Freundschaft geschlossen!

Schon lange hatte ich den Wunsch, Ihr Land besuchen zu können, besonders nach unserem Treffen letztes Jahr in Deutschland.
Die historischen Leistungen Ihres Volkes, seine besondere Lebensform mit Ihrer stolzen Tradition der Reiter, Ringer und Bogenschützen haben uns Deutsche seit langem besonders fasziniert.
Natürlich ist Dschingis Khan jedem in Deutschland ein Begriff.
Wir wissen von dem großen Mongolenzug nach Westen.
Wir wissen aber auch, daß die Mongolen mit ihrem Weltreich, dem größten, das die Menschheit je gesehen hat, auch Frieden stifteten.
Die Pax-Mongolica hat im 13. und 14. Jahrhundert die Kulturen des Fernen Ostens und des Abendlandes zum ersten Mal zusammengeführt.
Marco Polo war am Hofe des großen Mongolenfürsten Khublai Khan in Peking zu Gast

Aber auch in der Neuzeit gibt es zwischen unseren Völkern manche Berührungspunkte.
In den zwanziger Jahren studierte Ihr großer Schriftsteller Natsogdorj mit anderen jungen Mongolen in Deutschland.
Der "ewige blaue Himmel" über der Mongolei ist für uns sprichwörtlich geworden für die Weite und Schönheit Ihrer Heimat im Herzen Asiens.
Und Ihren Olympia-Erfolg in Atlanta haben viele bei uns mit Freude mitverfolgt.
Einige Ihrer Sportler haben sich ja bei uns in Deutschland auf die Olympiade vorbereitet.
Wir haben uns gefreut, daß wir ein bißchen helfen konnten.

Wir hatten heute sehr gute und freundschaftliche Gespräche.
Unsere Auffassungen liegen in allen wichtigen Fragen sehr nahe beieinander.
Das ist eine ausgezeichnete Grundlage für den weiteren Ausbau unserer Zusammenarbeit in allen Bereichen.
Unsere beiden Länder haben vom tiefgreifenden politischen Wandel der letzten zehn Jahre in hohem Maße profitiert.
Wir Deutsche haben die Vereinigung, das mongolische Volk hat seine volle Unabhängigkeit gewonnen.
Mit bewundernswertem Erfolg hat Ihr Land zu seiner eigenen kulturellen Tradition zurückgefunden und dem politischen und wirtschaftlichen Reformprozeß in Gang gesetzt.
Wie Deutschland setzt sich die Mongolei für die Nichtverbreitung atomarer Waffen ein.
Dies begrüßen wir nachdrücklich.

Die Mongolei hat ihren eigenen, wichtigen Platz im Asienkonzept der Bundesregierung.
Die "Gemeinsame Erklärung", die anläßlich Ihres Besuches im September 1995 in Deutschland unterzeichnet wurde, stellt unsere Beziehungen auf eine breite Grundlage.
Deutschland hat von Anfang an den Weg der Mongolei hin zur Demokratie nicht nur mit Worten unterstützt.
Unsere Entscheidung, gleich im Februar 1991 einen Botschafter des vereinigten Deutschland nach Ulaanbaatar zu entsenden, war richtig und wichtig.
Ihr Botschafter in Bonn, Herr Udval, war Teilnehmer unseres Ausbildungskurses für junge Diplomaten in Berlin-Treptow.
Er ist ein vorzüglicher Repräsentant Ihres Landes.

Viele tausend Mongolen haben in der ehemaligen DDR ihren Beruf und die deutsche Sprache gelernt.
Sie sind mit unserem Land besonders vertraut.
Hierauf wollen wir weiter aufbauen.
Deshalb fördern wir die Kulturelle Zusammenarbeit unserer beiden Länder durch Vergabe von Stipendien an mongolische Studenten und Wissenschaftler sowie durch Hochschulpartnerschaften.

Auch wirtschaftlich gibt es positive Ansätze.
Der Warenaustausch ist auf ca. 52 Mio DM gestiegen, in den beiden letzten Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten.
1995 wurden 8 neue Joint Ventures gegründet.
Deutsche Firmen arbeiten am Umbau des Flughafens und des Kraftwerks Darhan, an der Modernisierung des Telephonnetzes und der Eisenbahn.
Ein besonderer Erfolg war 1995 der Großauftrag für neue Eisenbahnwaggons aus Ammendorf.
Deutsche entwicklungspolitische Leistungen wurden in Höhe von rund 200 Millionen DM zugesagt.
Wir fördern die Reform der Wirtschaft, vor allem des privaten Sektors, die Aus- und Fortbildung und den Schutz der Umwelt.
Pro Kopf der Bevölkerung steht Ihr Land damit ganz vorne.
Insgesamt also eine erfreuliche Zwischenbilanz auf unserem gemeinsamen Weg.

Ich bin zuversichtlich, daß sich diese Maßnahmen bald als guter Grundstein für vertiefte Wirtschaftsbeziehungen erweisen.
Wir würden uns auch sehr freuen, wenn sich die Mongolei an der EXPO 2000 beteiligt, der ersten Weltausstellung in Deutschland.
Das wird das Weltforum für die großen Zukunftsthemen, die uns alle angehen.
Die Mongolei sollte unbedingt dabeisein!

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Gäste,
in Ihrer "Geheimen Geschichte" findet sich der schöne Satz:
"Himmel und Erde stärkten uns die Kraft!"
Lassen Sie uns diese Weisheit zum Motto unserer Partnerschaft nehmen!
Ich wünsche der Mongolei und ihrem großen Volk für die Zukunft Glück und Erfolg.
Trinken wir auf die deutsch-mongolische Freundschaft!


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Last Update: 04. Januar 2015